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Neue jüdische Presse · 1908-01-03 · Heft 1 (3.1.1908) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 1 (3.1.1908)
Date
1908-01-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Nr. i. und sind durch beit Gnadenstoß in bas Himmelreich eingegangen!" Jetzt hatte auch der Großinquisitor die Fahne erblickt und seinen Günstling erkannt, er nickte ihm wohlwollend zu, dieser senkte grüßend die Fahne, erkannte jedoch selbst, daß es gefährlich gewesen wäre, die Pferde durch die Menschenmenge zu führen namentlich in der Nähe der hochlodernden Flammen und bei dem grauenvollen Schreien und dem Getöse. Er wechselte daher rasch einige Worte mit seinen Untergebenen und winkte einem andern Benediktinermönche, den er in der Nähe erblickte. Die beiden Klosterbrüder sprangen vom Wagen, spannten die Pferde Uns und übergaben dieselben ihrem Kollegen mit dem Ersuchen, die Tiere abseits von der Menschenmenge zu halten. Dann verließ auch ihr Vorgesetzter den Wagen, schaffte sich unschwer freie Bahn und schritt voraus, die Brüder, das leichte Gefährt vor sich herschiebend, folgten. Jetzt hatte er bereits den Punkt erspäht, von dem ans er die angeblichen Leichen in die Gluten schlendern lassen wollte. Sobald der Wagen den Punkt erreicht hatte, stieg er wieder hinauf. Wenn er nur den Blick hätte wenden können von den in grauenvollen Qualen sich Windende» und Wimmernden! — Mer er durfte jetzt nicht an diese denke», seine Gedanken mußten ausschließlich den Brüdern gelten, die auf seine Aufforderung hin ihr Leben wagten Und den Gefangenen im Kloster, denen er seine Hilfe zugesagt hatte. Er hatte die Decke von de» Holzfiguren in Armesünder-Kleidung genommen; die Umstehenden reckten die Hälse, die angeblichen Leichen in Augenschein .zu nehmen. Dann ließ er sich‘ von einem Klosterbruder zwei große mit Teer gefüllte Kannen reichen und leerte dieselben eigenhändig über die Cadaver, die er, mit ' Hilfe der Klosterbrüder ans alle Seiten mit der schwarzen, dickflüssigen, leicht entzündbaren Masse übergoß. Dann ergriffen die Brüder nach einander die Bälge, so wie man Menschen gefaßt hätte, an den Schultern und an den Füßen Und schleuderten dieselben weit hin in das Glutmeer, dorthin, wo die Flammen ain höchsten emporloderten. Für einige Augenblicke schienen die Flammen in sich zusammen zu sinken, um einem dunkeln. Nahezu erstickenden Rauch zu weichen, doch gleich darauf flammte es nur um so heller hoch auf. Mit geisterblcichem, durch das Entsetzen entstellte Angesicht stand der Prior möglichst nahe vor dem wilden, entfesselten Element und starrte in die grauenvollen Flammen. Da fühlte er, daß sein Arm berührt wurde, und als er sich nmwandte, stand ein Hofbeamter vor ihm. Ihre Majestät die Königin lasse fragen, weshalb er die Leichen der vier armen Sünder mit der schwarzen Flüssigkeit übergossen habe. Das habe er ihnen versprochen, erwiderte er, als Lohn für ihre aufrichtige Rene, dafür zü sorgen, daß ihre Leiber in kürzester Frist in Asche verwandelt werden sollen, damit auch das Fegefeuer im Jenseits ihnen nichts mehr anhabe» könne. Und in Wirklichkeit nach kaum einer Viertelstunde waren die angeblichen Leichen, die zuletzt den Flammen übergeben worden, vollständig in glühende Kohlen Umgewandelt. Die Znnächststehenden staunten, der Prior aber, der nun keine Entdeckung mehr fürchten zu müssen glaubte, wandte sich um und schrie mit lauter weithin gellender Stimme: „Hosiana! es lebe der Glaube!" Und aus dem wahnbetörten Volke ringsum ertönte es vieltansendstimmig: „'Es lebe der Glaube!" (Fortsetzung folgt.) Bunte Chronik. Ein jüdischer Held der Wissenschaft. Die englische Presse beschäftigt sich gegenwärtig eingehend mit der Frage '.der Bekämpfung der massenmörderischen Pest in Indien und den großen Verdiensten, welche sich der berühmte jüdische Gelehrte, der Bakteriologe Dr. Waldemar H a f f k i n, erworben hat. Geboren in Odessa, ein Schüler Pasteurs, erwarb sich Hasfkin, der heute 47 Jahre alt ist, bald einen solchen Namen iauffdem Gebiete der Bakterienforschnng, daß' er im Jahre 1893 im Aufträge der britischen Regierung nach 'Indien ging, um dort die Ursachen der Verbreitung dieser schrecklichen Epidemie zu studieren. „Blackwoods Magazine" gibt nun aus der Feder Mr. Forresr's eine Schilderung der Verdienste Frankfurter jFsraeliüMs Familienblatt. Doktor Waldemar Haffkins um die Bekämpfung der indischen Pest, an der während der letzten '11 Jahre nahezu fünf Millionen von den Eingeborenen zugrunde gegangen sind. „Im Jahre 1893," so erzählt Mr. Forrest, „ging Mousicitr Hasfkin nach Indien, nin dort eine Schutzimpsungsmcthode zu erproben, die er im Pasteurinstitut in Paris an Cholerakranken erprobt hatte. Als hochachtbarer Mann, der er immer war, in achte er mit seinem Mittel zunächst an sich selbst ein Versuch. In Kalkutta unterwies er vor allem die medizinischen Fachleute Indiens in-seinem System. Hafskin setzte in seine Methode großes Vertrauen und drang weiter in die Vereinigten Provinzen und den^Pnnjab vor und in der sengenden Hitze des indischen «ommers ritt er von Stadt zu Stadt nnd vou^ Dorf zu Dorf, lehrte und predigte den Legen seines Systems und es gelang ihm, an vielen Tausenden die Jnocnlation vorzunehmcn. I» den darausfolgenden Jahren wiederholte er unter den härtesten Entbehrungen nnd Gefahren das Experiment und verfiel selbst in ein schweres Fieber, dem er beinahe erlag, lieber diese eventuellen Erfahrungen äußert sich der berühmte englische Gelehrte Lord Lister wie folgt: Hafskin verfolgte sein Ziel, trotz der schier unüberwindlichen Schwierigkeiten, mit heldenmütiger Selbstopfernng, die niemals vergessen werden wird. In der Tat, die Opferwilligkcit, mit welcher er sein Leben Jahre hindurch auss Spiel setzte und seine Gesundheit untergrub, die hingebende, selbstlose Opferwilligkeit, mit der Dr. Hafskin gegen die Pest arbeitete, ist eine Unsterbliche Heldentat. Der gewesene Vizekönig von Indien und gegenwärtige Kanzler der Oxfordcr Universität, Lord Cürzon, hat bei verschiedenen Gelegenheiten wiederholt erklärt, daß die Geschichte Indiens mit' dem aus Rußland stammenden jüdischen Gelehrten eng verknüpft bleiben werde." Kunst und Literatul'. Referate gehalten auf dem 2. Detegiertentage des jüdischen Frauenbundes (Zur Sittlichkeitsfrage, Berta Pappenheim — Mädchenhandel, Sidonie Werner — Gründung von Jugendgrnppen, Ella Seligmann). 35 Seiten, 50 Pfg. Verlag des Jüdischen Frauenbundes, Hamburg, Jsestr. 88. Wir hatten die szig. Verhandlungen eingehend gewürdigt, sodaß wir uns bei der Besprechung des »uh vorliegenden Wortlautes der damals gehaltenen Referate kurz fassen können. Auch das Stenogramm der Reden zeigt das ernste Bestreben der Wortführerinneu des Jiid. .Frauenbundes, innerhalb der Judenhcit bestehende Mißstände zu beseitigen. Es ist richtig: „Einst konnte man sagen, daß das jüdische Sittengcsetz im jüdischen Volks- und Familienleben den eisernen Bestand bildete. Diesem weltbekannten Schatze verdanken wir das, was wir in spärlicher Anerkennung unter den Völker» genießen und was gemeinsam mit der Enthaltsamkeit von- Alkoholgenuß uns jene zähe Widerstandskraft gewährte, die trotz Inquisition, Verfolgungen, Knechtungen und Pogromen die Existenz unseres Volkes wie ein Wunder erscheinen läßt (Seite 18)." Und cs stimmt ferner, daß an dem Schwinden der Sittlichkeit bei uns Juden nicht nur das Schwinden jüdischer Sitte — was hätte hervorgehoben tüeröeit dürfen, — sondern auch die trostlose wirtschaftliche Lage, in der sich ein großer Teil der Judenhcit befindet, schuld ist. „Der neunte Teil der Bevölkerung in Galizien sind Inden, also etwa 700000 Menschen, 700 000 Unterdrückte, 600 000 Bettler, von denen jährlich 5000 am Hnngcrthphns sterben (Seite 25)." Aber warum rufen die Damen nun nicht: Zurück zum „jüdischen" Sittcnleben, daniit unsere Sittlichkeit. die stets unser Stolz vor den Völkern war, wieder in aller Helle erstrahle! Und warum zeigen die Damen noch nicht einmal den Willen, die Sittengcsetze des Judentums kennen zu lernen? Statt dessen wendet sich Fräulein Pappenheim gegen die Stellung 'der Frau im Judentum, die vor dem jüdischen Gesetze „noch nicht einmal die Rechte eines dreizehnjährigen Knaben" habe und „nur als Gattin und Mutter gewertet und beurteilt" werde, eine Behauptung, die in der 'Art, wie sie gegeben wird, Zeugnis von mangelnder Kenntnis der jüdischen Welt- und Lebensanschauung, die in der schriftlichen nnd in der mündlichen Lehre niedergelegt ist, ablegt. Die Gründung von Jugendgrnppen, die das Referat der Frau Rabbiner Dr. Seligmann behandelte, kann mir von Segen gekrönt sein. Warte der Trauer von Oberrabb. Dr. Gustav Lövy, Loese, Ungarn. Form und Inhalt nach reiht sich dieses Werkmen den Meisterstücken der Trauerredcnliteratnr an. Es gelingt dem Verfasser, unser wärmstes Mitempfinden für das alltägliche Schicksal des jüd. Handwerkers, dem er die Rede weiht, zu erregen. Wir werden durch ihn aus der tiefsten Seele erfüllt. Dabei sind seine Hilfsmittel, durch die er die höchsten Effekte erzielt, so echtjüdisch und treffend, daß sie selbst' di? besten Kenner der Agadaliteratnr entzücken. Es ist nur zu gönnen, daß der ehrw. Verfasser seinen Zweck, der unglücklichen Familie über die dringendste Not hinweg zu helfen, durch dieses Bändchen erreicht. Dr.- A. Zeitungs-Katalog 1908 her Annoncrn-Expedition Daube L Co., G. in. b. H., Frankfurt a. M., Kaiserstraße 10. Die bereits für den letzten Daube-Katalog gewählte Dreiteilung hat sich wohl bewährt, denn auch die neue Ausgabe präsentiert sich wieder als ein dreibändiges, recht voluminöses Werk, das griffbereit in einem handfesten Gestell Platz gefunden hat nnd auch eine Zierde für jeden Arbeitstisch bildet. — Band T führt in gewohnter sorgsamer Bearbeitung die deutschen Tageszeitungen auf. Band II bringt di« ausländischen Tageszeitungen und in Band III sind die in- und ausländischen Fachzeitschriften vereinigt. Dementsprechend ist auch der übliche Jnscratenanhang auf drei Bände verteilt und die Ausgabe, den Katalog sür den täglichen Gebrauch möglichst praktisch einzurichten, in glücklichster Weise gelöst worden. HM Um-ÄN-UliilU VOb Geschäftshäusern B'-idfn'tr I. Tel. 4711 Kaiser Friedrich Quelle - Offenhach a. M. ■- Gegen Gicht nnd Rhenmattamns bewährt. Wocheu-Kalerrder. (Zeitangaben nach dem Lnäch.j Samstag, den 4. Januar (= 1. Schwat): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 llhr 10 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 30 Min., in Berlin 4 Uhr 55 Mirt. Die Sidra Wosro spricht zunächst von der' Verheißung Gottes, das Volk Israel erlösen zu wollen.- - Der Stammbaum Moses nnd Ahrons wird auf- . geführt, mit dem Stamme Rüben beginnend, mit Levi schließend. Moses und Ahron sollen gemein- ■ schastlich zu Pharao gehe». Sie verrichten dort das Wunderzeichen mit dem Stabe, der sich zur Schlange verwandelt. Alsdann ahmen es die Zauberkünstler Pharaos nach. Der König verstockt sei» Herz. Tie 10 Plagen beginnen. Zuerst verwandelt sich alles Wasser in Blut. Die Egypter graben nach gesundem Wasser, jedoch vergeblich. Als die Plage vorüber war, entließ der König nicht das Volk. Es kommen dann F r ö s ch e in ungeheurer Zahl aus dem Flusse. Auf Pharaos Bitte fleht Moscheh um die göttliche Gnade; die Plage weicht. Pharao verstockt sein Herz, es kommt die dritte Plage: Ungeziefers ans dem Staub der Erde entstehend. Pharao erkennt darin den „Finger Gottes". Die vierte Plage bringt G c w i l d. Wiederum fleht Moscheh auf des Königs Wunsch zu Gott, das Gewild verschwindet. Alsdann' entstehen an Menschen und Tieren Geschwüre. Pharao aber verstockt anf'S neue sein Herz. Die nächste Plage ist P e st oder Viehseuche. Von Israels Vieh aber stirbt kein Lti'lck, so daß Pharao wiederum das Volk nicht entläßt. Als siebte Plage wird H a g e l s ch l a g angekündigt, der mit nie'gesehener Heftigkeit eintrete» soll. Es wurde viel Vieh erschlagen, auch Menschen getötet, Bäume und alles Grüne vernichtet, nur einiges ausgenommen. Moscheh bittet um Abwendung der Plage. Pharaos Herz verstockt sich von neuem. — Es werden die verschiedenen .Neumondsgebete verrichtet, wie in voriger Nr. erwähnt. Am Dienstag ist Tekufo, d. h. die Quartalsw e n v e des Tewes-Monats. diesinal in Schwat fallend. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Warnung! Nach den sehr unangenehmen Erfahrungen, die ivir auf Unserer unter Leitung des Herrn 31 Grajcvsky, Direktors der in Jerusalem domizilierenden Tabor-Reisegesellschaft, ansgeführten Orientreise gemacht haben, erbieten wir uns, einem jeden, der sich etwa der Führung des genannten Herrn anvertrauen will, über dessen programmwidriges Verhalten Auskunft zu erteilen, da wir uns für verpflichtet halten, andere vor ähnlichen Unannehmlichkeiten zu schützen. Isaak Cohn u. Frau Flora geb. Wehl, Berlin N.W., Schiffbanerdamm 29. Briefkasten. Üi. R. Der österreichische Ministerpräsident Beck hat eine Jüdin zur Frau. Storozynetz. Jüdische Rundschau, Berlin HIV. 52, Melanchtonstr. 4. Daqf-WasMalt Paul & Co., G. m.b.H. Telephon 1866. „Jraaenlob“ Hardenbergstrasse 9. Dhstlidlg. Hasselbach, Gr. Eschenhelmerstr. 4. — Telephon 10595. —*

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