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Neue jüdische Presse · 1907-06-28 · Heft 25 (28.6.1907) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 25 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25. Homburg übernommen. Der Referent führte kurz Folgendes aus > Am 3. Juli 1869 wurde das Bundesgesetz Proklamiert, das gleiche Rechte für die Angehörigen aller Religionen festfetzte. 10 Jahre später begann bereits jene Bewegung, die den Juden die Gleichberechtigung streitig machen will, nämlich die antisemitische Bewegung. Es gibt einen ästhetischen, einen ökonomischen und einen Radau- und Geschäftsantisemitismus. Die Ausbreitung deS Antisemitismus wurde nicht nur durch das Verhalten der Regierung, sondern auch durck Las Verhalten der Juden selbst begünstigt, indem auch diese sich untätig verhielten. Und als sie etwas taten, da gaben sie so wenig auf die Wahrung ihrer staatsbürgerlichen Rechte, dass z. B. die Repräsentanten der Berliner jüd. Gemeinde de» Gedanken erwägen konnten, an den Kaiser eine Petition zu schicken, einen Gedanken, dessen Nichtan sührung hauptsächlich den mutigen Worten Dr.' Raphael Löwcnfeld's in seiner Schrift „Schutzjude oder Staatsbürger" zu verdanken ist. 'Löwenfeld sprach das richtige Wort, daß wir keine Gnade, sondern unser Recht zu beanspruchen habe», — und dieses Wort schlug bald in weiten Kreisen Wurzeln und führte zur Gründung des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens", der heute nach 14 Jahren 20000 Einzelpersonen und 120 Gemeinden und Vereinigungen zu Mitgliedern zählt. — Der Zentralverein will alle Juden — unabhängig von ihrem politischen oder religiösen .Standpunkte umfassen — zur Wahrung ihrer staatsbürgerlichen Rechte. „Rechtsschutz" und „'Aufklärung" sind seine Massen. Wo ein Jude in Deutschland, weil er Jude ist, znrückgesetzt wird, da tritt -er für ihn ein und kämpft sein Recht bis zur obersten Instanz durch; wo in der Presse Juden beleidigt werden, da geht er, wenn nötig, bis zum obersten Gerichtshof. Und auch auf dem Gebiete der Politik hat er bereits einen bedeutenden Erfolg zu verzeichnen gehabt; seinen Bemühungen ist es zu verdanken, daß Jndeil in den Pässen nach Rußland nicht den Vermerk „Hebräer" erhalten, also, daß sich ihre Pässe von denen der Christen nicht unterscheiden. — Um die Arbeit zu dezentralisieren, hält der „Zcntralverein" jetzt die Leit für gekommen, Ortsgruppen zu bilde», die sich zu Landesverbänden gusbauen werden. Und deshalb hat er die Frankfurter Mitglieder zur Gründung einer Ortsgruppe znsammcnbernfen. Nach dem Referate wurde in die Beratung der Statuten der neuen Ortsgruppe eingetreten. Es sprachen 'hierzu: Raphael Ettlinger, Emanucl Lehmann, Dr. Ernst Auerbach, Dr. Mainzer, Dr. Kahn usw. Hierauf fand die Vorstandswahl statt. Es wurden gelvählt: Dr. Lndw. Wert- ■ heimer, Direktor Dr. Adler, Prof. Dr. F i n k, Richard Kahn, Jacques Oppenheimer, Willy Th. Stern, Dr. med. Mainzer, Dr. Ernst Auerbach, Dr. Rudolf Geiger, Mayer Stern, Prof. A p o l a n t und Julius H a y m a n n. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. - "■ Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 29. Juni (= 17. Tamus): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 40 Min., in Berlin g Uhr 45 Min. Die Sidra B a l a k trägt den,Namen des Haupt- .helden der Erzählung, die im dieswöchentlichen Thora-Abschnitt uns mitgeteilt wird. Balak, der König 'von Moab, empfindet Grauen vor Israel, das die benachbarten Ricsenkönige Sichon und Og schlug und deren Reich "eroberte. Er sendet Koten zum heidmischen Propheten Bileam in Midjan. Dieser soll Israel unschädlich machen durch seines Mundes Fluch. Gott verbietet ihm, mit Balaks Gesandten zu gehen. .Der ntvabitischc König sendet wiederum Boten. Bileam. darf mit ihnen gehen unter dem Vorbehalt, nur zu reden, was Gott ihm in den Mund legt. Ein Engel stellt sich ihm hindernd in den Weg. Die Eselin sieht ihn, weicht .mehrmals aus und wird dafür von .Bileam geschlagen. .Gott öffnet .ihren MuNd, sie macht Bileam -Vorwürfe. Er erblickt nun den Engel, will umkehren, doch zu spät; ise'ine Gewalt ist unterbunden. Balak holt voll Ungeduld den Bileam ab, führt .ihn auf verschiedene Höhen, von denen aus er Israels Lager sehen konnte. "Balak opfert jedesmal, Bileam aber segnet dreimal .Israel mit den herrlichsten Worten. (Darunter das .bekannte „Ma tauvu" usw.) Verzweifelt schlägt Balak die Hände zusammen über die große Enttäuschung. Bileam gibt seine Ohnmacht zu. Vor dem Weggehen .gibt er den listigen Rat, Israel zum Abfall zu verführen durch Einladung zu Götzenmahlen. Dies geschieht. Sie vermischen sich mit den heidnischen Moabitern und Midjanitern. Selbst' ein Stammesfürst — Simen —7 zeigt offen seinen -Abfall. 24 000 Mann «starbest an einer 'Seuche Pinchas, Meäsars Sohn, 'erstach in heiligem Eifer Simri und dessen Frau. Frankfurter JsraelttiWeS Famüienblatt. Gottes Zorn wendet sich. Dem Pinchas wird der Friedeusbund Gottes zugesichert. Am Sonntag (30. Juni) ist der Fasttag Schiwoosor-bc-Tanrus — 17. Tamus, von Samstag auf Sonntag verschoben. Er erinnert an die Eroberung der Stadt Jerusalem durch die-Römer. (Zur Zeit der 1. Tempelzerstörung fand die Einnahme ain 9. Aw tqtt.) Es ist ein allgemeiner Fasttag; jeder religiös Großjährige hat einen ganzen Tag zu fasten. Einschaltung von Aneinu und Selichaus im Morgengebet, Vorlesung des Thora-Abschnittes Wajchal. Mit dem 17. Tamus beginnen die sogen, „drei Wochen", bis zum 9. Aw dauernd. Haarabnehnren, Hochzeiten, auch onstige Vergnügungen unterbleiben. Es ist Israels Nationaltraner' um unfern Fall. Die Benediktion „Schehechijonn" spricht man, wenn Gelegenheit geboten, nur am Sabbat. Offenbacbtr Druckluft»Anlage Telefon 123. Offenbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Teppichreinigung. Kunst und Literatur. Bolz, P anl, Iüdi s ch e E s chat ol o gi e*) von Daniel bis Akiba. Tübingen und Leipzig, 1903. Verlag von I. C. B. Mohr (Paul Siebeck, ebenda) XVI. und 412 S. 8». Zum ersten Male begegnen wir hier einer Schrift, Ivelche ebenso ausführlich wie mit tiefem Verständnis auf die Behandlung ihres Themas eingeht, eines Themas, dessen Bausteine, über ein weites Literatnrgebiet zerstreut, zu sammeln, zu gruppieren und aneinander zu fügen, einen Riesenfteiß erfordert. Etwa hundert Schriften, in verschiedenen Sprachen geschrieben, mußten durchforscht werden, che diese Arbeit, eine Qnellenstudie ersten Ranges, entstanden ist. Einem geübten Taucher gleich hat der B. aus der Tiefe einer weitverzweigten Literatur Verborgenes ans Tageslicht gefördert. Dos Werk, 48 §§ umfassend, deren meisten mehrere Nummer enthalten, zerfällt in drei Teile: 3) Ucbcrsicht über die eschatologische Literatur von Daniel bis Akiba (S. 4—54 in 20 §§); b) Die Entwickelung in der eschatologischen Anschauung und Stimmung des Judentums in der Zeit von. . ., (S. 55—161, § '21—29); ch Die eschatologischen Akte und Zustände (S. 162—381). Hieran schließt sich: Sach'reg er (382—393) und Stellenregister (394— 412); voran geht: Inhaltsverzeichnis (V—XI); Die bezüglichen Quellen (XII—XIV); Abkürzungen (XV—XVI): Der reichhaltige Stoff, reichhaltiger vielleicht als man erwartet hätte, ist, wie schon bemerkt, gleich systematisch geordnet, wie zweckdienlich verarbeitet. Im einzelnen, von manchen Ungenanigkeitrn abgesehen, läßt sich Nichts erhebliches gegen diese Arbeit Vorbringen. Als Ganzes aber betrachtet, ist sie allerdings nicht einwandfrei. Denn schon daraus, daß die „jüdische Eschatologie" sich hier aus Anschauungen znsammensetzt, die, wie die Werke bezeugen, in denen sie zum Ausdrucke kommen, zu verschiedenen Zeiten cntpanden sind, erhellt, daß dieses Gesamtbild zu keiner Zeit im Judentume gangbar war. Allerdings nimmt der B. auch hier eine allmälige Entwickelung an; aber diese Annahme scheitert an der Tatsache, daß dieses „eschatologische Gesamtbild" auch dem heutige» Judentume sremd ist. Wo bleibt denn die angebliche Entwickelung? S. 2. B. Das S. 32'T'Mitgeteiltc wird jeder Jude entschieden zurückweisen. Er hält vielmehr an dem Grundsätze fest, daß die Gerechten der Völker der künftigen Welt teilhaftig werden, (b. Sondhadrin 105a und Parallelstellen.) Und gerecht i>c nach rabbinischer Anschauung derjenige, der die sieben noachidischen Gebote "hält! Das Gesamtbild verliert zumal an Totalität, wenn man diejenigen Schriften, die dem Judentume als apokryph gelten, gleichwohl hier aber Verwendung fanden, ausscheidet. Und diese Schriften sind hier in ganz erheblicher Zahl vertreten. Zurückzuweisen ist. auch die Behauptung, daß „Apokalyptik und Torastudium zwei Hauptadern des späteren Judentums bilden" (S. 5). Nein, Apokalyptik war weder des früheren noch des späteren Judentums Hauptader. Ferner fei bemerkt: *) Eschatologie — Lehre von den letzten Dingens d. h. vost den Endgeschicken des Einzelnen nach dem Tode; als auch der Welt und der Menschheit. Seite 11. S. 9,1. Ist der Terminus a quo nicht derselbe wie- S. 4,1. S. 45. Das Kaddisch ist dasjenige, welches aus dem Friedhofe nach der Beerdigung eines der verstorbenen Eltern von den Hinterbliebenen männlichen Geschlechts verrichtet wird. S. 200 (und noch sonst). Zu Daniel 7,13 hätte Bnbers Tanchuma, Toledoth 20 verglichen werden sollen. S. 259e) u. 264a). Mischte. r. II3. Gemeinhin heißt dieses Werk Midr. Mischle, nie aber „r". Die Stelle befindet sich aber in ed. Buber, die auch B. benutzte, zu 1017. Es wäre noch gegen das eine oder andere Einwendungen zu erheben; bei einem streng wissenschaftlichen Werke aber, wie das vorliegende nehmen wir gern derartige Versehen mit in den Kauf. Druck und Ausstattung lassen nichts zu wünschen übrig. Jerusalem. Dr. Grünhut. Rabbi Elias Klatzkin, „Reden und Abhandlungen" (russisch) Kowno 1906. Ein höchst eigenartiges Merkchen! Der Verfasser, Rabbi Elias Klatzkin zu Mariampol, einer der bedeutendsten Gaonim Rußlands, der sich durch sein halacknsches Werk „Jmüe-Schefer" eine erste Stellung unter den Fachgelehrten erobert .hat, tritt hier — ein unerhörtes Beginnen für einen russischen Raw! — mit einer in russischer Svrache verfaßten Schrift in die Oeffentlichkeit. Dieser Umstand charakterisiert bereits die Tendenz des vorliegenden Schriftchens: eine talmudische Autorität ersten Ranges wendet sich an ein russisch lesendes Publikum, ein Publikum, das jeden Kontakt mit dem rabbinisch-halachischen Schriftrum verloren hat, und sucht ans es einzuwirken, ihm Belehrung in jüdischen Fragen zu bringen. Ein solcher Versuch ist lebhaft zu begrüßen und es ist nur zu bedauern, daß es in Osteuropa nur wenige Rabbiner vom Schlage unseres Verfassers gibt, die die Bedür, nisse der Zeit erfassen und in inodern gebildeten Kreisen im Sinne und Geiste der Tora zu wirken verstehen. Das Werk stellt eine Sammlung von Reden und Abhandlungen verschiedenen Inhaltes dar, die alle das gemeinsam haben, daß sie von tiefem, religiösem Gefühle und echt jüdischer Lebens- und Weltanschauung getragen sind. In korrektem, fließendem Russisch werden hier verschiedene Lebenserscheinungen und brennende Tagesfragen vom jüdischen Standpunkte aus beleuchtet und wenn der Verfasser mitten in dieser Zeit der inneren und äußeren Zerrüttung zur.Einkehr und Selbstbesinnung mahnt, so hat man das Gefühl, daß man vor sich nicht einen berufsmägtßen Prediger hat, sondern einen Juden, der den Pulsschlag seiner Zeit fühlt und die Vorgänge im Leben seines Kolkes tiefinnerlich miterlebt. Amb rein wissenschaftliche Abhandlungen aus dem Gebiete der hebräischen Philologie und Archäologie fehlen in diesem Werkchen nicht, wobei der Verfasser einen scharfen Blick und eine vertraute Bekanntschaft mit den modernen Forschungsmethoden an ben Tag legt. Briefkasten. B. L. Hoffentlich sorgt das Kongreßbureau dafür, daß für die Kongreßteilnehmer die Kosten für den Aufenthalt im Haag sich in einigermaßen normalen Grenzen bewegen, und daß nicht, wie gegenwärtig zur Zeit der Friedenskonferenz, für eine Tasse Kaffee 80 Pfg.» für ein Glas Kognak Jt. 1,70 und für ein Diner aus drei Gängen Jk .21,— bezahlt werden müssen. Hambur.g-Amerika Linie. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern finden statt: Nach Newhork: 27. 6. Postd. Kaiserin Auguste Victoria, 29. 6. Postd. Arcadia, 4. 7. Postd. Amerika, 6. 7. Postd. Patricia, 11. 7. Schnellpostd. Deutschland, 13. 7. Postd. President Lincoln, 20. 7. PysU». Gras Waldersee, 25. 7. Postd. Kaiserin Auguste Victoria, 27. 7. Postd. Pennsylvania, 1. 8. Postd. Blücher. > Vereins-Kalender. „Moutefiore"-Berein. Mittwoch, den 3. Juli, abends 9 Uhr, Referatabend, Thema: „AusgewähÜe Kapitel aus der Kunstgeschichte HI". Obsthdlg. HasselM, L

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