Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1908)
- Date
- 1908-01-31
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2692562-2692567--03752-2698493- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10. Zähren eine-Schneiderin, Paquin wurde als Schneider so reich, daß er vor einigen Jahren einer Gesellschaft für 12 Millionen Häuser verkaufen konnte. Aus -er Lehrerwett. Hannover. Am 1. Februar feiert der Sekretär und 2. Kantor unserer Gemeinde, Herr H o f s m a n n, sein 40jähriges Amtsjubiläum. RörSlingen. Nach 37 jähriger Amtstätigkeit kn unserer Gemeinde ist unser hochgeschätzter Lehrer Abraham Weiler verschieden. Der Verstorbene erreichte nur ein Alter von 56 Jahren. Aurich. Zum Unterhalt der tlrael. Volksschul e (Frequenz gegenwärtig 43 Kinder) bewilligte die Stadt einen jährlichen Beitrag von 1200 M ab 1. April. Breslau. Uebernahme einer jüdischen Schule durch die Stadl. — Der Magistrat hat.beschlossen, die „Industrieschule sür israelitische Mädchen" der jüdischen Gemeinde auf den Kommunal- Etat zu übernehmen. Die vicrklassigc Schule wird nunmehr ihren Ausbau in eine vollklassige "Anstalt erfahren: zu diesem Zwecke ist schon jetzt die Anstellung von noch 2 jüdischen Lehrerinnen in Aussicht genommen. Wien. Die Ausschußsitzung des Al lg. üsterr. israelitischen Bundes beschloß, ein allgemeines Pensionsstatut für jüd. Kultusa n g e st e l l t e und einen R o r m a l l c h r p l a n für den Religionsunterricht (mit besonderer Betonung des Hebräischen) ausarbeitcn zu lassen; sic beschloß ferner, die Ausgestaltung der L e h r c r b i l d n n g s a u st a l t der Wiener israel. Kultusgcineindc zu einer Bildungsanstalr für ganz Westösterrcich, für welche eine Bcihülfe des Staates gefordert werden soll, anzustreben. Pretzburg tllngain). Die für die diesige weltberühmte I e sch i w a, die einzige vom Staate anerkannte öffentliche Rabbinatsschulc Ungarns, jüngst geschaffenen Statuten haben die m inisterielle Bestätigung erhalten. — Rabbiner Dr. Hermann Klein in Kronstadt wurde zum Oberrabbiner der jüd. Gemeinde in S e r c t h (Bukowina) gewählt. Ans der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Für die Misrachi-Mittelschule in Palästina gingen ein: Dr. .Jeremias, Posen, Jahresbeitrag 10,— JL Martin Lcvigard, hier, Jahresbeitrag 10,— ,, Herr und Frau Dr. Albert Feuchtwanger, hier 20,— „ Frankfurt a. M. Bei der Kommission sür den jüdischen Nationalfonds gingen ein: Aus Büchsen von: Herrn Fritz Sondhcimcr 23,70 J6. Familie Halbreich, Schützenstraße 12 3,10 „ B. T., verlorene Wette 0,50 „ 27.30 JL Bei der Barmizwoh-Feier von Max Goitein, hier, Scilcrstraße 23a, gesammelt: je 1 Oelbauni in Herzlwald auf den Namen Max Goitein 6,— JL Frau Dr. Goitein, Kopenhagen 6,— „ Frau Hermine Schneider, Oberorschcl 6,— „ Frankfurt a. M. Herr Dt. Bloede -Hamburg, ein hervorragender Redner, wird am 1. Februar, abends 9 Uhr, im Zentralhotel in Gießen, über das Thema „Vom Ghetto zum Zionismus" und am 2. Februar, abends 9 Uhr, im Hotel Jsenberg in Marburg, über das Thema „Die Juden als Rasse" sprechen. Fulda. Letzten Samstag abend hielt in der hiesigen zion. Ortsgruppe Herr Zahnarzt B ü t o - Alsfeld einen Vortrag über Jungjüdische Literatur. Redner 'gab stets erst eine kurze Biographie des Dichters und rezitierte dann einige seiner Gedichte, sodaß sich das Publikum, das den saal bis zum letzten Platz füllte, unbeeinflußt seine eigene Meinung über die Bewertung jedes einzelnen der in ihren Werken vorgeführten Dichter bilden konnte. Eine weihevolle Stimmung hielt die Versammlung in Banden und wirkte noch nach, als der Vortrag beendet war. Hamburg. Bor Eintritt in die Tagesordnung ermahnt der Vorsitzende, Herr Dr. Kalmus, die Anwesenden, doch eifrig dafür zu agitieren, daß Mitglieder und Gesinnungsgenossen, die noch nicht für den Parteifonds gesteuert heben, dieser Pflicht schleunigst Nachkommen. Zugleich ersucht er die Mitglieder, dem Beispiele unserer englischen Gesinnungsgenossen folgend, in den nächsten drei Monaten bei Gelegenheitsspenden, wo irgend möglich, anstatt die anderen zionistischen Institutionen, nur noch den Parteifonds zu berücksichtigen, da' dessen Stärkung zur Zeit als die wichtigste Aufgabe oer Einzelarbeit eines Zionisten zu bezeichnen sei. Sodann erhielt das Wort Herr D r. Blöde zu einem Referat über die Sitzung des großen Aktionskomitees. In seiner bekmmten geistreichen Art entrollt der Redner ein anschauliches Bild von dem gegenwärtigen Stande der zionistischen Arbeit Mit den Beschlüssen des' A.-K. ist er im Großen und Ganzen einverstanden, die Gründung der Landentwickelungsgesellschaft bildet ein Frankfurter Israelitisches FamilienKatt. verheißungsvoller Anfang für die Schaffung einer im besten Sinne des Wortes bodenständigen jüdischen Bevölkerung in Palästina. Dagegen kann er die beschlossene Gewährung eines langfri st igcnDarlehusausden Mitteln des Nationalfonds an eine jüdische Häuserba ugescllschaft in Jaffa nicht billigen. Die Tätigkeit dieser Gesellschaft liege zu wenig im Rahmen der Aufgaben des Nationalfonds. Dieser muß außerdem bestrebt sein, seine Mittel möglichst flüssig.zu halten. Hierauf folgte ein ebenso interessanter wie lehrreicher Vortrag des Herrn Dr. Waschitz über die jüdische Politik in Galizien. Auf Grund seiner intinien Kenntnis der Personen und Verhältnisse entwarf der Redner in kurzen Worten ein fesselndes Bild von der höchst erfreulichen Umwandlung, die in der Psyche der jüdischen Massen in Galizien, nicht zu kleinen Teilen dank der zionistischen Agitation, in den letzten Jahren vor sich gegangen ist. Die zionistischen Abgeordneten im Reichsrate Haben durch ihr gesamtes Auftreten viel zur Hebung ^des Ansehens der Juden, sowie zur Stärkung ihrer Selbstachtung beigetragen. Daß die zionistische Tätigkeit die rein zionistische nicht geschädigt habe, gehe daraus hervor, daß die Zahl der Schckclzahler sich gerade in dem entsprechenden Zeitraum erheblich vermehrt hat. Krakau. Als Parteivlatt der zionist. Organisation in Ä a l i z i c n ist das hebräische Wochenblatt „Hamizpoh" erklärt worden. Die Vorsteher des Krakauer Zion. Distriktskoiiiitees bilden die Redaktionskommission und bestimmen gemeinsam mit dem Redakteur Lassar die volitische Richtung des Blattes. Lemberg. Bor einer Volksversammlung v>:n 1500 Menschen, ber auch Baurat Oskar Marmore!- Wien beiwohnte, sprachen unter lebhaftem Beifall die zionistischen Reichsratsabgeordnetcn Tr. Gabel und Dr. Stand über die Leistungen der Jüd. Klubs in der abgelanfencn Session. Dr. Stand erwähnte in seiner Rede, daß bei der Wahl eines Antisemiten znnr Präsidenten zwei israel. Mitglieder des Polcnklnbs leere Zettel abgaben und zwei den Saal verließen, anstatt sür den Kandidaten des Fortschritts und der vcrciiligtcn Opposition zu stimmen. Als Erfolge der Tätigkeit des Jüd. Klubs führte Tr. Stand an, daß sich die Anerkennnng der jüd. Nationalität an den Universitäten und bei der kommenden Volkszählung, wie auch die Acnderuiig der Sountagsriihcvorschriftcn ans dem besten Wege zur befriedigenden Lösung befinden. London. Walter Nathan, Schatzmeister der Englischen Zionistischen Föderation, hat wegen Mißhelligkoiten mit seinen Kollegen sein Amt nicdergclegt. Chicago. Rabbiner Dr. F e l s e n t h a l, ein sehr angesehenes Mitglied.der Zion. Bewegung, starb in: Alter von 86 Jahren. Felsenthal wurde in Münchioeiler geboren, besuchte das Gymnasium in Kaiserslautern, studierte in München und war dann Lehrer in Steinbach. 1854 ging er nach Amerika. Hier war er erst Rabbiner in Madison, dann lbei der Sinai-Gemeinde und von 1864—87 bei der Zion-Gemeinde in Chicago. Felsenlhal war schriftstellerisch überaus tätig; neben zahlreichen Zeitungsartikeln sind von ihm 8 Broschüren jüdischen Inhalts erschienen. Ans den Vereinen. Frankfurt a. M. Das V ereins fest des „Tiseres Bachnrim" erfreute sich eines solch' starken Besuches, daß viele insolgc Ucberfüllung des Saales nieder umkehren mußten. Der Vorsitzende, Herr Hermann Golds ch m i d t, eröffnetc nach einem fein empfundenen Violinvortrag des Herrn Hermann Hirsch mit der Festrede den Abend. Er schloß geistreiche im den vor wenigen Tagen gefeierten Chamischo-osor-brschwat, dcni Neujahrsfest der Bäume, an, der, während in der Natur noch der strenge Winter herrscht, von uns Juden gefeiert wird und uns so die Mahnung gibt, nicht auf die äußerlichen, sondern auf die inneren Vorgänge unser Auge zu richten. Was heute noch ein kahler Baum ist, kann morgen nur sprießen, wenn es sich bereits lange vorher im Innern geregt hat. Am 15. Schwat beginnt der Saft wieder in die. Bäume zu steigen; Stufe für Stufe klinmft er dann cmpor, häufig noch znrnckgehaltcn von der Unbill des Wetters, vor der Außenwelt noch verborgen, bis die Zeit gekommen, wo das junge Leben die schützende Hülle ungefährdet durchbrechen darf, durchbrechen darf zur freien Entfaltung nach gegebenen Gesetzen. Redner zieht dann eine Parallele zwischen den: Werden des Baumes und dem des Menschen und leitet dann zu der Tätigkeit des „Tiferes Bachurim" über, der das Seinige dazu tun will, junge Menschenpflanzen zu kräftigen, von gesunden Säften durchzogenen Männern zu entwickeln, — und zwar ans dem Boden und nach deni zur wahrhaft freien Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit gegebenen Gesetzen der von den Vätern überlieferten Thora. Außer dem Vorsitzenden hielten noch Ansprachen die Herren: Rabbiner Dr. Jakob Horovitz, der im Namen seines Vaters, des Ehrenpräsidenten des Vereins, sprach- Heinrich Eisemann als Vertreter des Brudervereines „Nachlaß Zwi", auf den Nr. 5 erfreulichen Zusammenschluß der 22 orthodoxen jüdischen JUgendvereine Deutschlands hinweisend, Sally Mi ch e l, dessen Worte besonders dem Leiter des Samstag-Ncichmittags-Schinr, Herrn Hermann Frankenthal, galten und Prof. Adolf Weyl, der um 12 Uhr, veranlaßt durch den mit dcni beginnenden Tage beginnenden Geburtstag Sc. Majestät des deutschen Kaisers, den Kaiscrtoast nusbrachtc. Auch der unterhaltende Teil des Festes war sehr mannigfaltig. Tischlieder (verfaßt von Lazarus Horovitz,.En gen Neuberger,Sally Michel mid Hermann 'Goldschmidt), Kouplets (Siegfried Oppenheimer und Leo Kurz), Rezitationen (Heinrich Eise m a n ii und Sally Rosenheime r), Gesang (Kantor «schwär z), ein Mnsikvortrag (PanlRödel hei in er, Hermann Hirsch, Ern st Schneider, Jakob Japhet und Lazarus Horovitz) und eine humoristische Duo - Szene (Sally Wc il und GabrielPlaut) folgten in bunter Abwechslung. Die Klavierbegleitung des Herrn Kantor N e n m a n n war wie imnier taktsicher und gut empfunden. Frankfurt a. M. Der Verein „Mekor Chajim" hielt am 19. Januar seine diesjährige General-Versammlung ab. Dem umfangreichen Berichte, der vom Vorsitzenden Herrn Marcus Hirsch erstattet wurde, entnehmen wir folgende Daten: Der Verein .zählt nach dem Nettoznwachs im vorigen Jahre von 41 Mitgliedern nunmehr 324 Mitglieder. Es wurden wie üblich auch in diesem Jahre trieder geeignete Rundschreiben 'an die aus der -Schule eiitlasseucn jungen Leute, sowie an die in den hiesigen Geschäften tätigen Lehrlinge versandt, um ihnen den Eintritt in den Verein zu empfehlen. Diese Zirkulare hatten in vielen Fällen den gewünschten Erfolg. Die Tätigkeit des Vereins bewegte sich in den bewährten bisherigen Bahnen, die regelmäßigen Schiurim in Gemoroh, Mischnajis, Dinim, Mikroh, Propheten usw. hatten sich, stets'' eines guten Besuches zu erfreuen. Neu in das Dozentenkollcgiuin traten ein die Herren Dr. Raphael Breuer (populär-wissenschaftliche Vorträge) und Dr. Joseph B r e u c r (Gemorohj. An sonstigem Bemerkenswerten heben wir noch die Mitteilung hervor, daß eine teilweise Lokalvcränderung für die Schiurim, die sich am Sabbat deni Abend- und Morgengottesdienst anschließen, nötig wurde. Diese Schiurim finden nunmehr im Hörsaalc der Gemeinde-Synagoge, Friedberger Anlage, statt. Die Eintragung des Vereins in das Vereinsregistcr haben wir bereits seiner Zeit berichtet. Der Vorsitzende hatte in der Einleitung in längeren Ausführungen, Ziele, Zwecke und bisherige Erfolge des Vereins gezeichnet, doch können wir es unterlassen, darauf im detail einzugehen, da, wie wir hören, der Jahresbericht demnächst gedruckt sämtlichen Vereinsmitglicdern zugehcn soll. Bei den Vorstandswahlen wurden die satzungsgemäß ausscheidenden Herren M. Hirsch, N. H v mb n r g e r und N. E s ch w e g e und die beiden Delegierte» I. Strauß und M. Goldschmidt wiedergcwählt. Frankfurt a. M. Der hiesige Talmud- Thora-Bcrein hielt am'28. ds. M. seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Kassier, Herr Martin Meyer, legte die Rechnungsablage vor, und wurde nach Prüfung derselben entlastet. Der Vorstand, bestehend aus den Herren E in a n u e l L e h m a n n, D r. I. Heinem a n n und Martin Meyer, wurde wieder gewählt. Der Vorstand sprach besonders seinen Dank Herrn Rabbiner Dr. M. Horovitz für seine dem Verein gehaltenen Vorträge aus und dankte auch den anderen Vortragenden, nämlich den Herren Lehrer Schwab, Rabbiuatsassessor Lypinski, Dr. Mainzer und Rabbinatskandidat Dreyfus. — Der Vortragszyklus am Freitag Abend schließt mit „Parschas Therumo". Die Vorträge am Samstag Nachmittag und Sonntag bleiben wie bisher auch im Sommer bei. Mitglieder-Anmeldnngen 'sind sehr erwünscht. Der Beitrag beträgt Jd 3 pro Jahr. Frankfurt a. M. Am Mittwoch vergangener Woche beendigte Herr Dr. Bon di im Jüdischen Frauen-Verein seinen Vortragszyklus über die Berufung Mauscheh'S. Der Vortragende benutzte diesen Eröffnuiigszyllus, um seine Zuhörerinncn mit dem Rüstzeug der Apologetik vertraut zu machen. Der Aufenthalt Israels in Egypten und die Ausübung der Wunder boten natürliche Anknüpfungspunkte. Die Ausführungen waren nachdrei Zielpunkten gerichtet. Es wurde gezeigt, daß die Wcsensvcrschiedenheit des Judentums vom Christentum es unmöglich macht, die von christlicher Seite auf die christliche Religion gerichteten Angriffe auch auf den Lehrinhalt des Judentums zu beziehen, daß die von der Kritik erhobenen Angriffe auf die Wahrhaftigkeit der biblischen Ueberlieferung von der Willkür konstruiert und wie sie mit Hilfe wohlfunbierter wissenschaftlicher Mittel zurück zu weisen sind, endlich, daß eine scharfe Prüfung der monistischen Hypothesen der Naturwissenschaft ihre schweren Jrrtümer aufdeckt und die Tätigkeit des erkennenden Geistesvermögens in seine angemessenen Grenzen zurück zwingt.