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Neue jüdische Presse · 1907-06-21 · Heft 24 (21.6.1907) · p. Seite 12

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 24 (21.6.1907)
Date
1907-06-21
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12. Kunst und Literatur. Os i lt c u n g c k a n n t c 3£- c 11 von JudäuS, Verlag: Sänger und Friedberg, Frankfurt. Besprochen von S. Schachnowitz-Eiidingcii. „Eine uiigekanntc Welt" nennt der Verfasser all die markanten Typen aus naher und ferner Vergangenheit mit dein warmen Schlagen ihres jiioischen Herzens, all die Haiidliingeii, Geschehnisse und Ercignisfc ans der reichen Schatzkammer jüdischer Geschichte und Tradition, all die interessante» und geistvollen Dialoge, die echtes, frisches Talnindleüen atmen. Ich fühlte inich bald recht wohl in dieser Welt, und als Kritiker erging es mir darin fast wie jenem Theaterrezcnsentcn, der, vom Stücke als Ganzes hingerissen, seine Rezension vergast. Ja, die Macht der ganzen künstlerischen Gestaltung ist es, die auch hier auf uns wirkt und uns über manche schiefe Linien und diinile Striche in der psychologischen Bearbeitung einzelner Teile gern h:nwegsehen läßt. Als Ganze s bietet das Buch eine Fülle des Schönen und Wertvollen; einen blühenden Garten voll exotischer und einheimischer Pflanzen, üppiger Fruchtbänmc, von dustcnden Blnnien umgeben ,,l i e b l i ch zum Ansehen und köstlich znni Geniesten". Da tritt uns zunächst die „Späte Sühne" des Rabbi Jesajas Hnrwitz entgegen. Eine Sage aus den, Leben dieses Heiligen (Scheloh hakvdaufch) ist das schwache Material, ans dem der Verfasser stin prägnantes Lebens- und Eharaktcrbild geformt, der dunkle Grund, auf den ihm das ergreifende Seelengemälde hervorziizanbcrii gelungen ist. Wir sehen da den Rabbi aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts. Den.Heiligen, dessen ganze.Heiligkeit in seinem hervorragenden GcisteSadcl, seiner Seclengröste und Eharakterstärkc besteht, tvic er als Mensch unter Menschen im Kreise der Seinen lebt und wirkt, handelt und leidet. — lind das ist cS, was uns wirklich not tnt. Die Biologie unserer Grostcn vom Mittelalter bis zum Beginne des vorigen Jahrhunderts ist für uns in der Tat eine «»gekannte Welt, „der eigene Garten, den jene Arbeiter im Weinberge des Herrn unbebaut kiesten". Die Völler haben ihre Dichter und Deuter gefeiert, indem sic ihre Briefe sanlinelten, ihre Privatgrspräche aufzcichneten und sie so, frei von jeder geschichtliche» Bcrmummiing und Verklärung, dem Auge und dem Herzen ihrer Nation näher gebracht. Was ist bei uns nach dieser Richtung hin geschehen'? Die Lehrer der Mischnah und des Talmuds, ivie Hiilel, Tamai, Akiba u. s. >v. stehen in ihren Lehren, Sentenzen und Aussprüchen, in welchen Gcistesrichtnng wie Charakter sich oft markant genug abzcichncn, säst klar und lebendig vor unserem Geistesauge. klm so verschwommener und bis zur Iliikcniitlichteit verwischt, starren uns aber die Züge der späteren Lehrer »nd Erklärer, Dccisorcn und Autoren ans ihren Büchern an. Daher sei uns jeder, der »ns vom Leben und der Persönlichkeit dieser Männer etwas zu erzählen weist oder gar in deren geistige Wcrtstäitc hineinzulcuchten vermag, hochwillkommen! Und dieses Verdienst darf der Verfasser der nngckannten Welt mit seiner ersten Erzählung vone Leben Frankfurter Israelitischer Familienblatt. und Leiden, von der Schuld und „späteren Sühne" des als Größte» seiner Zeit berühmten Jesajas Hnrwitz vollauf für sich in Anspruch nehmen. In eine nähere, aber" darum nicht weniger uiigrkqimte Vergangenheit verseht n»S die dritte Erzählung: „Beim Minister". Ein in gefälliges Gewand der Novelle gehülltes Dokument von kulturhistorischem Werte, ein Schkachtcnbild ans jenem Kampfe, der vor ii'.ic.u halben Jahrhunderte zwischen Orthodoxie und Reform unter den deutschen Juden getobt, wie man sich cs kaum schöner und farbenreicher denken kann. B e n s e >v, der Held des Stückes, ist eine Gestalt voll j ü d i s ch e r U r k r a f t, lvic sie damals in der idealen S l n r in - und D r a ii g p c r i v d e typisch war und heute im Zeichen des Materialismus und Jiidifscrciitismiis immer seltener wird. Wer wollte es bann dem einfachen, bescheidenen Dorfjndcn, der mit seiner schlichten Ehrlichkeit und nnabweisbarcin Draufl o s g c h c ii fast Berge verrückt, verdenken, wenn er auai ui unsere»! Ermessen nach gefährliche Mittel und Wege benutzt, um zu seinem Ziele zu gelange»? In der Hitze des Gefechtes bleibt nicht immer Zeit genug übrig, jede Manipulation auf ihre Kniistgcrechtigkcit hin zu prüfe», und beim Sausen der Kugeln vcrsliimincn oft die schönsten Theorien und Regeln der Taktil. Und Bcnseiv schießt nie Über das Ziel hinaus, haut nick't blind Über die Schnur. Er kämpft mir für die if.üi heilige Sache, die er nie aus den Augen vciliert. Er wird sogar zum Anwalt seiner religiösen Feinde, deren Bnrgertngendeii zu Unrecht angegriffen werden. Der Verkehr des Tvrfjiiden mit feinem Freunde, dem Ortspfarrer, zu dessen Ehrenrettung er keine längere nächtliche Fußtour scheut, seine Unterhaltung mit seinem hohen Gönner, dem Prälaten und endlich seine Audienz beim Minister, es find Mcisterstriche, die uns die Menschen und ihre Zeit jo anschaulich und aiiinntig vor Augen führen, daß wir es fast vergessen, daß sic leider 'jetzt ans einer verschollenen, halbvergesjencn und n n g e k a n n t c n W e l f zu uns sprechen. ES wäre nicht möglich, den Inhalt all der 17 Erzäbl n n gen, die in schöner, einschmeichelnder Fon» und graziös dahinslicßendcr Sprache sich ans niehc als -Dil Seiten ancinandcrrcihen und fast alle Länder, >vv Juden wohnen und leiden, zum Schauplatz haben, auch nur andeutungsweise hier wiederzngcbeii. Wir siliden da auch so manche liebliche Blume, die im dnsteildeii Kelche einige bittere Gisttropfen enthält, so manches Idyll, manche alte Fabel oder Legende, die zur feurigen Predigt au die jüdische Gesellschaft wird („Das Ehaiinkahtreirdclcheii", „Ein kurioser RcchtSfall" n. n. in.). Und überall das echte frischpnlsieiende jüdische Leben, der warme Hauch jüdischer Moral und Ethik, der uns von unzähligen Bibclsätzcii und feinvointierten Talmildsprücheii getragen, säst ans jeder Seile entgcgenlveht! — Ruch eine Fülle einfacher Lebensweisheit und Wettk.ngheit, sowie eine Gewandtheit in der Beurteilung von Menschen und Dingen wird der Leser in diesem Bande siiide». Und er wird sich wohl darin suhlen und sie lieb gclvinncn „Die iiiigekniiiite Welt". Nr. 24. Tauldaus Jisroel von W. Jäwitz. Band 6. Preis dieses Bandes Jf. 6, der vorhergehenden Bände Jl. 3. Im Verlag des Verfassers. W. Jawitz, Berlin-Nieder - Schönhausen, Lindenstr. 24. Von dem umfassenden hebräischen Gcschichtswerk des bekannten hebräischen Schriftstellers liegen uns iinninehr sechs Bände vor. Dieses Geschichtswcrk zeichnet sich durch selbständige Bcarbcitnng, gründliche Benutzung des Onellrnniaterials, völlig originelle Auffassung und incistcrhastc Gewandtheit des hebräischen Stils aus. Es ist der Geist sittlich-religiöser und echtjüdisch-empfindender Eigenart, wie er in Bibel und Talmud sich kristallisiert hat, der hier zu Worte kommt: er durchweht das gesamte Werk und gibt ihm den Stempel der Lebendigkeit, llninittelbarkeit und Ursprünglichkeit. Der Verfasser entwirft uns nach den Quellen eine reiche Fülle von Kultur- und Charakterbildern aus dein alten Israel und der Zeit des Ausschwungs des jüdischen Schrifttums, die »ns vorzüglich mit dem inneren, geistig-sittlichen Wesen des Judentums, wie eS in seinen bedeutenden Trägern und seinen gesetzlichen Einrichtungen offenbart, vertraut machen und so in jcdciil objektiven Beurteiler angesichts vieler Mißdentiiiige» seitens mancher Vertreter der offiziellen Wissenschaft ein rechtes Verständnis und eine tiefere Würdignilg der israelitischen Kultur- und Gedankenwelt anzubahiien nicht ungeeignet sind. Der soeben erschienene sechste Band, der die Zeit vom Untergänge des jüdischen Staates bis zum Tode des Rabbi Jchnda Ressia II. behandelt, reiht sich in würdiger Weise den früheren Bünden an und ist gerade wegen seines hauptsächlich das innere Geistesleben dieser Zeit behandelnden Stoffes besonders zur Lektüre geeignet. Alte» Freunden der jüdischen Geschichte und der hebräischen Literatur, sowie allen jüdischen Lehrern und Erziehern sei dieses Buch daher ivnrmstenS zur Anschaffung empfohlen. „S nch c t mich, so lebet i h r!" Eine 'Sammlung Predigten von Rabbiner De. Emil Cohn. Vorstehende Predigtsninniluiig des durch sein charaktervolles Austrcten bekannt geivvrdencu Berliner Rabbiners -wird in de» nächsten Tagen im Birgil-Verlag, Eharlotlenburg, erscheinen. Vereins - Kalender. Zionistische Bereinigung Frankfurt a. M. Mittwoch, den 26. Juni, abends S:1/i Uhr, im Knrsaal Milnni, Fricdbcrger Anlage: Wahlvcrsainiiiliing. (Siche Inserat.) : „Moutefiore"-Bereiu. Mittwoch, den 26. Juni, äbends l> Uhr, Referatabend, Thema: „AnSgcwählte Kapitel aus der Kunstgeschichte II". Vergnügungs-Gesellschaft junger Leute. Sonntag, den 23. Juni, Ausflug in die Bergstraße. Zusammenkunft 7lk Uhr vorm, mit Hanptbahnhof. Abfahrt 8 Uhr mit Sonntagsbillet Jugenheim. Frnnliftirter Zionistische üereinisung. Wahlv ersammlung zur Wahl «Ier Delegierten für den 8. Kongress im Haag. Mittwoch, den 26. Juni, abends 8% Uhr, Cafe znm Knrsaal, Friedberger Anlage. Hierzu werden alle Schekelzaliler cingeladen. Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarten oder Schekelquittungen gestattet. Der Vorstand. VIII. Zionistenkongress im Haag. Einen ausführlichen und objektiven Bericht über die Verhandlungen des VIII. Zionistenkongresses wird die, während des Kongresses im Haag erscheinende Sepapafausgabe des zionistischen Zentralorganes „Ale Welt“ bringen. Jeder, der eingehend über den Zioaistenkongress orientiert sein will, abonniere die Separatausgabe. Der Bezngspreis für die fünf Hummern umfassende Ausgabe beträgt Mark 1.70 (Kronen 2.—, Francs 2.10, Ro. 0.80 Hfl. 1.—, Shillings 1,9, Doll. 0.45) und ist im voraus zu entrichten. Briefmarken aller Länder werden in Zahlung'genommen. Bestellungen richtet man ausschliesslich an die Expedition „Die Welt“ Köln a. Rh., Ubierring 23. Seit eröffnet! Sokol VW 04 Kaiserstrassc 04, Ecke Moselstrasse. Grosse Auswahl inn. ausländischer Zeitungen. — Täglich Kiinstler-Konzert. ^=--~ — ... Billardsaal. - - Einem tit. Publikum von Frankfurt und Umgegend zur freundl. Kenntnisnahme, dass ich obiges Lokal eröffnet habe und empfehle dasselbe als GutMrgerÜclies Familieu-Cafe ersten Ranges. Mein bestes Bestreben wird es sein, meine werten Gäste nach jeder' Richtung zufrieden zu stellen. Hochachtungsvoll J. (Sokol, langjähriger Besitzer des Theater-Cafe in Hanau. P. L. Berninger gegründet 1845 Kaiserstrasse 42. Tafel-, Kaffee- und Tee- Service, Kr y stallgar nitu reu, Waschgarntturen, Luxus- und Kunstgegenstände in reicher Auswahl. Mur erstklassige Fabrikate. Clemens Kahn, Bau- und Kunstglaserei Rechneigrabenstr. 10. (Wohnung, I.) Telephon 8848. Einrabmen v. Bildern. Reparaturen v. Glasarbeiten.

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