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Neue jüdische Presse · 1907-09-13 · Heft 36 (13.9.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 36 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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F Sette 10. Frankfurter Israelitisches FamVen-latt. Nr. 86. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Geehrter Herr Redakteur! Aus der Sommerfrische. Es ist schon lange her, seitdem ich in Ihrem Blatte über das Gebetbuch des Badischen Obcrrats eine Glosse veröffentlichte. Ich dachte nicht, daß das Gebetbuch je den Büchermarkt bereichern würde, allein — ich habe mich getäuscht. Das Buch ist erschienen und wie ich. höre, haben schon mehrere Lehrer dasselbe cingeführt. Ursprünglich bestand die Absicht, dasselbe in Versen zu verfassen, allein die Sache ist eben nicht so leicht, wie die hohe Behörde in Karlsruhe glaubte, — und so erschien das bekannte Gebetbuch, das einen Sturm von Angriffen erfuhr und mit Recht. Vor meiner Abreise erhielt ich von unbekannter Seite an einem Tage ein Exemplar des Gebetbuches und eine Nummer des Schweiz. Jsr. Wochenblattes zugesandt. Das Wochenblatt enthielt die schärfsten Angriffe auf den Regierungsrat Dr. Mayer, der — ich möchte es fest behaupten — recht unschuldig ist am Inhalte des Gebetbuches. Ich glaube sogar annchmcn zu dürfen, daß er nicht versteht, loas er betet, wenn er ein Gebetbuch hat, das nicht überseht ist. Diesem Herrn möchte ich in's Gedächtnis rufen, was die Großherzogin von Baden vor Jahren einer Deputation sagte: „Sorgen Sie dafür, daß die Kinder die Gebete übersetzen lernen, damit sie verstehen Ivas sie beten". Um dies zu erreichen, müssen tüchtige Lehrer ausgebildet werden, und hier ist ein Feld für den Oberrat. Ich komme nun auf das Gebetbuch zurück und erkläre, daß ich bloß bis „Elohai neschomo" dasselbe durchgelcsen und es dann, um mich nicht aufzurcgen, weggelegt habe. Die Herren Autoren, zu denen ich wie bereits erwähnt, den Herrn Rcgierungsrat M. nicht zähle, haben mit der Herausgabe dieses Gebetbuches den Beweis geliefert, daß man mit ihnen vom Standpunkte der jüdischen Religion nicht reden kann. Ein Prediger — ich sage absichtlich Prediger und nicht Rabbiner —, der die Wiederauferstehung leugnet, stellt sich nicht nur mit der Lehre des Judentums, sondern mit der modernen Wissenschaft in Widerspruch. Da fällt mir gerade ein, daß vor mehr als IM Jahren in der Stadt am Maine, in welcher der imitierte Baron Jakob Frank sein Unwesen trieb, ein hervorragender Gelehrter eine Broschüre schrieb über die Entstehung und den Bildungsgang eines deutschen Rabbinen. Ein Kind aus gutem Hause, das Anlagen entwickelt, kommt, nachdem cs die gewöhnliche Schule absolviert hat, in die höhere Schule und dann zur Universität. Dort studiert er Philosophie, Physiologie und dergleichen, liest den Homer, de» Horaz usw. und kommt nach dem 20. oder 21. Jahre nach -Hause mit einem Barte, mit einer Brille und dem Doktortitel. Die Mutter inerlt, daß der Herr Dr. schön spricht und sagt, er muß Rabbiner werden. Hebräisch hat der Herr Dr. noch nicht studiert, er geht ein Jahr zu einem Rabbiner, lernt Raschi lesen und übersetzen, auch einen Abschnitt aus der Mischna, vielleicht auch einige Abschnitte werden bewältigt und auch ein Blatt aus dem Talmud wird gelesen, und wenn der Herr Dr. nach 1 Jahre nach Hause kommt, weiß er mehr als Mosche Rabenu wußte. — So eilt Gelehrter vor 100 Jahren. — 100 Jahre später finden wir — Prediger, und sehr wenig Rabbiner. Die Herren haben in der Jugend keinen herzcnbildenden Religionsunterricht genossen, und die Folge ist — die Zersetzung des Judentums, wo solche Herren wirken. Ich möchte nur einmal Zuhörer sein, wenn die Herren Neligionsunierricht erteilen und den Kindern die Unsterblichkeit der Seele erklären. Die Herren Autoren haben wohl nicht daran gedacht, daß die Heroen des Judentums lieber in den Tod gingen, als ihr Judentum zu verleugnen. Wenn das Karlsruher Gebetbuch cingeführt würde, wäre die Folge, daß der Zersetzungsprozeß des Judentums in Baden rasch vor sich gehen würde. — Deshalb ihr Israeliten Badens, schafft einen ander» Obcrrat, stellt einen Mann an die Spitze, der ein jüdisches Wissen besitzt! — Und das Gebetbuch? Es soll nicht verbrannt, sondern eingestanipft werden. P l o n i. Kunst und Literatur. H a mmaggid, Anleitung zu Sabbat- und Fe st Vorträgen von Dr. Zacharias Wolfs. 325 Seiten. Straßbnrg und Leipzig, Josef Singer. Die Zeiten sind bei uns vorbei, in denen für den Lehrer in Israel das Judentum und seine Literatur ein wirklich vertrautes Heim war, in dessen Gänge er sich zu Hause fühlte. Heute muß häufig, wer die Lehre des Judentums verkünden will, zu Hilsswerken greifen; — ist es doch bereits soweit gekommen, daß die tlebersetzung des Schulchan-Aruch ins Deutsche sich als ein Bedürfnis erwies! So ist. denn auch ein Buch, das aus der Ideenwelt des Judentums schöpft und Gedanken für Vorträge und Predigten gibt, für den, der einen Vortrag oder eine Predigt nicht auswendig lernen will, sondern für den Aufbau des Gebäudes nur der anregenden Idee bedarf, eine Notwendigkeit geworden. Das vorliegende Buch soll diesem Zwecke dienen, und es wird diesem Zwecke gerecht, sodaß es Interessenten empfohlen werden kann. Geschichte der Juden im Markgrafe nt n m Bayreuth (1218—1780) von Rabbiner Dr. A. Eckstein in Bamberg. 130 Seiten. Jk 3.—. B. Seligsberg's Antiquariatsbuchhandlung, Bayreuth. Das vorliegende Buch hat folgenden Inhalt: I) Die ältesten jüdischen Siedelungen im Markgrafentum. II) Die Judenfrage ans den Landtagen. III) Die Privilegien und Verordnungen des 18. Jahrhunderts. IV) Die Hofjuden und Landesrabbiner von Baiersdorf. V) Die Kultusgemeinde von Bayreuth. Nebst 8 Beilagen: 1) Ritualmvrdgeschichten. 2) Geleitbrief für Meyer Juden aus Bamberg. 3) Quittung der Judendeputierten über 150 sl. .4) Fürstliches Ausschreiben zur Ausschassung der Juden. 5) Das Testament des Moses Scckcl. 6) Schenkungsbrief über die Synagoge von Bayreuth. 7) Tabellarischer Zusammentrag über die Anzahl der Judenfamilien. 8) Der Trousseau einer reichen Jüdin im Jahre 1785. Wie diese Inhaltsangabe bereits zeigt, hat dem Verfasser ein reiches Tatsachenmaterial zur Verfügung gestanden. Es sind fesselnde Bilder der Vergangenheit, die, am Auge des Lesers vorüberziehend, durch ihren wissenschaftlichen Wert das Interesse der Gelehrten und durch ihre anregende Erzählnngsweisc die Aufmerksamkeit des Laien wachrusen. MM m || wp A jäpnpnTO nfss ■mm MM PSS*1 mm Künstlerisch hervorragende Synagogeu- Gegenstände. Die von der Firma Lazarus Posen Wwe., Frankfurt o. 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