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Neue jüdische Presse · 1907-08-30 · Heft 34 (30.8.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 34 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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jss beite 10. Frankfurter JsraelitischB Familienvlatt. Nr. 34. der Firma Felix Horovitz angefertigte Brisinilohleuchter hat der aus der Werkstätte des Silberwarensabrik Lazarus Posen 'Wwe. hervorgegangene Chanukalenchter. Auch er ist dein Style der Synagoge angepaßt; zu seiner Anfertigung wurde allein ein Zentner Silber verwandt. Die Firma Lazarus Posen ^we. hat außerdem die 4 reizenden feuervergoldeten Omedleuchter, ein Geschenk des Herrn Meier Selig Goldschmidt, angcfertigt, außerdem eine Wein kan ne, die Herr Max David Goldschmidt, einen reichgctriebenen großen Hawdolohkerzen Halter, den Herr 'Gottschalk Engelbert, und die in Bronze ausgeführten Beleuchtungkörper für die Jahrzeitslichter und einen bis ins kleinste Detail ansgeführte Silber-Thoragarnitur, die Herr Ferdinand Meyer gestiftet hat. Manches aus der Fülle des Gestifteten wäre noch zuicrwähnen — so der gesamte Linoleum-Belag von Herrn Dr. Roos und der wertvolle antiquc silberne Thoraschmuck von Herrn Jacob B e st - hoff —; aber das bereits Beschriebene gibt einen Begriff ' von dem Opfcrsinne, den die Mitglieder der Israel. Religionsgesellschast betätigt hoben, da sie Gott ein Heiligtum bauten. * Der Abschiedsgottesdicnst, der aus heute, Donnerstag, nachmittags 3 Uhr festgesetzt war, vereinigte zum letzten Male die Gemeinde — es war eine dichte Menge tiefcrgrisfencr Menschen, kein Plätzchen in dem weiten Raunt war frei. Bor dem Miruha-Gebet wurde Psalm 42 abwechselnd vom Oberkantvr Friesländer - und der Gemeinde vorgetragen und nach demselben vom Oberkantor Psalm 132 rezitiert. Hiernach beschritt unter feierlicher Stille Herr Rabbiner Dr. B r e u e r die Kanzel. Der ehrwürdige Redner begann mit dem bekannten Mincha-Gcbet: „Es möge sei» Wille sein, so wie er u>is begnadet hat, die Sonne zu sehen in ihrem Aufgange, so möge er sic uns auch schauen lassen bei ihrem Abzüge." Dieses Gebet sei angebracht bei der gegenwärtigen Feier; vor fünfzig Jahren wurde der Einzug in dieses Haus gefeiert, und heute wird nun der Auszug vorgenommen, aber es ist kein Untergang, sondern ein neuer Aufgang der Sonne, denn wie die Sonne nicht untergeht, so auch das Judentum. Und ebenso wie Moses einst bei jedem Zuge der Bundcsladc das Gebet „Wajehi binsaua" zu sagen pflegte, so verfahre» auch wir: Bei unserem Umzüge nehmen auch wir unsere Thora mit. Wir wollen in demselben Meiste, der bis jetzt unsere Gemeinde beseelte, Iveiicr fottieben. Nachdem Redner den Segen „Gesegnet sei dein Eintritt, wie dein Austritt", der sich nach unseren Weisen ans Eintritt und Austritt ans der Synagoge bezieht, ausspricht, segnet er die Gemeinde und er fleht Gottes Segen ans sie herab; der Geist Samson Raphael Hirschs möge auch fernerhin in ihr walten. — Nach der Predigt wurden die 22 Sisre Tauroh unter den Gesängen des Chors, den Herr Kantor N c u m a n n von der Hcrmcsweg-Synagoge mit feinem Takt leitete und unter Herrn Öbcrkantor P c s a ch o w i t s ch' s Gesang hinausgcführt »«d in 11 Wagen nach der neue» Synagoge gebracht. 6>/Z Uhr Ivurde die E i n w e i h n n g s f e i e r in Gegenwart von mehr als 2600 Personen, darunter Vertreter von 40 jüdischen -Gemeinden — auch die hiesige jüdische Gemeinde hatte zwei Vertreter entsandt — Polizeirat M ahre » holz als Vertreter des Polizeipräsidenten, der kommandierende General C i ch h o r n, Bürgermeister G r i in m in Vertrernng des Oberbürgermeisters und 30 Rabbiner, eröffnet. Herr Oberkantor Friesländer intoniert den „Matanwu" und der Chor tritt in Aktion. Nach Psalm 118, der von Vorbeter und Chor abwechselnd vorgctragen wird, wird die Synagogentüre geöffnet, und indem Herr Obcrtantor Pesachowitsch „Se haschaar" rezitiert, tritt er mit dem Zuge der Thoraträger ein. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Breuer spricht die Brochoh „Halauw wehamtiw" und der Zug der Thoraträger schreitet einmal um den Almemor, während der Vorbeter das Siinchasthora-Lied „Ono haschem" mit der Simchasthora- Melodie vorträgt. Die Thorarollen mit ihrem auffallend prächtigen Gold- und Silberschmuck werden nun unter den entsprechenden Gesängen in den „Oraun hakandesch" gestellt, ein überaus feierlicher Moment! Der Rabbiner schließt die Lade und entzündet den „Ner Tomid", während der Chor Psalm 30 siiig. Nun beginnt der Rabbiner die Festrede mit dem letzten Verse des soeben verklungenen Psalmcs, der mit „Dank" abschließt. Er dankt allen, die zu dem Gelingen des Werkes bcigetragcn, und führt dann ans: Nicht der Gottesdienst in der Synagoge, sondern der Gottesdienst, den jedes Mitglied der Gemeinde im Leben betätigt, ist das Wichtige. Der Gradmesser für die Bethäuser ist die Gemeinde; Gottestempel muß jeder Jude seini Jerusalem ist zerstört worden, weil das Schwergewicht auf den Gottesdienst und nicht auf die Betätigung der jüdischen Anschauungen im Leben gelegt wurde. Uebergehend auf die Gemeinde, sagt Redner, daß von ihr zum dritten Male eine Synagoge eingeweiht wird; die Gemeinde begann sehr klein, dann konnte sie eine stattliche Synagoge bauen, und jetzt hat sie, die tonangebend geworden ist, eine der größten Synagoge der Welt errichten können. Wie die Knechte Abinrelcchs einst unserem Stammvater Isaak 2 mal die Brunnen verschütteten und man deshalb die Brunnen »Zank" und „Streit" nannte und der 3. Brunnen, »Rechaubauth" (Erweiterung) genannt, gedieh, so hofft der Redner, das; der 3. Bau, zu dem Samson Raphael Hirsch, wie einst David zum Tempel, den Grundstein gelegt hat, gedeihen und blühen wird. — Mit dem Maa> iw-Gebete nnd Chorgesang schließt die Feier. Das F e st e s s e n, das sich dem Gottesdienste anschloß. vereinigte 400 Personen im »Saalbau". Arrangement und Lieferung desselben lag in den bewährten Händen des Herrn Hotelier Ries. Herr Jakob Beslhoff führte das Präsidium. Es wurden zahlreiche Toaste <L o n i s F e i st, Rabbinatsassessor Posen, Jakob Rosenheim, Provinzialrabbiner Dr. Cahn u. s. w.) gehalten und Tischlieder gesungen. Die Tafelmusik war eine erstklassige, und der Abend bildete einen würdigen Abschluß der vornehm und imponierend verlaufenen Feierlichkeiten. Die beste und billigste Bezugsquelle für ßebetbficlier aller Art, Machsorim, Chumoscliim etc., für Talesim, TeOUin etc., Barmizwou. Gelegenheits-Geschenke ist die hebräische Bnchhandlung A. J. Hof mann, Frankfurt a. M. 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