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Neue jüdische Presse · 1907-10-25 · Heft 41 (25.10.1907) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 41 (25.10.1907)
Date
1907-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Isrankfirrke? ♦ HledaKtion «nd ch'sfchLftsjtekrs: Frankfurt a. M.. vilbelerstraße 4/6, Ecke Äleichstraße Ger-fsn 10507. -»-sk-r- Kerausgebsr: Saliz 5. Jahrgang. Freitag, den 17. Cheschwan 5668 (25. Oktober 1967). No. 11. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. AbonnementspreiS pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— frei ins Haus. Bei der Post abonniert im In» und Ausland Mk. 1,02 (einschließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich - Ungarn Mk. 1,50, sonstige Länder Mk. 2.— I.-—--; Jnserttonspreife: Die viergespaltene Petttzeile. 25 Pfg. Die Reklamezeile.. . 100 „ Platz- und Daten-Borschrift ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Uevereinkunft. Inhalt des Hauptblattes. Artikel: EnguSte über den Zionismus. — Die Woche. — Aus aller Welt. —Personalien. — Feuilleton: Der Name. — Wo ch e n-Kalen der. — Aus der Geschäftswelt. — Reiseverkehr nach dem Süden. — F amiliennachrichten. Enquete über den Zionismus. Die M i s r a ch i g r u p p e Berlin hat an eine Anzahl anerkannt gesetzestreucr Stammesgeuosscn folgende Anfrage gerichtet: Sehr geehrter Herr! Tie zionistische Bewegung niacht unleugbar Fortschritte. Schon hat man mit Praktischen Vorarbeiten begonnen. Diese Tatsache zwingt jeden Juden, zumal den gcsetzestreuen, zu einer entschiedenen Stellungnahme. Es wird Ihnen bekannt sein, daß unter den: Namen „M i s - rach i" eine Organisation der gcsetzestreuen Juden sich inerhalb des Zionismus gebildet hat. Während der Zionismus im allgemeinen die jüdisch-nationale Einheitsbewegung darstcllt, die sich ihr Ziel in der Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina gesteckt hat, sucht der Misrachi in der Verfolgung diesesgeiviß erstrebenswerten Zieles geschlossen dafür einzutrcten, daß seinen religiösen Anschauungen in der praktischen zionistischen Arbeit im weite sten Umfange Rechnung getragen wird. Er ist ferner bestrebt, auf die noch keineswegs abgeschlossene Entwicklung des Zionisnms in positiv, religiösem Sinne Einfluß zu gewinnen. Es ist uns nun von Wichtigkeit, Ihre Ansicht, hoch geehrter Herr, der Sie im öffentlichen jüdischen Leben eine hervorragende Stellung einnehmen, kennen zu lernen. Insbesondere bitten wir Sie höflichst, in Ihrer Antwort folgende Fragen zu berücksichtigen: 1. Glauben Sie, daß der Zionisnms den Ideen des gesetzestrcuen Judentums widerspricht? 2. Wenn nicht, halten Sie es dann nicht für erforderlich, daß die gesetzestreuen Juden sich an der zionistischen Arbeit beteiligen und innerhalb der zionistischen Organisation ini Misrachi sich zusammenschließen? 3. Mit welchen Mitteln wird ein Einfluß (in positiv-religiösem Sinne) auf die zionistische Bewegung zu erzielen sein? Wir hoffen, daß Sie, sehr geehrter Herr, die Wichtigkeit der Sache anerkennend, uns recht bald antworten werden. Ergebenst Vorstand der Misrachigruppe Berlin. I. A.: Hermann Struck. Es liegen bereits eine große Anzahl von Antworten vor, deren Veröffentlichung wir heute beginnen: Oberrabbiner Dr. I. Dünner, Amsterdam: In Ihrem geschätzten Schreiben vom 16. verflossenen Monats wünschen Sie meine Ansicht über die drei Punkte zu kennen, die wohl die Lebensfrage des Zionismus, dieser wunderbaren und Großes verheißenden Erscheinung, betreffen. Meine Antwort über das Verhältnis des Zionismus zum traditionellen Judentum dürfte Jedem, der in der zionistischen Literatur kein Fremder ist, zur Genüge bekannt sein. Denn chon am 17. Menachein 58 (29. Juli 1898) habe in meinem Gutachten an das Zentralkomitee der zionistischen Bereinigung für Deutschland in Köln den erwähnten Gegenstand ausführlich anSeinandergesetzt, und außerdein habe ich in mehreren Predigten die hohe Bedeutung, die die z i o n i st i s ch e B e iv e g u n g f ü r d a s Judentum haben kann, in ausgeprägten Zügen gezeichnet. Hieraus ergibt sich von selbst, daß ich die allgemeine Teilnahme der gesetzestreuen Glaubensgenossen an der zio nist isch en Arbeit im Geiste der M is rach i-Vereine als eine gottgefällige und heilvolle betrachte, jedoch nur unter der Bedingung, daß man die Gewißheit hätte, daß die Arbeit sich irmerhalb der Grenzen un serer religiösen Ideale bewege. Die Mittel aber, die zur Erlangung dieser Gewißheit anzmvenden wären, bin ich nicht imstande näher anzugeben, da ich wegen nieincs hohen Alters, verbunden mit meiner vielfachen Berufstätigkeit, dem Wirkungskreise des Zionismus ganz fern stehe. Ich zweifle aber nicht, daß dessen maßgebende Führer, die in edler Entrüstung über die Fahnenflucht der charakter- und treulosen Stammesgcnossen, mit Begeisterung an der Hebung des jüdischen Nationalitätsbewußtseins arbeiten, keine Anforderungen zurückweisen würden, die von einer mit ihnen innigst befreundeten Seite kämen. Ich kann mir nicht denken, daß dieselben den Kern des Judentums, den Träger nicht allein unserer religiösen, sondern auch unserer nationalen Zukunft, sich durch Verletzung dessen heiligster Gefühle entfremden sollten. Prof. Dr. Badt, Breslau: Die. Beantwortung Ihrer Fragen erfordert, soll sie nicht oberflächlich sein, den Raum und die Zeit einer Broschüre) aber es fehlt mir dazu an Zeit. Sie müssen sich daher nur mit wenigen, die Fragen nicht erschöpfenden Andeutungen begnügen. Ihre Bestrebungen, dem traditionellen Judentum einen Einfluß auf die Entwicklung des aufstrebenden Zionismus zu sichern, verdienen Anerkennung und Unterstützung. Meiner Neberzeugung nach wird der Zionismus entweder auf dem Boden der jüdischen Tradition sich entwickeln oder er wird ebenso verflackern wie die Versuche, das Judentum durch die unhistorischen Reformen des vorigen Jahrhunderts zu — galvanisieren. Um so wahrscheinlicher, als die Reform, trotz aller Verflachung, doch immerhin den — freilich völlig verunglückten — Versuch gemacht hat, die un- 1 vergänglichen Ideen beizubehalten, deren historischer Träger das Judentum in der Entwicklung der Menschheit zu einer höheren Kulturarbeit geivesen ist, während die bloße Betonung des Stammesbewußtseins ohne das Gepräge gemeinsamer Lebcusfornicn und gemeinsamer Lebensideale, das dies Bewußtsein in seinem mehrtausendjährigen Gange durch die Geschichte erhalten hat, auf die Dauer einen nachhaltigen, einigenden Einfluß nicht zu üben imstande sein dürfte. Und nun zu der Beantwortung Ihrer Fragen, ad 1) ob der Zionismus den Ideen des gesetzestreuen Judentums widerspricht? Sie haben in Ihrer Frage die Religion unserer Väter mit dem unglücklichen Namen charakterisiert, den es indirekt dem Apostcl Paulus verdankt, der das Christentum als Religion des Glaubens dem Judentum als der des Gesetzes gegenüberstellt. Ich will dafür die mir passender erscheinende Bezeichnung „dem überlieferten Judentum" einsetzen. Ich weise in Beantwortung dieser Frage auf die zahlreichen Stellen der H. S. und unserer Gebete hin, die sich mit den Ideen des Zionismus derart decken, daß nur gekünstelte Deutungen der Propheten und Abänderungen der Gebete diese Tatsachen zu verdunkeln vermögen. Ich brauche nicht zu betonen, daß das Festhalten an dieser Wahrheit der Vaterlandsliebe des Juden ebensowenig Eintrag tut, wie der Ahnenstolz vieler unserer adligen Geschlechter sie gehindert hat, mit ganzem Herzen und ganzer Kraft treue Preußen, beziv. Deutsche zu sein, obwohl diese Ahnen aus den verschiedensten Ländern stammten. „Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt." Weder Preußen noch Deutschland werden darunter leiden, wenn zu den vielen Stämmen, aus denen diese Staatcngebilde entstanden, noch einer mehr als solcher mir Selbstbewußtsein auf seine ruhmvolle Vergangenheit hinwcist und seine Genossen zu begeisterter Pflege dieser gemeinsamen Erinnerungen anfeuert. Die Bejahung dieser ersten Frage schließt die der zweiten selbstverständlich in sich; schon um die junge Bewegung vor Verflachung zu hüten und sie auf die wichtigste Bedingung ihrer Lebensfähigkeit unermüdlich aufmerksam zu machen, müssen die Freunde des überlieferten Judentums in gemeinsamer Arbeit im Rahmen der Gesamtheit zu wirken sich bemühen. Die Frage nach den Mitteln ist schwer zu beantworten. Schon der in der zweiten Antwort erivähnte Zusanimenschluß ist ein solches Mittel. Festigkeit und Unerschütterlichkeit der eigenen Ueberzeugung darf vielleicht hoffen, die Zweifelnden und die Leugnenden zu sich herüberzuziehen oder wenigstens, sie von Schritten zurückzuhalten, die chnen eine erhebliche Zahl treuer mid tatkräftiger Mitarbeiter zu entziehen drohen. Das ist das Wesentlichste. Mögen Ihre Bestrebungen guten Erfolg haben. Rabbiner Dr. H. Ehrentreu, München: ad 1. Der Zionismus an und für sich widerspricht nicht den Ideen des gesetzestreuen

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