Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter FsraclitiDeS KrmllienblM. Nr. 2 brennenden Märtyrer übertönt — doch nur allzu» ball» vernahm man wieder ihr Wimmern und ihr Jammern, „Schima Jisroel! — Adoschem hu Elokim!" Dem Prior erschien cs unmöglich, länger zu verweilen. Hastig wollte er die achtungsvoll vor ihm zurückweichcnde Menge durchschreiten, da ward es ihm mit einem mal schwarz vor den Augen, er taumelte und wäre zu Boden gestürzt, hätten die Umstehenden ihn nicht gehalten. Rasch waren auch einige Freunde ihm zur Seite und geleiteten ihn aus Dem Gedränge. Doch er erholte sich rasch und bat, man möge sich seinetwegen nicht stören lassen. Aber da war auch schon ein Abgesandter des Großinquisitors, der ihm sagen ließ, er habe seinen Kräften zu viel zugemntet, er müsse jetzt sofort zum Kloster fahren und der Ruhe pflegen. Er ließ seinem hohen Gönner danken für den gütigen Rat, den er pünktlichst befolgen werde, und bald befand er sich in der Tat mit seinen beiden treuen Untergebenen auf dem Heimweg. Als sie das Kloster erreicht hatten, wollten ihm die Prüder beim Aussteigen behilflich sein, er aber wehrte es ihnen und schwang sich rasch herunter. „Ihr wisset) es war keine körperliche Schwäche, die mich zu übermannen drohte, aber meine Seele drohte zu erliegen in den namenlosen Greuel. Gott sei Lob und Dank, der uns begnadet hat, doch wenigstens einig: Menschenleben zu retten. Und Euch Treuen sei Dank," — er nahm beider Hände und drückte sie innig, „nicht dafür, daß Ihr mich stützen wolltet, sondern dafür, daß Ihr wieder einmal Euer Leben auf's Spiel gesetzt habt, um das Eurer Brüder zu retten. Aus vollen! Herzen danke ich Euch dafür, und der Gott Eurer Väter wird's Euch lohnen." Die Brüder neigten sich und zogen die Hände des hochverehrten Mannes an ihre Lippen, er aber fuhr fort: „So lange sie hier im Kloster sind, dürfen wir ihre Rettung noch nicht als vollständig betrachten. Du, J-acobo mußt als Pförtner jetzt auf deinem Posten bleiben, die Väter und die Brüder dürften bald heimkommmen, da darf ihnen nichts Ungewohntes zu Gesicht kommen; du aber, Anselmo, konime mit hinein und geleite unsere unglücklichen Freunde in's Freie." Beide waren bei diesen Worten in das Innere des Klosters gekommen. Der Prior hatte die Tür - seines Zimmers aufgeschlossen, sie waren cingetreten, er hatte die Tür wieder in's Schloß gedrückt und den Nachriegel vorgeschoben. Dann traten sie in die anstoßende Zelle. Eier Käpuzinerinönche fanden sie , hier, die in atemloser Spannung zu ihnen emporschauten. Der Geistliche nickte ihnen gütig zu. „Danket dem Gott Eurer Väter, der unser Tun hat gelingen lassen." Schlecht unterdrückte Jubellantc entrangen sich Der Brust der dem Tode Entronnenen, Tranen entstürzten ihren Augen, wie sie solche nicht geweint, als sie dem Tode ins Antlitz zu sehen glaubten. Doch.nun ihnen das Leben winkte, bas freie, frisch pulsierende Leben, nun schien ihre Standhaftigkeit dahin. „Fasset Euch, Freunde," bat der Prior. „Ihr dürjt nicht säumen und müßt Euch unverzüglich aus den Weg nm'chen. Hier habt Ihr jeder einen Zehrpfcnnig für den Falt der Not, aber ich glaube, Ihr werdet Ihn nicht gebrauchen, denn Ihr seid nun Bettelmönche; wo Ihr Häuser seht oder Menschen trefft, da bittet ungeniert um eine Gabe, es wird Euch keiner abweisen. Und dort nchnie ein jeder einen Sack auf den Rücken, er ist mit Brot und Früchten gefüllt, bis morgen habt Ihr genug. — Doch nun noch eins. Ich' habe die feste Zuversicht, daß Eure Flucht gelingen wjrd, daß Ihr unbehelligt die Grenze überschreiten werdet. Ob Ihr nun in Frankreich bleiben werdet oder ob Ihr weiter wandern werdet bis in die Mederlande, das .könnt Ihr selbst noch "nicht wissen. Wer Ihr müßt mir Euer Wort geben, nie und unter keinen Verhältnissen irgend einem Menschen mitzntcilen, Durch wen und auf welcher Weise Ihr heute dem Feuertode entgangen seid. Denn bedenket, die Ohren der Inquisition reichen weit, selbst bis in die Nicberlaubc. Und es wäre die Möglichkeit, daß Ihr dort in voller Sicherheit wäret und würdet irgend jemandem von Den Ereignkssen des heutigen Tages erzählen, und der könnte es weiter erzählen und dessen Hörer abermals und so immer weiter — und so könnte eS der Inquisition zu Ohren kommen — Ihr wisset, was bas heißt, Ihr hättet Euren Rettern dasselbe Schicksal bereitet, dem sie Euch'entrissen haben."'' Alle gelobten unverbrüchliches Schweigen und drückten in überströmendem Danke nochmals und abermals Die Hand des Geistlichen an ihre Lippen, dann stellten sie sich neben den Klosterbruder, der eben im Begriff war, in einer Handlaterne eine Kerze anzuzündcn. Als der jüngste der Männer als letzter gleichfalls die Hand des Priors küssen wollte, schlang dieser seinen Arm um ihn und zog ihn an sich. „Du darfst mich noch nicht verlassen, mein Sohn, du mußt einige Tage hier bleiben und mir von deinen Eltern erzählen — die ich gekannt habe. Willst du?" „Euer Wunsch, hochwürdiger Herr, ist mir Befehl." „Du wagst nichts dabei, ich bürge für deine Sicherheit." „Bruder Anselmo", wandte er sich an De» Mönch, der eben sich bemühte, eine Steinplatte des Fußbodens aufznheben, „du könntest den Brüdern sagen, daß ich in der Stadt einen jungen Kapuziner getroffen habe, dessen Vater mir befreundet gewesen ist, daß ich den jungen Mann deshalb mit her genommen habe und daß er einige Tage bei mir verweilen werde." „Sehr ivohl, hochwürdiger Herr," versetzte der Klosterbruder, indem er die Platte vollends entfernte; „kommt", wandte er sich an die Kapuziner, „folget mir auf dem Fuße, der Gang zieht sich bis unter dem Stadtwald hin, bis hinter denselben geleite ich Euch, aber Ihr müßt Euch "dicht hinter mir halten." Bei diesen Worten betrat er die oberste Stufe einer schmalen steinernen Stiege, die unter der aufgehobenen Steinplatte sichtbar geworden, die in einen unterirdischen Gang mündete. Der Klosterbruder mit der leuchtenden Laterne in der Hand, ging voraus, die als Kapuziner Verkleideten folgten ihm auf dem Fuße. Es war ein schmaler, mäßig hoher Gang, die Luft feucht und -kühl, äußerst' unangenehm zum Einatmen. In den ersten fünf Minuten sprach keiner ein Wort, schweigend schritten sie einher, dem leuch tcnden Schein der Laterne nach. Dann begann der Eine: „Haben wir noch weit zu gehen in dieser stickigen Luft, Bruder Anselmo?" „Ungefähr noch zwei mal so weit, wie wir be reits gegangen sind. Der Gang ist ungefähr eine Viertelstunde lang, tlebrlgens so schlecht sich auch die Luft hier atmen läßt, so atme ich fie doch unvergleichlich lieber als jene Luft, die man heute in der Stadt cinatmcn mußte." „Gewiß, gewiß," fiel ein anderer ein, „wir sind Euch so vielen, vielen Dank schuldig, Euch und deni hochwürdigen Prior und dem andern Bruder. Wenn ich nur wüßte, wie Ihr auf den Gedanken gekommen seid, uns zu retten. Ihr kanntet uns doch gar nicht. —" Der Klosterbruder zuckte die Achseln. „Darüber kann ich Euch nichts genaues mitteileu, unser Fjocfv würdiger Herr Prior hat jedem von uns befohlen, zwei ctrme Sünder aus der Reihe heranszuziehen Das haben wir getan, das übrige wisset Ihr/ „Und warum der.Hochwürdige uns geholfen hat, bas wisset Ihr nicht?" „Gewiß weiß ich 'das, weil er der beste, der edelste Mensch ist, der gern allen Unglücklichen helfen möchte; aber weil er das nicht kan», hilft er wenigstens denen, denen er helfen kann." „Und wagt dabei sein Leben?" fügte der Dritte hinzu, „und ihr, Bruder Anselmo, habt gleichfalls euer Leben dabei gewagt und der andere Bruder gleichfalls — warum.habt 'Ihr das getan? — das könntet Ihr uns Loch' sagen." „Das könnte ich Euch allerdings sagen, doch auch darüber müsset Ihr unverbrüchliches Schweigen bewahren, so wie über alles, worüber Ihr dem Herrn Prior Schweigen gelobt habt." „Seid ohne Sorgen, wenn man das durchgemacht hat) was wir Überstunden haben, bann ist man kein Schwätzer mehr." JOa* glaube ich allerdi, t* auch, und 'darum will ich Euch vertrauen und Euch mitteileu, baß wir unser Leben nicht für Fremde auf's Spiel gesetzt haben sondern für unsere — Brüder!" „Wär's möglich? Ihr wäret Juden? — Klosterbrüder Juden!" „Es gibt hier in der Gegend Klöster, in denen die Hälfte der Mönche Juden sind. Habt Ihr das noch nie gehört?" „Doch, gehört habe ich es tvohl, aber geglaubt habe ich's nicht. Demnach ist Euer Prior auch Jude." „Was fällt Euch ein, dev ein Jude! — Ein Jude hätte nie wagen können, alles das, was er schon gewagt hat und noch weniger durchführen können, was er durchgeführt hat. Der ist ein Engel, ein Engel des Heiligen, dessen Name gelobt sei. O, da könnte ich Euch erzählen — doch hier ist der unterirdische Weg zu Ende." (Fortsetzung folgt.) Wohack WdIobu»»““'»«';». Inhaber: JSflL. WäiläZZ. Perlon, Juwelen, Goldwaren• ~ Auf Wunsch Auswahlsendongen. - Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. iff. ------ Gegen Gicht nnd Rheumatismas bewährt. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Loach.) Samstag, den 11. Januar (--- 8. Schwat): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 25 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 40 Min., in Berlin S Uhr 05 Min. Die Sidra Bau bildet die Fortsetzung des vorhergehenden Wochenabschnittes. Es wird uns zunächst von den letzten drei Plagen gemeldet, die über die Egypter kamen. Auf Gottes Befehl kündigt Moses eine schreckliche Heuschreckenplage an. Dabei gerät Pharao, der nur teilweis Konzessionen an Israel machen will, in Zorn und vertreibt Mosche und Ahron von seinem Angesichte hinweg. Die Heuchrecken vernichten alles Grüne im Feld. Ein Westwind führt die Heuschrecken wieder fort. Eine dreitägige Finsternis entsteht. Nur Israel hat Licht. Pharao will bas Volk fort lassen, das Vieh oll zurücr bleiben. Mosche widerspricht Und scheidet erregt von Pharao, nachdem er 'noch die letzte Plage angekündigt: das Sterben der Erstgeborenen. Um Mitternacht sollen alle Erstgeborenen, hoch und niedrig, dem Tode verfallen, ebeno die des Viehes. Dann wird Pharao das Volk förmlich fortdrängcn. Vorher sollten sie jedoch das Pesachopfer Familienweise bereiten, es gebraten am Feuer mit bitteren Kräutern und ungesäuerten Broten verzehren. Alle sollten hierbei reisefertig ein, die Schnhe an den Füßen, die Lenden gegürtet, len Stab in der Hand, des Freiheitsrnfes gewärtig. (Das Gebot gen. Genüsse, das Verbot des Gesäuerten soll auch für die Zukunft Geltung haben!) — Die Plage traf ein, Israel zog in der Nacht des 14. Nissmr frei aus, 600 000 Mann ohne die Frauen und Kinder. Auch egyptisches Gesindel zog mit. 430 Jahre lang währte die Knechtschaft bezw. die Fremdherrschaft. — Es werden zum Schluß einige Vorschriften für das Pesachfest mitgeteilt. Die Sidra endet mit den beiden Abschnitten, welche auch laut Tradition in den Tefilliit zu stehen haben: Kadeisch - und W'hojo-kijcwi'acho. Inhalt beider sehr ähnlich: vom Auszug aus Egypten, von der Heiligung der Erstgeborenen, von den Tefillin. (Dabei auch Die Fragen, die das Kiitd an den Vater richtet betr. der Erlösung aus Mizrachim, aus der Hagada schel Pesach bekannt.- Nächsten «samstag der Halbfeiertag „Chamischo- Osor-beschwat", 15. Schewat. Bedeutung desselben in nächster Nummer. Offenbarer Druckluft 3 Jlnlage Telefon 123. Offenbach a. H. Telefon 128. Unübertroffene bewährteste TeppIchrelnlBQng. Telephon 1866. Hardenbergstrasse 9. Auskünfte I über Vermögens-, Familienu. Geschä-ftsverhältnisse, Beobachtungen) Ermittelungen an allen Plätzen der Welt. Grosse Detectiv-Zentr&le!! 1 Telephon 4859. Salzlians 6, I. fCafö Constabler Schönster Balfton.? M Stress (.halt. Famllleneaff. O