Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 22 (7.6.1907)
- Date
- 1907-06-07
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Seite 11. D. Dr. Brann und Horovrtz, ferner die Herren Rabbiner Dr. Z n ck e r m a n d e l und Dr. D ent; ch uneigennützig ihre Mitwirkung als Lehrer bereits zugesichert. Der Studienplan ist analog dem vorjährigen. Es sollen Vorlesungen gehalten werden über 'rabbinische Disziplinen, über Bibelexegcsc, Ritualien, Religionsphilosophie, Jüd. Geschichte, Methodik und Didaktik des Bibelunterrichtes und über Apologetik. Eine Spezialisierung einzelner Disziplinen dürfte in der nächsten Nummer des Blattes an dieser Stelle noch veröffentlicht werden. Die Fachausbildung der Kantoren liegt in den bewährten Händen des Chordirigenteii E l s n e r. Die Kurse finden in der Zeit vom 5. bis lg. Juli statt. ,Es bleibt also denen, die ihre Ferien noch der Erholung widmen wollen, immer genügend Zeit dazu übrig. Lehrer und Lehrerinnen, auch aus anderen Vereinigungen wie die des Vereins isr. Lehrer in Schlesien und Posen, sind zur Teilnahme an dem Kursus, der kostenlos ist, berechtigt. Auswärtigen können nach Maßgabe der vorhandenen Mittel Subventionen zur Bestreitung der Anfcnthaltskosten in Aussicht gestellt werden. Ans der Zahl der hierher gerichteten Anfragen ist auf eine rege Beteiligung zu hoffen, was im Interesse der gedeihlichen Entwickelung der Kurse auch zu wünschen wäre. Für den Nachweis von Wohnungen mit und ohne Beköstigung wird der Schriftführer der Kommission gern bemüht sein. Wohnungen inkl Frühstück werden sich ans etwa Jk 18 stellen. Bei nicht zu hohen Ansprüche» dürfte für einen etwa lutägigen Aufenthalt mit 75—SO Jk gut ansznkommen sein. Um einen Uebcrblick über die Zahl der Teilnehmer zn erhalten, sind baldige Anmeldungen erwünscht. Sie sind an den Schriftführer, Lehrer M o o p s, Breslau VII., S a d o w a st r. 69, zn richten, der sich auch zn weiteren Auskünften gern bereit erklärt hat. Hannover. Die 43. Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz H a n n r v c r wurde in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden B l u m e n f e l d-Adelebsen von dem stellvertretenden Vorsitzenden K a h-Nienbnrg eröffnet. Auf die Begrüßung folgte die Berichterstattung. Der Verein zählt 51 aktive und 3 Ehrenmigliedcr. Während der nächsten Wcihnachtsfericn wird in Hannover der „Verband der israelitischen Lehrervereine im Deutschen gleiche" seine Tagung abhalten. — Alsdann hielt Lehrer Walter- Moringen seinen mit Beifall aufgenommenen Vortrag: „Die Ausführung des Schuluntcrhaltungsgesetzes in Bezug ans die jüdischen Schulen". Daraus referierten die Herren Bach rach-Hameln über „Teilnahme der Kinder am Gottesdienst" und Landrabbiner Dr.- Gronen> a n n über „Volksnnterricht in der tnlmudischcn Zeit". — Ein gemeinsames Festessen beschloß die Versammlung. Essen. Der Verein israelit Lehrer der R h e i n p r o v i ii z und W e st s a l c n s zählt 9 Ehren- und 165 ordentl. Mitglieder und seine Pcnsionskasse 96 Mitglieder und 392 Versicherte. Das Gesamtvermögcn betrügt 144,700 Jk Die Jahresversammlung wurde am 21. und 22. Mai in Neuwied abgehalten. Pr.-Stargard, 4. Juni. Das Fest der silbernen Hochzeit feiert am kommenden Donnerstag Herr Rabbiner D r. R o s e n t h a l mit seiner Frau Geniahlin. Mit diesem Fest verbindet Herr Dr. Rosenthal die Erinnerung au sein 25jähriges Amtsjubiläum als Rabbiner, das er vor wenigen Wochen hätte feiern können. lk.) Pose», 24. Mai In der Versammlung des „Vereins israelitischer Lehrer der Ostprobinzen", welche am 21. d. Mts. hier abgehalten wurde, kam ' auch ansdie sogenannten „Z w e r g s ch u l c n" die Rede. Dabei wurde lebhaft bedauert, daß die jüdische Gemeinde Schmirgel mit der Auslösung ihrer öftentlichen Volksschule einverstanden sich erklärte. Dahingegen wurde rühmend hervorgehobcn, wie G a st i n mit aller Kraft trotz der geringen Schülerzahl für das weitere Bestehen ihrer Schule eintritt. — Schmerzlich berührte es, zn hören, daß die jüdischen Schulkinder in S u lmierzyce, zwischen Schildberg, Ostrowo und Krotvschin gelegen, keinen Religionsunterricht erhalten. Die nachgenannten Nachbargcmeinde» schützen die weite Entfernung vor, um hilfreich eingreifen zn können. Es verbleibt nur noch die Hoffnung ans die großen jüd. Organisationen. Insterburg. Die 18 Versammlung der jüd. Religio nslehv er £) ist Preußens war von 40 Lehrern besucht. Vorträge wurden hierbri gehalten : „Inwiefern soll die Abwehr äußerer Angrisse auf unser Judentum in her Schule zur Behandlung kommen?" (Rabbiner Dr. Ehrlich-Tilfit): „Wie vcrbindei der Lehrer auf der Unterstufe biblische Geschichte mit Rcligionslehrc?" (Stnrmann-Osterode). Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Sehr geehrter Herr Redakteur! Als langjähriger Abonnent Ihres geschätzten Blattes hatte ich Gelegenheit genug, die Bemerkung zu machen, wie Sic, in richtiger Würdigung des Frankfurter JsraelitisHeS Familienblaü. echt jüdischen Geistes der in den Juden Oesterreichs und Rußlands noch lebt, gar oft für sie eine Lanze gebrochen haben. Und weiiir Sie auch bei gegebener Gelegenheit gar manches von ihrem Tun und Lassen mit Recht gerügt haben — allein den flammenden Idealismus, der in der dortigen Jugend leibt und lebt, sah ich Sie immer mit Stolz hervorheben; ich sah Sie den noch übrig gebliebenen Rest altjüdischer Sittlichkeit, der in den dortigen Häusern noch leuchtet, mit Befriedigung konstatieren. Und was sagen Sie min, geehrter Herr Redakteur, zu der Behauptung des G. Z. Referenten des „Frist. G.-A." in seiner Kritik in Nr. 127: „Die Juden Galiziens stehen sittlich tief"? Daß Herrn G. Z., wie er in seiner Hauptkritik in Nr. 125 behauptet, das Stück nicht ansprechen konnte, trotz der erschütternden Momente darin — meinetwegen! Ich zwar glaube, daß, wenn man auch selbst kein Bordellbcsitzer ist, man mit einem solchen mitleiden kann, da wo er alles Schmutzige von .sich abschüttelt und mit einem menschlich blutenden Herzen vor uns steht. — Allein unser Herr Kritiker will es haben, daß wir nur mit solchen mitleiden sollen, da wo wir sagen können: „Das bist du." Daß unserem Herrn Kritiker der ganze Autor „innerlich fremd ist", — in Gottes Namen! Wir werden uns darüber keine grauen Haare wachsen lassen, und wir wollen uns gar nicht anstrengen, ihn für Jankel Schepschclowitsch mehr zu erwärmen, ihm zu zeigen: daß sogar dieser sittlich wirklich tiefsteheiidc polnischer Jude mit vollen Hände» an Arme Brot austeilt, daß er vor den Gelehrten der Thora einen ehrfurchtsvollen Respekt besitzt und ihm die Thora so teuer wie sein Kind ist. — Wir wollen auch nicht, um unseren Herrn Kritiker für den Autor etwas mehr zn interessieren, ihn daraus aufmerksam machen, daß Herr Schalom Lisch noch andere Dramen geschrieben hat und noch 'welche zn schreiben beabsichtigt — wie gesagt Stück und Autor sind uns ziemlich gleichgültig. Was wir ihn wissen lassen möchten, ist das: daß die polnische Jndenhcit nicht nur aus Bordellbesitzern sich zusammcnsetzt! Und wenn er das selber weiß,- möchten wir ihm noch erzählen, daß diese polnischen Juden sittlich sehr hoch stehen und gar mancher Westeuropäer, ob Christ oder Jude, was Sittlichkeit anbelangt, gar manches noch von ihnen lernen könnte. In ergebenster Hochachtung Ein galizischer Jude. Bnnte Chronik. Richard Wagner und der Anti sein itism n s. In seinen „Erinnerungen an Richard Wagner" teilt Direktor Angeld Ncumann einen Brief Richard Wagners vom 23. Februar 1881 mit, zn dem er eiuleitungsweise bemerkt: „Eine in Berlin damals sehr regsame antisemitische Agitation, die sich bemüht hatte, Richard Wagner als ihren .Hanptapostel zu proklamieren, veranlagte Georg Davidsohn, den verdienten Pubkiziststii, dessen freundschaftliche Beziehungen zu Bayreuth wohlbekannt sind, ein schreiben an mich zn richten . . . Darauf traf folgender Brief Richard Wagners ein: „Geehrter Freund! Der „antisemitischen" Bewegung stehe ich vollständig fern: ein nächstens in den „Bayreuther Blättern" erschienener Aussatz von mir wird dies in einer Weise bekunden, daß Geistvollen es sogar unmöglich werden dürfte, mich mit jener Bewegung in Beziehung zn bringen. — Es wäre nicht übel, wenn Ihre — und unsere — Unternehmung durch Unsinnigkeitcn der Art, wie sic jetzt in Berlin florieren. in eine vollständig schiefe Bahn geriete. Hofadel und Inden zugleich — und zwar aus lauter absurden Mißverständnissen — auf dem Halse zu haben, dazu sind unsere Nibelungen nicht bestimmt! — Ich bin — unbedingt für London sofort! Ihr ergebenster Richard Wagner." Richard Wagner über Heinrich Heine. In der „Dresdener Abend-Zeitung" vom 6. Juli 1811 schrieb Richard Wagner: „Man muß gestehen, wir Deutschen sind ein großmütiges Volk! Wir sehen aus unserer Mitte ein Talent hervorgehen, wie Deutschland wenig ähnliche anszuweisen hat; wir freuen uns der frischen, kecke»: Entfaltung desselben — wir rufen ihm Triumph und Vivat zu, als es unsere jungen Geister aus einer vcllständigen Lethargie aufweckt, ihnen mit den Opfern seiner eigenen Fülle den Weg bricht und zeigt, wohin die neu zu gebärenden Kräfte unserer Literatur sich richten sollen, um an ein neues, unbekanntes, aber notwendiges Ziel zu gelangen. Wer von rmserrn jungen Belke eine Feder Zur Hand nimmt, gut oder schlecht, , bewußt oder unbewußt, sucht er es Heine nachzumachen, denn nie hat eine so plötzlich und" mit Bltbesschnelle hervorgerufene, gänzlich unvermutete Erscheinung ihre Richtung so unwiderstehlich beherrscht. als die Heines die ihrige. Nicht genug aber, daß wir nachher geduldig zusehen, wie unsere Polizei dies herrliche Talent von seinem vaterländische» Boden verjagt, daß wir mit schnell erschlajstcr Spannkraft übersehen, wie seine üppige Wurzel ans der Erde gerissen wird, die ihr allein Nahrung geben konnte, daß wir demzufolge mit schläfrigem Gähnen bemerken, Freund Heine hätte in Paris das Reise-» bilder-Schreiben verlernt, daß Ivir durch unsere Indifferenz ihn endlich gegen sich selbst blasieren, daß wie ihn zwingen, anfzrihören Deutscher zu sein, während er doch nimmermehr Pariser werden kann — nicht genug, daß wir ihm das Terrain so weit abschneiden, daß seiner strotzenden Fülle nichts weiter übrig bleibt, als an dem Lächerlichen, was man ihm, ohne es vielleicht zu wollen, übrig läßt, seinen Witz zn üben — nichr genug, daß wir gleichgiltig und kleinmütig dieser Verstümmelung eines Talentes Zusehen, daß bei glücklicherer Pslege an die größten Namen unserer Literatur gereicht haben würde; nein! ltir freuen uns auch und klatsche» in die Hände, wenn diesem Heine endlich eine Behandlung widerfährt, wie ivir sie bei uns gegen Scchzehn-Groschcii-Rezensenten anzuwendcn die praktische Gewohnheit haben! . . ." Als Richard Wagner neun Jahre später in seinem „Judentum in der Musik" ans Heine zu sprechen kommt, lautet freilich sein Urteil wesentlich anders. Nicht als ob er Heines Bedeutung nun leugnet, aber sie erscheint ihm von einem höheren Gesichtspunkte aris jetzt in einem ganz veränderten Lichte. „Keine Täuschung hielt bei ihm vor; von dem unerbittlichen Dämrn des Verneinens dessen, was .verneinenswert schien, wird er rastlos vorwärts gejagt durch alle Illusionen moderner Selbstbelügung hindurch, bis auf den Prinkt, wo er von selbst wieder sich zrrm Dichter leg." A u» der Geschichte der Mainzer Juden. Im März hat man mir Tietz'schen Neubau Steine mit hebräischen Inschriften gesunden, die in Bezug ans die früher auf diesem Platze befindliche Synagoge und das jüdische Lehrhaus (sog. Jndenschnle) neue Tatsachen zu enthüllen geeignet sind. Der Mainzer Tyvologe Heinrich Watlau ist soeben damit beschäftigt, ven den Steinen 'Matritzen anzufertigen, um sie den Fach gelehrten vorzulegen. Soviel erscheint aber dem der hebräischen Sprache kundigen Laien ersichtlich, daß es sich hier wahrscheinlich bei dem einen Stein um die Gedenktafel der Stifter des Gotteshauses, bei den anderen um eine solche bei Erneuerung des Baues bezw. Umbaues handelt. Es dürfte'darin von der Errichtung des Baues und von der dafür stattgehabten Geldsanimlung die Rede sein. Der «chrift nach gehört der eine -Lrtein der zweiten Hälfte des 11.. Jahrhunderts an, die Schrift des zweiten Steines 'unterscheidet sich nrir wenig von der jetzt gebräuchlichen hebräischen Quadratschrift, scheint aber aus dein ersten Drittel des 16. Jahrhunderts zu stammen. — Wie bekannt, gehörte die ganze Gegend, wo sich der Tictzsche Neubau erhebt und noch weit herum, im ganzen 54 Häuser, der Mainzer Judenschaft. Bei den furchtbaren Judenverfolgungen Ende des 13. Jahrhunderts wurden die den gemordeten und entflohenen Juden gehörigen Häuser vom Stadtmagistrat konfisziert und erhielten von mm an den Namen Jrrdenerbe. Diesen Namen behielten die Häuser bis zum Jahre 1462, wo sich der Erzbischof Adolf II. alles städtische Vermögen zueignete und damit nach seinem Gefallen verfügte.- Ein interessantes Kapitel aus der Mainzer Geschichte bringt der „Neueste Anz." in Erinnerung: Samuel Ben Chanoch, um das Jahr 1617 zu Hanau geboren, war Oberrabbiner in Mainz. Infolge Lesens "katholischer Bücher hielt er aus denselben Predigten. Er wurde dieserhalb zur Verantwortung gezogen, ging aber flüchtig. Nach Mainz zuriick-- gekehrr, legte er das kathol. Glaubensbekenntnis ab und ging zum Studium nach Rom ins deutsche Kolleg. 1642' wurde ihm die Pfarrei in Heppenheim a. B. übertragen. 1645 war er Pfarrer und Prediger in der Domkirche zu Mainz. 1646 Lcholaster im Stift zu Unsere lieben Frauen und St. Moritz. 1676 Weihbi'chos zu Mainz und Rektor der Universität daselbst. Er starb am 17. März 1679 imi 62. Lebensjahre und wurde in der Stiftskirche zu Unsere lieben Frauen beerdigt. Kunst und Literatur. Leopold Komperts sämtliche Werke in zehn Bänden. Mit 6 Bildnissen, 2 Abbildungen 'und einem Stammbuchblatt als Handschristprobe, sowie einer biographischen Einleitung von Dr. Stefan Hock. Leipzig. Max Hesses Verlag. Auf der Scheide zwischen einer absterbendcn und einer aufsteigenden Welt steht die Jugend Komperts. Aus der Jrrdengasse mit ihrer eigenartigen Poesie und ihren typischen Gestalten empfing er seine ersten Eindrücke; doch das geistige Leben innerhalb der Jrrdengasse war längst verflacht und außerhalb der Jrrdengasse stürmten die Geister, und wie eine Ahnung von Menschenfreiheit und Menschenverbrüdernng lag es in der Luft, - So vollzog sich des Knaben und Jünglings Bildungsgang außerhalb des Judentums; er sah wohl