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Neue jüdische Presse · 1907-09-20 · Heft 37 (20.9.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 37 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Frankfurter Israelitischer Famiüenblatt. Nr. 37. den allwöchentlichen Vereinsabenden fast an jedem Sonntag Ausflüge, die, ebenso wie die Kneipen, den .Zweck verfolgten, die einzelnen Mitglieder einander 'persönlich näher zu bringen. Herr Rabbiner Dr. Munk hielt einen wöchentlich zweistündigen Schiur .in Gemoro ab. Als Neuerung wurde eine sogenannte „Fnxenstunde" für die jüngeren Mitglieder eingeführt, die Herr cand. jur.'I. Breuer in meisterhafter Weise leitete. Wissenschaftliche Vorträge wurden gehalten von den Herren: Rabb. Dr. Munk über „Moderne Sittlichkeits - Postulate und antikes Religionsgesctz"; Rabb. Dr. M. Hildesheimer über „Dr. Kaatz, das Wesen des prophetischen Judentums"; sind. chem. W. Halber st adt über „Die Opferidee"; cand. phil. I. Wohlgemuth über „Dr. Güdemann, jüdische Apologetik"; Rabb. Dr. Wohlgemuth über „Das Problem der Theodice in der Bibel"; Dr. med. P r e u jj über den „Jargon"; cand. jur. I. Breuer über „Theodor Herzl". An .die Vorträge schlossen sich anregende und lebhafte Debatten an. Der nengewählte Vorstand setzt sich zusanunen aus den Herren: cand. med. SB. Berlowitz, 1. Vorsitzender; Rabb. Dr. Munk, 2. Vorsitzender; stud. med. I. Levy, 1. Schriftführer; stud. phil. L. Wolfs, 2. Schriftführer; stud. med. H. Baehr, Kassenwart. Alle Anfragen und Meldungen zur Aufnahme find zu richten an den 1. Schriftführer Herrn Jacob Levy, Berlin, Kaiser Wilhelmstr. 18E. Berlin» 17. September. Der .Verband der Sabbatfreunde" hat seine Propagandatätigkeit sofort nach Beendigung der Ferientage wieder ausgenommen. So fanden am vergangenen Sonntag Versammlungen in Hersfeld und Rhina statt, die an beiden Orten zur Bildung von Ortsgruppen führten. In Hersfeld erfolgten über 60, in Rhina gegen 50 Anmeldungen als Mitglied. Das einleitende ° Referat erstattete in beiden Versammlungen der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe, Herr Moritz A. Lo eb. — Ebenso wurde nach einem Referate des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Bamberger- Hanau in Sterbfritz eine Ortsgruppe gegründet. . Der Gesamtverband umfaßt jetzt über 80 Ortsgruppen mit mehr als 4000 Mitgliedern. Aus der zionistische» Bewegung. Berlin. In der letzten Nummer der .Jüd. .Rundschau" behandelt Elias Auerbach die Frage Zionismus und Rückkehrzu m Judentum: „Wir deutschen Zionisten sind vielleicht von allen Ländern der Erde in dem traurigsten Zwiespalt. Hier ist Zionismus vielfach nicht Rückkehr zum Judentum, sondern höchstens der Wille dazu. Aber wer cs ehrlich meint, wird sich sagen müssen, daß der programmatische Zionismus allein nicht genügt, um das Judentum frisch, triebsähig und erhaltungsfähig zu machen. Judentum ist jüdisches Leben, jüdisches Fühlen, jüdisches . Milieu. Darum ist das unersetzliche Fundament lebendigen Judentums, der Fels, aus dem wir alle gehauen sind, die jahrtausendalte jüdische Tradition, die das Leben der Kinder an das der Väter knüpft und das.Einzelschicksal an das der Nation. Aus diesem Milieu der „Jüdischkeit" kommen noch sehr diele der deutschen Zionisten; sic stehendem Herzen des Judentums nahe genug, um aus eigener Kraft in ihm ihren Weg zu finden. Aber diesen Boden verlieren wir mehr und mehr. Nur wer diese großen geschichtlichen Ursachen als wirkend erkennt, kann begreifen, daß zehn Jahre Zionismus an diesen Verhältnissen vielleicht Einzelnes, nicht aber Grundlegendes ändern konnten. Auch die nächsten zehn Jahre werden das nicht können, wenn wir nicht wieder bis zum Grundwässer graben. Nicht auf das russische Judentum haben wir dabei zu sehen, sondern auf das lebendige Judentum überhaupt, das nicht ein Programm istsondern ein Fühlen und Leven. Und das osteuropäische Judentum? Hier ist noch jüdisches Milieu; hier gibt es noch jüdische Massen, die restlos inr Judentum leben und nichts anderes kennen. Aber ist dort n i ch t Ghetto, nicht Diaspora? Ist dort das lebendige, harmonische Judentum, auf dem wir aufbauen könne»? Während die Krankheit der Westjuden das Zurücktreten des Judentums vor der europäischen Kultur ist, ist die Krankheit der Ostjuden das Zurücktreten der europäischen Kultur vor dem Judentum. Wohlgemerkt bei den jüdischen Massen, denn auch das ist sehr zu beachten: Gerade her Zionismus in Rußland und vor allem seine J-ührer stellemjckien fortgeschrittensten, am meisten assimilierten Ml der Ostjndcn dar. Auch dort geht die große Entwicklung einen ähnlichen Gang wie bei uns, und der Tag dürfte nicht fern sein, tvo auch der Ostjnde dcn Westjuden besser versteht — zum Schaden des Judentums. Glauben wir ivirklich, daß wir große neue Erhaltungswerte für das westliche Judentum aus deni Osten herübernehmen können? Ich glaube es nicht. Das lebendige Judentum, das wir brauchen, finden wir nicht in den Wolken und nicht jenseits des Meeres, sondern in uns, unserer Tradition und unserer Zukunft. Wir wollen mit Liebe und Verständnis dem russischen Judentum gegenübertreten, in dessen Pulsen das jüdische Leben noch lebendiger klopft; aber wir müssen uns klar darüber sein, daß sein seelischer Zustand nichr der ist, den wir für unsere Zukunft erwarte», sondern der, den unsere Großväter besessen haben. Trotz aller Renaissancebeweguug kann die Renaissance des Judentums nicht aus Osteuropa kommen. Wir verstehen im Innersten die Sehnsnchtsliedcr der jüdischen Dichter des Ostens, uns ergreift tief der Schmerzensschrei der jüdischen Seele. Aber der kräftige Feldgesang, dem danipfenden Erdreich in der Morgensonne entgegengejubelt — das ist die jüdische Renaissance, und diese ist nur in Palästina möglich Ost.und West — zwei Seiten sind wir derselben Münze Zwei Glieder sind wir eines Ehebundcs. Wir haben uns die Hand zw reichen, unserer Unvollkommenheiten bewußt, aber in Liebe und Nachsicht, um des Kindes willen, von dem wir träumen." Berlin, 15. Sept. Gestern fand eine Mi gUederveisammlung der hiesigen Misrachi-Grnppe statt, in der der Vorsitzende, Herr Hermann Struck, über den Kongreß berichtete. Herr Struck konnte am Schlüsse seiner Ausführungen feststellen, daß der Misrachi mit seinen Erfolgen auf dem Kongresse voll und ganz zufrieden sein kann. Vor allem sei der Beschluß der misrachistischen Delegierten, in Palästina eine Mittelschule zu gründen, überall mit Beifall ausgenommen worden. Es schloß sich hieran eine lebhafte Aussprache über die vorbereitenden Schritte zur Gründung dieser Schule an. Eingehende Behandlung fand auch die Frage der Neuorganisation des Misrachi, dem ja nach dem' Kongreßbeschluß die Möglichkeit geboten wurde, rine eigene Föderation zu bilden, wenn er über 3000 Schekelzahlcr in allen Ländern verfüge. Es wurde beschlossen, überall Vertrauensmänner zu ernennen und sich 'an die Oeffentlichkeit mit einem Aufruf zu wenden^ alle -Lchekelzahlungen nur an die Vertrauensmänner abzuführen, um so festzustcllen, wie groß die Zahl der misrachistischen Zionisten ist. Zu diesem Zwecke werden alle misrachistischen Gesinnungsgenossen in Deutschland gebeten, ihre Adresse dem Unterzeichneten einzusenden. Schließlich wurde bestimmt, daß nach den Feiertagen eine össentliche Versammlung stattfinden soll, zu der Herr Lazarus Barth das Referat übernahm. Beitrittsmelduirgcn sind an den Schriftführer, Herrn Edmund Lewy, Berlin, Augiiststr. 84, zu richten. New-Nork. In Milwaukee starb nach kurzer Krankheit im Alter von 42 Jahren der angesehene Arzt Dr. Adolph Heß. Heß ist ein guter Zionist gewesen. Letzte Berichte. FraWu^ a. M. Einen künstlerischen Genug bereiten die herrlichen Kunststickerei e n, oir Herr Rabbiner Henri Brauer aus Tours (Frankreich) Tiergarten 8 zur freien Besichtigung ausgestellt hat. Sämtliche Arbeiten entstammen der Hand der Frau Rabbiner Brauer. Es sind nicht nur einzigartig schöne synagogale Klinststickereien, sondern auch Decken, Vorhänge nsw. sür profane Zwecke; besonders fallen dabei Stücke, mit Motiven aus dem heiligen Lande auf. Frailkfurt a. M. Der Brötverteilungs- Verein (Vorsitzender: Emil Isaak) verausgabte 1906 Jk 4033.— für Brot und Jk 355.— für Eier. Da die Bitte nach Brot keinem Menschen abgeschlagen werden darf und den an den Verein gestellten Anforderungen nicht Genüge geschehen kann, so sei hiermit zu Spenden und Jahresbeiträgen herzlichst bittend aufgefordert! Gleiwitz. Hier verschied der Rentier Simon T r o p l o w i tz, der sich um das. israel. Waisenhaus in Rybnik große Verdienste erwarb. Mailand. Schalom Asch's »Der Gott der Rach e" wurde zur Aufführung von der Zensur, die sonst die eindeutigsten französischen Stücke aufzuführen erlaubt, verboten. Die hiesige Presse greift, indem sie auf den sittlichen Ernst des Stückes hinweist, den Zensor heftig an. Warschau. Von den Wahlen zur Duma ist bis jetzt bei der jüdischen Bevölkerung nichts z u m e r k e n. Die Zionisten haben beschlossen, an den Wahlen keinen Anteil zu nehmen; die Chassidim haben' noch keine Beschlüsse gefaßt, und die Persönlichkeiten, die sonst in der jüdischen Oessent- Uchkcit tätig sind, verhalten sich diesmal gleichgültig. — Unter Anwesenheit von 25 Delegierten und 11 Mitgliedern des Zentral-Komitees fand hier eine 3tägige Konferenz der Territorialisten statt. Die Bewegung hat jetzt in Rußland etwa 10000 Mitglieder in 50 Vereinen. Es wurde beschlossen, „die Regulierung der Emigration" in das Programm aufzunehmen. Das Zentral-Komitee wurde von Warschau nach Kiew verlegt^ Es wurde beschlossen, mit allen Mitteln zu verhindern, daß die Statuten der Jüd. Kolonialbank geändert werden. In bas Zeiitral-Komitee sind gewählt worden: Professor Mandelstamm (Vorsitzender), Dr. Jochelmann, Ingenieur Löw, Ingenieur Lipez und Redakteur Paperin vom Jewreskaja Golos. MkAblösungLerRoschhaschono-GlölkMUsUatte« spendeten ferner für den jüd. N a t i o n a l so n d s: Herr u. Frau Prof. Ad. Wehl .3,— Jk Hamburg-Amerika Linie. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern finden statt: Nach Newyork: 19. 9. Postd. Kaiserin 'Auguste Victoria; 21. 9. Postd. ■ Pretoria; 26. 9. Postd. Blücher; 28. 9. Postd. Patricia; 3. 10. Postd. Amerika; 5. 10. Postd. President Lincoln; 10. 10. Schnellpostd. Deutschland; 12.10. Postd. Graf Waldersce; 17. 10. Postd. Kaiserin Auguste Victoria; 19. 10. Postd. Pennsylvania. omtiidiB. Hasseibacti. ± 2 Caie Constabler schönster Balkon, s M Streng gehabt. Famillencafe. .. — 1 1 W Zum Prinzen v. Weinrestaurant I. Ranges, Goethestrasse 10, Frank, turt a. M, Ludwig Stotz. Dampf-Wascbanstalt Paul&Co.,ß.m.b,H. 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