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Neue jüdische Presse · 1907-10-25 · Heft 41 (25.10.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 41 (25.10.1907)
Date
1907-10-25
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 1Ö. einen Pfennig Perlust gehabt. Außerdem sind vvn dem zion. Aktionskomitee Jnformatiousöureaus gegründet worben. Vier Mitglieder des Aktionskomitees haben in den letzten Jahren ihren Wohnsitz von Rußland nach Palästina gelegt. Ein hebräisches Gymnasium ist gegründet worden. Bei den Jnformationsburcans und bei der Hebung des Schulwesens hat der Hilfsverein der deutschen Juden Len Bestrebungen der Zionisten wesentliche Hilfe geleistet. Zum Schluß macht Redner die Mitteilung, daß in nächster Zeit verschiedene Gesellschaften zur weiteren Hebung der Landwirtschaft und Industrie in Palästina gegründet werden sollen und ersucht die Zuhörer, für die Finanzierung dieser Gesellschaften nach Kräften Hilfe zu leisten. Frankfurt a. M. Sonntag, den 27. Oktober, nachmittags 44/e Uhr, findet im Cafe- Restaurant „Zur Börse", Schillerstr. 11 par t., eine Sitzung des neu gegründeten Gruppen- Verbandes F r a n k f u r t a. M. statt. Bon einer Reihe von Ortsgruppen ist die Zusage zur Teilnahme an der Tagung bereits eingegangen, sodaß die Versammlung voraussichtlich von fast sämtlichen südwestdeutschen Gruppen beschickt wird. Zu dieser Tagung haben auch die Frankfurter Zionisten, soweit sie Mitglieder der Ortsgruppe sind, Zutritt. Bei dem lebhaften Interesse, das sich in letzter Zeit hier in Frankfurt a. M. für den Zionismus kund gibt, ist zu erhoffen, daß auch die Frankfurter Zionisten recht zahlreich erscheinen werden. Eine besondere Einladung ergeht nicht. Berlin. Am 14. dss. Ms. fand bei Dräsel eine öffentlich e Versa mm lun g der Mis r ach i- Grupp e statt.'— Der Vorsitzende machte Mitteilung von herzlichen Begrüßungsschreiben der Herren: Professor Dr. Berliner und Seminarrektor Dr. Hossmann, welch letzterer in warmen Worten aüfforderte, sich möglich st zahlreich dem Misrachianzuschließen, damit 'dieser seine Ausgabe, innerhalb des Zionismus im religiösen Sinne zu wirken, erfüllen könne. — Herr Lazarus Barth führte in seinem Referate aus, daß der Zionismus mit deni gesetzestreuen Judentum keineswegs im Widerspruch stehe. >L>tcts sei von leitender Stelle aus betont worden, daß niemals' etwas geschehen würde, was den Religionsgesetzen widerspräche. Auf 'den Misrächi übergehend, schildert der Referent, Laß derselbe aus Lein 8. Kongresse zum ersten Male mit einem festen Arbeitsprograinm hervorgetreten fei, seinen Willen zur praktischen Arbeit ‘ kundgetan und dadurch auch die Syinpathien der anders Denkenden gewonnen habe. Es sei auch höchste Zeit, jetzt intensiver als bisher für eine jüdische Erziehung der Jugend im heiligen Lande zu sorgen. Mit größter Genugtuung sei deshalb der Beschluß des Misrochi zu begrüßen, eine Mittelschule in Palästina Lu begründe», die der Unterstützung aller 'gesetzestreuen Elemente sicher sei. In der Diskussion führte Herr Jakob Wagner nochmals aus, daß bisher, seit Beginn der Bewegung, niemals offiziell etwas gegen das überlieferte Judentunr geschehen sei, daß vielmehr bereits eine 'ganze Anzahl „liberal" erzogener Zionisten sich dem Standpunkte der Gesetzestreuen genähert hätten. — Herr Bibliothekar Dr. Pick bedauerte unter Bezugnahme auf einen bestimmten Fall lebhaft, daß immer noch in der zionistischen Presse persönliche Ausfälle auf alt - geheiligte, religiöse Satzungen Vorkommen. — Der Referent konnte darauf erwidern, daß von leitender Stelle aus die Versicherung abgegeben worden sei, daß derartige Artikel, ' die 'religiöse Gefühle verletzen müssen, in der offiziellen zionistischen Presse keine Aufnahme mehr finden würden. — Schließlich nahm die Versammlung fast einstimmig folgende Resolution an: „Die heutige, von gesetzestreucn Juden Bcrlin's besuchte Versammlung ist der Ansicht, daß der Zionismus in keiner Weise den Ideen des gesetzcstreuen Judentums widerspricht und daß es Pflicht jedes gesetzestreuen Juden sei, sich dem Zionismus im Misrächi anzuschlirßen und die praktisch-zionistische Arbeit in religiösem Sinne zu fördern." (Beitrittserklärungen zum Misrächi sind an Herrn Edmund Lewy, Berlin, Auguststr. 84 zu pichten.) Kattowitz. Am 3. Novenibcr veranstaltet der Gruppen verband Oberschlesien hier eine» Oberschlesischen Z i o n i st e n t a g. Budapest. Auf den 3. ds. Mts. hatten die hiesigen Zionisten eine öffentliche Versammlung .nach dem Festsaale des neuen Stadthauses einberufen. Nahezu 1000 Personen hatten sich eingefundcn, darunter zahlreiche Mitglieder der orthodoxen Gemeinde und zum ersten Male Borstands- . Mitglieder der großen Gemeinde. Es sprachen: Ingenieur B e r e g i und ' die Advokaten Alt und Dr. L a j o s. Die.Veranstaltung bedeutete einen Erfolg für den Zionismus, und es fanden auch zahlreiche Anmeldungen statt. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Der Bergnügungs-Club junger Leute" hatte gm Samstag, den 19. ds., unter sehr zahlreicher Beteiligung einen Cabaret- Abend veranstaltet. Von den Darstellern zeichneten sich die Damen Frl. Lilienfeld, Cohn, Frau Glücksmann, Springmann und Klinger, sowie die Herren Frankfurter Israelitische« Familienblatt. Gebr. Janusch, Eoldschmidt, Lichtcusteiy, Maier, Ahretz und Michel besonders aus. Den Schluß bildete ein Tanzkränzchcn. Samstag den 26. ds. findet die erste außerordentliche General-Versammlung statt. Frankfurt a. M>, 24. Ott. Die Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebe n sau schau - nng eröffnete am vergangenen Sonntag ihre Vorträge für Damen mit dem Thema: „Die Frauenfrage u n d die Ethik des Judentum s". Referenten waren die Herren Moritz A. L o e b und Jacob R o s e u h e i m. Der große Saal der Loge zum Frauksurter Adler war längst vor Beginn des Vortrags überfüllt, und Hunderte mußten umkehren, weil kein Plätzchen mehr zu haben tvar. An die Referate schloß sich eine lange und lebhafte Diskussion. Wir kommen aus beides ausführlich, zurück. Im Anschluß un die Versammlung ivurde ein auf dem Boden des überlieferten Judentums stehender „Jüdischer F r a n e n v e r e i n" ins Leben gerufen, zu dem bereits eine große Anzahl Anmeldungen ergangen sind. Dresden. Das Krankenunterstützungsinstitut für Israeliten (Chewra Ka - discha) feierte am 2l. dss. Mts. unter zahlreicher Teilnahme sein 100 jähriges B e st e h e n. Herr Max Elb hat als Festschrift die Geschichte des so segensreich wirkenden Vereins geschrieben. Ans der Lehrerwelt. Ermreuth i. Obersranken. Nach 36 jährigem Wirken in hiesiger Gemeinde ist Herr Lehrer I s a k Heß in den Ruhestand getreten. Apostag (Ungarn). Der Rabbiner der hiesigen Gemeinde Emanuel Bosch ist im Alter vvn 77 Jahren gestorben. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaklion.- Antisemitische Flegelei zur Gründung eines jüdischen Turnvereins. Sehr geehrter Herr Redakteur! Als orth. Jude und Redakteur eines orth. Blattes werden Sie gewiß gern eine Erwiderung tytf die unerhörten Angriffe äufnchmcu, die der Einsender des vorwöchcutlicheu Artikels in dem Sprechsaal Ihres gesch. Blattes sich gegen das orth. Judentum erlaubt hat. — Ich hätte nicht gedacht, daß meine sachliche», und wie die zahlreichen Zustiiiimnngen beweisen, treffenden Bemerkungen gegen Gründung eines jüdischen Turnvereins einen normalen Menschen veranlassen könnten, eine Flut gemeiner Schimpfworte, die jedem Antisemiten Ehre machten, gegen das orth. Judentum zu schleudern. Oder sollen Ausdrücke, wie „fette Aufsichtsjuden, Majrfisjuden, koschere Hosenbäudcr tragende Jude», die kein Selbstbewußtsein und Ehrgefühl besitzen" etwa französischer Esprit sein? Da muß man univillkürlich an den Hausknecht des „Doktor Klaus" denken, der glaubt, den Doktor selber spielen zu können, wenn er dessen Rock anzieht und seinen Namen anniinmt. Ein kurzer Aufenthalt in Paris und die Umänderung eines heimatlichen Namens, etwa „Maischte der Bocher" in „Maxime l'Eleve" machen noch lange nicht den geistreichen Franzosen! Um ein solcher zu werden, muß man vor allem feinfühlend veranlagt sein, darf man kein verbittertes Gcnuit haben, wie der Gift iickd Galle speiende Einsender mit dem französisch getauften Namen. Wir „Aussichtsjuden" inachen durchaus keinen Spektakel mit unserem „bißchen Religion"; wir berufen keine Judentage, veranlassen keine Frauenbewegung, stellen keine neue Ethik auf, aber wir treten unerschrocken überall da auf, wo unsere alte Religion verunglimpft lvird. Der Aufenthalt in Frankfurt sollte dem Einsender schon längst bewiesen haben, daß wir Aufsichtsjudeu uns nicht fürchte», „Aufsehen zu erregen". Stolz schreiten wir am Sutkauthfestc mit dein Lulef durch die Straßen, uilgeniert stellen wir am Chanllkkafcste die Lichtchen an die Fenstcr, ja, wir fürchten uns sogar nicht, mit koscheren Hosenträgern in den Reihen unserer christlichen Kollegen zu turnen! Und Sie, Herr Maxime l'Elöve? Sie fürchten, mit Ihrem jüdischen Namcil Aussehen zu erregen!! Wer von uns beiden hat nun Selbstbewußtsein und Ehrgefühl? Wer von uns beiden ist der Majofisjude? — lieber die jüdische Turncrei brauche ich heute kein Wort mehr zu verliere». Auf meine triftigen Gründe wissen Sie nichts als — nach' echt heimatlicher Manier — Gegenfragen zu stellen. Ich bin nicht Logenbruder, auch nicht Mitglied eines jüd. Klubs, kann Ihnen also keine überzeugende Beweise sür die Zweckmäßigkeit solcher Vereine bringen. Warum wir aber jüdische Schulen gründen, will ich 'Ihnen gerne erklären. Wir wollen unsere Kinder nach dem Grundsatz Talmud Thauro im Derech >Erez erziehen. Ihr vorwöchentlicher Artikel beweist ja, wie notwendig eine solche harmonische Ausbildung ist. Wer. bis zu seinem 20. Lebensjahre seine Heimat nicht verlassen und nur Cheber und Jeschibo besucht hat, der wird. Nr. 41. wenn er die Grenzen seines Vaterlandes überschreitet und deutsche Bildung nascht und französische Freiheit einatmet, gar leicht vom Taumel ergriffen, und in seinem Rausche, seinem Wahne, wirfter das Judentum über Bord und bleibt in Derech Erez — doch nur der Hausknecht des Doktor Klaus. Hochachtungsvoll ' AlbertHirschberg, Lehrer. Geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir gefl. ein paar Worte der Auseinandersetzung mit Herrn Maxime Le Maitre. Zur Klarstellung schicke ich voraus, daß Sie es in mir nicht mit einem Gegner des Zionismus, sondern mit einen, Mitglied des Misrächi zu tun habe», was mich also wohl des Verdachtes 'enthebt, tendenziös wirken zu wollen. Das Objekt meines Protestes ist die Sprechsaalnotiz der vorigen Nummer Ihrer gesch.' Zeitung „lieber jüdische Turnerei". Was sich Herr M. L. M. in diesen paar Zeilen an Gehässigkeit gegen Leute gestattet, die sich anderer Meinung zu sein erlauben, wie. er, übersteigt doch weit ' die äußerste Grenze des Erlaubte». Was sind denn das für Ausdrücke, wenn er v.on „weißen Freisinnigen", „zufriedenen, satten Anfsichtsjuden" schreibt, „welche mit ihrem bischen Religio» soviel Spektakel und Marktschrcierci machen"? Meint mau nicht, man lese einen Artikel in einem Antisemitcnblatt 'allerersten Ranges? Glaubt der Herr Verfasser wirklich -nit solchen Anrempelungen der Sache zu dienen? Und glaubt er etwa nach solchen Ausfällen noch Grund auf Respektierung seiner eigenen Meinung zu haben? Soweit zum Mensche» Maxime Le Maitre. Nun znm Denker Maxime Le Maitre. Es scheint wirklich, daß der Haß ihm beim schreiben seiner Zeilen die Gedanken beherrschte und der lleberlegung keinen Raum mehr ließ. „Wenn Juden zusammenturiien, erkennen sic ihre Kraft, 'ha bildet sich Selbstbewusstsein, Ehrgefühl und Willen zuni Leben aus". So, verehrter Herr, und wenn sie mit 'Andersgläubigen zusammcnturnen, da treten diese schönen Dinge wohl nicht in die Erscheinung? Es ist wohl ein anderes, ob ein Jude sich in einem jüdischen Turnsaal die Muskeln stählt oder in einem gemeinschaftlichen Lokal? Und glaube» Sie an eine Schädigung des Ehrgefühls, wenn der jüdische Turner sieht, daß er an körperlicher Leistung seinem christlichen Kollegen nicht nachsteht? Und das letztere nehmen Sie doch hoffentlich als sicher an! Oder war es Ihnen um diese Behauptung nur deshalb zu tu», um daran den geschmackvollen Vergleich mit den „koscheren Hosenträgern" anknüpfcn zu können? Den Höhepunkt Ihrer Bciveisführnng erklimmen Sie aber mit Ihren Fragen: „Wozu dann jüdische Logen", „jüdische Schulen", „jüdische Klubs". Ja, um Himmelswillen, besteht denn gar kein Unterschied zwischen jüdischen Logen, jüdischen Klubs, Schulen — und jüdischen Turnvereinen? Ich frage Sie, gibt es denn ein spezifisch „jüdisches" Turnen, dessen Eigenart man nur in jüdischen Kreisen Pflegen kö»ne, oder ein jüdisch-nationales Turnen, dessen Pflege nur in zionistischen Händen gedeihen könne, wie cs anderseits jüdische Angelegenheiten gibt, die nur in jüdischen Schule», Logen, Klubs' gedeihlich behandelt zu werden vermögen? Oder beabsichtige» Sic in Ihrem Nationalgefiihl soweit zu gehen, den Verkehr mit Andersgläubigen vollständig abznbrechen? Dann hören wir vielleicht auch in nächster Zeit von der Gründung jüd. Schwimmvereine, jüd. Ruderklubs, jüdischer Taunusklubs, vielleicht 'sogar von einer jüdischen Versuchsstation für Luftschiffahrt, welche Bestrebungen ja auch die Kraft und die Energie stählen und Selbstbewußtsein auslösen. Seien Sie froh, daß wir hier in Frankfurt das Glück haben, inmitten einer vom Geiste der Verträglichkeit ersülltcn christlichen Bevölkerung zu, wohnen, und schaffen Sie nicht gewaltsam einen Riß, der auch auf andere Gebiete hinübergreifcn könnte, Ivo selbst Sie keinen solchen wünschen. Hochachtend Sehr geehrte Redaktion! Die Aufforderung des Herrn Maxime le Maitre in Ihrem gesch. Blatte, dem jüdischen Turnverein beizntreten, dürfte durch die Art, wie der Herr Einsender die Frankfurter Juden, namentlich die „Religionsjudcn" geradezu beleidigt, nicht gerade Sympathie für seine Sache erweckt haben. Jeden Juden, der nicht ans dem hypcrzionistischen Standpunkt dieses Herrn steht, als „Assimilanten" zu bezeichnen, ist äußerst unfein. An wen wollen sich denn die Reli« gionsjuden assimilieren? Nun zur Sache: Ein Vergleichs zwischen den jüdischen Logen und deni jüdischen Turnverein hinkt ganz bedenNich. Bei den Logen handelt es sich um Interessen. die nur im Keise Gleichgesinnter gewahrt werden können. Aber weshalb müssen wir aus einmal „jüdisch" turnen? Haben nicht die sämtlichen Frankfurter Turnvereine bewiesen, daß auch, der Jude im Kreise von Andersgesinnten turnen kann? Ge-

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