Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 42 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42. Seite 5. daß pr dem.Wahnsinn verfiel. Darauf befahl der Vater des Kalifen, das Grabnial mit so viel Marmorblöcken zu bedecken, daß es nie wieder durch Menschenhand entweiht werden könne. Dieser Befehl wurde ausgeführt und seit jenem Tage bat inan von der Grabstätte der Königin von Saba keine Kunde mehr vernommen. E. M c y e r h o f. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Leipzig, 27. Oktober 1907. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir, zur Turn frage Stellung zu nehmen. In Frankfurt ist ein heftiger Streit darüber entstanden, ob mau einen jüdischen Turnverein bilden soll oder nicht. Man sollte doch meinen, daß man über eine solche selbstverständliche Sache nicht zu polemisieren nötig hätte. In einer Zeit, wie die Gegenwart, wo das Judentum und das jüdische Volk in unzähligen Parteien und Schattierungen gespalten und zerrissen sind, sollte jeder Jude trotz seines besonderen Standpunktes sich freuen und dazu helfen, daß sich Juden aus einem ganz neutralen Boden zusammenfinden. Trotz aller religiösen, sozialen, ökonomischen und persönlichen Gegensätze sollte keinem Juden der Blick für das Gesamtjndcntum verloren gehen. Ich begreife wohl die Aufregung des Herrn Albert Hirschbergandererseits muß man in Betracht ziehen, daß M. le Maitre in einem früheren Eingesandt von ihm provoziert wurde. Denn eine Provokation ist es, wenn ein orthodoxer Jude sich gegen ein jüdisches Unternehmen in heftiger Weise wendet und der „Deutschen Turnerschaft" lobhudelt. Es sei ein für alle mal festgestellt, daß die „Jüd. Turnerschaft" gegen die „Deutsche Turnerschaft" unberechtigterweise ausgespielt wird. Es sind keine Gegensätze vorhanden, und die Stellungnahme der „D. T." zur Antisemitenfragc wird anerkannt und gewürdigt. Wenn wir in eigenen Turnvereinen turnen wollen, so geschieht es nur, weil wir das Turnen unter den „■ Juden fördern und das Zusammengehörigkeitsgefühl beleben wollen. Das ist 'durchaus nichts gegen die „Deutsche Turnerschaft". Der Gegensatz im Denken und Fühlen zwischen M. le Maitrc und Albert Hirschberg ist natürlich. Denn Ersterer ist ein Kind des jüd. Volkes und deshalb kann er seine Gesamtheit erfassen und alles Jüdische ist ihm nicht fremd; während letzterer ein orthodoxes Mitglied mosaischer Konfession von Frankfurter Koloratur ist: er erfüllt die religiösen Gebote ceremonieller und ritueller Natur, und mit dein großen jüdischen Volk hat er Iveiter nichts zu tun, als daß es für ihn ein. Am kodausch, und er selbst aber ein Deutscher ist. Solchen Juden dürften die Deutschen christl. Konfessionen näher stehen, als die Juden Galiziens, Marokkos usw. Es ist nicht meine Absicht, M. l. M. zu verteidige». Er wird.seinen Mann stellen! Mer wenn man sieht, mit welcher Ungerechtigkeit Herr Hirschberg Herrn M. le Maitre angreift und ihm seine Heimat und Ursprung vorwirst, so ist ans diesem eingebildeten Frankfurter Lokalpatriotismns zu ersehen, wer eigentlich antisemitelt. Sie, Herr Hirschberg oder Nt. le Maitre! Sie .werfen ihm den Schriftstcllernamen le Maitre vor. Andere werden Sie fragen, waruni Sie sich nicht anstatt Albert, Mraham oder gar Awromcle schreiben. Man glaubt Ihnen, daß es für Sie angenehmer ist, im christl. Turnverein mit dem echt orthodox jüd. Namen Alb e r t als Awromcle genannt zu iverden. Das Eingesandt des Herrn "I. B. wirft ja auch ein interessantes Licht auf den Geist, der dort herrscht. Er schreibt: Seien Sie froh, daß wir hier in Frankfurt das Glück haben, inmitten einer tolcrannten christl. Bevölkerung zu wohnen, der G. b. sonst usw. Der Sinn des Eingesandt des Herrn Willy Müller ist der, daß man sich fa nicht abühlicßen möge, wo man uns doch so gern haben möchte. Das sind Gedanken von Leuten in äußerer Freiheit, aber innerer Knechtschaft. Wir schließen uns durchaus nicht ab. Haben Sie je gehört, daß irgendwo die Welt ans den Angeln ging, lveil in x öder, y ein jüd. Turnverein gegründet wurde. Dasselbe tvird auch in Frankfurt der Fall sein. Wir sind nun einmal anders geartet, haben besondere Eigentümlichkeiten und können nur unter uns in großer Anzahl turnen; während wir in allgemeinen Turnvereinen uns zu sehr abheben und den anderen Turnern auf die Nerven fallen würden. Es ist uns da unbequem, es geniert uns; so sind wir aber unter uns. Wir hatten in Leipzig einen jüd. Turnverein. Der Rat der Stadt stellte uns bereitwilligst eine städtische Turnhalle unentgeltlich zur Verfügung. Sonst gibt es hier vielleicht 20—30 jüd. Turner in den allgemeinen Turnvereinen. Bei Gründung des jüd. Turnvereins traten gleich bis 150 Mitglieder in diesen ein. Man sieht, daß es Leute waren, die überhaupt nicht geturnt hatten und nur wenige traten cius den Frcrnkfurker WraÄrüWW FmmlienblaN. anderen Vereinen über. 3/i Jahre turnte man fleißig. Da auf .einmal kündigte der Stadtrat dem jüd. Turnverein die Turnhalle. Wie man später erfuhr, durch Intrigen und Denunziationen von jüdischen Assimilanten, denen nicht nur der jüd. Turnverein, sondern ebenso auch die Schechita und andere religiöse Institutionen ein Dorn im Auge sind. Und solche Vorbilder sind Ihre Gesinnungsgenossen im Kampfe gegen jüd. Turnvereine, Herr Hirschberg! Die Tatsache, daß getoisse (&. f. D. nur wenige) Ultraorthodoxe und bte_ radikalsten Reformjuden sich in ihrem Haß gegen Zionismus, nationales Judentum, gegen allgemein-jüdisch Volkstümliches freundschastlich berühren und einig sind, sollte jedem ehrlichen, wahren Juden, der bas große jüd. Volk iin Auge hat zu denken geben. Hochachtungsvoll Salomon Preczep, Leipzig. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich bitte Sie, als ständiger Leser Ihrer Zeitung, folgende Zuschrift im Sprechsaal Ihres geschätzten Blattes zu veröffentlichen: . In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes veröffentlichten Sie das Eingesandt eines Herrn Hirschberg, in dem zu dev Frage des Jüd. Turnvereins nichts Neues vorgebracht wird, das aber Herrn Maxime le Maitre beleidigt und seine Worte entsteM. Ich habe das kleine Eingesandt des Herrn M. l. M. nochmals gelesen und mit dem verglichen, was Herr H. daraus zitiert, und habe feststellen können, daß Herr Hirschberg M. l. M. s al s ch zitiert und ihm Aeußerungen in den Mund legt, die Herr M. l. M. nicht getan hat. So soll Herr M. I. M. nach Herrn Hirschberg die Frankfurter orth. Juden der Ehrlosigkeit geziehen haben. Das hat Herr M. l. M. weder dem Sinne noch den Buchstaben nach geschrieben. Ich kenne die Frankfurter Verhältnisse zu wenig, uni entscheiden git können, inwiefern Herr M. fl. M„ den ich, nebenbei bemerkt, gar nicht kenne, im Rechte oder ini Unrechte ist. Allein ans den gedankenreichen Aassätzen des Herrn Maxime le Maitre sp'icht eine sittlich gestählte Persönlichkeit, und ich kann daher Herrn M. l. M. keinen Unfug zutrauen. Er wird wahrscheinlich wissen, was er spricht. Hochachtungsvoll Dr. I. Rosen stein ans Berlin, z. Zt. in Frankfurt. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Am Sonntag, den 27. Olt fand hier die konstituierende V e r s a m m - lnng des neuen Gruppenverbandes statt, der die Ortsgruppen und Schckekzahler in Hessen und Hessen-Nassau vereinigt. Die Tagung war außer von deni Gesamtvorstande der Frankfurter Ortsgruppe auch von zahlreichen Frankfurter Zionisten besucht, sowie von Vertrauensleuten der Ortsgruppen: Alsfeld, Mainz, Marburg, Oberingelheim, Schlüchtern, sowie von einem Vertreter des Zentralbureaus, Herrn Dr. Friedemann. — Der Vorsitzende, Herr S o n d h e i m e r, begrüßt die Erschienenen und legt dar, daß in dem neugcbildeten Bezirke zahlreiche Inden wohnen und ein lebhaftes jüdisches Leben herrsche. Es sei unsere Pflicht, unter diesen Juden, die zum Teil vom Zionisnms noch gar nichts wissen und zum Teil eine ganz falsche Auffassung von diesem haben, den Zionismus bekannt 511 machen und 511 verbreiten, an jedem Orte müssen Vertrauensuränner gelvonnen und durch Verbreitung von Broschüren und Zeitungen den Rednern vorgcarbeitet werden. Die Beispiele von Schlüchtern und Bergen haben gezeigt, daß die Inden außer in der Synagoge auch noch sonst etwas vom Judentum! wissen woflen. lieber die Verhältnisse in Knrhessen, insbesondere in'Schlüchtern und Fulda, berichtet Herr Sichel, über Mainz Herr Dr. L e v y - Oberingelheim, über Alsseld und Marburg die Herren Zahnarzt B u e t 0 w und Oppenheim. Herr Dr. F r i e d e m a n n ist der Meinung, daß gerade ans dem Lande noch etwas für den Zionismus zu erreichen sei, und er fordert die jüdischen Studenten auf, in ihren Ferien sich in den Taunus, Vogelsberg und nach Knrhessen zu wenden und dort von Haus zu Haus sür den Zionismus zu agitieren, dem könnten dann später Zeitnngsagitationen folgen. Ueber die Frankfurter Verhältnisse spricht sich dann der Vorsitzende eingehend ans. Er erklärt fernerhin, daß die zionistische Presse in Bezug auf Volkstümlichkeit oftmals nicht mit der übrigen jüdischen Presse konkurrieren könne. In unserm Bezirke sei das „Frankfurter Israelitische Familienblatt" stark verbreitet. Die Zionisten sollen durch ihre praktische Mitarbeit mit dazu helfen, das Blatt weiter zu heben. An die Berichte schloß sich eine lebhafte Debatte an, die folgende Beschlüsse zeitigte: 1. Der Grnppenverband wird konstituiert mit Frankfurt a. M. als Vorort. 2. In den Vorstand treten ein die Herren: Sondheimer, Dr. I. Fenchtwanger, Stern-Frankfurt a. M., Dr. Friedemann-Usingen, Braude-Geisa, Wislicki-Neuwied, Baum-Wiesbaden, Nußbaum-Fnlda, Dr. Levh-Oberingeflheim, Sichel-Schlüchtern, Buetow- Aisfeld, Oppenheim-Marburg, für Mainz wird noch ein Vertreter heftimmt. 3. Die nächsten Arbeiten bestehen in Agitations- Versammlungen in "Kurhessen. 4. An einer Reihe von Plätzen, an denen Vertrauensleute schon gewonnen sind, soll der Versuch gemacht werden, Gruppen zusammenzubringen. 5. Jeder organisierte Zionist ist verpflichtet, Jt. 0.75 Beitrag an den Gruppenverband zu zahlen. Abrechnung geschieht mit den einzelnen Ortsgruppen. (Als Grundstock für die Kasse des Gruppenverbandes zeichnen die Anwesenden gemeinschaftlich JL 130.—.) 6. Der Grnppenverband hält die Abhaltung des deutschen Delegiertentages aus mannigfachen Gründen Weihnachten 1907 nicht sür wünschenswert und überläßt die Festsetzung des Termines dem deutschen Zentralbnreau. Hierauf wurde noch beschlossen, für den Parteifonds energisch zu arbeiten und eine erstmalige Tagung des Gruppenverbandsvorstandes auf Ende Dezember nach Mainz einzuberufen. — Um 8 Uhr — nach vierstündiger Dauer — schloß Her Sondheimer die äußerst harmonisch verlaufenen Verhandlungen. Wohack Mfolger,, 2S. Inhaber: JVT. "WclllcL 12. Perlen, Juwelen, Goltlwaren. - Auf 'Wunsch Auswahlsendungen. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. 31. - Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Wochev-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Lnacb.) Samstag, den 2. November (— 25. Cheschwan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 35 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 51 Min., in Berlin 5 Uhr 21 Min. Die Sidra heißt Chaje-Soro. Sie erzählt zunächst von dem Tode Saras, die 127 Jahre alt wurde. Abraham beklagt und beweint sie. Dann wird der Kauf der Höhle Machpeka geschildert. Abraham erwirbt sie von den Chitern. 400 Schekel zahlt er bar dem Efrann, der sich anfangs den Anschein gab. als wollte er die Höhle schenken. Die Höhle wird Familiengruft Abrahams. Sie befindet sich zn Hebron. (Die Türken bewachen sie heute noch als Heiligtum.) —-Ferner hören wir von Jsaks Heirat. Nicht von den heidnischen Mitbürgern soll Jsaks Frau sein. Um in Abrahams Familie zn Passen, soll sie an ihrer Gastfreundschaft erkannt werden. Abrahams Knecht Elieser zieht mit zehn Kamelen, beladen mit kostbarem Gut, nach Mesopotamien. Seine Sendung ist eine glückliche. Er betet und Gott schickt ihm Rebekka zu, die Tochter Betuels, eines Verwandten seines Herrn. Sie ist überaus gastfreundlich, will unaufgefordert alle Kamele tränken. Eliestr übernachtet in Betuels Haus. Am' andern Morgen zieht er mit Rebekka ab. Jsak kommt entgegen. Er führt die junge Frau in Sarahs Zelt und findet in ihr tröstenden Ersatz für seine Mutter. — Mraham nimmt ein zweites Weib, Ketura. (Der Tradition nach Hagar!) Deren Nachkommen sind aufgezählt, darunter Fürstengeschlechter. Mraham stirbt im Alter von 175 Jahren. Jsak und Jischmael begraben ihn in die Höhle Mächpela. Montag (4. Nov.) ist der zweite Scheint — Fasttag. (Selichaus-Einschaltnng im Schmauno-Esrei.) An diesem Samstag zugleich Einsegnung des Neumondes Kislew. Am Donnerstag (7. Nov.) ist Ransch-Chaudesch. Nur 1 Tag! Teppiehreinigiiiftg. Entstaubung, ehern. Reinigung u. Aufbewahrung unLGarantia. Meder’s mechanisches Teppieh-Reinlgnngswerfc Tel. 8642. Bergerstrasse 143, Tel. 8642. Aus der Geschäftswelt. 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