Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 26 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Frankfurter JsraelMhe» FmnMenblaL Nr. 26. für 82 000 Jk verlauft und dafür am Goethcpark ein Terrain von etwa 1.000 Quadratmetern :i 37 Ji gekauft wurde. Während das bisherige Gebäude für 17, wird das neu zu errichtende für 22 Mädchen Raum bieten. Oesterreich-Ungarn. Wien. Ein Prozeß gegen die Erben Mose s M endelZfoh n s. Dir„N. Fr. Pr.", der wir die Verantwortung dafür überlasse», berichtet ans Budapest: „Ein Budapestcr Hausierer namens Meier Mendelssohn, ein Nachkommen des Philosophen Moses Mendelssohn, hat gegen dessen Erben einen Prozess angestrengt, indem er de» Budapestcr Advokaten Dr. Michael Tartan damit betraute, gegen den Kurator des Testaments Moses Mendelssohns, den Generalkonsul Friedrich Mendelssohn, den Prozeß einzulcitcu. Meier Mendelssohn ist ein alter Mann, der seit Jahren in Budapest von demjenigen Ertrage, den er durch Verkauf von Zündhölzern erzielt, im großen Elend lebt. Er hatte in Erfahrung gebracht, das; feine .Verwandten sich in die Zinse» des Vermögens des im Jahre 1784 verstorbenen Moses Mendelssohn teilen, welche jährlich 20,000 Jk betragen und von einer Kommission verwaltet werden. Meier Mendelssohn soll dadurch übergangen worden sein, daß ei» in Leipzig ausgestelltes Zeugnis über seinen Tod vorlag. Meier Mendelssohn wurde bereits als friedliche Abfertigung eine Summe von 30 000 Kr. angeboten, er lehnte jedoch diesen Antrag ab." Budapest. S t a t i st i k. Ungarn zählte 1735 etwa 13,000 Juden; 1840 war die Zahl der Juden bereits auf 244,000, 1859 auf 368,000, 1880 auf 624,000 und 1900 auf 856,000 (gleich 5°/o der Gcsaintbevölkerung) gestiegen. In den 40 Jahren 1896 bis 1905 sind in Ungarn 4245 Juden bcziv. Jüdinnen zum Christcntuni und 850 Christen bczw. Christinnen zum Judentum übcrgetreten. Budapest. In ihrer letzten Nummer wendet sich die „Ällg. Jüd. Rundschau" gegen das bekannte ncologe Organ „Egycnlöscg", iveil cs die Juden Galtz i e n s in verächtlicher und hämischer Weise charakterisiert hatte. Wir stimmen den Ausführungen der Rundschau bei und geben sie hiermit zum Teil wieder: „Wer je Gelegenheit hatte, diese jüdischen Bewohner in' ihrer Heimat Galizien, in ihrem Fainilicnlebcn als zärtliche, treue aufopfernde Gatten und Väter kennen zu lernen; wer da weiß, wie diese als Marktfahrer auf hochbcladeucn Wagen, Tage und Nächte - lang von Ort zu Ort herumziehend, sich abquälen, um mühsam einige wenige Gulden per Woche zu verdienen; wer diese tausende Handwerker sich abmühen sieht, um in einer Woche so viel zu verdienen, als bei uns ein junger Kommis an einem Sonntag verbraucht; wer. diese nüchternen, fleißigen, zu jeder Arbeit und Betätigung bereiten Menschen näher kenne» lernt, muß diese „Galizier" bewundern und darüber staunen, daß diese Menschen inmitten einer korrupten, leichtfertigen und ein Lotterleben führenden Intelligenz, inmitten einer stumpfen, ungebildeten armen Landbevölkerung sich noch so viel Sittlichkeit, eine solche Tatkraft und eine bewunderungswürdige Bildungsfähigkeit und Anpassungsvermögen br - wahrt haben." Lemberg. Der bekannte dramatische Schriftsteller Jakob G o r d i n ist von Amerika hier cingctroffen, um die Zustände innerhalb der Judeuheit Galiziens zu studieren. Die Kultusratswahlrn in der jüdischen Gemeinde haben mit dem Siege der Borstandsklique geendet. Trotz des „Lreiklassenwahlslistcms" ist der Ausgang der Wahl ein die Gemeindcmitgliedcr beschämender. Schweiz. Zürich. Die „liberale" Schweiz. Eine Eingabe der israelitischen Ncligionsgesellschaft an den Stadtrat, jüdischen K a u f l c u t e n, die am S a m st a g geschlossen haben, z» gestatten, ihre jüdischen A n g c st e l l t e n a m Sonntag in b c st i m in t e n Stunden in ihren Bureaux und Magazinen zu b e s ch ä f t i g e n, ist abgcwicsen worden. Ans der Lehrerwett. Budapest. Eine von etwa 40 Rabbinern ncologcr und Status-guo-Gemeinden besuchte Versammlung konstituierte einen Landes-9!abb i n c r - B e r c i n. Personalien. Berlin. Pcivatdozent Dr. B. R a w i tz erhielt den Titel Professor. Dr. Hugo P r e u ß ist zum P r o f c s s o r für öffentliches Recht an der Handelshochschule ernannt worden. — Die Wahl des Magistratsrats Dr. W. Lederm o n ii zum besoldeten Stadtrat wurde von der Regierung bestätigt. Ladeuburg i. Baden. Bei der jüngst stattgcfurideuen Wahl wurde Herr Sigmund Selig zum Synagoge ii rat gewählt. Wien. Auf der Schlußseier der fachlichen Fortbildungsschule für Uhrmacher wurde dem Lehrling Rudolf Löwy, Sohn des Uhrmachers Emanucl Löwy, der 1. Preis der Nicderösterreichischen-Handels- und Gewcrbckammer, die silberne Medaille, überreicht. — Der neunjährige K oinponi st Faroniir Weinberger in Kgl. Weinberge bei Prag übersandte seine im Druck cr sch i en eu cn Kompositionen der kaiserl. Kabincttskanzlei. Der kleine 'Komponist erhielt darauf mittelst Kabiucttsschrcibcn den allerhöchsten Dank ausgesprochen, sowie gleichzeitig die Mitteilung, daß seine Kompositionen der .kaiserl. Faiiiilicn-Fidcikommiß-Bibliothek einverleibt wurden. Drohobhcz (Galizien). Jsak Löb Schreiber, ein Sohn des K e s a w Säufer und Schwiegervater seines Neffcns des gegenwärtigen Oberrabbiners von Preßburg, ist nach längerer Krankheit im Alter von 59 Jahren gestorben. Er war ein hervorragender Taliiind-Chochom und stand dem Verein „Machsikei Hadaß" als Präsident vor. Sein hinterlassenes Vermögen dürfte eine Million Kronen betragen. London. Sir Samuel Montagu wurde in das Oberhaus berufe n. Jaffa. Zum Direktor des hebräischen G y in n a s i u m § ist Dr. phil. N. T u r o w berufen ivordcn. Turow hat das Wilnacr Lehrinstitut und die Lausanner Universität besucht und ist bereits durch jeinc schriftstellerischen Arbeiten bekannt. Ihm Ivar eine Zeittang die Verwaltung mehrerer jüdischen .Rcgierungsschulcn unterstellt worden. Tante Gute. Von Ernst Schwär- (Fortsetzung.) Als die sieben Traucrtagc um ihren Vater vorüber waren, hat sic ihre Sachen zusammen gemacht, d. h. nur einige abgetragene Kleider und Wäsche, und hat ein kleines Stübchen bei einer armen Witwe in der Judcngasse bezogen und hat da ängcfangeir für andere Leute zu nähen. Der Sohn jener Witwe besaß ein kleines Spezereigeschäft, das ihn und seine Mutter kümmerlich ernährte. Er war häßlich und hatte einen runden Rücken, aber er war ein durch und durch braver Mensch. So hat er, da seine Mutter keinen Dienstboten halten konnte, und eine schwache Frau war, es nicht gelitten, das; sie irgend welche schwere Arbeit verrichte. Spät Abends, wenn er das Geschäft geschlossen hatte, dann hat er seiner Mutter Wasser getragen und Holz gespalten und sonst noch alles möglichen Arbeiten verrichtet. Er hat immer behauptet, seitdem Gute bei ihnen wohne, wäre das Glück bei ihnen ciiigczogcii. Tatsache ist, daß sein Geschäft seitdem bedeutend besser gegangen ist. Nach einem halben Jahr waren Gute Goldcnsteppcr und Leopold Wallcrstein verlobt. Alle Welt hat gestaunt: solch' ein schönes Mädchen und solch' unschöner Mann — und gar mancher hat behauptet, das ginge nimmer gut, die Partie wäre zu ungleich. Aber meine Mutter hat gesagt, das gibt eine glückliche Ehe, und so war es auch. Daß der Wallerstcin überglücklich ivar, das versteht sich von selbst. Vor Glück und vor Freude ist er sogar hübsch gcivordcn. Und Gute hat auch ganz vergnügt ausgeschc», wenn auch nicht grade strahlend vor.Glück wie nach ihrer ersten Verlobung. Seltsam war es, wenn das Brautpaar zuweilen am Sobbeth ausgcgaiigcn, und die Enkelkinder des alten Schwciufnrt sie getroffen haben. Schon von weitem haben s>e gcschricn: „Tante Gute! Tante Gute!" und sind zu ihr gelaufen, und sic hat sie küssen müssen, möchte dabei sein, iver wollte. Der alte Schweiufurt soll jedesmal große Wut über die Kinder gehabt haben. Aber er hat nichts erreicht; ja, sogar ivcun die Kinder den Wallcrstein allein getroffenhaben, sind sic zu ihm gelaufen und haben gefragt, wie cs Tante Gute ginge. Das hat den Schweinsurt noch am meisten verdrossen, und komisch war es allerdings, und ich glaube: erst von daher datiert die Beirennung Tante Gute. Nach der Hochzeit war Gute auch im Geschäft, das von da an immer recht flott gegangen ist. Und was sie an ihrer Schwiegermutter getan hat, das läßt sich garnicht so rasch erzählen. Die alte Wallerstcin hat oft geweint vor lauter Glück, Kinder, wie ihren Sohn und - ihre Schwiegertochter, die ihrigen zunennen. Nach einem Jahr hat Gute einen Sohn bekommen. Ein hübsches Kind, ganz das Ebenbild der Mutter und auch so lieb und gut wie sie und doch ein lebhafter und sogar ein wilder Knabe. Und wie hat sie ihn .erzogen! Einmal bin ich dabei gewesen. Ich hatte in ihrem Geschäft etwas zu holen, und der Wallerstcin hat mirs abgewogen. Da springt sein kleiner Bub' herein und sein schönes Gesicht war über und über rot, und die Augen, die haben gefnnkclt, cs war eine Freude den Buben anzusehen. Der aber hat den Kopf in seiner Mutter Schürze gesteckt. „Hast Du etwas angestellt, Kobi?" hat Gute gefragt. Er hat keine Antwort gegeben, aber den Kops hat er geschüttelt. Die Eltern haben einander angesehen und haben gelacht, aber der Bub' hat das nicht gemerkt, und sehr ernst hat Gute zu ihm gesagt: „Mir scheint, Kobi, Du hast doch etwas angestcllt, komm', sage mir, was hast Du getan?" Zuerst hat er noch gezögert, dann aber hat er leise gesagt: „Ich habe die Knaben gespuckt." Und dabei hat er wie so 'u armer Sünder ausgeschcn mit niedergeschlagenen Angen. Ich habe laut auslachen müssen, und der Wallerstcin hat auch gelacht. Gute hat aber ein noch viel ernsteres Gesicht macht, hat den Kleinen von sich geschoben und hat gesagt: „Geh', ich mag Dich nicht. Wer andere Knaben spuckt, der ist kein braves Kind." Da sind dem kleinen Buben die Hellen Tränen ans den Augen gelaufen, und geschluchzt hat er, daß es zum Erbarmen war. „Ich ivill aber ja ein braves Kind sein." „Was waren denn das für Knaben?" hat Wallerstcin gefragt, „und warum hast Du sie gespuckt?" „Weil sie mich immer Jud! Jlid! geschimpft haben." „Das heißt doch nicht schimpfen" sagte Gute, indem sie dem Schluchzenden die tränenübcrsiiitetcn Wangen trocknete, „Du bist doch ein Jude. Ich glaube. Du hast schon vergessen, was der Vater Dir gestern von Abraham erzählt hat." „ O nein" sagte das Kind, sein liebliches Köpfchen schüttelnd, „das weiß ich noch alles." „So sag', was der Vater Dir erzählt hat?" „Daß der liebe Gott zu Abraham gesagt habe, er und seine Nachkommen sollen ein Segen für alle Menschen sein. Das heißt, daß die Inden, die Abrahams Nachkommen sind, immer sehr brav sein sollen und das; die andern Menschen daS Bravfcin von ihnen lernen sollen." „Nun sieh Kobi, wie unrecht Du getan hast. Tu bist doch ein Jude und hast nichtjttdischc Knaben gespuckt. Glaubst Du, daß sie davon das Bravsein lernen?" Der Kleine hat beschämt das Köpfchen hängen lassen, doch gleich darauf hat er sich freudig wieder aufgerichtct. „Ich werde gleich wieder zu ihnen gehen und werde ihnen sagen, daß ich sie nicht wieder spucken will, und dann will ich ihnen meinen Gummiball schenken. Darf ich?" Er war ein liebes herziges Kind. Leider, leider hat sie ihn nicht fange gehabt. Als er sieben Jahre alt war, hat der Scharlach hier grassiert, mehr als zwanzig Kinder find daran gestorben, unter ihnen der kleine Wallcrstein. (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich ynelle —:- Offenbach a. M. ■ Gegen Gicht nnd Rheumatismus bewährt. Wochen-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Lnach.) Samstag, den 6. Juli (— 24. Taurus): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. Dt. 9 Uhr 35 Min., in Berlin 9 Uhr 30 Min. Wochenabschnitt Pinchas. Pinchas, der Sohne Elasars, erstichtim heiligen Eifer den jüdischen Stammfürsterr Simri nebst einer inidjauischcn Staminfürstin, da sie öffentlich den Abfall zeigten durch Vermischung Israels mit Heidenvölkern. Daraufhin erfolgte eine Zählung Israels nach den einzelnen Stämmen. Es wird der Vertcilniigsmodus für-das einst in Besitz zu nehmende Land Kanaan mit-