Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1908)
- Date
- 1908-01-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2692562-2692565--03721-2698463- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 3. richtete sich zuerst auf 'und ^drückte einen Kuß auf die Stirn des andern. „Mein Bruder! — mein lieber, teurer Bruder! — daß ich diese Freude je erlebe» würde, das hat mir nicht geahnt. Gott sei Dank! Gott sei Dank! — Aber was sehe ich? — du teilst meine Freude nicht? — Erst beschwörst du mich, ich soll dir sagen, wo du deinen Bruder finden könntest, und wenn ich ihn zu dir führe, dann schaust du so verstört darein?" „Ich Tann es noch nicht fassen", murmelte der andere, ohne den Blick zu dem Bruder zu heben. - „Ihr — du mein Bruder! — und Ordenspriester! — Priester eines fremden Glaubens!—" Der Prior atmete schwer auf. „Das kann dich doch nicht allzu sehr befremden, hat dir unser Vater denn nicht mitgetcilt, daß ich als zwölfjähriger Knabe geraubt und ins Kloster gesteckt worden bin?" „O, wie oft hat unser Vater mir davon gesprochen und von all den .Versuchen, die er zu deiner Befreiung unternommen hat —" „Das kann ich mir denken —" „Aber warum bist du denn nicht fortgelausen?" „Kind, kleines unbesonnenes Kind, wer sagt dir denn, daß ich nicht versucht habe fortzulaufcn?" „Wieder und immer wieder hättest du es versuchen sollen, müssen —" r „Wer sagt dir, daß ich das nicht getan habe?" „Verzeihe, das habe ich nicht gewußt. Aber wenn ich demnach auch zugebeu muß, daß du dir damals nicht helfen konntest, jetzt hast du dir doch schon längst Helsen können, denn» du bist doch ein hochgestellter, hochangesehecnr Geistlicher, kannst tun und fassen was dir gefällt, kannst hingchen, wohin du willst :— und bist doch' hier geblieben, Ivo du lügen rnußt, wo du heucheln, wo du —" Fortsetzung folgt.) Kunst und Literatur. „Haschiloah". Dieser Tage ist das hundertste Heft der hebräischen Monatschrift haschiloah" erschienen, was, besonders bei der jetzigen Krisis der hebräischen Literatur und Journalistik — dieses Stiefkindes auch der wärnisten Nationalisten und Zionisten —, als ein Jubiläum zehnjähriger Arbeit für die hebräische Literatur und den.Nationalgedanken verdient, gewürdigt zu werden. Diese gegenwärtig einzige hebräische Monatsschrift ist vor II Jahren, .noch vor dem Auftreten Herzl's, von dem bekannten Achad - Haa in (Ascher Günzberg) in Odessa gegründet worden, um der Lache der jüdischen Renaissance zu dienen. Ende 1905 nach den schrecklichen Oktobervrogomen, stellte haschiloah" seine Erscheinung ein. Seit Januar 1907 erscheint er dank der energischen Agitation der Zionisten Rußlands wieder und wird jetzt vom Dichter Bialik und Schriftsteller Dr. Josef Klausner redigiert. In den zehn Jahren seines .Erscheinens war ,„Haschiloah" der energische Verfechter für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes, seines Landes und seiner Sprache. Außer zur Bereicherung der hebräischen Literatur hat er viel beigetrageu zu unserer selbstcrkcnntnis, zur Entdeckung ünd Hervorhebung des „Fragezeichen s", der jüdischen Frage, d-e viele so gern verdecken und verheimlichen wollen, zur Beruhigung erhitzter Parteigcmüter, sowie zuni ruhigen Nachdenken über unsere Gegenwart und Zukunft auf Grund und mit Berücksichtigung unserer Vergangenheit. Alle wichtigen Erscheinungen des jüdischen Lebens fanden im „Haschiloah" — und säst n n r in ihm — ihre Erörterung. Als nationaljüdisches und als ein objektiv sein wollendes Organ hatte haschiloah" viele Gegner. Aber alle seine Widersacher wußten, daß sie cs im „Haschiloah" mit einem ehrenhaften Gegner zu tun hÄen. Der haschiloah", besonders Achad-Haam selbst, hat auch den „offiziellen" Zionismus angegriffen. Manches dabei war unbegründet und durch eine falsche Brille gesehen; doch geschah es — abgesehen von einer guten Dosis Oppositionslust — im guten Glauben. Kein vernünftiger Zionist konnte Achad-Haam und haschiloah" antizionistisch nennen; trotz seinem Grübeln und Nörgeln hat „Haschiloah" zum Zionismus bekehrt. Anderes wäre auch unmöglich! Deshalb spricht Achad-Haam auf der allrussischen Zionistenkonferenz in Minsk, deshalb erscheint jetzt „Haschiloah" durch die Odessaer Zionisten. Die Leiter des„Haschiloah" waren auch die ersten und fast die einzigen, die während der Flittermonate der russischen Revolution und Konstitution von der allgemeinen Begeisterung und Hoffnung nicht mitgerissen wurden, die voraussahen, daß die Juden, wie immer, die größten Opfer bringen und dafür — nichts erhalten werden. Sie wurden damals als „Pessimisten", „Reaktionäre", „Phantastische Theoretiker", die vom Leben nichts' wissen wollen, verschrien. Die letzten zwei Jahre haben uns leider gelehrt, wie sehr fie damals recht hatten. — In den hundert Heften der „Haschiloah" begegnen wir den besten Namen der hebräischen Literatur. Dichter und Denker, Publizisten und Belletristen wie Abramowitsch, Achad-Haam, Bcrditschcwsky, Bernfeld, Bialik, Brainin, Ehrenpreis, Fcierberg, Klausner, Lewinsky, Lilienblum, Brenner, Perez, Neumark, Tschernichowsky, Zeitlin, Steinberg usw. Besonders reich sind die jüdisch-wissenschaftliche Abteilung (mehrere größere Artikelserien, die ganze Bücher ausmachen) und die publizistische (außer Beleuchtung und Besprechung wichtiger Zeitfragen, beständige „Jiundschau"serien, besonders über Palästina, darunter die bekannten Artikelserien von Achad-Haam). Was die schöne Literatur anbetrifft, so finden wir im „Haschiloah" die besten Werke von Bialik, Tschernichöwsky, Abramowitsch, Brainin, den jung verstorbenen genialen Feierberg, Steinberg usw. und regelmäßige „kritische Rundschauen", sowie die reizenden, originellen Feuilletons Lewinskys.- Das vorliegende inhaltsreiche hundertste Heft enthält u. a. ein schönes Gedicht von Bialik „arbit" (abends), eine herrliche Idylle „der zerbrochene Löffel" von Tschernichowsky, der in der letzten Zeit von Philisterland, wo er bis jetzt geweilt hat, zum Parnaß zurückzukehren und mit der Binse wieder in intime Beziehungen zu treten scheint, einen kurzen, interessanten Brief von Achad-Haam, eine Einleitung von Klausner, Skizze „Im Gefängnis" von Steinbcrg, einen Einakter von I. Katzcuelsohn. Weiter hervorzuheben sind: ein warm und originell geschriebener, aber einseitiger Artikel von Hordczky über den Gaon von Wilna und den Gründer des Chassidismus, den ersten als asketischen Stubengelehrten betrachtend, der nichts von der Welt, vom Leben und vom Volke weiß und wissen will und deshalb weder wirken will noch kann: den zweiten dagegen als'Volksführer, der Volk und Leben, Welt 'und Natur kennt und liebt und dcni Volke neue Lebensbahnen öffnet. Eine Betrachtung über die gegenwärtige Krisis in der hebräischen Literatur von Dr. Ehrenpreis, Oberrabb. von Bulgarien, „die verstummte Literatur", sowie von A. Hermoni die Besprechung eines vor kurzem erschienenen Buches eines christlichen Arabers, Farid- Kazal aus Bejrut, der sich sehr günstig zur jüdischen Kolonisation Palästinas verhält und eines vor einem Jahre erschienenen Werkes gleichfalls eines christlichen Arabers, das fanatisch 'die' jüdische Kolonisation bekämpft. Endlich sei erwähnt der Artikel „Nervosität in Israel" von Lilieublum, der auf Grund historischer Beispiele den riesengroßen Anteil der jüdischen Jugend an der russischen Revolution auf seine Nervosität, die sich im Volke durch die großen Verfolgungen der letzten 25 Jahre verbreitet hat, zurückzuführen sucht. _ Lausanne, Januar 1908. M. Sackhcim. Verband der Deutschen Juden. Stenographischer Bericht über die zu Frankfurt a. M. am 13. Oktober 1907 abgehaltene 2. Hauptversammlung. 50 Seiten. Berlin. Das neue preußische Ergänzungs- Steuer-Gesetz vom 19. Jani 1906. Amtliche Fassung. 30 Seiten (Preis: 60 Pfg.). Berlin 8. 14., L. Schwarz u. Comp. W1MMIM Scnliauten,Umbauten Innendekoration »Mentr.l. Tel. «II Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. - Gegen Gicht nnd Ehenmatismns bewährt. Wocheu-Kalerrver. (Zeitangaben nach dem Laach.) SamStag, den 18. Januar (=15. Schwat): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 30 Min Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 50 Min., in Berlin 5 Uhr. 15 Min. Dieser Sabbat führt den Namen „Schabbos- Schiro", weil an ihm die Sidra „Beschala" verlesen wird, welche das „Meereslied (Schiro)" enthält. Der Wochenabschnitt erzählt von dem eigentlichen Erlösungsakt, bezw. dem Untergang der Egypter im Jioten Meer. Pharao hatte Reue, Israel entlassen zu haben und er jagte ihnen nach. 'Durch Versprechungen überredete er sein Volk, ihm zu folgen. Aif Umwegen hatte Gott sein Volk ans Schilfmeer geleitet. Sie sahen nun Pharao hinter sich heraneilcn, vor ihnen war das Meer. Verzweiflung ergreift sie, weit kein Ausweg sichtbar. Vorwürfe gegen Mosche, der Wunsch nach Egypten zurückzukehren, wird laut. Mosche beruhigt sie, Gott verkündet den nahen Untergang Mizrajims und ermuntert zum Weiterziehen. Die Wolkensäule tritt zwischen Israel und die Egypter nnd deckt Israel im Rücken. Mosche hebt seinen Stab über das Meer, durch einen starken Ostwind teilt es sich während der Nacht in zwei Hälften. Rechts und links stand das Wasser gleich einer Mauer. Israel zieht trockenen Fußes hindurch, die Egypter nach. Das Meer fließt jedoch wieder zusammen, die Egypter ertrinken, werden tot ausgeschleuderr, Israel erhält große Beute. Mosche singt mit den Männern das herrliche Mecreslied, Mirjam mit den Frauen. (Der Liturgie des Morgengottcsdicnstes cinverlcibt.) — In Mara erhält das Volk bitteres Wasser: cs murrt. Aus Gottes Geheiß wirft Mosche ein Holz hinein. Das Wasser wird süß. Das Volk erhält in Mara einige Gesetze. (Nach der Tradition das Gebot des Sabbats und der roten Kuh.) — Elim ist eine Oase mit 12 Wasserquellen und 70 Dattelpalmen. Ans dem weiteren Wege murrt das Volk wieder, spricht von den Fleischtöpfen Egyptens. Gott sendet als Fleischspeise Wachteln, als Brot das sogen. „Manna". Es siel täglich, sah weiß aus, schmeckte wie Honigkuchen, wurde in Gefäßen eingesammelt, ein Omermaß für jede Person. Keiner sollte über Nacht aufheben. Am Sabbat siel nichts, am Freitag dafür doppelt, zum Aufbewahren bestimmt. Ahron hob eine Flasche voll auf für spätere Geschlechter. 40 Jahre aßen sie die Himmelsspeise. Lehren hieraus: a) Gottvcrtrauen; täglich mit leeren Gesäßen dastehen, nichts über Nacht Aufheben, b) Heiligkeit des Sabbat. Am siebten Tag fiel nichts, o) Habgier nützt nichts. Beim Messen hatte jeder das gleiche Quantum. — In Rephidim murrt das Volk wegen Wassermangels. Auf Gottes Befehl schlägt Moscheh einen Felsen. Es kommt genügend Wasser hervor für die Gemeinde und ihr Vieh. — Dort erscheint auch Amalek, der erste Feind nach dem Auszug aus Egypten. Josua schlägt ihn. Moses ist während dessen auf einem Berge, die Hände himmelanhebeud. Gott befiehlt, Amaleks Andenken auszurotten. (Da alle Völker nach dem Zug durchs Schilfmecr den „JndeugoU" fürchteten, wollte Amalek aller Welt seine Furchtlosigkeit durch diesen Angriff zeigen. Er ist dadurch mehr noch Gottes feind als Jsraclsfeind. Darum der Befehl, sein Andenken auszutilgen.) — Halbfeiertag „Chamischo-Osor-be'Schwat!" Am Werktag fällt Tachanun, also am Samstag Zidkoscho- Zedek fort. Die im Winter erstarrten Kräfte der Natur erwachen wieder, daher „Neujahrsfest der Bäume" genannt. Mau genießt mehrere Fruchtarten. Offttibacbtr Druckluft »JInlagt Telefon 123. Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Te p p IC h r 61 n IQ11 n g. Frankfurter Bürgerbräu ein DMisgelränlr. II. Kein Mäßigkeits-Verein Kein Gebot des Staates wird im Stande sein, die Menschheit vom Genüsse geistiger Getränke abzubringen. Darum muß das Augenmerk daraus gerichtet sein, diese Genußmittel dem Volke in einer Form darzubieten, in der sie ihre schätzenswerten Eigenschaften in vollem Maße zu entfalten und bei allenfaüsigem Mißbrauch schädigende Wirkungen auf ein Mindestmaß herabzudrücken vermögen. Dieses Genußmittel ist das Bier, welches auf seinem welterobernden Zuge den ärgsten Feind der Menschheit, den Branntwein, mit außerordentlichem' Erfolge bekämpft. Es ist ein kurzsichtiges Unterfangen, wenn die Abstinenz-Bewegung, unter Verschweigen dieser allbekannten Tatsache, allen alkoholischen Genußmitteln unterfchiedslos das VerdammnngSurteil spricht- und immer muß daher wiederholt werden: „Das Bier ist es, daS denIGenuß des Braimtweius mit seine» brutale» Wirkungen immer weiter einschränkt. DaS Bier ist ein Wohltäter der Menschheit, weil eS uns von/dieser.Geißel, dem Schnapse, befreit." Die geringe Menge Alkohol, die es enthält, der Reichtum an Extraktivstoffen, dre anregende Wirkung der darin enthaltenen Kohlensäure machen das Bier zu einem Gettänke, das in seiner Bekömmlichkeit von keinem anderen Lbertroffen wird. Eilt auS besten Nohmatcrialieu mit Sachkuude gebrautes Bier ist daS vortrefflichste Genußmittel, daS es gibt, «ud als solches empfehle» wir Frankfurter Bürgerbräu Erhältlich in Flaschen in den bekannten Restaurationen, in den besseren Kvlonialwarengeschästen und von.der Brauerei direkt.