Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1908-01-17 · Heft 3 (17.1.1908) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2692562-2692565--03726-2698464
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

zu Nr. Z llks Frankflirier "7 FaMMMs. Inhalt der Beilage: Personalien. — Aus der zionistischen Bewegung. — Aus den Vereinen. — Ans der Lrhrerwelt. — Aus der Geschäftswelt. — Vereins-Ka len der. Personalien. Frankfurt a. M. Anläßlich der Einweihung des Jnstitntsgebüudcs des Physikalischen Vereins wurde dem Direktor der Metallgesellschaft Leo E l - linger der Charakter eilies Kommerzienrates und dem Geh. Kommerzienrat Lev Ganz und dem Rentier Wilhelm Bonn der Rote A d l e r o r d e n 3. Klasse verliehen. Speyer. Der hiesigen Kultusgemeinde war es vergönnt, den 80. Geburtstag ihres langjährigen verdienten Vorstehers, des Herrn Sigmund Herz, festlich zu begehen. Zahlreiche Glückwünsche von nah und fern legten beredtes Zeugnis ab von der großen Beliebtheit, deren sich der Jubilar bei allen, die sein warmes Herz kennen gelernt haben, namentlich in allen Kreisen von Speyer ohne Unterschied von Konfession und Stand erfreut. Aus der nach hunderten zählende» Menge mündlicher und schristlicher Beglüawünschungen seien hier nur die des B ü r g e r in e i st e r s erwähnt, der in dankbaren Worten der 25jährigen Tätigkeit des Jubilars als Stadt rat gedachte, -sehr sinnig war eine Huldigung des von dem Jubilar mitbcgründeten S h ri a g o g c n ch o r v e r e i n s: sie bestand in einem Ständchen und in Ucberrcichnng eines künstlerisch ausgesiihrten Diploms als Ehrenmitglied -des Vereins. Nachdem noch Herr Vorsteher Max E l b - Dresden die Wünsche des Deutsch-israelitischen G e in e i n d e b n n d e s übermittelt hatte, nahm Herr Herz selbst das Wort, nicht nur, um für die ihm offenbar ivohlincnden Licbesbeweisc zu danken, sondern, um gleichzeitig mit bewundernswerter rethorischen Kraft das Programm seiner Gemeindeverwaltung für Vergangenheit und Zukunft klarzulege». Schließlich ehrte sich die Gemeinde selbst am meisten, indem sie den dem Festtag folgenden Sabbatgottesdienst zu einer Art F e st g o t t e s - dien st für ihren jugendsrischen Führer machte. (L.) Posen. Justizrat Salz ist einstimmig zum S t a d t v e r o r d n e t c n v o r st e h c r gewählt worden. — Ein in e r k w ü r d i g e r Tod. Ans S a in t e r wird berichtet: Als vor einigen Tagen der Milch- Händler Zlviru, am Sterbebett seiner Schwiegermnlter stehend, in einer Schublade nach einem loeißen Tuche suchte, krachte plötzlich ein Schuß und durchbohrte ihm die Hand. Ein Revolver, der in der Schublade lag, hatte sich entladen. Trotzdem sofort ein Arzt herbcigernfen wurde, stellte sich Blutvergiftung ein, der nunmehr der erst l2jührige Mann, Vater von 6 Kindern, erlegen ist. Jarotschin. Dem Stadtverordneten Aron Adle r wurde der K r o n c n o r d e n 4. Klasse verliehen. Ttratzburn i. Eli. Im 86. Lebensjahr verschied Bankier Leon S ch w a r tz , während 25 Jahren Mitglied des israelit. Konsistoriums und Vorstandsmitglied des israelit. Krankenhauses, deS AltersversorgungshauseS „Hospiz Elisa" und des Unterstiitzungsvercins „La Mutuelle". (L,) Hohensalza. Fabrikbesitzer Assessor Dr. Leopold L e v y wurde einstinnnig zum Stadtv c r o r d n e t e n v o r st e h e r gewählt. Die Repräsentanten der jüd. Gemeinde wählten Justizrat Mar Latte zu ihrem Vorsitzenden. Wien. Seinen 80 Geburtstag feierte ler frühere langjährige Vorsteher der israelit. Kultusgemeinde E m a n n e l Ban m g arte n. Budapest. Gen-ralmajor a. D. Edward Ritter von ch weitzer ist zum Repräsentanten der jüdischen Gemeinde gewählt worden. New-Nork. Im Alter von 37 Jahren verschied John P a l e y , der Chefredakteur der bedeutendsten Jargon-Tageszeitung Newyorks, der „Je'.vish Daily News". Paley, in Minsk (Rußland) geboren, kam bereits als Ncnnzchnjäyriger nach Amerika und begann seine journalistische Laufbahn aks Redakteur des „Volksadvokat". Dem letzten Zioiiistcnkongreß im Haag wohnte Palen bei. — In Helena starb, 77 Jahre alt, Leopold Marks, einer der angesehensten Bürger dieser Stadt. Er trat 1862 bei der kvnföderierten Armee ein und war später unter General Grant Postmeister in Diamond City. Anläßlich seiner 50jährigen Mitgliedschaft verehrte ihm die Old-Fcllow-Loge eine goldene Medaille. Auch war er Präsident der jüdischen Gemeinde. New-Nork. Der bcrühintc jüdische Dramatiker -lb>°0 f; am Goldfaden, eine der populärsten Persönlichkeiten des hiesigen Judenviertels, ist gestorben. Seiner Beerdigung folgte eine solch' unzählbare Masse Menschen, daß stundenlang der Straßenverkehr unterbrochen war. Kapstadt. Der Gouverneur hat E v. Cotton zum Friedensrichter für Port Elisabeth ernannt. Cotton ist ein Schüler des „Jews College" in London und Präsident der jüdischen Gemeinde von Port Elisabeth. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Exvedilion des Frankfurter Israelitischen Familicnblattes ging für den Nationalsonds ein: Bon den Töchtern von Frau Amalie Wolpe anläßlich des Geburtstages ihrer lieben Mutter 1 Oelbanm 6,— JL Frankfurt a. M. Die hiesige z i 0 n i n i s ch e Ortsgruppe veranstaltete vergangenen Donnerstag im kleinen Saal der Börse einen Vereinsabend. Herr Rechtsanwalt Tr. S. S ch w a r z s ch i l d referierte über die Ereignisse in der zionistische» Welt seit dem letzten Kongresse, sowie über verschiedene Ereignisse der letzten Monate im jüdischen Leben Deutschlands. Der gegenwärtige Stand der zionistischen Bewegung ist befriedigend. Es wird seitens der Leitung eifrig gearbeitet und manche Erfolge sind sowohl auf diplomatischem Wege — inbezug ans die Beziehniigen zur türkischen Regierung — wie auch auf technischem Gebiete — inbezug auf den weiteren Ausbau der Verwaltung und das Entstehen neuer Institutionen — zu verzeichnen: so ist ein Arbeits-Büro zur Entlastung des Aktionskomitees in Berlin begründet worden. Redner erwähnt rühuieiid die neue Institution der „Land Tewelopment Companie", die die vom Nationalfonds angekauftcn Länderci.n in Pacht zur Bebauung nach der Franz Ovpenheimrr'jchcn Methode nehmen soll. Mil der fortwährenden Neuschaffung von Institutionen, wcinl Redner, geschieht des Guten zrr viel . . . sind doch der Institutionen im Zionismus gar viele — so der Nationalsonds, das Goldene Buch, Oelbauu:- pslanzuiig, Bezallel n. d. gl. m. —, und das Resultat einer Anhäufung von Anstalten kann nur das sein, daß nur Halbes geschaffen wird und keine Einzige -ui» ganzen Ausbau gelangen kann, das darf und soll nicht geschehen! Redner rügt in scharfen Worten diejenigen, die, weil manches in der Bewegung nicht ihr Einverständnis hat, die Parteisteuer verweigern; solche Leute, die sich nicht einem Kongreßbeschtnssc fügen, gehören nicht in die Bewegung. Nachdem Redner noch andere Ereignisse, wie die 'Reise des Präsidcnien wegen diplomatischer Verhandlungen nach Konftaiitiiiopel und seine Anwesenheit beim Begräbnis des Gloßhcrzogs von Baden, besprochen hatte, erwähnte er noch am Schlüsse die Tagungen des Judeiitags und des Frauenbundes in unserem Franisnrt, die nach Ansicht des Redners gewissermaßen ein Ausfluß des Zionismus sind, wenn sie auch nicht im Geiste des Zionismus getagt habe,-. Zuletzt widmete noch der Referent warme Worte des 'Nachrufs der verstorbenen Julia Herz!, der Frau des großen verblichenen Führers. Auf Ersuchen des Vorsitzenden ergriff nunmehr das anwesende Aktionskomitee-Mitglied, Herr B. G 0 l d b e r g aus Wilna, der auch als Schriftsteller bekannt ist und in dessen Händen zur Zeit die Leitung des Zionismus in Rußland ruht, das Wort. Reduer berichtete von den Berhandluiigcii der in den letzten Tagen zu Berlin tagenden Aktioiiskoiniiee - Sitzung und beleuchtete in interessanter Weise die Beschlüsse. Besonders ging er ans die große Bedeutung der „Land Development Company" ein. Unter anderem schilderte er auch die gegenwärtige traurige Lage der Juden in Rußland, wodurch eine gedeihliche zionistische Tätigkeit unmöglich gemacht wird. Viele zionistische Arbeiter mußten ins Gefängnis wandern. Bis einigermaßen geordnete Verhältnisse im Laude wieder eingetreten sind, ist eine ersprießliche 'Arbeit ausgeschlossen und daher müssen, meint Redner, die westeuropäischen Zionisten eine desto regere Tätigkeit entfalten, damit die Lücken einigermaßen ausgefüllt werden. Es .sprachen »och die Herren I a 11 s 0 n , L c v i g a r d und Herr Fritz S 0 n d h e i m e r, letzter übte Kritik an der Sucht i»i Zionismus, Nene s zu schaffen, dabei den Ausb a u der alten I n st i t n t i 0 n e n v e r 11 a ch l ä s s i g e n d. Berlin. Die G e n e r a l v e r ja IN m l u n g des J üd. N a ti 0 n a lf 0 n ds , die gelegentlich der Sitzung des großen Aktionskomitees hier tagte, ermächtigte das Direktorium, der zu bildenden Land Development Conipanv seine Ländereien in Dulcika und Umm-cdsch-Dschune am Tiberias-Tee auf die Dauer von 90 Jahren zu verpachten und dafür den durch Sachverständige abznschätzeiiden Wert des Pachtrechtes in Anteilen der neuen Gesellschaft in Zahlung zu nehmen, sowie ihr cincu Kredit von 3000 Pfd. Sterl. zu einem Zinsfuß von -1°" aus 10 Jahre zu gewähren, falls Kapital bis zu dieser Höhe von anderer zuverlässiger Seite gezeichnet worden ist. Der Kredit soll auf 4000 Pfd. Sterl. erhöht werden, sobald die Kapitalbeteiligung von anderer Seite die Höhe von 4000 Pfd. Stert, erreicht hat. Die Company muß sich verpflichten, diesen Kredit für Bewirtschaftung .von Ländereien in Palästina zu verwenden, welche mit allem Inventar und Pflanzungen für diese Schuld dem 'Nationalfonds verpfändet werden, dem außerdem ein maßgebender Einfluß auf die Geschäftsführung der Concpany dadurch eingeräumt wird, daß die Company 80 der dem 'Nationalfonds zu übergebenden 'Anteile als Gründungs-Anteile (Founder Shares) ausstellt, von denen insgesamt 200 ausgegeben werden dürfen. Berlin. Das Große Aktionskomitee tagte hier am 6. und 7. dss. Mts. — Der Bericht des Engeren 'A.-K. erwähnt u. a. die demnachstige Erössnung einer Bankfiliale in Konstantinopel, deren Leiter die zionistischen Interessen bet der türkischen Regierung vertreten soll, die Errichtung des P a l ä st i n a - A m t e s, deren Sekretär, Dr. Thon, bereits in Palästina eiugctrofsen und zu dessen Leiter Dr. Ruppin bestellt worden ist und dw Verwendung des russischen Hilfsfonds zur Erziehung von etwa 12 Waisen in 3 verschiedenen Anstalten Palästinas. — Die Versanunlnng nahm 11. a. folgende Anträge an: „Das Große - 'Attionskomitee begrüßt die Begründung der Palestine Land Development und fordert ' die Gesinnungsgenossen aller Lander auf, eine energische Propaganda zu Gunsten dieser Organisation zu entfalten. Das 'Aktionskomitee stimnu den Beschlüssen des Direktoriums und der Generalversammlung bezüglich des Nativnalfonds in Bezug ans die Palestine Land Development Company und die Häuserbau- Gesellschaft zu." Pretzdnrg iUngarn). Sieg der Zionisten bei den K u l t 11 s r a t s w a h l e n! — Bei der Wahl in den Kultnsrat wurden 6 Zionisten — darunter Hermann Steiner und Samuel Bettelheim — gewählt. Lemberg. F 0r tschr i tte der hebräischen -spräche. — Die erst vor 3 Monaten gebildete „Kommission zur Belebung der hebräischen Sprache" konnte auf ihrer jüngsten Versammlung über Resultate berichten, die bcwuiidernSivert sind. In den meisten Städten bestehen hebräische Schulen. Der größte 1 Teil der Jugend nimmt hebräischen Unterricht. Die Verhandlungen der Kommission wurden in hebräischer Sprache geführt. Alle Teilnehmer sprachen das Hebräische fließend. Nun wird darangcgaugeii, eine hebräische Monatsschrift hcrauszugeben. Die Kommission wendet sich an die jüvische Oeffentlichkeit mit der Bitte, ihr Unternehmen zu unterstützen. Im Ansruse heißt es: „Wir haben eine Jugend, die sich der zionistischen Partei angeschtossen hat und sich von dem Gvlns und vor allein von der Golussprache befreien will. Unsere Jugend stellt die besten Kräfte dar, ansihr sollen die Kerntruppen der zionistischen Armee entstehen! Es ist Pflicht aller Zionisten, die Kommission in ihren Plänen zu unterstützen". Adresse der Kommission für Spenden und Briefe ist: O. John, Lemberg, Sonnengasse 3. Warschau 1 Rußland) Einen glänzenden Sieg haben die vereinigten Nationaljiiden mit Unterstützung der Chasjidim bei den Borstandswahlen der jüdischen Gemeinde über die bisherigen Herrscher, die Assiinilanten, errungen. Jetzt wird endlich in der größten jüdischen Gemeinde Europas wieder jüdisches Leben aufblühcn, und jetzt lvird diese Gemeinde auch endlich das demokratische Wahlsystem, das die reaktionären Assiinilanten bisher verweigert haben, erhalten. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M.» 16 Januar. Im Verein M 0 n r e f i 0 r e begann gestern Abend ein Vortragszyklus des Herrn Rabbiner Dr. Lazarus über „Jüdische Geschichte im Zeitalter de r E 11 t st c k. u n g d e s C h r i st e n 111 in s. Redner führte folgendes aus: Die Frage: Warum bin ich Jude? ist ebenso müßig als die Frage: Warum bin ich Mensch? Die Frage, die wir zu stellen haben, ist: Wozu bin ich Jude? Diese Frage nach der Mission des Judciiluins ist in unserer Zeit aufs neue ausgetauchl, und ihre Beanlwortiing ist — je nach Charakter, Erziehung und Tradition — vielgestaltig. Aber auf welche»! Standpunkt wir auch stehen mögen, die eine sittliche Verpslichtung, uns selbst zu erkennen, mir prüfenden Augen in den Blättern unserer Geschichte zu lesen, haben wir alle. Die Mission des Jiidcnriiins weist uns unwillkürlich ans die Zeit der Enstehnng des Christentums. Und die Erkenntnis Ser Kräfte, die in jener Periode wirksam waren, bildet eine bedeutungsvolle Aufgal e einer modernen geschichtlichen Betrachtung. Es ist ei» Zeitraum von l'/S Jahrhunderten, der da in den Kreis der Betrachtung gerückt werden muß, ein Zeitraum, der mir der Verfassung der letzten nentestametitlichen Schrift, des 2. Petrusbrieses, — 150 11. l — endet. Vor allen Dingen muß der Rahmen der äußeren jüdischen Geschichte jener Periode in seinen Grniidliiiien gezeichnet werden: der 2. Bortrag wird die religionsgeschichtliche Entwickelung jener Epoche und der 3. Bortrag das Verhältnis des Judentums zum'Christentum ins Auge fassen. Ein bedeutender Forscher hat den Ausspruch getan: „Aus dem babylonischen Exil kehrte nicht 1985

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.