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Neue jüdische Presse · 1907-09-13 · Heft 36 (13.9.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 36 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. Nr. 36. ihm nur noch der Nasenstüber in Erinnerung und von dem zweiten nur noch die Papierfetzen, die Mje Nowi ihm vor die Füße geworfen. Auf dem Hinwege zum Tempel, der ihm bei dem Lotterie-Einnehmer vorbeiführte, bemächtigte sich seiner ein rasender Zorn, gegen Hinoe, gegen Abraham Kirschner, gegen den Tisch, gegen die ganze Welt. .Auf dem Rückwege hatte sich zwar seine Wut gelegt, doch war er jetzt ein Bild' des Jammers und der Verzweiflung. Sein Anblick zerschnitt Hinde das Herz. „Jone, mein Leben," jammerte sie; „Schlage Dir doch den dummen, unseligen Traum aus dem Kopf, oder Du wirst noch — Gott behüte — — meschugge werden. Wenn es fein heiliger Wille ist, daß Du gewinnen sollst, dann werden schon die richtigen Zahlen herauskommen, ob Du spielst oder nicht." . „Hinde!" schrie er entrüstet. „Wie kannst Du nur so töricht sein? Ja, ja," fuhr er höhnisch fort, „es wird mir gelviß eine große Freude sein, wenn die Zahlen herauskoinmen, die ich "garnicht spiele, und ein anderer trägt den schweren Gewinn heim, während meine Tochter sitzen bleibt, bis sie einen grauen Zopf bekommt."- „Und ich sage Dir doch," beharrte Hinde, „wenn es Gottes Wille ist, werden >vir doch noch durch jene Zahlen gewinnen, wenn Du sie auch zehnmal vergessen hast."- „Weib, wie kann ich gewinnen, wenn ich nicht spiele?" „Das geht mich nichts an," war ihre gelassene Antwort; „dafür lasse ich Gott sorgen, und wenn er will, ist alles möglich!" Reb Jone raste innerlich; doch gab er keine Antwort,. sondern sah sie verächtlich an, und sein Gesicht ■ verzog sich zu einem mitleidigen Lächeln. Er ging fort und schlug die Türe hinter sich zu. Am Tage nach' der Ziehung, an welchem die gezogenen Nummern, auf einem schwarzen Brett, am Hause des Einnehmers bekannt gegeben wurden, blieb Reb Jone voin Gottesdienst weg und betete zu Hause aus Furcht, er könnte vielleicht zum Kollekteur zu spät kommen, wie er es im Traume gesehen. Ohne das Frühstück' abzuwarten, ging er nach dem Marktplatz und ließ sich' wieder auf die grüngeftrichene Bank nieder, die ihm schon im Traume als bequeme Sitzgelegenheit gedient., Warum er eigentlich mit leerem Magen herkam, auf Zahlen zu warten, die ihn ja garnichts " angingen, und selbst wenn sie gezogen waren, für ihn auch nicht den geringsten Gewinn bedeuteten, wußte er selbst nicht. Aber er saß da, rein wie behext, und wartete und wartete, dabei den Wunsch hegend, wenn die heiligen Zahlen dennoch gezogen sein sollten, dann möchte ihn nur bald ein Schlag treffen — damit ihm wenigstens dieser große Schmerz erspart bleibe. — Endlich erschien der Mann mit der schwarzen Tafel vor dem Laden, und Reb Jone sah schon von großer Weite, ohne sich erst von seinem Platze zu erhebe», — siebenundvicrzig — neununddreißig — acht — schön, mit roter Farbe hingemalt. Kaum aber hatte er sic erblickt, als ihm auch der ganze Traum blitzartig wieder einficl. Ein schmerzliches Stöhnen entrang sich seiner Brust, in wilder Raserei raufte er sich Bart und Haar, und, genau wie er es im Traume gesehen, entfiel die unzertrennliche Pfeife seinen Händen, und der schöne Porzellankopf lag in Scherben zerbrochen da. „Wehe, wehe mir! Ein großes Unglück 'ist mir geschehen! Wie konnte ich als Vater an das schöne „Masel-Tow" vergessen, wo es' sich doch um die Hochzeit Meines Kindes handelt! Hinde, Hinde, wie lkonntest Du mir das antun? Mit Deinem Gescheuere hast Du mein Glück und Rachels Glück weggewischt, und nun sind wir alle geschlagene Leute!" — — Um nicht mehr die unseligen Zahlen zu sehen, saß er mit geschlossenen Augen da, unfähig sich von der Stelle zu bewegen, als wäre er angewachsen. Jetzt kam ein Leiterwagen auf dem holprigen Straßenpflaster angerasselt, wiederum ein Stück von dem Traume, auf dem ein Mann saß, der beim Anblick des wehklagenden Reb Jone sofort vom Wagen sprang und auf den Jammernden zueilte. Es war aber diesmal nicht Alje Nowi, sondern Abraham Kirschner, der von feiner Reise heimkehrtx. „Wie seht Ihr denn aus, Reb Jone?" fragte er teilnehmend; „und was macht Ihr denn so frühzeitig hier?" Reb Jone wies schweigend nach der schwarzen Tafel hin. Nicht ein einziges Wort konnte er über die Lippen bringen. „Habt Ihr einen großen Gewinn gehabt, daß der freudige Schreck Euch die Zunge gelähmt?" fragte Abraham besorgt. Wehmütig schüttelte Reb Jone verneinend sein Haupt; sprechen konnte er immer ,noch nicht, nur erbsengroße Tränen liefen über seine Backen herunter. Inzwischen hatte Kirschner die Zahlen aufmerksam betrachtet, und je länger er hinsah, desto verklärter wurden seine Gesichtszüge; niit freudiger Verwunderung erkannte er sie als dieselben, die er am Morgen vor seiner Abreise von dem großen Tisch in der Wohnstube sich abgeschrieben hatte. „Hurrah! Masel-Tow!" rief er, seinen zukünftigen Schwiegervater wieder und immer wieder umarmend. „Hurrah! Ich habe einen Haupttreffer gemacht! Nun ist das große Glück für mich und Rachel gekommen! Es sind die drei Nummern, auf die ich gesetzt! Und wisset Ihr auch, wer der eigentliche Gewinner ist? Kein anderer, als meine geliebte Rachel!-Denn sie hat ja damals die Zahlen aus den Tisch geschrieben und mein Reiseköfferchen daraufgestellt, um meine Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. — Hurrah! Nun hat sie ihre fünftausend Gulden Mitgift, und bald, bald werden wir unsere Hochzeit feiern!" Als die fromme Hinde die Glücksbotschaft vernahm, sah sie ihren Mann mit einem eigentümlichen Blick an, und sprach gelassen: „Siehst Du, Jone, mein Leben, habe ich es Dir nicht gleich gesagt? Wenn Gott will — gelobt sei sein heiliger Name— so werden wir den großen Gewinn doch bekoinmcn, ob Du in der dummen Lotterie spielst oder nicht." III. Zwei Monate später wurden Rachel und Wraham unter die Chuppe geführt, nachdem Reb Jone Lotter, in Gegenwart des alten Kirschner, die fünftausend Gulden seinem Schwiegersöhne abgezählt und eingehändigt hatte. Während die Hochzeitsgäste bei der Festtafel sich gütlich taten, schlich ffich Reb Jone heimlich fort, um an diesem Freudentage, der ihm ja schon einmal ein solches Glück gebracht, noch ein zweites Mal sein Glück mit diesen Zählen zu versuchen. Als alter Praktikus im Lotteriespiel wußte er zwar ganz genau, daß dieselben Zahlen unmöglich zweimal so kurz hintereinander gezogen werden können; nach seiner Auffassung hat selbst Alje Nowi nicht die Macht, ein solches Wunder zu bewirken.- Darum spielte er jetzt „Solo", das heißt, er wählte von den drei Zahlen die größte, — sicbenundvierzig — auf die er setzte. Zu seinem unaussprechlichen Aerger aber wurden tatsächlich dieselben Zahlen — siebenundvierzig — neununddrcißig — acht — wieder gezogen. Doch diesmal erschienen sie nicht mit Goldfarbe auf denk schwarzen Brette; es war nur eine Nummer davon besetzt, die nur lumpige vierzehn Gulden gewann, und da verlohnt es sich nicht, so viel Aufwand zu machen und die schöne Farbe zu verschwenden. Auch Reb Jone Lotter machte von diesem Gewinn kein Aufhebens; aber seit dieser Zeit har er es satt bekommen und endlich aufgehört, in der Lotterie zu spielen. E n d e. Kaiser Friedrich Quelle — Offenbach a. M. —> Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Laach.! Samstag, den 14. September {= 6. Tischri): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 15 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 25 Mn., in Berlin 7 Uhr 10 Mn. Der Wochenabschnitt Wajeilech ist inhaltlich dem vorhergegangeneu sehr verwandt: 'Ermahnungen Moses' an Israel, dem Gesetze treu zu bleiben. Strafverkündigungen für das Gegenteil. Die Pflicht, die Thora abzuschreiben. — Der Samstag auch Schabbos Schuwo genannt nach dein Anfangswort der Haftoro. Auch „Schabbos Teschuwo" — Bußesabbat. Jozer einschalten im Morgengebet, ebenso Ophan; im Mussaf „Elauheichem" bei der Keduscho. Nachmittags kein Zidkoscho-Zedek. An diesem Sabbat gewöhnlich erbauliche Moralpredigt. (Derascha.) * Am Dienstag (17. Sept.) „Erev - Iaum - Kippur". Vermehrte Selichaus vor dem Morgengebet. Kein „Owinu Malkenu". Nicht Tachanun, nicht Lamnazeach. — Weitverbreiteter Brauch — jedoch nicht Pflicht — „Kapporaus zu schlagen". Verschiedene Gründe, warum Hühner dazu verwendet. Biele tun's schon während der Bußewoche. Wert des Geflügels oder doch den Teilwert 'Armen geben. („Kaporans- Auslösen".) Je nach dem Geschlechte Hahn oder Henne nehmen. Nach Geschlecht und Zahl der Personen ändert sich die Formel beim „Umschlagen" (siehe Gebetbuch). — Am Nachmittag schon früher Mincho beten (3 Uhr). Die „Widdui" (Sündenbekenntnis) am Schluß der Schmono - Esrei anfügen. Anstatt durch Essen und Trinken ehre man Janm-Kippur durch Licht und Kleidung. Daher die Jaum - Kippur- Kerze. Wenn ausgegangen, nicht wieder anzünden lassen. Man „benscht"'die Kinder bor Synagogenbeginu. Die Hausfrau zündet Lichter an mit Brocho „lehadlik neir schel Jaum hakippuriin" und Schehechijonu. Am Mittwoch (18. Sept.) „Jaum-Kippur". Der Gottesdienst beginnt möglichst frühe, gewöhnlich 6 Uhr. Den ganzen Tag zeige man heiligen Ernst, würdevolle Andacht. Genußenthaltung von Essen, Trinken, Waschen, Salben, Anziehen lederner Schuhe, Eheleben. Mle Arbeiten ivie am Sabbat verboten» also auch Kochen, Tragen aus der Straße. In allen Schmono-Esrei die „Widdui" einschalten. 'Das Mussaf behandelt genauer den schweren Dienst des hohen Priesters im Heiligtum. Unesano Tokev (Schicksalsbestimmung), Olenu- Gebet, öfteres Niederwerfen als Huldigung vor Gott (sogen. „Awaudo"). Nachmittags die Haftoro aus dem Buche Jona. Nach Mincho das Nsila- oder Schlußgebet. Nach diesem die Owinu- Malkenu, wie auch morgens nach Schacharis. Bei Nacht (Jaum-Kippur Ende in Frankfurt 7 Uhr 15 Min., in Berlin 7 Uhr) die sogen. „Scheimos" (Schema Jisroel usw.). Dann nach Maariv „Kiddusch Halewono". (Gebet beim neuen Mondlicht.) Schöner Brauch ists, noch am Wend etwas für die Sukko zu richten. * > Die 4 Tage zum Sukkausfeste sind freudige. (Kein Tachanun.) Es beginnen die Vorbereitungen - zum Laubhüttenfeste. Bedeutung des Laubhüttenfestes: Erinnerung an den Schutz vor allen Gefahren der 40jährigen Wüstenwanderung. Wohnung (Hütten), Nahrung (Manna) und Gewand bekamen sie auf wunderbare Art. Lehre daraus: Gott vertrauen! — Sukkaus ist ein „Regel"-Wallfahrtsfest. Alle Männlichen hatten sich —>wie am Pesach und Schowuaus — in Jerusalem zu versammeln. Es heißt — als Naturfest — Chag - hoosiv. Fest der Einlese, da die Felds früchte eingeheimst wurden. Im Gebet auch Seman- Simchausenu (Zeit unserer Freude). Freudigkeit ist von der Thora anempfohlen. (5. Bch. M. 16, 15.) In Jerusalem einstens das freudige Wassergußopser, Illuminationen, Kreisgang um den Altar, Produzieren verschiedener Künstler. Zeit: 7 Tage, vom 14. Tischri abends bis 21. Tischri inkl. Erst zwei ganze, dann 5 halbe Feiertage. Daran schließt sichSchemini azeres oder Schlußfeier am 22. und' 23. Tischri. — Pflichten: a) "das Wohnen in Hütten, welche nach bestimmten Gesetzesvorschriften gefertigt sein müssen; b) das Nehmen der vier Pflanzenarten zum Feststrauß: Lulow — Palmzweig, Esrog — Zedernfrucht, Hadassim—Mhrthen, Arowaus — Bachweiden. Alle müssen genauen Gesetzesvorschriften entsprechen, c) die entsprechenden Jaum - tauw - Gebete zu verrichten. i VARAVICINL IUm-&Neaban von f Geschäftshäusern BleidtDStr. I.Tel.471: Zur Ablösung der Roschhaschono- Glückwunschkarten. spendeten nachträglich für den jüdischen Na tiunalfonds: Herr Leon Dreyfus „ S. Berlowitz „ L. Janzon „ Dr. Siegfr. Schwarzschild „ L. Weil! „ Js. Heimann „ Adolf Kaufmann Frau Therese Moser Familie Raphael Rosenheimer Herr und Frau Leopold Ledermann Familie Baruch Stern Sh 10.— „ 1.- „ —.50 .. 3.- .. 3.- ,, 5. „ 10.- ::!- ->_

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