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Neue jüdische Presse · 1907-11-22 · Heft 45 (22.11.1907) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 45 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
Seite 11 (sequence 12)
Language
German
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Nr. 4L. 8. unsere -Schwestern dürfen sich auf Lebenszeit M versorgt betrachten; sie beziehen bei vollständig freier Station ein bis zu 600 Mark ansteigendes festes Jahresgehalt und im Falle der Arbeitsunfähigkeit ein Ruhegehalt von bis zu 1000 Mark im Jahre, während sie in Krankheitsfällen sorgfältige und unentgeltliche Verpflegung genießen; 4. unsere Schwestern haben jedes Jahr Anspruch auf vier Wochen Urlaub;! 5. die Ausbildung unserer Schwestern erfolgt kostenfrei in unserem Berliner Mutterhause, wie auch die Kosten der vor dem Eintritt etwa erforderlichen Reisen von uns bestritten werden; 6. ausgenommen wird jede unbescholtene, gesunde und gebildete JAdin im Alter von etwa 20 bis 30 Jahren. , Aber noch unendlich höher als die soziale Seite veranschlagen wir die ethische Bedeutung dieses Werkes! Seit alters her galt uns Juden die Krankenpflege ohne Ansehen der Person, des Standes oder religiösen Bekenntnisses als eine der vornehmsten Liebestaten, und wir erweisen uns der Väter nur würdig, wenn wir sie wieder in Uebung bringen. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Kommission für den jüd. Nationalfonds gingen ein: Aus Büchsen: Frau Eßmann, Ob. Atzemer 10 19,72 JL Frau A. Seeligmann, Röderbergweg 5,63 .„ N. N., Uhlandstraße' 1,31 „ Selma u. Joseph Levigard, Seilerstr. 3,40 „ Gesammelt bei der Versammlung im Kaiserhof 5,15 „ 65,21 Jk Ferner an Staniol: Von Frl. Alice n. Irma Rothschild, Grünestr. 12. Nß. Die geehrte» Sammler und Sammlerinnen ron Staniol werden höfl. ersucht, das Gesammelte noch möglichst vor Chanuka bei Herrn David Hamburger, Grünestr. 29, Part., abliefern zu wollen. Frankfurt a. M., Lg. Nov. Der Genuß, von einem Kongreßteilnehmer den letzten Kongreß in seinen charakteristischen Momenten so lebendig und anschaulich wie ein naturgetreues Bild geschildert zu bekommen, wurde den Besuchern der von der Z i o n. Ortsgruppe gestern veranstalteten Versammlung zu teil. Herr Julius Simon, der Redner, ist einer der tätigsten unter de» Zionisten Deutschlands, und seine Verbindung mit der gesamten Maschinerie der zion. Bewegung ist seit Jahren eine innige. Den Lesern dieser Zeitung sind die Kongreßverhandlungen in ihren Einzelheiten und in ihrer kritischen Gesamtbeurteilung wohl noch in Erinnerung. Auch 'Herr Julius Simon bestätigte, daß der Kongreß einen Markstein der zion. Bewegung in ihrem Vorwärtsschreiten bedeutete. Neben der Schilderung des Kongresses gab Redner einen Ueberblick über die Entstehung und Entwickelung des Zionismus und am Schlüsse seiner Ausführung eine Zusammenstellung des reichen Arbeitsprogrammes, das 'bis zum nächsten Kongreß ausgeführt sein soll. Frankfurt a. M. Julie Herzl, die Witwe des unvergeßlichen Führers der zionistischen Bewegung, ist in Alt-Aussec im Mer von 38 Jahren an einem schweren Herzleiden, das sie sich bei der unermüdlichen Pflege ihres Gatten zugezogen hatte, verschieden. Der 16jährige Sohn und die drei Töchter Herzls sind nun Doppelwaisen. Hamburg. In einer von der zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona einberufenen, von ca. 600 Personen besuchten öffentlichen jüdischen Versammlung sprach. Dr. Sch e m a r j a L e w i n - Wilna über jüdische Kultur- und Erziehun gsaufgaben. Das Judentum der Diaspora, so führt der Redner aus, befindet sich überall in einem Zustand halber Assimilation; eine vollständige Assimilation der jüd. Massen ist unmöglich, denn sie ist gleichbedeutend mit einem Selbstmord, der doch eine norniale Geistesauffassung ausschließt. In den westlichen Ländern (und im Osten nimmt die Entivicklung den gleichen Gang) sind die Juden gezloungen, an der Kultur der anderen Völker mitznarbeiten und ihre Sprache zu ireden. Die hebräische Sprache bleibt da nur ein Kunstprodukt. Gegenüber dieser Beteiligung an der allgemeinen Kultur crscheiiit vom national-historischen Standpunkt nicht etwa eine kulturelle Reaktion wünschenswert, sondern nur die Forderung einer nationalen Konzentrierung. Das Ansehen, dessen sich eine Nation in der Welt zu erfreuen hat, beruht auf der Produktion von kulturellen Werten im Rahmen eines geschlossenen Volkstums. Den Inden versagt man diese Achtung, weil sie angeblich nichts Eigenes zu bieten haben. Ihre Tragik liegt darin, daß sie gezwungen sind, ihre in ethischer und intellektueller Hinsicht reichen produktiven Kräfte kn den Dienst anderer Nationen zu stellen, und daß ihre Leistungen nicht auf ihr eigenes Konto gesetzt werden. Ein Heine ist ein deutscher Dichter, ein Spinoza ein holländischer Philosoph, ein Liebermann ein deutscher Maler, der Glanz, der von ihren Werken ausgeht, dient nicht dazu, die Ehre und das Ansehen ihres Stammes zu heben. Darum besteht bei dem heutigen Zustand im Verhältnis der Juden der Diaspora zu ihrer Um¬ Frankfurter JsraelitisHes Famllienblatt. gebung keine wirkliche Harmonie; selbst in Amerika zeigt die Judenheit, da sie von ihrer Freiheit spricht, daß sie in Wirklichkeit nicht frei 5,t. Diese Harmonie, die darin besteht, daß die Volkszugehörigkeit ebenso wenig ständig empfunden wird wie das Vorhandensein eines' gesunden Körperteils, kann nur dort zur Entfaltung gelangen, wo die Bedingungen für die Entwickelung eines selbständigen jüdischen Volkslebens gegeben sind, d. h. in Palästina. Hier ist das Hebräische die natürliche Umgangssprache, und nur hier kann eine neue jüdische Kultur entstehen, die wie von eineni Brennpunkte ckns ihre belebenden Strahlen in die Länder der 'Diaspora sendet. — Die Ausführung Dr. Le'wins, mit zündender, fast prophetischer Beredsamkeit vorgetragen, weckten stürmischen Beifall. Der bekannte Hamburger National - Oekonom Herr Ernst Raphael May betonte in der D i s k u s s i o n, daß eine günstige Entwickelung der palästinensischen Juden nur aus der Basis' der gemeinsamen hebräischen Sprache möglich sei. — Der Abend brachte unserer Ortsgruppe eine Reihe neuer Mitglieder, in erster Linie aber bedeutete er für den hiesigen Zionismus einen gewaltigen moralischen Erfolg. Teplitz-Schönau (Böhmen). Hier sind bereits 1135 Kronen für den zion. Parteifonds gezeichnet worden. Warschau. Die Agitation des Jüd. Nationalklubs gegen das herrschende System in der jüdischen Gemeinde gewinnt ständig an Boden. Es sind bereits drei öffentliche Versammlungen abgehalten worden. Die letzte >var besonders interessant.' — Dr. Davidsohn, der Vorsitzende des Jüd. Naiionalklnbs, teilte mit, baß endlich mit dem korrupten Recht, bei den Wahlen seinen Stimmzettel durch einen zweiten übergeben zu lassen, aufgeräumt worden sei; nunmehr müsse jeder persönlich sein Wahlrecht ansüben. — Dr. Aerson L e w i n schilderte die Zustände in den Gemeinde-Institutionen. Alles ist tot und im Verfaulen. Ueberall das Bestreben, zu volonisieren. Um hier bessernd einzugreifen, ist es vor allen Dingen nötig, den Wahlmodus auf eine demokratische Grundlage zu stellen. — Die Gemeinde, so führte der nächste Redner, H. F a r b st ein, aus, ist wie ein Geschäft, das liquidiert; wo es nur geht, räumt sie rnit dem Jüdischen. In ihren Schulen wird die polnische Geschichte von Anfang bis zum Ende gelehrt und die jüdische kaum bis zu König Saul. Die Lehrer der Talmud - Thora - Schulen erhalten als die Aschenbrödel unter den Geineindebeamten 450 Rbl. Jahrcsgehalt. Eine Malerin, die die Gemeinde um Subvention ersuchte, sollte erst die Bedingung eingehen, nicht mehr Bilder mit jüdischen Sujets, sondern nur solche mit polnischen Sujets zu malen. — Nachdem noch ''mehrere Redner gesprochen hatten, nahm die Versammlung eine Resolution an, die auch'auf den vorhergehenden Versammlungen angenommen worden war. London. Ein Brief Moses Mendelssohn's über den Zionismus an einen unbekannten Adressaten wird in der „Jtzwish World" in Erinnerung gebracht. Der Brief lautet: „Obwohl meine Kenntnisse auf dem Gebiete der politischen Wissenschaft sehr armselig sind, gestehe ich mit Vergnügen, daß der Gedanke, Palästina durch das jüdische Volk zu neuein Leben zu erwecken, großartig und erhaben ist. Der Urheber und Verbreiter dieses Gedankens ist ein begeisteter und tapferer Känipfer. Sein volles Vertrauen' zu seinem Ideal und sein Glauben an dessen Verwirklichung haben ihm den Mut und die:Kraft verliehen, den praktischen Teil des Palästinawerkes zu beginnen. Aber ich bin nur ein Mann der philosophischen und nicht der praktischen Arbeit und es ist für mich schwer, mich mit all den großen Schwierigkeiten auseinanderznsetzen. Ich will indessen gestehen, daß ich bei der Verwirklichung der Palästinaidee nicht äußeren Widerstand, sondern lediglich innere Hemmnisse befürchte, welche von der Eigenart unseres Volkes herrühren. Unser Volk ist, zufolge der alten Bedrückungen, einer unabhängigen Lebenskraft beraubt. Die natürliche Neigung aller Völker, in ihrem eigenen Lande unabhängig zu leben, fehlt meinen Brüdern gänzlich. Wir begnügen-uns init unserer intelektuellen Welt und auf Gott vertrauend, ertragen wir mit Mut alle Schicksalsschläge, alle Verfolgung und Unterdrückung, ohne etwas zu unserer Befreiung zu unternehmen. Ich bin im Zweifel, ob unser zerstreutes Volk seine Einigung wünscht und ohne Einigung aller Kinder unseres Volkes gibt diese herrliche Idee keine Hoffnung auf Verwirklichung. Jedenfalls ist das Palästinawerk ein unermeßlich großes und um es zu Ende zu führen, sind fürstliche Schätze und große Macht erforderlich. Aber unser Volk ist nichit reich genug und unsere wenigen Millionäre werden ihre Taschen nicP zum Besten ihres Volkes öffnen. Meiner Meinung nach hat die Idee die beste Aussicht auf Erfolg zu einer Zeit, wenn die großen Mächte im Streite miteinander liegen und nicht zu einer Zeit, wo Ruhe und Frieden in Der politischen Welt herrschen. Ich retourniere Euer Hochgeboren alle mir übersandten Papiere und versichere, daß ich die Angelegenheit stets geheim halten werde. Berlin, 26. Juni 1770. Moses Mendelssohn." Philadelphia. Zwei neue zionist. Vereine der» dienen besonder« Erwähnung: Die „Organisation der Seite 11. jüd. Studenten in der National-Farmschule zu Do« glestown" und di« „Organisation der Schüler beS WoodbinerAgrikulturinstitutes". Die Mitglieder dieser beiden Organisationen wollen nach Vollendung ihrer Studien nach Palästina auswandern. Den Assimilanten. Glaubt Ihr wohl. Ihr werdet finden Ruhe einst — im fremden Schoß? Und Ihr könntet Euch entwinden Eurem jüd'schen Namen bloß? — Meint — nun seid Ihr frei vom Drucke, Der den Juden stets umgibt. Wenn Ihr nun mit einem Rucke Alles Jüd'sche von Euch schiebt .... Toren Ihr! die nicht d'ran denken. Daß es nicht der Glaube tut — — Euren Namen will man kränken — Euer Wesen — — Euer Blut! — Das könnt Ihr doch nicht ablegen Wechseln schnell wie Glaub' und Kleid! — Denn mit eh'rnem Griffel prägen Diese Zeichen Volk und Zeit. Und selbst wenn verwischt die Zeichen — Nicht mehr zu erkennen sind — — — Eu're Enkel Euch nicht gleichen — — Fremd einst sein wird Kindeskind. — So wird doch einst nicht vergessen Deines Enkels Feindesschar — Und sich wohl erinnern dessen. Daß sein Llhn ein Jude war. „Jndenstämmling!" wird man höhnen, „Jude" selbst noch nennen ihn — So wird Deinen späten Söhnen Auch kein bess'res Los erblüh'n. D'rnm bedenket noch beizeiten Eh' Ihr uns den Rücken kehrt. Daß nur Eurer Enkel Leiden Ihr in künfi'gen Tagen mehrt. Jakob Schir atzki, Marburg. Bereius-Kalender. Verein Mekor-Chajim. Samstag, 23. Nov., nachm. 314 Uhr: Mikro- Vortrag des Herrn Gustav Kaufmann. Sonntag, 24. Nov., abends 6 Uhr (Schützenstraße 2): Vorlesung des Herrn Prof. A. Wehl aus „S efer Sch auftim". Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, 25. Nov., abends 814 Uhr in der Frankfurt-Loge, Eschersheimerlandstraße 27: Großherzogl. Landesrabbiner Dr .Mannheimer-Oldenburg über „Bildung, Charakter und Erziehung im Judentum einst und jetzt". Verein Rachalatz Zwi. Samstag, 23. Nov., mittags 12 Uhr im Hörsaal der Synagoge, Friedbecgcr - Anlage, Lektüre und Besprechung S. R. Hirsch's „Neunzehn Briefe" unter Leitung von Herrn Oberlehrer Dr. I. H. Bonbi. Mittwoch, 27. Nov., abends 9 Uhr, Schützenstraße 2. Herr Moritz A Loeb: Moderne soziale Errungenschaften im Lichte der jüdischen Gesetzgebung. „Montefiore"-Verein. Freitag, 22. Nov., abends 814 Uhr: Gemütliches Beisammensein. Montag, 25. Nov., abends 9 Uhr: „Leseabend". Mittwoch, 27. Nov., abends 9 Uhr: Herr Dr. Jnl. Hülsen: Ein kunstgeschichtliches Thema (mit Lichtbildern). Zionistische Bereinigung Frankfnrt a. M. Montag, 25. Nov., abends 9 Uhr in Bockenheim» Rheingauerhof, Adalbertstraße: Agitations-Bersammlung. Verein Tiferes Bachurim. Sonntag, 24. Nov., abends 149 Uhr: Diskussionsabend. Frauenrecht im altjüdischen Staat. Bunte Chronik. Ein jüdischer Held. Vor kurzem ist in Tennessee ein Denkmal sür einen der tapfersten Burschen, die je gelebt haben, errichtet worden, dessengleichen in der Geschichte keines Krieges vvrkommt — er starb lieber, als daß er einem Feinde sein Wort gebrochen hätte. Im November 1863 mußte General Bragg sich Gewißheit darüber verschaffen, ob die Bundesarmee zur Verstärkung Chattanooga's von Nashville nach Corinth marschierte. Für diese Ausgabe wurden vier Mann auserwählt, unter ihnen Sam Davids, «in Bursche von 20 Jahren. Bon 'ihnen gelang «# Gani

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