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Neue jüdische Presse · 1907-08-09 · Heft 31 (9.8.1907) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 31 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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5rfrtnßf$ttfctr Sfnirlitifriirs familirublntt. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnementspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— frei ins Haus. Bei der Post abonniert im In- und Ausland Mk. 1,02 (einschließlich Bestellgebühr). Unter Streijband bezogen: Deutschland und Oesterreich - Ungarn Mk. 1,50. sonstige Lander Mk. 2.— AedaKtisir und Srankfurt u. m„ vilbelerstraße 4/6, Ecke Lleichstraße Ter-f-n 10 »07. AörEgeber: Kalg H>efs. Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile. 25 Pfg. Die Reklamezeile. 100 „ Platz- und Daten-Borschrift ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Uebereinkunft. _ ' 5. Jahrgang. Freitag, de« 29. Aw 5667 (9. August 1907). No. 31. Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Die Fragen des 8. Zioniflenkongrcffes. — Geht die Assimilation zurück — Aus aller Welt. — Personalien. — Aus der zionist. Bewegung. — Aus den Vereinen. — Aus der Lehr er Welt. — Feuilleton: Klotz- Geschichten. — Kunst und Literatur. — Wochen-Kalender. — Familiennachrichten. — Barmizwohs. — Briefkasten. — Ver - eins-Kalend er. Die Fragen des 8.Zionistenkongresses. Von einem russischen Delegierten. Mehr als von irgend einem der bisherigen wird von dem 8. Zionistcnkongres; gesagt werden dürfen, das; er bei völligem Verzicht ans jede effektvolle Demonstration nach außen sich ausschließlich auf praktische, nüchterne Arbeit beschränkte. Der springende Punkt des Kongresses wird ohne Zweifel die Frage der realen Arbeit in Palästina sein. Immer mehr bricht sich in weiten zionistischen Kreisen die Erkenntiris durch, daß die einseitige diplomatische Arbeit zur Realisierung unseres Ideals keineswegs hinreicht, daß vielmehr die systematische zielbewußte Zlrbeit i u Palästina die unerläßliche Bedingung und die reale Grundlage für jede erfolgreiche diplomatische Zlrbeit u m Palästina ist; daß die politische Beherrschung des Landes nicht denkbar ist ohne vorangehende ökonomische Beherrschung desselben. Freilich fehlt es in unfern Reihen auch nicht au langsam denkenden Elenrenten, die sich noch immer auf dem überwundenen „nurpolitischen" Standpunkt versteifen und die Bedeutung der Palästinaarbeit verkennen, ja sogar jede Zlrbeit in Palästina vor Erlangung des Charters als schädliches und zweckwidriges Beginnen verwerfen. Glücklicherweise bilden aber diese eine verschwindende Minorität in der zionistischen Organisation. Die Aufgabe des nächsten Kongresses wird cs sein, ein Programm der in der nächsten Zukunft zu leistenden Arbeit in Palästina aufznstellen Er wird sich nicht mehr niit einer allgemeinen Resolution über die Notwendigkeit der Palästinaarbeit bescheiden können, vielmehr wird er den exekutiven Organen der zionistischen Bcwcgung genau umrissene, ivenn auch nur in den allgemeinen Linien gezeichnete Direktiven für eine energische planmäßige Wirksamkeit auf diesem Gebiete geben müssen. Die Einzelheiten dieses Programms werden natürlich von berufenen Fachmännern, an welchen es bei gegebener Gelegenheit nicht fehlen dürfte, fixiert und ausgeführt werden, die allgemeinen Gesichtspunkte und Richtungslinien werden aber vom Kongresse bestimmt werden müssen. Dabei wird der Kongreß von dem. Grundsatz ausgehen, daß die zionistische Organisation in der Kolonisation Palästinas eine ähnliche Rolle zu übernehmen hat, wie sie in jeder Kolonisation die staatliche Regierung des kolonisierenden Volkes erfüllt: nicht selbständig kolonisieren, sondern der Privatinitiative die Bahn ebnen und die politischen, bezw. rechtlichen und volksivirtschaftlichen Bedingungen für private Unternehmungen schassen. Soviel steht jetzt schon fest, das; zu den Hauptpunkten dieses Palästinaarbeitsprogrammcs die Schaffung von l e i ch t z n g ä n g l i ch e m Kredit für die verschiedensten Sphären der Volks Wirtschaft, ganzbesond e r s aber für die A g r i k n l t u r, ferner die Organisierung und Konsolidierung des I n f o r m a t i o n s w e s c n s gehören wird. Zur Lösung der brennenden Frage deS Agrarkredits werden verschiedene Vorschläge gemacht. Einerseits wird die Gründung einer selbständigen Agrarbank, bei der auch die Gelder des Nationalfonds, selbstverständlich unter genügender Garantie, utilisiert werden sollen, vorgcschlagen; andererseits wird es als zweckmäßiger erachtet, den Agrarfonds der Anglo Palestine Company aanzngliedcrn. Der Kongreß wird sich für diesen oder jenen Vorschlaag zu entscheiden haben, wobei er, um das Selbstverständliche ein überflüssiges Mal zu betonen, den streng politischen und geschäftsmäßigen Charakter des Instituts scharf im Auge behalten und keinerlei philantropische Gesichtspunkte und Motive mitspielen lassen wird. Ebenso wichtig ist auch die Frage des I nf o r m a t tzo n s w e s e n s in Palästina. Die Untätigkeit der Organisation auf diesem Gebiete hat sich bitter gerächt. Nach den Exzessen vom Oktober 1905 trat bekanntlich eine starke Emigrationsbcwegung von z. T. recht ivohlhabenden Elementen nach Palästina ein. Leider scheiterte diese Bcivcgung vornehmlich an dem Mangel an organisierter informierender und orientierender Tätigkeit im Lande, die bei der völligen Unbekanntschaft der Eingewanderten mit den wirtschaftlichen Verhältnissen und Gesetzen des Landes eine oonditio sine qua non jeder privaten Unternehmung ist. Diesem Uebel ivird auch der kommende Kongreß abzuhelfcn haben; die zionistische Organisation wird es sich angelegen sein lassen müssen, der Privatinitiative, auf die allein sich jede Kolonisation ansbant, in jeder Weise entgegenzukommen. In; Zusammenhänge mit der Frage der realen Zlrbeit in Palästina steht die Frage nach den gegenwärtigen Aufgaben der Jüd. Kolonialbank. Dr. Pasmanik macht in einer der letzten Nummern des „Jüdischen Volkes" darauf aufmerksam, daß die finanzielle Rolle der Bank in London eine sehr geringe ist. Die Londoner Bank arbeitet mit enormen Geschäftsunkosten und sehr geringem Profit. Wenn sie trotzdem in der Lage ist, eine kleine Dividende zu zahlen, so ist dies lediglich darauf zurückzuführen, daß sie einerseits von der Anglo Palcstine Company 5 o/o. für ihre bei derselben angelegten Kapitalien bezieht, andererseits auch von den von ihr verwalteten Nationalfondsgeldern profitiert. Fremde Kapitalien sind der Londoner Bank nur irr sehr geringem Maße anvertraut worden. Dagegen genießt die Zlnglo Palestine Company trotz der kurzen Zeit ihrer Existenz das weitgehendste Vertrauen der palästinensischen Bevölkerung und verfügt über bedeutende anvertrantc Summen, so daß sie jetzt schon nicht nur an die Londoner Bank die 5»'» Zinsen zu entrichten imstande ist, sondern noch darüber hinaus eine 2o,,ige Dividende an die Zlktionäre zahlt. Es drängt sich nun von selbst die Frage auf, ob es nicht zweckmäßiger wäre, den Schwerpunkr der Tätigkeit der Bank nach Palästina zu verlegen, den Wirkungskreis der existierenden Filialen zu erweitern und neue Filialen in allen bedeutenden Punkten Palästinas und Syriens und in Konstantinopel zu eröffnen. Der Kongreß Ivird fich des Fernern mit der Organ4sationsfragc eingehend zu befassen haben. Seit dem Zlbleben des unvergeßlichen Führers wird diese Frage in der Parteipresse lebhaft diskutiert, eine befriedigende Lösung hat sie aber leider bis heute nicht erfahren. Man ist sich im allgemeinen darüber klar, das; die gegenwärtigen Formen der zionistischen Organisation, die s. Z. auf die Persönlichkeit Herzls zngeschnittcn wurden, sich überlebt haben. Namentlich bedürfen unsere zentralen Organe und Anstalten dringend der Reform, wobei der Gesichtspunkt der Teilung der Arbeit nach Ressorts mit berufenen Fachmännern als Ressortchefs an der Spitze maßgebend sein müßte. In jedem Falle müßte der Kongreß das Verhältnis zwischen den verschiedenen Exekutivorgancn der Bewegung (großes Aktions-Komitee, engeres Zl.-K., Palüstinakommission nsw.) fest-, stellen, die Funktionen und Befugnisse jeder derselben genau bestimmen, um so der herrschenden Verwirrung ein für allemal ein Ende zu machen. Nur bei einem normal funktionierenden Organisationsmechanisnms wird die Garantie gegeben sein, daß dje Kongreßbcschtüsse zur Verwirklichung gelangen und s o l ch c abnornre Erscheinungen unmöglich gemacht werden, wie z. B. die Tatsache, das; die Palästinakommission, die den Lebensnerv unserer Bewegung ausmacht, die ihr vom Kongreß zugcsprochene Summe „aus Mangel an Mitteln" nicht ausgezahlt bekommt, während die Herausgabe eines — nebenbei bemerkt: in einer den meisten Zionisten unzugänglichen Sprache erscheinenden — Preßorgans eine viel größere Summe als jene in Anspruch nimmt. Eine wichtige Zeit- und Streitfrage bildet gegenwärtig in zionistischen Kreisen die Frage der sogenannten Gegenwartsarbeit in d en G ol usl änd e r n, namentlich der politischen Betätigung der Zionisten „unter eigener Flagge"; eine Frage, die die Zionisten Rußlands und Oesterreichs in zwei Lager teilt. Die Anhänger der Gegenwartsarbeit erblicken in dieser das Mittel, das jüd. Volk zu stärken und zu organisieren und die Kräfte ins Leben zu rufen, ivelche erforderlich sind für die Realisierung des zionistischen Ideals, während die Gegner einer solchen Zlrbeit gegen diese geltend machen, das; sie die auch ohnehin nicht übermäßig zahlreichen Zionisten von ihrer eigentlichen Zlusgabe ■ ablenkt, zur unnützen und demoralisierenden 'Politikmacherei fichrt und einen verhängnisvollen inneren Dualismus in das zionistische Lager .hineinträgt. Dieser Streit

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