Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 40 (18.10.1907)
- Date
- 1907-10-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. sehen — „Samuel, Baruch, Jac, Ihr freut Euch, daß ich gekommen bin?" Ob sie sich frenten! Sogleich wurde ein Gang durch die alte Stadt gemacht, und Elli, ihr früherer treuer Kamerad, mußte mit. Es war alles wie früher, nicht wahr? als ob man gar nicht weg gewesen wäre. — Und am Abend, da war es auch wie einst. Der alte Vater strahlte vor Glück, als er mit Söhnen und Schwiegersohn den Weg zur Synagoge antrat. Und Frau Nuel, Frau Steubes Nachbarin und einzige Feindin in der Stadt, trat — grün vor Neid — vom Fenster zurück, als sie dies Familienidyll sah. — Jetzt war ihr ja jede Gelegenheit genommen, Frau Steube, unter dein Deckmantet her Freundschaft, Bosheiten ins Gesicht zu sagen. Von jetzt ab würde sie es gewiß unterlassen, sich so freundlich nach Elli zu erkundigen, wie sie es vier Jahre lang mit konstanter Heuchelei getan hatte. — Frau Steube dachte jetzt gewiß nicht an ihre „liebevolle" Nachbarin, sic hatte Maariw gebetet und küßte inbrünstig ihre Tesilla. Elli legte ebenfalls ihr Gebetbuch weg, dann neigte sie das liebe Haupt, „Mutter bensch mich." Tief ergriffen und mit Dank gegen den allweisen Vater im Himmel, legte Frau Steube ihre zitternde» Hände auf den dunklen Scheitel der geliebten Tochter. „Gott mache Dich wie Sara, Rifka, Rachel, Lea." Jetzt kamen die anderen aus der Synagoge, und mit „Schalom-Alechem" zog man in die strahlend erleuchtete Sukah. grau Ellis tiefe blaue 'Augen wetteiferten an Glanz mit dem Schimmer der unzähligen Kerzen, und sie jubelte es wieder und wieder in die Fcstnacht hinaus: „Wie einst, Ivic einst." — Bunte Chronik. Das ä l t e st e I e r i ch o. Eine wundersame Kunde übermittelt Professor Dr. Ernst Sellin der Zeitschrift des Deutschen Vereins für Palästinakunde: das vor mehr als 33 Jahrhunderten von den Israeliten zerstörte kanaanitische Jericho liegt verschüttet in den 2 Kilometern nordwestlich vom jetzigen Dörfchen erilin (Jericho) entfernten Hügeln und wird null ausgegraben. Nach Josephus' Angabe war hier bei der Elisaquellc (2. Kon. 2, 13—22) jene uralte Stadt zu suchen, und durch Professor Sellins Probeansgrabung in diesem Frühling hat jene Angabe volle Bestätigung gefunden. Bereits ist die Bcsesiigungsart dieser Stadt im Norden festgestelit, und durch eiile größere Anzahl von Einzclfundcii ist der BelveiS geliefert worden, daß vieles im Innern der Stadt alle Stürme der Eroberung wie der Zeit Überstunden hat. So lvird eine gründliche Ausgrabung die ganze Kultur einer originell - kaiiaaiiitischcn Stadt konstruieren können. Die Grabung auf einem Hügel ergab, das; dort nicht etwa ein größeres Bauwerk liegt, vielmehr war im Laufe der Jahrhunderte ein Privathaus über das andere geschichtet, so daß man Hausgeräte der verschiedensten Epochen fand. Das Uebcrraschcnde aber war, daß auch bereits das in der obersten Schicht Gefundene nach unserer ganzen sonstigen Kenntnis altpalästinischer Keramik als kanannitifche Ware in Anspruch genoinmen werden muß, so daß wir hier den Niederschlag einer etwa ein Jahrtausend durchziehcirden rein kanaanitischen Kultur vor uns haben. Auf einem andern Hügel stieß man bereits 80 Zentimeter unter der Oberfläche ans ein kompaktes Baulocrk, auf die Ruinen einer Burg, wie sie »och nie besser erhalten in Palästina ausgegraben worden ist. Die einzelnen Zimmcrmauern sind noch znm Teil vollständig erhalten, ja in drei Zimmern stehen auch noch die Backöfen. Mancherlei Steinmesscr und Tonscherben sprechen beredte Sprache für die Entstehung in uralter kauaanitischcr Zeit. Darunter befinden sich ganz neue Erscheinungen, Scherben, in die mit wunderbarer Feinheit im Relief Tiergestalten, Steinböcke und sie versolgende Löwen, hineingearbeitet sind, Figuren, die an babylonische Darstellungen erinnern. Ein Krughenkcl trägt einen Löwcustcmpcl. Auf der Plattform lagen zwei Bronzebcile und 22 kleine ungebrannte Tontaseln, die offenbar zum Schreiben bestimmt, leider aber noch nicht beschrieben, waren. Dieses dürste das am besten erhaltene, aus kauaanitischcr Zeit stammende Gebäude sein, welches bis jetzt bei den 'Ausgrabungen in Palästina ans Tageslicht gesördcrt wurde. Es ist von großer Bedeutung für die Baugcschichte und läßt uns mit seiner schrägen Anlehnung an den künstlichen Hügel einen interessanten Einblick in die Entwickelung der aus egyplische» Darstellungen bekannten stockwerlartigen kanaanitischen Bauweise tun. In einem andern Hügel stieß man bereits 40 Zentimeter unter der Oberfläche ans die alte Stadtmauer. Es ist eine aus gebrannten Lchmziegeln massiv erbaute Mauer, die an dieser Stelle Z Meter dick und 3 Meter hoch lvar, aber noch aus einem 60 Zentimeter hohen steinernen Fundamente ruhte. .Sie .ist außerordentlich 'stark und erinnert an babylonische Stadtmauern. An einer anderen Stelle ist sie gar 12 Meter breit. Und — rätselhaft! — von der Höhe der Mauer führt hier eine ausgezeichnet erhaltene, breite steinerne Treppe mit 19 Stufen hinunter in die Ebene. Wie kam man dazu, es scheinbar dem Feinde so leicht zu machen, die Mauer von außen zu ersteigen? Von Einzelfunden seien erwähnt: viele kleine, mittelgroße und große Krüge aus allen Schichten, von den einfachsten, mit der Hand gearbeiteten Exemplaren bis zu den zierlichsten und künstlerisch schön gestalteten, weiter viele Lampen, ebenfalls vom primitivsten Napf bis zu den nmgeschlagenen drei- bis vierschnauzigen, ferner Teller und Schalen, Spindeln, Gewichte, Mörser, Mühlen usw. In einem Schachte fand man 20 große, in den Boden eingemauerte Oel- und Weinkrüge, alle durch den groben Ton, die wagerechten, gewellten Handgriffe und den flachen Boden ihre Herkunft aus altkanaanitischer Zeit verratend. Als der wichtigste, ganz besonders interessante Einzelfund ist aber ein etwa 20 Zentimeter hohes steinernes Idol in menschlicher Gestalt zu bezeichnen. Es ist zwar sehr einfach gearbeitet, hat aber am Krnghandgrisf einen Stempel, in welchem Sellin nichts anderes zu sehen vermag, als ztvei althebräische Lettern. Trifft seine Erklärung zu, so haben wir hier einen sehr wichtigen urkundlichen Beweis dafür, daß die Kanaaniter bereits diese phönizisch-moabitisch-althebräischen Lettern Um 1500 v. Ehr. gekannt haben, was neuerdings nach de» zahlreichen keilinschristlichen Funden aus dieser Zeit mehrfach bezweifelt wurde. Sicher werden nach diesen schönen Funden die Mittel beschafft werden, um dem verdienten Wiener Professor eine völlige Bloßlegung der Ruinen der alten, berühmten „Palmenftadt" zu ermöglichen. Kolnidr e-Abend in Bombay. Werfen Ivir einen Blick in das düstere, übervölkerte Judenviertel, so bieten sich uns Szenen ungewohnter Art dar. Längs der Hauptstraße zieht sich.ein Menscheiigewimmel. Die Wohnhäuser dieses Stadtteiles sind eigenartig: sie bilden ein längliches Prisma mit mehreren als Fenster dienende» Ocssnungen, einem pyramidcnartigen Ziegeldach, einer Veranda und' einer Tür an der Vorderseite. Vorhalle und Treppe des meist mehrstöckigen Hauses sind am Sabbat der Versammlungsort der Frauen zu einem Stündchen Klatsch, an diesem bedeutungsvollen Nachmittage von Kolnidre sind diese aber vor allem bemüht, die jungen Sprößlinge der Familie zum Zwecke einer letzten Reinigung zu sammeln, und das ist nicht leicht, da die B'ne Israel-Buben es lieben, sich herumzutreiben. Die Männer nehmen kurz vor der Dämmerung ihr letztes Mahl ein, und die Frauen folgen später ihrem Beispiel, denn es ist nicht gebräuchlich, daß Männer und Frauen zusammen speisen. — Auch auf dem Wege zur Synagoge gehen beide Geschlechter getrennt, dabei den vorbeigehendcu Marathas und Mohammedaner», da sie halbnackt und meist aussätzig sind, vorsichtig ausweichend. Durch Entfernung der Bänke und Stühle ist die Synagoge am Jom Kippur geräumiger gemacht. Teppiche und Lacken bedecken den mit Matten belegten Fußboden. Im Hofe besin'dct sich ein kleiner Brunnen sür die barfuß Gehenden, die dort ihre Füße waschen. Die bessere Klasse, die bereits mit westlicher Zivilisation bedeckt ist, zieht die Schuhe aus, che sie die Synagoge betritt. Die Plätze sind nach einer vorherigen Abmachung mit dem Schammcs im Voraus reserviert. Die Teba befindet sich in der Mitte der Synagoge. 'Am Eingang ist zur linken Leite eine Alinoscirbiichse an der Wand angebracht: gegenüber dem Eingänge und der Frauengalerie nincnit die ganze Ostwaiid das Becha! (heilige Lade) ein, über welchem zwei Marmortafeln mit den Zehn-Geboten angebracht sind. Hechot und Teba prangen in blendend weißer Seide. Diese, sowie die zur Beleuchtung dienenden Kokosöl-Lampen wurden von wohltätigen Gebern gespendet, deren Rainen der Schammcs laut ausrust. Die Männer sind mit weiß-seidenen Tatessim bekleidet, welche jedoch die bei uns gebräuchliche!! Streifen nicht auswciscn. Die Mizwoth werden sür so und so viel Oetspcndcil meistbietend verkauft. Der Gottesdienst vollzieht sich unter Leitung des Vorbetcrs, indem die Gemeinde bald niederfällt, bald sich wieder ausrichtct, bald laut und bald in einem stillen Gemurmel das Gebet verrichtet. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.; ll e b e r jüdische T u r n e r e i. In Fcankfurt haben sich einige Herren zusammengctan, um einen jüdischen Turnverein nach der Art des Bär-Kochba zu gründen. Diese Herren, einsichtige Juden, die den Geist der Zeit verstehen und gut wissen, was dem Volke notkut, haben 'ihre Absicht in der Presse kundgegcbcn. Aber o weh: die weißen Freisinnigen sind noch weißer vor Schreck geworden und die zufriedenen, satten 'Aufsichts-Juden, die mit ihrem bischen Religion so viel Spektakel und Marktlärm machen, sind nicht weniger vom Schrecken gepackt. Aber ich kenne den Grund dieses Schreckens: Ihre innere Entjudnng läßt sie so laut ansschreien. Man kann eben äußerlich alle jüd. Gebote erfüllen, und doch' unbewußt ein Assimilations - Jude vom besten Schrot sein. Wenn Juden zusammen turnen, erkennen sie ihre Kraft. Da bildet sich Selbstbewußtsein, Ehrgefühl und Willen zum Leben aus. — Aber das sind keine Artikel für eine» Inden der Richtung des Einsenders des vorvorwöchentlichcn Sprechfaals. Ihm genügt zu wissen, daß man koschere Hosenträger tragen, daß man ganz stille und'ruhig sein muß, um nur kein Aufsehen zu erregen. Nach der Art der Majofis- Juden. Diesen Leuten möchte ich einige Fragen vorlegen: Wozu die jüdischen Logen? die jüdischen Schulen und die jüdischen Klubs? Was hat Turnen mit Religion gemein? Warum die separative Strömung 'im deutschen Judentum? Dankbarkeit ist schön. Aber vor lauter Dankbarkeit die eigenen Interessen vergessen, ist doch des Guten zu viel. Die philosemitischen Turner in Ehren. Aber Volksgesuudung und Willensstärkung, die durch das Turnen möglich sind, gehen über alle Rücksichten. Das gemeinsanre Turnen ist das beste Mittel zur Stärkung und Hebung des Selbstbewußtseins und daher, meine Brüder, werden wir gemeinsam turnen. Maxime Le Maitre. Wohack Mp,«JSSJS2S* Inhaber: JUL äJIftH. Paniert, Juwelen, Goldwanen, '• Auf Wunsch Auswuhisendungen.- ' "■ Staliser Friedrich Quelle - Offeubach a. M. - Gegen Gicht and Rheumatismus bewährt. Wocheu-Äiue«oer. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 19. Oktober (= 11. Cheschwan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 5 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a Bi. 6 Uhr 15 Min., in Berlin 5 Uhr 47 Min. Die Sidro L e ch - t e ch o beschäftigt sich nur mit der Geschichte unseres Stammvaters Abraham. Wir hören Gottes Aufforderung an Abram, — so hieß er damals — die Heimat zu verlassen und sich in fremdem Lande anzusicdelu. (Eine der vielen Prüsuni'icit!) A. kommt dem Befehle nach. Tara und Lot ziehen mit. Ueberail verkünden sie Gottes Namen. Ji» Lande Kanaan offenbart sich ihm Gott von neuem, ihm Land und Nachkommen verheißend. Wegen der Hungersnot zieht A. nach Egypten. Der König dortselbst raubt ihm Sara, muß sie durch göttlichen Zwang aber wieder zurückgebe». Abr. erhält reiche Geschenke, zieht wieder nach Kanaan zurück. — Wcr hören von A.'s Streit mit seinem Neffen Lot wegen der Weideplätze. A. will stets nach'geben. Lot zieht an den Jordan, wohnt in Sedom bei sehr sündigen Leuten. Dazu kommt ein Krieg in jener Gegend. Lot verliert Hab und Gut und wird mit allen Leuten Ledoms in 'Gefangenschaft geführt. Abram befreit ihn und alle Sedomiter. Der König Sedoms bietet A. für die große Tat die Habe der ganzen Ltadt an. Uneigennützig weist A. jedwede Belohnung zurück. — Beim sogen. „Bunde zwischen den Fleischstücken" verheißt Gott wiederholt großen Lohn, zahlreiche Nachkoinmen und die einstige Erlösung derselben aus der 100jährigen cghptischen Sklaverei. — Am Ende des Wochenabschnittes wird uns die Entlassung Hagars, der Magd Abrahams, mitgcteilt. Sie hatte sich überhoben. In der Wüste erscheint der Hagar ein Enget Gottes und verkündet die Geburt Jsmaels, des ersten Sohnes 'Abr.'s. — Gott stiftet mit A. den Bund der Beschncidnng für „ewige Geschlechter". Im Alter von 99 Jahren vollzieht A. an sich den Bund, bei Jsmaei im 13. Lebensjahre. Abram wird „Abraham" geheißen, soviel'als „Vater einer großen Bolksmcnge". Sarai (t>. h. „meine" (Abr.'s> Fürstin?) soll fortan „Sara" heißen, Fürstin überhaupt, da ihr Ruf und Wirken schon weltbekannt geworden. OKenbacvrr vrueAutt-Änlagr Telefon 123. Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tepplchre tnt ffltng. Disfr. Auskünfte! GroMo Detectiv-Zentrale!!! Salzhaiis 6, I. aber Vermögens-, Familiena. Gesehäftsverhältnisse, Beobachtungen Ermittelungen au allen Plätzen der Welt. Telephon 4359» Künstliche Zähne oon 2Mack an. C. Reichert» Hasengasse 12, Ecke Zeil.