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Neue jüdische Presse · 1907-12-06 · Heft 47 (6.12.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 47 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. Nr. 47. Lotte: .Wir hätten ja auch gern gewartet, bis alle da sind, aber die Reigenkinder durften nicht so lange bleiben. (Es klingelt.) Karl: Jetzt werden hoffentlich alle beisammen sei». Erna, R o s i, T r u d ch e n (kommen): Guten Tag. (Allgemeine Begrüßung.) K a r l: Na, nun mal schnell, wir wollen doch beraten: (ruft) 'Auguste! (kommt) Stellen Tie doch bitte den Tisch 'wieder her und bringen Sie aus dem Nebenzimmer noch einige Stühle. A n g u st e (zählt die Anwesenden und die Stühle und sagt verwundert): Wieviel Dutzend Stühle brauchen Se denn? Karl: Geloiß, wir brauchen eine Menge. Also bitte, etwas flink die Stühle! Auguste: Ick flieje! (Ab, kommt bald mit Stühlen wieder.) (Während die Stühle ausgestellt und im Halbkreis hingestellt werden, unterhalten sich alle geräuschvoll.) A u g n st e (beiseite): Mein Jott, der Lärm! Bloß jut, det de gnäd'ge Frau mit ihre Nerven »ich hier is. Unsereins hat ja Stricke! (Ab, indem sic sich die Ohre» zuhält.) 5. S z e n e. Die Vorigen, ohne Auguste. Karl: Ich bin der Aclteste von Euch, und Ihr seid wohl damit einverstanden, daß ich unsere Beratungen als Vorsitzender leite. Alle: Ja, ja! Ernst: Und ich bin Schriftführer! Karl: Also, ich bitte nm's"Wort! Also wir sind hier zusammcngekominen — — — Rosi (unterbricht kichernd): Ach, der will 'ne Rede halten! Karl: Seid doch mal ruhig! Also, wir sind hier znsamincngekommen — — — Trndchen: Fang' doch nicht immer von vorne an! Karl (mit dem Bleistift ans den Tisch klopfend): Silentium! Also wir sind hier zusammengekommen, um weiter zu beraten, mit welchem Theaterstück wir unsere Eltern zu Weihnachten erfreuen wollen! Hat Jemand von Euch einen Vorschlag zu machen? Lotte: Ich! Karl: Silentium für Lotte! Lotte: Ich wollte nur sagen, daß der Neigen auf jeden Fall bleiben kann. Erna: Ich finde aber, daß ein Reigen besser zum Schluß Paßt. Karl: Ja, dann haben wir wieder keine richtige Einleitung. Ein Prolog ist doch so langweilig. R o s i: Na, das ist doch sehr einfach. Da stellen wir uns um den Weihnachtsbaum herum und singen ein schönes passendes Lied. Erna. Lotte, Fritz (AchneinI Karl, Arthur, Ernst, Rosi, Trudchen(Ach ja! Ern st, Lotte, Fritz (sprechen eifrig miteinander). T r u d ch e n (freudig): Das wird ja famos, bei wem soll es denn sein? E r n st: Ich dachte bei Rosi's, die haben doch die größten Räume. Rosi (verlegen): Bei uns? Ja — ja — aber — na ja! ' Arthur (ungeduldig): Na, was denn? Rosi: Ach sch meinte nur, wir haben eigentlich sonst keinen Weihnachtsbaum, ich weiß nicht, ob meine Eltern — Arthur: Na, dann müßt 'Ihr eben einen anschasfen, das ist doch das wenigste. Rosi: Ja, ja, natürlich, ich werde das schon besorgen. Karl: Na also, um der Sache ein Ende zu machen: zuerst gruppieren wir uns um den Weihnachtsbaum und singen dabei ein Lied „Stille Nacht" oder irgend einen Choral. Ernst: Nicht so schnell, ich komme nicht mit (schreibt) Gruppe um den Weihnachtsbaum, Lied oder Choral. Weiter. Karl: Dann kommt also das Theaterstück und zum Schluß der Reigen. Ernst: (schreibend): Schluß Reigen. Karl: Sind nun alle damit einverstanden? Wer etwas einzuwenden hat, hebe den Finger. Erna, Lotte, Fritz (melden sich). Karl (erstaunt): Erna, Lotte, Fritz? Arthur: Was, Ihr seid doch aber grade sonst so vernünftig! ' Fritz (eifrig): Ja eben darum. Wozu brauchen wir denn einen Weihnachtsbaum? Trubchen (entrüstet): Na wißt Ihr, ein Weihnachtsfest ohne Weihnachtsbaum, das kann ich mir nun nicht rvrstellen. Das ist ja grade so wie Schlittschnhlausen ohne Eis. Karl: Ja, dann müßten wir eZ eben ganz und gar lassen. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Ernst, Rosi, Trubchen: Nöööö! Arthur: Ach, das wär' doch schade! Lotte: Im übrige», warum wollen wir denn überhaupt Weihnachten feiern? Feiern heißt doch, sich freuen, worüber sollen!vir uns denn da freuen? Rosi: Na, so'ne Frage! lieber die Geschenke! Lotte (belehrend): Ra ja, ich meine aber, ivelche Bedeutung hat denn für uns das Weihnachtsfest'? R v s i, T r n d ch e n , Ern st A r t h u r mache» Zeichen der Entrüstung, daß ihre Freundin Lotte daS nicht weiß, daun: T r u d ch e n (entrüstet): Na weißte, das weißte nicht? Na, — na — na — eben Weihnachten! (Alle lachen) (beiseite): ich weiß es wirklich auch nicht. Arthur: Das ist ja auch ganz egal: was sollen wir uns denn darüber den Kopf zerbrechen! Ich setze gar nicht ein, warum wir uns das Vergnügen entgehen lassen sollen! Trubchen: lind was wirb aus meinem Wunschzettel? Ich freue mich schon das ganze Jahr lang auf meine Kugelgelcnkpnppe init Schlafaugen! Ernst: Und meine Uniform! 'Nee das geht nicht! Erna: Erlaubt mal, dann wäre also die ganze Sache nur eine Kinderei. Dazu sind w i r doch zu groß. Eigentlich müßte doch das Fest für uns einen Sinn haben. Karl: Ach, Kinderei! Erna: Ja, Du hast recht, Karl, eigentlich ist es noch schlimmer als eine Kinderei: eine Nachäfferei ist cs! E r n st: Finde ich gar nicht! Fritz: Dann würdest Du wohl auch nichts dabei finden, wenn z. B. die Türken das Sedanfest feierten! (Schallendes Gelächter.) A r t h n r (lachend): Ist das ein Einfall! Karl: Wißt Ihr, offen gestanden, eigentlich ist das ja richtig: aber schließlich, uns deswegen das Weihnachtssest verscherzen? E r n a (vorwurfsvoll): Dann hast Du wohl vergessen, daß wir Inden auch ein Weihnachtsfest haben! Rosi, Trubchen, E r n st, A r t h u r (sehr erstaunt: Was? wie? R oft (überlegen lächelnd): Ach, Du wirst Dich wohl irren, oder hast es verwechselt. Fritz: Nein, nein, sie hat ganz recht, das Channkahsest! Einige (erstaunt): Was ist denn das? Andere: Was meint Fritz denn? Trubchen: Nun, hat das vielleicht mehr Sinn? Erna: Natürlich, wißt Ihr denn nicht, warum wir das feiern? Lotte: Das hat sogar sehr viel Sinn. Karl: So, na sag' doch 'mal. Erna (zu Fritz): Fritz, Dü hast doch mal die Geschichte in' Versen erzählt. Rosi, T r n d ch e n, A r t h n r (bestürmen ihn): Erzähle bitte, erzähle! Fritz: Wenn Ihr wollt, sehr gerne! (Alle gruppieren sich um ihn herum.) Wenn es draußen stürmt und friert. Schneebedeckt sind Wald und Flur, Herrscht im Judentum noch heute Lust und helle Freude nur. Jst's vielleicht der Schein der Lichter, Der die Herzen so erfreut, Oder künden sie uns Taten, Einst gescheh'n in alter Zeit? Einst — vor vielen Hundert Jahren Gaben Helden hin ihr Blut, Gott bem Einz'gen galt ihr Ringen, Ganz beseelt von Glaubenswut, (Hält, in ne.) Nicht umsonst die Tapfer» starben: - War auch heiß die große Schlacht, Ward am End' der Feind bezwungen. Hat die Freiheit uns gelacht. Arthur: Helden? — Wer waren denn die? Fritz: Hört nur weiter. (Alle in gesteigerter Spannung.) Israel ward einst bedrücket. Von der Syrer roher Schar, Grausam man von Inden fordert, Hinznknien anc Altar, Den die Heiden ihnen zeigten. - Wer nicht tat nach dem Gebot, Wer der Väter Glauben ehrte. War geweiht dem grausen Tod. Ernst: Den Juden wollte man ihren Glauben nehmen? Erna: Gewiß nnd man verlangte sogar von ihnen, daß sie sich zum Heidentum bekehrten. Lotte: Und in ihre Tempel stellte man Götzenbilder, die sie anbeten sollten. Arthur: Das haben die Juden doch wohl nicht getan? Fritz: So hört! Den strengen Worten sich zu fügen. Gar mancher feige Knecht sich fand; Manch einer hat, um nicht zu leiden. Zum Heidentumc sich bekannt. Alle: Was? nicht möglich! F ritz: Nun wenige beharrten Entschlossen und voll Mut: „Wir weichen nicht vom Ew'ge», Der unser höchstes Gut!" Rosi und Trndchen (erregt): Wer war so stark, wer tat das? Fritz: Die tapfer» Makkabäer! Voran ihr edler Held; Makkabi führt voll Glaubeiismiit Sie in das Kampfesfeld. Wohl war der Feind in Ueberzahl In diesem Schreckcnskrieg; (alle angstvoll gespannt) Doch Gott, für den Makkabi stritt. Half ihm zum großen Sieg! K a r l (begeistert): Hoch die Makkabäer. Alle: Hoch, hoch, hoch! Ernst: (nachdenklich): Alle Achtung! Da waren ja die Juden ebenso tapfer wie die Buren. — Und die Makkabäer haben durch ihren Kampf unsere Religion erhalten! So, nun verstehe ich erst ganz, was das Fest eigentlich bedeutet. A r t h u r: (entschlossen): Ra, dann ist es doch aber am natürlichsten, wenn >vir Juden das Chanukahfest feiern! K a r l: Ja, du hast eigentlich recht. Das ist ein glücklicher Einsall, also ich feiere das Chanukahfest! A l l e: Ich auch, ich auch. Lotte: Ich denke auch, wir brauchen uns nicht erst ein Fest zu borgen. Rosi: Bekommt man da aber auch was geschenkt? Erna: Da mußt du schon bis Purim warten; doch dieses schöne Fest ist auch bald. Trndchen: Aber was wird nun aus unserem schönen Weihnachtslied? Lotte: O, wir haben auch ei» Lied. Kennst du nicht „Schirm und Schutz?" Trndchen: Ach, jetzt geht mir ein Licht ans! Das ist das Chanukahlied! Erna: Ja freilich. Alle (durcheinander): Das kenne ich auch! Karl: Ich bitte »ins Wort! Dann wollen wir die bereits getroffenen Vorbereitungen zur Chanukahfeier verwenden und als Einleitung singen wir unser Lied. — Wir können es ja gleich einmal proben. Lotte: Ja gewiß; ich kenne auch die Begleitung dazu. Doch zu dieser Feier bedürfen wir einer Menorah. Trndchen: Menorah? Was ist denn das? Erna: Das ist der Leuchter zu 8 Lichtern. Am Abend des 24. Kislew wird 1 Licht angezündet und dann jeden Abend eins mehr, bis 8. Karl: Solch einen Leuchter haben meine Elter» auch; ich hole ihn sogleich. (Ab.) Fritz: Ach, wird das eine Freude sein! Zuvor üben wir einmal das Chanukahlied. Karl kommt mit der brennenden Menorah herein, und Fritz stinimt die Chanukah-Hymne an, die alle mitsingen. Am Schluß des Liedes fällt der Vorhang. Maiser Friedrich Quelle - Offenbach a. 31. - Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Woches-SaLeu-er. (Zeitangaben nach dem Loacb.) Samstag, den 7. Dezember (= 2. Tewes): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. ö Uhr 15 Min., in Berlin 4 Uhr 45 Min. Die Sidra M i k e i z erzählt von Pharaos Träumen. Er sieht sieben fette und sieht magere Kühe, sieben volle und leere Aehren. Keiner rann dies deuten. Der Mundschenk erinnert sich an den Träumedeuter Josef. Dieser wird aus dem Gefängnisse geholt und deutet die Träume als auf sieben fruchtbare und sieben unfruchtbare oder Hungersjahre hinweisend. Er wird mit königlichen Ehren überhäuft, erhält

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