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Neue jüdische Presse · 1908-01-31 · Heft 5 (31.1.1908) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter JsraelitisHeS FamitienbtaÜ- Ar. 5 Während des Begräbnisses gebe man Geld an Arme. Man nehme eine» srommen Juden als Kadisch (also: der.das Kadisch sagen soll) auf. De» Grabstein bitte nach beiliegender Zeichnung im Auslande anfertigen zu lassen. Zur Erhaltung des Grabes und des Grabsteines ist eine kleine Dumme beim Fiskus zu hintcrlegcu. Das Geschäft solle unter der Firma „Moritz L'enditsohn L Sohn" geführt werden. Und was anbctrifft . . ." Und nun folgt ein Verzeichnis des Vermögens, die Rechnung der einznkassierenden Gelder, wie auch gute Ratschläge zur weiteren Betreibung der Geschäfte. 4. „Ich „M oritz Benditsohn >L> o y»" verlass? diese Welt nicht 'wegen zu dielen Vergnügens, nicht wegen Kuinmcr und «sorge, nur wegen — öder Leere! Eine große Maschine ist diese Welt; jedes Rädchen Hai da seine Bestimmung, seine Arbeit; wird ein Rad verdorben oder es hat seine Arbeit noch vor der festgesetzten Zeit beendet, so kommt cs von selber aus der.Maschine heraus, es wird vom Biel in ein Nichts verwandelt! Aristoteles war ein großer Weiser; die Natur kann Leere nicht ertragen! Ich kann nicht mehr leben, da ich hier nichts mehr zu vollbringen habe! Meinen Lebensanteil habe ich voll genossen, habe dcir Kelch des Glückes bis zur Neige geleert, habe gelebt und gelicbet, so viel mir beschicken war. Vieles hatte man mich wohl gelehret, nur langsam leben, das Leben nicht rasch genießen, dies lehrte man mich nicht. Ich besitze nichts auf Erden, nichts was mich jrsseln, nichts tvas mich festhalten könnte. Nichts wurde mir versagt, alles erwarb ich ohne Mühe und Sorge, ohne Arbeit — sowohl Dinge, als Menschen, Männer wie Frauen ... Jeder schmeichelte mir, aber ich besaß keinen einzigen Freund. Jede hat mich umarmet — und ich liebte keine. Ich erbte ein großes Vermögen und dieses vermehrte sich ohne mein 'Zutun. Oft sehnte sich mein Herz nach Kummer, gerne hätte ich gekämpft, gerne etwas geleistet, allein die Aerztc rieten mir Spaziergänge, Sport . . . statt Leben, wirkliches Leben, bot man mir Surrogat,, gefälschtes Leben und gefälschte Arbeit... Ich machte große Reisen, bewunderte viele schöne Gegenden, aber keine war mir teuer; ich sah viele Länder, aber keines war mein . . . Ich sprach viele fremde Sprachen, keine einzige ging mir zum Herzen. Völker und Sprachen tauschte ich wie Handschuhe. Die ganze Welt staub wir zu Gebote, — nur ich verstand nicht, sie festzuhalten, meine Arme waren zu kurz, um sie zu umarmen. Eine Welt beherrschen konnte ich nicht... Und was zu beherrschen in meiner Macht war, dies alles fand ich schon vorbereitet, schon geordnet, mir blieb nichts mehr zu tun übrig. Alles wurde für mich 'besorgt, alles für mich gekauft; das Lächeln des Freundes, des Miß von roten Lippen . . . Alles, sogar der Kadisch für meinen Vater. — Höchstens habe ich noch manches nachbezaylt; aber geben, schenken, tvohltun, dies hat mich niemand gelehrt. Das Kleine ward mir zu klein, das Große zu groß — und ein Lebensziel war nicht vorhanden. Ich sterbe, weil ich überflüssig bin, ich habe kein Leben mehr, weder nach außen noch nach innen, weder physisch noch geistig, ich lebe schon lange nicht mehr. Schon lange, daß ich an nichts mehr Freude finde, aber.jetzt ist mir das Leben schon ganz zuwider. Der Arsenik steht auf dem Tische, der letzte Laöetrunk, der mich berauschen, aus dem ich nicht mehr erwachen werde... Solle ich wegen meines Vermögens etwas veranlassen? Wozu? Es war ja mein Unglück. .Bin ich vielleicht jemandem zu Dank verpflichtet? Nein, ich habe allen für alles bezahlt . . . Auch.für den letzten Trunk." Bunte Chronik. DerKindcr wegen. Zn der „Times", der angesehensten englischen Zeitung, finden wir in einem Newyorker Brief folgende interessante Stellen: Newyork war sogar in der Urzeit seiner Entwickelung, als es noch „Neu - Amsterdam" hieß, eine Gemeinschaft aus 'vielen Zungen, vielen Gebräuchen, vielen Sitten und vielen Bekenntnissen; es umfaßte damals eine Einwohnerschaft von 18 verschiedenen Sprachen. . . Jetzt, wo cs weder holländisch, noch englisch, aber ausfallend kosmopolitisch ist, bietet es neue und charakteristische Beispiele des ewigen Problems, das entstehen muß, wenn verschiedenartige Rassen sich bewähren. Die verschiedenen europäische» Gruppe» entsprechen sowohl in ihrer Zahl als auch in ihrer Lage der Zahl und der geographischen Lage ihrer Heimatsvölker in der alten Welt, aber außer diesem ,Meineuropa" findet man Gruppen der arideren Weltteile. Die Einwanderüngsfrage ist hier eine wichtige Existenzfrage, und es ist schon aus dieser» Gründe nötig, die jüdischen Einwanderer, namentlich diejenigen aus Rußland, die die größte Gruppe bilden, besonders hervorzuheben, nicht nur wegen der hervorragenden Nolle, die ihnen in Newyork zuerteilt ist, sondern, weil sie einen bestimmenden Einfluß ausüben müssen aus das Judentum in der neuen Welt und von da auf die ganze Erde . . . Den russischen Juden, eingepfercht in den engen Grenze», die ihnen 1813 zugewiescu wurden, scheint die lauge Seereise nicht weniger gefahrvoll als die Reise durch die Wüste einst ihren Ahnen, aber sie geben sich der göttlichen Führerschaft hin und komme» als großes Heer in dieses Land, das jetzt schon 15o/o aller Juden der Welt hat. In Ncivyork allein sind 80000V Mitglieder dieser Rasse, eine größere Zahl als je zuvor in einer Stadt zusammen war, größer noch als Jerusalem in seiner Glanzzeit umfaßte. Und wie befinden sie sich hier? Finden sie in Amerika ihr verheißenes Land, oder sind sie auch hier Fremdlinge und Wanderer, wie ihre Väter stets waren! Eines Tages, als ich das Ghetto durchstreifte, mkrkte ich,' wie zwei Kinder den Anschlagzettel vor einem jüdischen Theater eifrig studierten. Große Massen, hauptsächlich Juden, strömten in das Thcatergebäude, und man merkte es den Kindern an, daß nur die Geldfrage sie zurückhiclt, auch hineinzugchen. Auf der Säule stand groß gedruckt: ,,Der Kinder wegen." Ich dachte, es sei eine Kinderanfführung und merkte erst meinen Irrtum, als ich in Gescllschast meiner kleinen Freunde eine Tragödie des jüdischen Lebens auf der Bühne sah. Zuerst befanden loir uns in Rußland und hörten, wie verschiedene Elternpaare die Nachrichten besprachen, die sic von Amerika erhalten hatten und schließlich den Entschluß faßten „Der Kinder wegen" auszuwanöern. Wir kanren nach Amerika und ließen uns in Newyork nieder, sahen, wie die Kinder schnell amerikanisch wurden in Sprache, Kleidung und ganzen Art und gleichzeitig sich der jüdischen Religion und jüdischen Sitte entfremden, ihre Seelen verlierend, indem sie die Welt in Besitz nahmen. Und am Ende sahen wir die unglücklichen Eltern mit gebrochenem Herzen sich entschließen, zur Armut und Verfolgung zurückzukchreu „der Kinder wegen". Seitdem habe ich viele jüdische Theaterstücke gesehen, meistens nur Skizzen, aber ob tragische, ob komische, wenn sie auch fast immer nur die 'üugcnschcinlichstcn und oberflächlichsten Merkmale der Rasse darstellrn, so klingen sie beinahe alle in einen Mißton aus, und zwar infolge des anflösenden und demoralisierenden Einflusses der neuen Umgebung. Ich habe natürlich während 'meines Aufenthaltes viel vom wirklichen Leben der Juden gesehen — vieles Oberflächliche bemerkt, was bei manchen Beobachtern ausschlaggebend ist; aber cs wurde mir möglich, auch in das innere Leben cinzudringen, auch etwas von ihrer Sehnsucht in ihren Idealen, von geheimen Freuden und Leiden, Fehlern und Verbrechen zu sehen und von den Triebfedern, die dies alles verursachen, und so weiß ich, daß auch in Newyork, wenn man die Oberfläche durchbrochen hat, man den selben heftigen Sturm und Drang vorfinden ivird und dieselbe intensive Göhrung, wie in den engen russischen Grenzen. Ich habe hier Inden Amerika init derselben Inbrunst fluchen gehört, wie Juden Rußland fluchen, und ein hervorragender Jude, der sein ganzes Leben seinem Volke gewidmet, erzählte mir, daß »tauche Lehrer in Israel Columbus fluchen, daß er Amerika entdeckt, das vielversprechende Land, in das sie zogen und das sie gerne wieder verlassen möchten, um nach Rußland zurückzukehren; — „der Kinder tcegen". .In Rußland ist aber das Tor geschlossen; sie können also nicht, wenn sie auch wollten. In Amerika ist das Tor offen, — und ihre Kinder wollen nicht, wenn sie auch könnten. Aus der Geschäftswelt. Ansangs Februar eröffnet Herr Deutsch, der von streng orthodoxen Rabbinern empfohlen wird, ein erstklassiges 'Restaurant in Wiesbaden, Nerostraße 23. Herr Deutsch wird feinste Wiener Küche führen und auch sonst allen Ansprüchen eines erstklassigen Restaurants gerecht zu tverden sich bestreben. Wir wünschen dem Unternehmen, das für Wiesbaden ein Bedürfnis ist, reichen Erfolg. Gesundheitliches. Nie fühlt sich der Mensch wohl unbehaglicher, als wenn ihm eine Erkältung in den Gliedern steckt: Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit machen ihn unlustig und verdrießlich, er ist nicht krank, aber auch nicht gesmld. Bekanntlich hat aber in unserem schnellebigen Jahrhundert liiemand zum Kranksein Zeit, cs heißt daher, durch irgend ein gutes Mittel der Sache energisch 'auf den Leib rücke». Das beste Hausmittel für den Fall, das auch von den Aerzten mit Vorliebe empfohlen wird, ist eine ordentliche Schwitzkur. Allerdings ein etwas umständliches Verfahren, bei dem auch die.größte Vorsicht gebraucht werden muß, da bei allzuschneller Abkühlung das Leiden eher verschlimmert wird und man sich, wenn man ein Dampfbad außerhalb nimmt, Unterwegs sehr leicht erkälten-kann. Ein -wahres Vergnügen ist es dagegen, ein H e i ß l n f t - oder Dampfbad im „D a h e i mkabinett" zu nehme»; diesen äußerst praktischen Apparat sollte sich eigentlich jeder moderne Mensch anschaffen, denn seine Vorzüge sind sehr vielseitig. Während der Preis eines Schwitzbades in Anstalten sehr hoch ist, stellt.sich ein Schwitzbad im „D a h e i m - kabinett" nur auf 5 Pfg. Die Handhabung istleicht und praktisch, man kann sich ohne fremde Hilfe ein 83ab zurcchtmacheu. Vor allen Dingen auch ist 'die Sache sehr sauber und jede Gefahr der Ansteckung, die in öffentlichen Anstalten sehr groß ist, ist ausgeschlossen. Wer sich näher über die praktische Einrichtung des „Daheimkabinett" orientieren will, lasse sich von der Firma Fr. I. Sittig u. Co., Berlin, O r an ie nb u r g crstr a ß e 51, ausführlicheil Prospekt kommen, in dem auch andere empfehlenswerte Apparate, z. B. Gesichtsdampfapparat, Heißluftapparat für einzelne Körperteile usw. ausführlich beschrieben sind. VARAVICINI [l nlantfn.Dmboatfn] Innendekoration B'ridrnstr 1 Tel 4711 Kaiser JFrletlrlci» Quelle - Offenbach a. M. - Gegen Gicht nnd Rheumatismus bewährt. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem l-uach.) Samstag, den 1. Februar (— 29. Schwat): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 50 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 10 Min., in Berlin 5 Uhr 38 Min. Der Tl.vra-8lbsch»itt M i s ch p o t i m ist der erste, der ein größeres Kompendium von eigentlichen „Gesetzen" vorführt. Bisher war der Pentateuch fast ausschließlich geschichtlichen Inhalts. Mischpotim führt uns in das jüdische Zivil- und Kriminalrecht ein. Wir hören von Rechten und Pflichten des Dienst- Herrn, des Sklaven, der Magd, von Vergehen gegen Person nnd Eigentum des Nebeumeuschen, Verwundung, Beschädigung, Tötung des Nebenmensche», Verantwortung für Schaden, der durch Absichtlichkeit, Leichtsinn und Unvorsichtigkeit entsteht, durch Menschen und Tiere, an Menschen, an Tieren und leblosem Eigentum, bei gelieheneni und aufbewahrtem Gut, Veruntreuung desselben; Pflichten gegen den Feind, dem wir nicht Liebe versagen sollen, Vorschriften für das siebente Jahr, das sogenannte Brachjahr, die 8lnordnung der jährlichen drei Wallfahrten u. s. f. 8lll diese Gesetze bedürfen genauer Erklärung! Schlußteile der Sidra: Führung Israels durch einen Gollesbvten, nicht durch die Majestät selbst, falls das Volk sich widerspenstig zeigt. Besiegung der feindlichen Ureinwohner Palästinas; die Bundesschließung am Sinai vor dem Akte der Offenbarung: Versprechen des Volkes, gehorsam sein zu wollen, Aufbau von 8lltar und Denksäulen am Fuße des Berges, Besprengung Israels mit dem Blute des Bundes. Moses besteigt den Berg zu vierzigtägigeni Aufenthalt daselbst. (Bemerkung: Daß der Abschnitt erst hier, nicht bei der Erzählung der Gesetzgebung mitge'teilt ist, gilt als Beweis, daß die geschichtliche Reihenfolge in der Thora nicht eingehalten ist.) Einsegnung des Monats Adar - Rischauu oder 1. Adarmonats. Sonntag und Montag (2. und 3. Februar) ist Rausch-Ehaudesch. Offenbacber Druckluft=Anlage Telefon 123. Ottenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TeppiChrelnl0UIl(j. Briefkasten. SH. Der jüngst verstorbene Chefredakteur der „Neue» Freien Presse" Dr. Eduard Bacher war Jude. Trotzdem er der Sohn religiöser Eltern war, stand er dem jüdischen Leben gleichgültig gegenüber; nur für jüdische Wohltätigkeitsbestrebungen interessierte er sich gern. Gegen die Präsidentschafts-Kandidatur Tast's besteht in den New Parker jüdischen Kreisen deshalb so große Abneigung, weil er bei seinem Besuche in Petersburg wohl einen Trinkspruch auf den Zaren ausbrachte, mit keinem Worte aber — worauf man gerechnet hatte — der Judenmassakres Erwähnung tat. Tapezier a. Dekorateur SS? Dampf-Wasdumstalt Pani & Co,, 6. m.b. H. Telephon 1866. Hardenberestrasse 9. Disfr. Auskünfte! über Vermögens-, Familiena. Oesobäftsverhkltnisse, Beobachtungen, Ermittelungen an allem Plätzen der Welt. Grosse Detecüv;Zentrale!!! Telephon 4359, gST Sal*!*aus 6, I, 'HftU 9B5rm " .

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