Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 49 (20.12.1907)
- Date
- 1907-12-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu Nr. 49 des Fmnksurter Jjraelitischen FMilieublattes. In der vorigen Nummer begann die historische Erzählung: von Friedrich Rott. Die Handlung dieser Erzählung spielt zur Zeit der spanischen Inquisition. Scheiterhaufen rauchen und werden zur furchtbaren Anklage gegen den furchtbaren Irrwahn ihrer Anzünder, werden aber auch zum ewigen Ruhmesblatt unvergleichlichen Heldentums und unübertroffener Treue ihrer Opfer. Mit feinem Takt weiß der Autor über die fürchterlichen Szenen des Autodafe hinwegzugehcn; er streift sie nur, so weit es dringend notwendig und nur am Anfang der Erzählung. Die Erzählung selbst, die mit steigender Spannung gelesen werden wird, entspringt nicht der freien Phantasie, sondern lehnt sich historischen Tatsachen an. Mögen ihre Lehren von offenen Ohren und empfindenden Herzen ausgenommen werden! Der Anfang der Erzählung wird gegen Einsendung der Abonnementsquittung für das nächste Quartal gern nach geliefert! Inhalt der BeUage: Artikel: Personalien. — Aus der zionistischen Bewegung. — Aus den Vereinen. — Kunst und Literatur. — Briefkasten. — Vereinskalender. — „Jüdische Jugend." Personalien. Frankfurt a. M. Im Alter von 47 Jahren verschied plötzlich der Bankier Lincoln M e n n y Oppenheimer, Chef der gleichnamigen Bankfirma. Der Verstorbene, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreute, gehörte dem Vorstand der Fondsbörse und dem Vorstand des Kindergarten für Israeliten an. Berlin. Dr. Hugo Neumann, Privatdozent an der medizinischen Fakultät der Berliner Universität, und Dr. Bernhard Bendix, Privatdozent an der medizinischen Fakultät der Breslauer Universität, erhielten den Titel Professor. Berlin. Der verstorbene Bankier Sigismund S a in u e l hat dem Kaiser Friedrich-Museum eine sehr wertvolle tsciminlmtg von Kleinplastik in Porzellan vermacht. München. Dem Maler Ernst Liebermann ist die K o b u r g - G o t h a i s ch e Medaille für K u n st und Wissenschaft verliehen worden. Hagenau. Herrn Dr. Leon W e i l l, der der Beiwaltungskommission der hiesigen israel. Kultusgemeinde angchört, wurde der Charakter eines Sanitätsrates verliehen. Wien. Der während der letzten Kultuswahlen als Jüdischnationaler zum Mitgliede des Kultnsvorstandes gewählte und erst 33 Jahre zählende Advokat Dr. Leopold Padawer ist infolge eines Unsalles — er wurde durch ausströmendes Gas betäubt — verschieden. Reu-Rauhnitz (Oesterreich). Im Alter von 83 Jahren verschied hier Herr Moritz Oppenh e i m e r. Als Student trat O. in den Märztagcn 1848 in die Wiener Stndentenlcgion, in der er blieb, bis er nach Einzug des Fürsten Windisch-Graetz nach Ungarn flüchten mußte. Hier trat er als Leutnant in den Dienst der Revolutionsarmee. Ta er den Führer der Wiener Revolution, Tausenau, zur Flucht vcrholfen hatte, wurde er von hinein Kriegsgericht zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt, die er auf dem Spielberg absaß. Er lebte dann als Fabrikant in Bremen und Wien und später als belletristischer und historischer Mitarbeiter der „Weser-Ztg." und des „Bremer-Courier" in Bremen. Paris. Der deutsche Kaiser verlieh dem Chefingenieur der Ostbahnen Louis S a l o m o n den Roten Adlerorden 3. Klasse. Ans -er zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition de- Frankfurter Israelitischen Familienblattes gingen füi den Nationalsonds em: Anläßlich der Hochzeit Julius Gans— Johanna Mayer: Telegramm - Ablösung Familie Isidor Hirsch, Hermesweg Telegramm-Ablösung Herr Benzion Bamberger und Frau Telegramm-Ablösung Herr Saly Geis „ Herr Rabbinats- Assessor Lipinski und Frau Anläßlich der Hochzeit Leop. Schwab—Han ui Erlanger: Telegramm - Ablösung Familie Isidor Hirsch, Hermesweg —,50 —.50 Ji ,50 „ ,30 „ —,30 „ Telegramm-Ablösung Herr Jakob Fraenkel und Frau, München, Tattenbachstr. —,50 „ Telegramm-Ablösung Herr Carl Frenkel sind. med. aussFrankfnrt z. Zt. München —,50 „ L. Schapiro spendete am Todestage seiner sei. Mutter (12. Teweth) einen Baum im Herzlwalde 6,— „ Bei der Expedition des Frankfurter Israelitischen Familienblattes ging für die zu gründende Misrachi- Mittelschulc in Palästina ein: Herr Jakob Emanuel, Hamburg zur Hochzeit Leopold Schwab—Hanni Erlanger 1,— JA I. 2. ©enteilt gratuliert Herrn Jos. Hackenbroch und Frau 1,— „ Bei der Kommission für den jüd. Nationalsonds gingen ein: ai F ii r den H e r z l - W a l d: Zionistische Jugendgruppe je 1 Oelbanni für Mor. Rosenfeld <>,— JA. D. Wolssohn 6- „ De. Nordau 6,— Prof. Marburg 6- „ Ch. N. Bjalik o,— „ N. Sokolow 6,— Dieselben l Oelbaum für D. Wolssohn anläßlich der Adoption deS Sohnes von Theodor Herzl o,- 1 Oelbaum von L. Schapiro auf den Namen seines Großvaters L. Schapiro 0- Zusammen 48,— JA 1 A us B ü ch s e n: Georg Frendenstei'n 3,35 JA Pension Langer —,53 „ Lehrer Goldmann 4,04 „ Beruh. Jsaaksohn N. 1837 6,20 „ 3- Lipinsky 3,60 L. Neümann 1,09 Julius I. Gans 2,25 D. P. 1,35 Rufs. Seminar 3,30 Griinblatt ' 4,43 N. Liebes 1,14 R. Rosenheiiner 4,25 „ L. L. 1,50 Martin Wölf -17 Isaak L. Gölöschmidt 1,87 „ zusammen 87,07 JA Ferner Materialien von: Frl. E. Pineas: Samuel Rosenthal; Tr. L. Goldberg, Heddernheim. Sviatyn. M a k k a b ä er f e i er uNter Gendarm c r i c b e w a ch u n g! Ar der Makkabäerfeier, die unter riesiger Beteiligung und bei glänzendem Verlauf im Magistratsgebäude abgehalten wurde, hatte der Bezirkshauptmann die Teudcnzrede überhaupt verboten und die Festrede mir in polnischer Sprache erlaubt, — und zur Befolgung dieser Anordnung waren au chcr Saaltüre Gensdarmen mit aufgepflanzteni Bajonett und im Saal ein Kommissar mit Bleistift und Notizbuch postiert. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. »Die neuesten Ausgrabungen im Orient", über dieses Tbema sprach Herr Dr. I s a k H c i u e m a u u au dem dieswocheutlicheu Nereiusabeud des Vereins „T i - f c r c s B a ch u r i m". Wir entnehmen dem Vortrage folgendes: Mau hat sich mehrfach bemüht, die Abhängigkeit der religiösen Vorstellungen der Bibel von denjenigen anderer orientalischer Völker zu erweisen. Schon in Schillers „Sendung Mosis" liegt ein solcher Versuch vor. Gerade die letzten Ausgrabungen — nur auf diese wurde eingegangen — haben indessen ergeben, daß zwischen den ägyptischen, babylonischen und phonizischen Religionen einerseits und der jüdischen andererseits der fundamentale Unterschied besteht, von dem auch die Propheten zeugen. Die Versuche, den jüdischen Monotheismus auf den Sonnenkultus des ägyptischen Königs Chuenaton znrückznführe», können als aufgegeben gelten. In Babylonien finden sich «chöpfungs- und Sintflntmythen, die an die ersten Kapitel der Genesis anklingen: aber gerade in religiöser Hinsicht versagt die Analogie: dort unsittliche, uneinige Götter, hier der einzige Gott. Manche Bestimmungen des Codex Hammnrabi stehen auch in der Thora: aber gerade deren Humanitätsgesetze sucht man dort vergebens. Besonders interessant sind die Funde in Palästina, die der Vortragende an der Hand eines Referats des Leiters der österr. Ausgrabungen, Prof. Sellin von der Wiener Universität, eingehend besprach. In der Zeit vor der Einwanderung der Israeliten — nicht später — ist babylonischer Einfluß erweislich. Von der Religion der damaligen Bevölkerung erhalten wir ein nur zu anschauliches - Bild durch die zahlreichen Funde der Leichen geopferter Kinder; auch die sog. Bauopfer waren häufiger, als man angenommen hatte. IN israelitischer Zeit erfolgt eine Besserung; immerhin bestätigen die Funde von Götzenbildern die Klage der Propheten über das Eindringen heidnischer Gebräuche. Das Studium der kanaa« nitischen Funde zeigt, daß die Religion der palästinensischen Urbevölkerung zu den ticfstchenden heidnischen Religionen gehörte und von ihr zum israelitischen Gottesglauben keine Brücke führt. Frankfurt a. M. Im Verein »Montefiore" sprach am letzten Mittwoch Herr Kantor I. M. Levy über „Synagogale Melodien". Er führte ungefähr folgendes aus: Sicherlich hat schon König David einen Teil seiner Psalmen vertont, die von den Leviten gesungen wurden. Ob sich von diesen Melodieen noch Reste erhalten haben, ist nicht zu erweisen. Fest steht, daß im 14. Jahrhunderte bereits die Thora nach drei „Negonim" verlesen wurde, nach den deutschpolnischen, sephardischen und orientalischen. Auch las man damals schon die Gemorah in dem heute noch üblichen Sprechgesange. Ende des 14. Jahrhunderts erließ Maharil das Verbot, an den in den Synagogen eingefiihrten Melodieen etwas zu ändern. Mein trotzdem geriet der si,nagogale Gesang während der nächsten 2 Jahrhunderte in Verfall. Volkstümliche und kirchliche Sangweisen fanden Eingang; beispielsweise ist die berühmte „Moaus zur Jeschuosi"- Melodie wahrscheinlich aus ein altes Kirchenlied zurückzuführen. Die Hauptschuld an der Entartung des gottesdienstlichen Sanges muß indessen den damaligen Kantoren beigeinessen werden; sie suchten um jeden Preis das Gefallen der Hörer zu wecken, bedienten sich dazu bekannter Opermnelodiecn mit Koloraturen und anderen Geziertheiten und ließen sich von den „Meschorarim" seknndieren. Um 1550 wurde durch den italienischen Kantor Saloinon de Rossi eine Reform im guten Sinne hcrbeigeführt. Er bannte die genannten Ungereimtheiten ans dem Gottesdienste und führte statt dessen den mehrstimmigen Chorgesang ein; er selbst komponierte eine Reihe solcher Chorwerke, die indessen schwer sanglich sind. Herr Kantor Levy kam schließlich ans die Glanzzeit des jüdischen Chorgesanges seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu sprechen und hob rühmend die Meister des synagogalen Gesanges Snlzer, Naumburg und Lewandowski hervor. Er präzisierte das Charakteristische in der Kompositionsweise der genannten Tonschöpfer und Kantoren und ließ durch den Chor der Synagoge am Börneplatze treffende Beispiele zu Gehör bringen. („Mi seh Melech'- von snlzer und Naumburg, sowie „ilwiiuchoh jauniar" von Lewandowski). Die Gesänge des Chores unter der bewährten Leitung des Dirigenten Herrn Seckbach erfreuten sich, dank ihrer präzisen Ausführung, des Beifalls der zahlreich erschienen Zuhörer. Auch dem- Redner dankte man am Ende seiner interessanten Ausführungen sehr beifällig. Berlin. Der Israelitische Fortbild nngsve rein Montefiore veranstaltet am sonnabend, den 28. Dezember, 9 Uhr abends, in den Musiker Sälen, Kaiser Wilhelmstr. 18 m, einen öffentlichen Vortragsabend, an welchem der Großherzogl. Landrabbiner Dr. Mannheimer, Oldenburg, über „Charakter, Bildung und Erziehung, einst und jetzt" sprechen wird. Der Eintritr ist für jedermann — Tomen und Herren — unentgeltlich. Berlin. Am 25. Dezember findet in Berlin eine vertrauliche Besprechung zwecks Gründung eines „Verbandes gesetzestreuer Jngendvere i n e" statt. Alle Vereine, die einem solchen Verbände sich anznschließen und an dieser -Sitzung teilzunehmen wünschen, wollen sich dieserhalb an Herrn Edmund Lewy, Berlin, August-Straße 84, wenden. L. 6. Mainz. Die Rhenus-Loge mußteihr Chanuka-Fest 8 Tage verschieben, da der große Bankett-Saal der „Liedertafel" bis znm 8. Dezember täglich besetzt war. Aber an der diesjährigen Feier bewährte sich das Sprichwort glänzend: „Was la.ige währt, wird gut." Der Saat war schon um 3*4 Uhr vollkommen besetzt, obgleich er ca. 1000 Personen saßt. Schlag 4 Uhr ertönte das Glockenzeichen. Es wurde sofort totenstill. Me Lichter wurden entzündet, dann sang ein gemischter Chor „Moan3 z n r". Als der feierliche Akt 'beendet war, bestieg Herr Rabbiner Dr. S a l s e l d die Rednertribüne, um mit dem ihm eigenen Schwung eine Ansprache zu halten. Hierauf nur eine.kurze Pause. Alles wartete gespannt'auf das Hauptwerk der Feier, ei» Theater-, stück „Frauengestalten aus Israels Vergangenheit". 'Die talentvolle Verfasserin, Frl. Elsa Ne »garten, hatte die Hauptrolle, die Fee „Wohltätigkeit", übernommen und führte sie in jeder Beziehung glänzend durch. Der Grundgedanke des Stückes ist folgender: „Die Wohltätigkeit zaubert berühmte israelitische Frauen wieder aus dem Grabe auf diese Welt, damit sie den Kindern ihr Schicksal erzählen, so erscheinen Sara (Frl. Paula Lazarus), Mirjam (Frl. Johanna Mayer), Debora (Frl. Sophie Loeb), Rut (Frl. Caecilie Weis), Esther (gri. Flora Wolf). „Aber bei all' den edlen Gestalten, fehlt niir noch einer Mutter Walten," meint die Fee. Und siehe! da kommt in schwarzem Gewand, von tiefen I Runzeln das gramerfnllte 'Gesicht bedeckt, jene Hanna (Frl. Emmy airnon) aus der Makkabäerzeit, die gemordet wurde, nachdem vor ihren Augen 7 ihrer Söhne den Märtyrertod' gefunden hatten." -.vässefarf.: