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Neue jüdische Presse · 1907-08-30 · Heft 34 (30.8.1907) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 34 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Vellage zu Nr. 34 des Femckfmler ZsmMscheu FaMiMMs. Inhalt der Beilage: Artikel: Achter Zionistischer Kongreß. — Die Einweihung der neuen Synagoge der Synagogengcmeinde ..Israel. Religionsgrsellschast" Franksnrt a. M. Achter Zionistischer Kongrest. (Schluß.) Dienstag. Am Dienstag Vormittag wurde die Spezialdcbatte über die P a l ä fl i » a f r a g c fortgesetzt. Nach eingehender Dislujsion wurde b e s ch l o s s e n , daß innerhalb des engeren A k t i v n s - k o in i t e e s ein besonderer P a l ä st i n a r e s s o r t gebildet werde, dein 2-,»» aller Einnahmen der O r g a n i s a t i v » von vornherein zuslicßcii solle». Die Frage der Siedl n n g s g e n v s s e n - s ch a f r in Palästina und der Gründung eines B a n k - i n stit n t s f ü r l a»g s ristig e Kr e dit c auf ländlichen und städtischen B o d e n wurde dem engeren Aktions-Komitee zur B e r n ck s i ch t i g - n n g n b e r w i e s e n. Des ferneren wurde eine Resolution angenommen, die cS dem engeren Aktionskomitee zur Pflicht macht, der nationalen Erziehung der Juden in der Di a s p o r a seine besondere Anfmertsamkeit znzuwenden. Im Zusammenhang mit den Bestrebungen, der jüdischen Kultur ein Zentrum im Zionismus zu schaffen, wurde beschlossen, die hebräische S p r a ch e zur offiziellen Sprache der Organisation zu erklären, allerdings mit der durch die tatsächlichen Verhältnisse bedingten Einschränkung, daß vorläufig auch andere Sprachen neben der hebräischen verwendet Iverdcn sollten. Die RachmittagSsitznng war mit der Verhandlung Uber die etwas trockene Materie der N c n f a s s u n g des O r g a n i s a t i o n s i n st i t n t e s ausgefüllt. Von den gefaßten Beschlüssen ist besonders der hervorzuheben, der cs Sondergruppen gestattet, sich über den Rahmen der -Landsmannschaften hinaus zu Zc d e r a t i o n e n znsammenzuschließcn, wenn sie m i n d c st e n s 3000 M itgliedcr stark sind. M i t t >u o ch. Mittwoch Vvriiiittag fand die Genera lvers a m m l n n g der j ü d i s ch e n K o l o n i a l b a n k statt, in der beschlossen wurde, eine Dividende von 3>/e°l» zu erklären. Nachmittags wurde auf den Vorschlag des Präsidenten der wichtige Beschluß gefaßt, einen Parteif o n d zu schassen, zu dem jeder Zionist verpflichtet ist, im laufenden Jahre mindestens Ir. ->,— beiznstenern. Hierauf ging inan zn den W a h l e n Über. Es standen sich 2 Richtungen gegenüber, eine, die die Wahl eines engeren A. - K. von 5 Mitgliedern an Stelle des bisherigen von 7 und zivar unter Ausschluß der beiden russischen Vertreter propagierte und eine andere, die sich energisch für ein engeres A.-5t'. anssprach, in dem auch die Russen, die bei weitem stärkste Landsmannschast vertreten sein sollten. Nach lebhaften und teilweise überaus erregten Verhandlungen in den Kommissionen gelangte schließlich der Permaneuznnsschuß, dem die Vorbereitung der Wahlen oblag, zn dem Entschluß, dem .Kongreß die Wahl von f> Mitgliedern vorznschlagen. Da aber der Präsident des engeren A.-5k., Herr D. Wolffsohn, mit Nachdruck daraus bestand, daß im Interesse der gedeihlichen und leichten Arbeit die Mitglieder des engeren A.-.K., dem die gesamte Leitung der Organisation obliegt, schnell und leicht zu vereinigen seien, verzichteten die beiden vorgeschlagenen russischen .Herren, M. Ussischlin und Dr. Tschlenow, aus ihre Wahl. Die russische Landsmannschaft war jedoch gegen eine solche Znsammensetznng des engeren A- K., und infolgedessen erfolgte die Wahl des Präsidiums nicht einmütig. In das engere A.-K. wurden Herr David W o l f s s o h n - Köln, als Präsident, Herr Prof. Otto W a r b n r g - Berlin und Herr I a c o b n s H. 5t' a n n - Haag gewählt. Sodann erfolgte die Wahl des großen A.-K-., das aus 05 Mitglieder», Vertretern der verschiedenen Landsmannschaften und der Kominissioiien besteht. Gegen VsS Uhr abends schloß der Präsident, Herr DavidWolffsohn den Kongreß mit folgender, mit stürmischem Beifall anfgenomnienen Rede: „Dieser Kongreß hat ein gutes Stück Arbeit geleistet. Der vorige Kongreß war ein Kongreß der Scheidung, dieser ein Kongreß der Einigung. Der Kongreß hat klar gelegt, daß wir alle von einem Gefühle beseelt sind und trotz verschiedener Meinung nur nach einem Ziele streben. Wir haben uns nicht gegenseitig mit Blumen überschüttet. Mit tiefem sittlichen Ernst vertrat jeder von uns seine Ansicht über das richtige Maß der Dinge. Aber alle Diskussionen waren von einer flammenden Begeisterung durchglüht und die Resultate dieser Diskussionen liegen jetzt vor uns. Der Kongreß hat wiederum klargclegt, daß wir alle auf dem Boden des politischen Zionismus stehen und als Mittel praktische Arbeit fördern wollen. Wir haben zu diesem Zwecke eine Reihe wichtiger Beschlüsse bezüglich der Palästinaarbeit gefaßt. Wir haben die Fragen der innerpolitischen Tätigkeit aus der Diskussion ausgeschlossen, weil wir der Ansicht sind, daß dies nicht «ache des 5koiigresscs und der von ihm eingesetzten Leitung ist. Doch freuten wir uns, in unserer Mitte die Abgeordneten des österreichischen Parlaments und Mitglieder der ersten russischen Duma zu sehen. Es ist ein Beweis, daß unsere Gesinnungsgenossen neben der Liebe zn Zion sich auch staatsbürgerlich zur Ehre ihres Stammes und zum Wähle unseres Volkes betätigen. Dieses Bewußtsein wird sich auch in diesem Lande Bahn brechen. Manche, die noch nicht zn uns gehört, hatten eine gewisse Scheu, in einer neuen.Umgebung mit unseren Gedanken, Empfindungen, Stärken und Schwächen onfzntreten. Diese Scheu hat sich als unbegründet erwiesen. Die Rcgicriingsbehörden, die Stadl, die Presse, die die öffentliche Meinung widerspiegelt und unsere Volksgenossen, repräsentiert durch Würdenträger unseres Stammes, wie es selten in einem anderen Lande möglich ist, haben uns das wärmste Interesse eutgegengebrächt, und wir hoffen, daß dieses Wohlwollen mit der Zeit zn einer wirksamen Kraft heranreifen lvird. Wir werden weiter kämpfen, ringen und streben, bis wir für unser unglückliches Volk die alte Heimat wieder erlangen werden. Unser armes Volk hat nichts zn -verlieren, als seine 5kciien und eine Welt hat es zn gewinnen, eine Well des- Friedens, der Ruhe und der 'Arbeit. Unermüdlich wollen wir arbeiten, bis die Zeit kommt, in der es wieder heißen wird „und Israel wohnte in Sicherheit die Quelle Jakobs in. sich geschlossen."" Die Einweihung der neuen Synagoge der Synagogengemeiude „Israel. Religtonsgesellschaft" in Frankfurt a. M. Vor mir liegen drei Programme: Programm für die Einweihung der Synagoge Bes Tefillas Jeschnrnn zu Frankfurt a. M. am 29. September 1S53. Programm zum feierlichen Empfange Se. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. S. Breuer, 2. April 1890. Programm sür die Feier der Einweihung der neuen Synagoge Bes Tefillas Jeschnrnn der Synagogcngcmeiiide „Israelitische Religionsgesellschaft", 29. Ang. 1907. Jede dieser drei Feiern bedeutet den Beginn eines neuen Abschnittes in der Geschichte der Frankfurter Israelit. Religionsgesellschasi. Als unter dem Voranzng der Schuljugend und dem Nachfolgen der Erwachsenen die Thorarollen im feierlichen Zuge aus Plakette, entworfen von Herrn Moses Schnerb, Frankfurt a. M. ME? AM mm MM SK« 5,'-KSl | 1 -ME dem Betlokale in die nunmehr errichtete stattliche Synagoge in der Schiitzenstraße getragen wurden, da ward der ganzen Welt sichtbar, daß nach langen Kämpfen eine lebenskräftige Gemeinde erstanden war; als dann 37 Jahre später der Schöpfer dieses imponierenden Gemeinwesens die Augen geschlossen hatte und sein Nachfolger eingcführt wurde, nahm wieder eine neue Periode ihren Anfang, eine Periode ohne die gewaltige Persönlichkeit des geniale» S. R. .Hirsch'» s. A.; und heute, nachdem die bisherige Synagoge längst zu eng geworden war und nun der Prachtbau einer neuen, gewaltigen Synagoge entstanden ist, tritt die Retigivnsgesellschaft in eine neue Phase ihrer Entwicklung, sür die wir ein Prognvstikon noch nicht stellen können, der wir aber eine reiche Fülle von Segen sür den engeren Kreis der Gemeinde und für die gesamte Jndenheit wünschen. * Moses sprach zn der ganzen Gemeinde der 5tinder Israel: „Das ist die Lache, die Gott geboten: Nehmet von euch eine Gabe für Gott, jeder, den sein Herz dazu treibt, bringe die Gottesgabe an Gold, Silber und .Kupfer." Und das Volk brachte jo viel, daß seiiicin Bringen Einhalt geboten werden mußte. Auch diesmal hat dem Bringen gewehrt werden müssen. Ein erhebender 'Anblick: eine Gemeinde von vielleicht 700 Familien errichtet eine Synagoge mit dem Kosteuanswande von einer Million Mark, zu der noch die innere Einrichtung im Werte von fast hiinderttansend Mark gespendet wurde. An der Friedberger Anlage erhebt sich der weiße mächtige Kalistein-Ban mit seinen beiden wuchtigen, stuinpfcn Türmen, dem ein Vorhof mit zwei Seitengebäuden, die Siyniigszimmer, Kanzlei, 'Archiv, Porticrwohnnng usw. enthalten, vorangestellt ist. Es war eine schwere Ausgabe, die die aiisführenden Architekten zn lösen hatten, denn es galt, aus einem sür ein solch' gewaltiges Gebäude beschränkten Raume ein frei wirkenden Ban hinzustellen. Und die anssührendcii Architekten haben diese Ausgabe nicht allein restlos gelöst; nein, sie haben sogar dank der vollständigen Freiheit, welche ihrem künstlerischen Empfinden die Anstraggeberin gewährt hat, etwas durchaus Selbständiges, Originelles geschaffen, sodaß die neue Synagoge als eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges bezeichnet werden darf. Denn auch das Innere ist nach eigenem künstlerischen Empfinden geschafscn. Durch eine V o r h a l l e, die durch eine in geibgrancn Tönen bemalte Decke überspannt wird und die bereits eine da» Profane verwischende Stimmung erweckt, tritt man ans die geschlissenen Marmorfließen des 2 y n a g o g e n r a n m e s. Man ist überwältigt, aber in demselben 'Augenblick durchzieht beseligende Ruhe da» Herz; denn imponierend und beruhigend wirkt der Jnnenraum, ein von mächtigen Pfeilern getragenes Tonnengewölbe von 22 Meter Spannung. Die Wände dieses Jnnenrauines sind in vermalter Kratztechnik ornamentiert. In der Mitte erhebt sich der von Frau M e n t o 5k n l p W w e. gestiftete A! m e m v r aus feinstem weißen Marmor, unterbrochen durch getriebene Metall-Einsätze. Ter Almemor ist ein Meisterwerk. Doch der O r a n n H a k a d e s ch steht ihm nicht nach. Gerade in der Partie des Orann.Hakaudcsch hat die Erfindungsgabe des Künstlers mit Königsianne schwelgen können. Die Masse des Orann Hakaudcsch, der ein Geschenk des .Herrn M c i e r Selig G o l d s ch m i d t ist, besteht aus grauem uassauischen Marmor. Er wird flankiert von zwei mächtigen, mit Belenchtnngskörpern versehenen Pylonen, die in ihrem Metallglauze — sie sind an» Tombak getrieben — sich von der Marmorverkicidung wirkungsvoll abheben. 'Nachdem der Eintretcnde so da» zuerst ans ihn Einivirkc-iide in sich ausgenommen hat, lenkt sich sein 'Auge auf die Einzelheiten. Da sind die von Herrn Louis Feist gestifteten vornehmen Bel euch - t i' n g s k v r p e r, die von verschiedenen Gemeinde- Mitgliedern gestifteten bunten großen Fenster, das von .Herren G c b r ü d e r M o S b a ch e r geschenkte kniistvoll geschmiedete Gitter z n r F r a neu- G a - leric, das Ncr Tomid, welche» eine Gabe der Jugend ist nsw. Bei dem Orann .Hakaudcsch fallen die in Feuer vergoldeten B r i s m i l o h - und E Hann k a l e u ch t e r — erst.rer ein Geschenk der Herren G e b r ü der S o n d h e i m e r, letzterer ein Geschenk des .Herrn 'Adolf etc r n — auf. Uebcr die besonders schönen Silber-Gegenstände einige Worte: das N e r Tomid (ewige Lampe), von der Firma Earl .G r e b e n a u gefertigt, ans gediegenem Silber feuervergoldet hergestellt, ist vollständig „handgearbeitet, reich ciselieri und mit Edelsteinen gefaßt. Zeichnung und Modell sind nach den Intentionen der baulcitenden 'Architekten ganz im spätromaiiischen Style, in welchem die «ynagogc gehalten, ausgcführt. — Der B r i » m i l o h l e u ch t e r ist im kunstgewerblichen Atelier des Juweliers Felix H o r o v i tz ansgeführt. Dieser fnnfarmige Leuchter, dessen Höhe bis zn den in Onyx angefertigten Kerzen ca. 2,30 Meter beträgt, ist von vergoldetem Silber gefertigt. Auf einem dreiteiligen Fuß, der aus Kugeln ruht, erhebt sich, nach oben sich verjüngend, der vierkantige Schaft, aus dem sich die fünf 'Arme entwickeln, die oben von einer fein durchbrochenen .Querleiste zusammengehalten werden. Jeder Arm trägt oben eine Tülle, die je eine große -Onyxsäule (für Gas eingerichtet) umgeben von 12 Wachskerzen halten. Komposition und Ornamentik schließt sich dem Styl der Synagoge an. — Die gleiche Höhe wie der von

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