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Neue jüdische Presse · 1907-07-12 · Heft 27 (12.7.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 27 (12.7.1907)
Date
1907-07-12
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Frankfurter Israelitische» gamtirendlatt. Nr. 27 konfessionellen Judentum", wie es manche Reformrabbiuer (z. B. Herr Dr. Goldschmidt) predigen. Diese Lehre widerspricht nicht nur unserer Religion, sondern auch der Vernunft. Außerdem zeugt sie von maugelndem nationalen Selbstbewutztsein. „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr alles setzt an ihre Ehre." Berlin. Bernhard Grünhut. Kunst und Literatur. (Aus der in Nr. 25 besprochenen russischen Schrift: „Reden und Aufsätze" von Rabbiner Elijah Klatzkin.)*) Das Recht der Selbstverteidigung. Meine Herren! Es ist allbekannt, daß die jüdische Religion, die uns Gebote der Menschenliebe und Friedensliebe vorschreibt; die uns Barmherzkeit predigt; die uns auch nur die geringste Tierquälerei verbietet und Mitleid selbst dem Feinde gegenüber uns einimpft — daß diese Religion jenen historischen Faktor bildet, dank welchem das jüdische Volk von Verachtung aller Art von Blutvergießen durchdrungen ist. Andererseits wissen wir auch, daß unsere Ahnen nicht selten Krieg mit ihren Feinden führten. Wie ist dieser Widerspruch zwischen dem Gebot einer humanen Behandlung aller Geschöpfe und der Zulassung von Blutvergießen im Kriegern verstehen? - Diese Frage erwacht in uns besonders bei der Lektüre über unfern Krieg mit Amalek. (Ex. XVH, Deut. XXV.) Wir müssen aber, dessen eingedenk sein, daß es ein Recht der Selbstverteidigung gibt und *) Wir entnehmen dieser inhaltreichen Schrift des großen Gaon und Gelehrten zwei verschiedenartige Aufsätze, wobei wir nicht umhin können zu bedauern, daß die in ihr enthaltenen vielsagenden Gedanken in allzu - bescheidener Weise uns dargeboten werden. Die Darlegung ist kurz und gedrängt, selbst die geistreichen Ideen werden nur durch einen anspruchslosen Wink ausgedrückt. Man mutz ein scharfes Auge haben, um die in knappen Worten enthaltene Gedankenfülle übersehen zu können. Die Redaktion. geben muß; dieses elementare Recht, das gleichsam ein Naturrecht ist. Wäre dieses Recht nicht; so würde dem Menschen die Möglichkeit genommen, dem Bösen Widerstand zu leisten und das Gute zum Siege zu verhelfen. Nur dank dem Rechte der Selbstverteidigung vermag der gerechte Mann seine.Existenz zu sichern. Dieses Recht gewährt unsere Religion auch im Falle eines Raubversuchs; das Recht der Selbstverteidigung erstreckt sich also auch .auf das Eigentum: „Wenn der Dieb bei einem Einbruch getroffen wird und wird geschlagen, daß er stirbt, so ist seinetwegen keine Blutschuld." (Exad. XXII, 1.) . Wir sind demnach keineswegs dazu verpflichtet,' unser.Eigentum der Willkür des Räubers zu überlassen. Der Dieb schlich sich ein, er kam in der Absicht, den Eigentümer im Falle des Widerstandes zu erschlagen — es ist nun,das Recht des Eigentümers sein.Eigentum zu verteidigen, selbst.wenn es das Leben des Mörders kosten müßte. So waren unsere Ahnen, die stets die Fahne des Friedens und der Barmherzigkeit hochhielten, für die Verteidigung ihres Eigentums — des verheißenen Landes — jedoch zu kämpfen jbereit; so kämpften sie mit Amalek, wie es heißt: „Sei eingedenk dessen, was dir Amalek angetan hat auf dem Wege, als du aus Egypten auszogst." (Deut. XXV., 17.) Es war das Recht der Selbstverteidigung, das keine Sittenlehre dem Menschen nehmen darf. Diese Erwägung finden wir bei unseren Weisen, wenn sie sagen: der Name des Ewigen ist nicht vollkommen, solange es ein Geschlecht Amalek gibt. (Midrasch.) Das will sagen: durch die fortwährend räuberischen Ueberfälle des Amalek wurde Israel genötigt, zwecks seiner Verteidigung zu den Waffen Zuflucht zu nehmen — ein „notwendiges Ue6el", das den Namen Gottes, die Attributen Gottes, dieAttributen der Barm herzt gleit und desMitlcids, auf Erden unvollkommen macht. Es ist das Ideal der Aervollkommnung, daß das Böse verschwinde und mitihmdietraurigeNot Wendigkeit des Rechtes au (Verteidigung — die eine Unvollkommenheit der menschlichen Tugenden bedingt und so „den Namen Gottes unvollkornmen" auf Erden läßt. Von altjüdischen Maßeinheiten. Die Ansichten der Gelehrten betreffs cher altjüdischen Maßbestimmungen: „Parssah", „Amah", „Ezbah" sind geteilt. Es dürfte uns indessen eine talmudische Stelle Aufschluß darüber geben, was unter den besagten Namen zu verstehen wäre. Im Traktat Pssachim p. 94 wird nämlich die Länge des Halbkreises unserer Erde lauf 6000 Parssah berechnet. Danach ist Parssah wohl?/20 einer geogr. Meile gleichzusetzen. Dies wird nun" noch dadurch bestätigt, daß die Entfernung zwischen Jerusalem und dem Jordan nrit 10 Parssah bezeichnet wird. Auf diese Weise würden wir die Amah (Ellbogen), d. h. ‘/sooo Parssah. als °/>» Meter zu betrachten haben, was ungefähr deni griech. .„Pechos" (ebenfalls: Ellbogen) gleichkommt; also Ezbah, d. h?*/», Amah — 1S5/?2 Zentimeter. Diese Erwägung findet eine Bekräftigung darin, daß das 'Gewicht des eine „Rewicth" ausfüllenden Wassers ungefähr 17V» Dinar gleichgesetzt wird (Maimonides Eruwin 1). Da ein Dinar ungefähr einer Drachme gleichkommt, so ist mithin das Gewicht des eine Rewieth ausfüllenden Wassers ca. 61 Gramm. Nun wissen wir, daß das Hohlmaß einer Rewieth — si/5 Kubik-Ezbah (Psachim 109), folglich das Gewicht einer Kubik-Ezbah-Wasser — ~ Gramm, d. h. 305/m Gramm; da das Gewicht eines Kubik-Zentimeter Wassers — 1 Gramm, so ist mithin das Gewicht einer Kubikezbah Wassers, wenn wir nach der obigen Gleichsetzung sür Ezbah 1SS/7S Zentimeter substutnieren, — (m/7j)s — Gramm, was annähernd der oben berechneten 3°W54 entspricht. Die kleine Differenz zwischen diesen zwei Ziffern dürfte sich dadurch erklären lassen, daß das Gewicht einer Rewieth, eines Dinars usw. nur annähernd berechnet wurde. Das Restaurant von H. Baumanii, Berlin, Friedrichstr. 58 untersteht nicht mehr der Aufsicht unseres Rahhinats. Es verbleiben unter dessen Aufsicht die Restaurants Wwe. Pauline Peltesohn (Ausrichtung von Festessen), Kaiser Wilhelmstr. 3. Simon Lewin, Neue Schönhausertrasse 10. F. Simon, Gipsstrasse 12 a. Der Vorstand der zu Berlin. Trima pjfi|i frisch zamhiedenvonö1!: I*fg.an, 3. ^Corngrad; Sierhdlg. Langestr. 40. Telephon 10269. IS*!'! geschlossen I Hemdenklinih für reparaturbedürftige Oberhemden Töngesgasse 22,2 (Ecke Hasengasse) besorgt am besten das Erneuern von Brüsten, AusbeSsern, Verändern, Nenanfertigen, gut siteend und billig. > Auswahl in Brüsten. — ■— Antike Möbel, Porzellane, Oelgemülde, Stiche und anderes mehr preiswert bei . IB B g 1 e, Buchgasse 6, Frankfurt a. 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