Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 46 (29.11.1907)
- Date
- 1907-11-29
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite lö. Urarckfurter JsraelitlDeS gomtKenllatt Nr. 46. Bloch j u n., Großvogel und Klein. Zur Uebernahme der verschiedenen Vorträge in Talmud und Bibel, die allwöchentlich abgehalten werden, haben sich die Herren Großvogel und Klein in liebenswürdiger Weise bereit erklärt. Die Zahl der Mitglieder beträgt gegenwärtig 16, und >es ist zu hoffen, daß der Misrachi unter den gcsctzcstreucn Juden, die bis jetzt dem Zionismus sernstanden — Anhänger finden wird. Essel(Kroatien). Zionistischer Wahlsieg. Bei den Wahlen für den Vor st and der jüd. Gemeinde siegte die Liste der Iüdischnatio - n a l e n. Der Ibgliedrigc Vorstand besteht insgesamt aus Jüdischnationalen, von denen 6 ausgesprochene Zionisten sind (darunter Dr. Hugo Spitzer, Mitglied des Aktionskomitees). Lemberg. Ein schönes Beispiel. Herr S. Paßwig aus Przemyslany hat eine Lebensversicherung aus 2000 Kronen z u Gunsten des Nationalfonds geschlossen. Aus -er Lehrerwett. Meran. Dr. Heinrich Wiesel, Hörer des Rabbiner-Seminars in Berlin, ist zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. New-Nork. Dr. David de Sola Pool, der in Newyork, Berlin und Heidelberg studierte, in Berlin auch das Rabbinerseminar besuchte und vor Z Monaten in Heidelberg „summa cum luucko" zum Doktor promovierte, ist zum R a b b i n a t s - A s s i st e n t e n des Rabbiners Dr. H. P. Mendcs in der hiesigen Synagogengemeindc „shearith Israel" g e w ä h l t worden. Aus den Vereinen^ Frankfurt a. M., 28. Nov. In seinem Vortrage: Moderne soziale ErrungenschaftenimLichtederjüdischenGcfetzgebnug, den Herr Moritz A. Loeb gestern Äbend im Verein „Nachlaß Ziv i" hielt, beschästigte er sich besonders mit Henry George's weltberühmtem Buche „Progreß and Poverty", welches das soziale Elend darauf zurückfüyrt, daß sich der Grund und Boden in den Händen des Einzelnen befindet, und verlangt, daß die Grundrente durch den Staat aus dem Wege einer einzigen Steuer (single tax), durch die alle anderen Steuern ersetzt würden, eingezogen werde. Uns Juden bietet, so führte Redner iveiter aus, die „Bodenreforinbewegung" als solche nichts Neues, denn ihre Prinzipien sind bereits in unserer 3Vs Jahrtausende alten Thora als die sozialen Grundlagen des jüdischen Staates gegeben (Jauwel). Auch die „Gartenstadt", die „Armenpslcge", das „Wuchcrgesetz", „Bezahlung der Ucberstunden und Regelung der Lohnauszahlung der Arbeiter", all' diese modernen sozialen Errungenschaften hatten in dem jüdischen Gesetze bereits ihre Verwirklichung gesunden. Und so drängt sich auch'bei Betrachtung des sozialen Gebietes die Erkenntnis auf, daß die Thora kein Menschenwerk sein kann. Die einstündigen, klaren und instruktiven Ausführungen des Redners machten die Zuhörer mit Ideen bekannt, von denen unsere orthodoxen jungen Leute in der Regel leider wenig Ahnung haben, trotzdem die Bekanntschaft mit diesen Ideen Verständnis und Begeisterung für das Judentum ungemein fördert. Frankfurt a. M. In der „Loge zum Frankfurter Adler" hielt am Montag Herr Dr. M a n n - heimer, Landesrabbiner zu Oldenburg, auf Veranlassung des Vereins jür jüdische Geschichte und Literatur einen Vortrag über „Bildung, Charakter und Erziehung im Judentum ein st und jetz t." Redner führte folgende Gedanken aus: Um ein Volk in seinem Wesen und in seiner Eigenart zu erhalten, muß für sein individuelles Leben in gedeihlicher Weise Sorge getragen werden, cs müssen Charaktere herangebildet werden, — und dies kann nur durch eine vernünftige Erziehung und eine wahreBildung erreicht werden. Der Hauptunterschied in der Erziehungsweise der Juden und Griechen lag darin, daß die Griechen ihr Augenmerk auf das Ganze — die Staatsidee war das leitende Prinzip —, die Juden dagegen auf das Einzelne, Individuelle, das Leben des Einzelnen, der „bezelem Elaukim" geschaffen ist, legten. So sieht man, daß, während bei den Griechen der Einzelne nur nach dem Nutzen, den er dcm Staat bringt, bewertet wird — deshalb die mißachtende und ungerechte Behandlung der Schwachen und Kranken — sich bei den Juden der von der Natur besonders Zurückgesetzte einer besonders guten Be- Handlung erfreut. Bei den Juden steht die Pflege und Erziehung des Einzelnen auf dem ersten Plan. Die Schule ist ein gewichtiges Moment beim Judentum, ja noch mehr: sie steht über allem. Die Bildung des Jünglings hat den größten Platz im jüdischen Leben die ganze Zeit seiner Geschichte hindurch eingenommen, und in dieser Erscheinung liegt der Schlüssel zu Israels Erhaltung. Heute hat leider an Stelle einer richtigen jüdischen Bildung eine Ueber- Bildung, die nur mit äußerem Schliff zu tun hat, platzgegriffen; Seelenbildung und Pietät sind geschwunden. Der Vortrag wurde mit großem Interesse entgcgengcnommen. Die Briefmarken-Abteilnug des Rationalfouds. Eine Quelle zur Erhöhung seiner Einnahmen. Die Zionistische Organisation hat seit einiger Zeit mit vielem Erfolg sich eine Quelle zur Erhöhung ihrer Einnahmen durch Sammlung und Verwertung von Briefmarken erschlossen. Die aus dieser Sammlung erzielten Gelder fließen dem Jüdischen Nationalfonds zu, einem Fonds, der dazu bestimmt ist, in Palästina Land zu erwerben. Es beteiligen sich an der Sammlung für diesen Sondcrzwcck seit geraumer Zeit nicht nur Angehörige der Zionistischen Organisation, sondern auch viele Freunde der Palästinasache, die im übrigen den zionistischen Plänen fernstehen. Diese Briefmarkenabteilung des jüdischen Nationalfonds wird von Herrn D r. I u l i u s Löwenheim, Berlin SW., Beuthst r. 1, einem bekannten Philatelisten, verwaltet. Um min sowohl diesem Herrn, als auch den Sammlern unnötige Arbeit zu ersparen, möge die folgende Anleitung zur Notiz genommen werden: Behandlung der Marken: Am bequemsten ist es, die Marken aus den Kuverts init der Schere so auszuschneiden, daß noch um die Marke herum ein Papierrand bleibt, der verhindert, daß die Zähnchen der Marken lädiert werden. Wer noch ein weiteres tun will und geschickt und vorsichtig dabei verfährt, kann die aus den Kuverfß. £ außgeschnittenen Marken noch von dem an ihnen haftenden Papier auf 'folgende Weise loslösen: In eine mit kaltem oder lauwarmem Wasser gefüllte Schale, z. B. Waschschüssel, werden die Marken so hineingelcgt, daß die farbige Seite nach, oben'sicht, und sie mit der Rückseite, an der das überflüssige Papier haftet, auf dem Wasser schwimmt. Dadurch wird erreicht, daß die bei vieleit Marken löslichen Farben nicht abgehcn, was abcrueisttreten würde, locnn die Marken mit der farbigen Seite nach unten ins Wasser gelegt werden. Die Märken müssen ca. 10 Minuten uns dem Wasser schwimmen, bis das Papier durchweicht ist, dann kann man sie in diesem halbnassen Zustande mit Leichtigkeit abziehen, ohne sie irgendwie zu verletzen. Darauf legt man sic zwischen Lösche Papier zum Trocknen; und erst nach, dem völligen Trocknen dürfen sie in Kuverts gesteckt und der Briefinarkcnabteilung des Nationalfonds zugcschickt lvcrden. Das vielfach übliche Bündeln der Marken und Umwickeln mit Zwirnfäden ist unnötig und unzweckmäßig, da sic dadurch leicht verletzt werden. Welche Marken soll man sammeln? Natürlich keine dcutswen 3, 5 und 10 Pfg.-Marken oder österreichische 5 und 10 Heller-Marken ic., sondern nur die seltener vorkommendcn Werte, wie sie für Drucksachen, Einschreibebriefe, Geldbriefe, Postanweisungen und Packete gebraucht werden, besonders diejenigen Marken, deren anfgedruckter Wert 20 Pfg. oder 25 cts. oder Heller, 14 Kopeken usw. übersteigt. Von den jetzt vielfach ausgegebenen Gedcnk- und Jubiläumsmarken und von den Marken der verschiedenen kleinen Staaten, besonders der exotischen, die, entsprechend dem geringen Verkehr, nur in kleiner Auflage erscheinen, sind natürlich alle Werte, auch die kleineren erwünscht. Außer den üblichen zur Frankatur gebrauchten Briefmarken werden von vielen Postverwaltungcn noch Portomarken, oder wie das Publikum sie nennt Strafportomarken ausgegeben, die von der Post auf nicht genügend frankierte Briefe geklebt werden, und außerdem noch sogenannte Dienstmarken, die für die Korrespondenz oer Behörden mit dem Publikum in vielen Staaten benutzt werden. Diese beiden letzteren Sorten sind ebenso wie die vorher erwähnten höheren Werte der Freimarken und der vielfach zur Frankierung von Zeitungen gebrauchten Zeitungsmarken sehr 'erwünscht. In Deutschland und Belgien gibt cs noch eine Sorte Marken zur Frankierung der Eiscnbahnpackete und Frachtbriefe, analog den Postpacketen; auch diese.Eiscnbahnmarken, von denen es in Deutschland so viel Abarten, wie Eisenbahn- Verwaltungen gibt, können eingesandt werden. Von allen Postverwaltungen werde» außer den Marken noch Postkarte» ohne und mit Antwort, Weltpostkarten ohne und mit Antwort, Kuverts, Kartenbriefe, Streifbänder, Postanweisungen und Einschreibekuverts (letztere in England und seinen Kolonien) äusgegeben, die alle den Wertstempel oder die Marke gleich eingedruckt tragen; diese alle Iverden von den Sammlern mit deni Namen Ganzsachen bezeichnet und auch als ganze Sachen gesammelt, d. h. die eingedruckten Marken dürfen niemals aus den Ganzsachen ausgeschnitten iverden, da diese sonst wertlos werden; auch, etwaige auf ihnen klebende Marken dürfen nicht entfernt werden. Kunst und Literatur. MosesMendelssohn. Ein Lebensbild für die israelitische Jugend von I. Herzbcrg. Hcrausgcgeben unter Mitwirkung der Jugendschriften- Kommission der Großloge für Deutschland 1111. U. 0. B. B. 110 Seiten, elegant gebunden, 1,50 JL Leipzig, M. W. Kaufmann. Das vorliegende Buch ist das erste der neuen israelitischen Jugendbücher „Saron", die Schriften bieten will, deren Inhalt geeignet ist, „der Jugend Herzen in Liebe und Begeisterung für den angestammten Glauben zu entflaininen und ihren Sinn für die glorreiche Vergangenheit des jüdischen Volkes zu wecken." Jugendbücher können nicht streng genug beurteilt werden, denn hier kann ein Ausdruck oder eine Bemerkung ,jum bleibenden Eindruck werden, der auf den iverdcnden Menschen bcstinrmend 'wirkt. Der Verfasser, der übrigens ein.vorzüglicher Jugendschriftsteller ist,' gebraucht lviederholt sür diejenigen, die sich aus Furcht vor einer Assimilation zu Mendelssohn's Zeit gegen die Erlernung der rein-deutschen Sprache und gegen die Beschäftigung mit den Wissenschaften wendeten, den Ausdruck „fronime Eiferer". Die Bezeichnung ivärc bedeutungslos, wenn der Verfasser den Anschauungen dieser Leute gerecht zu werden versucht hätte. Das ist aber nicht geschehen, und - so bleibt bei manchem jugendlichen Leser leicht ein Stachel gegen „fromme Eiferer" zurück. Natürlich verschweigt Verfasser dann auch, daß grade die mit Mendelssohn begonnene Erziehung der Juden zum Deutschtum — und nicht zur deutschen Sprache, die sie sich allmählich von selbst vollkommen zu eigen gemacht hätten — es war, die — wie Mendelssohns Nachkommen — Tausende und abermals Tausende dem Judentum entfrcnidet hat. Ohne Mendelssohns Bedeutung zu verkleinern, hätte diese von ihm natürlich nicht 'Leahnte Folge seiner Tätigkeit für die Juden nicht übergangen werden dürfen. So wäre die Schrift vollivertig geworden, denn alles klebrige an ihr — Inhalt, Schreibweise und Ausstattung ist tadellos. Die Musik-Mappe. Heft 2, Preis 50 Pfennig. Verlag W. Vobach L Co., Berlin, Leipzig, Wien. Das besonders in Original-Kompositionen moderner Meister reichhaltige Heft enthält einen Aufsatz des bekannten Synagogenchor-Dirigenten Albert Kellermann: „Die altjüdische Musik und ihre Verwendung im modernen Gottesdienst". JHr. Percy Gill’s Institut Kaisers trosse 31* -Nationale Lehrkräfte. ■ JEngJ., Franz», Xtal», 8j>an., Hubs• Vereins-Kalender. Verein Mekor-Chajim. Samstag, 30. Nov., nachm. 3% Uhr: Mikro-Vortrag des Herrn Jos. Bamberger. Sonntag, 1. Dezbr. (Schiitzenstr. 2): Der planmäßige Gcmoro-Schiur des Herrn Dr. Josef Breuer wird von 4 Uhr aus Q Uhr abends verlegt. „Montefiore"-Vereiu. Freitag, 29. Nov., abends 8Vs Uhr: Gemütliches Beisammenscin. Montag, 2. Dezbr., abends 9 Uhr: „Leseabend". Bergnügnugs-Gesellschaft junger Leute. (Gegründet 1893). Samstag, 30. Nov., abends 9 Uhr, im Saale des „Karlshans", Scilerstraßc: 14. Stiftungsfest und Channkafeier. Bergniigungs-Clnb junger Leute. (Gegründet 1807). Samstag, 30. Nov., abends 9 Uhr, in den Räumen der Börse (I. Stock), Schillerstraße: Chanukafeier und I. Stiftungsfest. Verein „Nachlatz Zwi". Mittwoch, 4. Dezbr., abends 87L> Uhr, im Hörsaal, Schützenstr. 12: Festvortrag des Herrn Provinzialrabbiner Dr. Cahn in Fulda: Jüdisches Sclbstbewußtsein und Assimilantentum. — Eine Chanukabetrachtung. — Vor und nach dem Vortrage musikalische und deklamatorische Darbietungen. H a m b ur g - Am c r i k a - L i n i e. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern finden statt: Nach Newyork: 28. 11. Postö. Amerika, 30.11. Postd. Pennsylvania, 7. 12. Postd. President Grant, 11. 12. Postd. Kaiserin Auguste Viktoria, 14. 12. Postd. Pretoria, 21. 12. Postd. Patricia, 28. 12. Postd. Blücher, 4. 1. 08 Postd. Graf Waldersee, 8. 1. 08 Postd. Ocean, 11.1. Postd. President Lincoln. Wir bitte» unsere Leser, ihre» Bedarf unter Bezugnahme auf unser Blatt bei unsere« Inserenten zu decken. Frankfurter Israel. Familieublatt.