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Neue jüdische Presse · 1907-05-31 · Heft 21 (31.5.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 21 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ist,;töic die B. Z. schreibt, eine der interessantesten Erscheinung der Berliner Thcaterwelt dahingegangen, wie denn überhaupt die weitverzweigte Brünner Familie, der er entstammte, eine Reihe hochbegabter Künstler und Literaten hervorbrachte. Ein Bruder des eben Verblichenen war der verstorbene Dramatiker Rodcrich Fels, der Autor zahlreicher kraftvoller und von reicher Phantasie belebter Dramen. Der, Senior der Familie, Ludwig Rosenfeld, bis vor kurzem Direktor des Luisentheaters, war in früheren Jahren einer der bedeutendsten Importeure deutscher Kunst in Amerika, wo er Gerhart Hauptmann, der als Gast längere Zeit in seinem Hause weilte, eingeführt hat. Ein anderer Bruder, Dr. Victor Rosenfeld, zählt zu den Zierden des Wiener Barrcaus. Seiner glänzenden rhetorischen Begabung dankt er den Ruf, der gesuchteste Verteidiger Wiens zu sein. Ein vierter, bereits vor vielen Jahren verstorbener Bruder war unter dem Namen Martin ein ausgezeichnetes Mitglied der altbcrühmten Garde des Wiener Burgtheaters und hat später in Gemeinschaft mit dem nun Dahingeschicdenen und dem jüngsten Bruder Karl jene weltberühmte erste Liliputanertruppe zusammengestellt, die in den von Karl Rosenfeld mit glänzendem Geschick eigens für diese Truppe verfaßten Stücken jahrelang überall in Amerika und Europa das größte Aufsehen erregten und den Brüdern ein namhaftes Vermögen einbrachten, das sie indes in anderen gewagten Unternehmungen zum Teil wieder verloren. Das Passage-Theater und die zahlreichen damit verbundenen Unternehmungen verbleiben nach Theodor Rosenfelds Tode der Leitung seines Bruders Karl, der in seiner Bescheidenheit bisher öffentlich nur wenig hervorgetreten ist, aber eine der stärksten Begabungen dieser hochtalentierten Familie repräsentiert. In seinen jungen Jahren ein beliebter Komiker des Frankfurter Stadt-Theaters, wurde er durch ein hartnäckiges Qhrenleiden gezwungen, der Bühne Valet zu sagen und sich den Unternehmungen seines Bruders Theodor anzuschließen. Daß Karl Rosenfeld ein Dramatiker von hervorragendem Bühnengeschick ist, weiß die Oeffentlichkeit fast gar nicht, denn einer seiner stärksten Bühnenerfolge, der Schwank „Der Mann mit den 100 Köpfen", der vor Jahren wohl hundertmal im alten Wallnertheater gespielt wurde und erst vor kurzem in Wien eine fröhliche Auferstehung feierte, segelte unter einem französischen Namen. Berlin. Kaufmann Heimann Auerbach erhielt den Charakter eines Kommerzienrates. Leipzig. Professor Dr. jur. S a l y Ganz, aus Frankfurt a. M. gebürtig, wurde als Rechtsanwalt beim Reichsgericht zugelassen. München, 20. Mai. Der ordentliche Professor der rassischen Philologie an der hiesigen Universität, Dr. Ludwig Traube, ein Sohn des berühmten Berliner Klinikers Prof. L. Traube, ist im Alter von 46 Jahren verschieden. Der Heimgegangene war auch ordentliches Mitglied der bayerischen Akademie der Wissenschaften und anderer gelehrter Körperschaften. Straßburg. Der außerordentliche Professor Dr. Wilhelm Spiegelberg wurde zum ordentlichen Professor ernannt. Essen. Landgerichlsrat Ernst Grünebaum wurde zum Oberlandesgerichtsrat ernannt. Tarnowit;. Amtsgerichtsrat G log au er ist an das Landgericht in Breslau versetzt worden. Wien. Im Alter von 62 Jahien verschied Dr. Sie gm und Feßler, ehemaliger Hof- und Gerichtsadvokat und Mitglied des Disziplinarausschusses der Advokatenkammer, Ehrenbürger der Stadt Nikvlsburg. Feßler war durch sein philaMropisches Wirken angesehen und als Feuilletonist in weiten Kreisen bekannt. Budapest. Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn ist der Charakter als Kgl. Rat verliehen worden. London. Hier ist der Baronet Benjamin Louis Cohen im 63. Lebensjahre g e st o r b e n. Er war seit 1892 Mitglied des Parlaments und von 1887 bis 1900 Präsident des „Jewish Board os Guardians" sowie vieler anderer jüdischer Vereine. Ans der zionistische» Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Geschäftsstelle des Frkf. Jsr. Familienblattes gingen ein: Bureau Misrachi stiftet Herrn und Frau Dr. Adler-Lübeck anläßlich deren silberneu Hochzeit 2 Oelbäume 12,— M. I. L. Goitein gratuliert Herrn u. Frau Dr. Adler-Lübeck zur silbernen Hochzeit 0,50 HL I. L. Goitein gratuliert Herrn u. Frau Dr. Adler - Lübeck zur Verlobung ihrer Tochter 0,50 Jk Frankfurt a. M. Bei der Kommission für den Nationalfonds gingen ein: Herr und Frau Jakob Hamburger anläßlich der Geburt ihrer Tochter 5,— JL Anonymus aus Sydney eine Partie Marken. Köln a. Rh. Das Zionistische Zentral- Organ „Die Welt" feiert am 4. Juni d. I. sein lOjähriges Bestehen mit einer Jubllänmsnummer. In Palästina befinden sich z. Zt. zum Studium der dortigen Verhältnisse: Dr. Arthur Rn p p in, der Verfasser des bekannten Werkes über „Jüdische Statistik", das Mitglied der L russischen Frankfurter Israelitischer FamUrenblatt. Duma Dr. Schemarja Lew in, der Rabbiner Dr. G a st c r - London und der frühere Agronom der 10.4. Ingenieur Treidel. Breslau. Zionistischer Gruvpenderband für O b e r s ch l c s i e n. Der oberschlesische Zionistciiverband trat in der vergangene» Woche in Gleiwitz zu einer Sitzung zusammen. Die Zahl der organisicricn Zionisten Oberschlesiens beträgt nunmehr 600 Hamburg, 27. Mai Am 2,:. d. Mts. beging der Vizepräsident des C. C. Herr Dr. Adler- Lübeck das Fest der silbernen Hochzeit. Dr. Kalmus sprach persönlich die Glückwünsche des C. C. aus und überreichte das Diplom über die vom C. C. aus Namen des Jubelvaarcs gespendeten 12 Oelbäume. Von der Gemeinde wurde eine kunstvolle Adresse übergebe», in der u. a. auch die Verdienste des Gefeierten um den Zionismus vermerkt waren. Die Ortsgruppe, die ein Dunam Land stiftete, die Esra-Loge, ll. O. B. B., sowie alle andern Vereine waren durch Deputationen vertreten. Zahlreiche Nationalsonds- Telegramme liefe» ei». Turin. Am 23 d. 0f. wurde in unserer <Btabt die erste zionistische Versammlung abgehalte». Während die jüdische Nationalidec in die übrigen italienischen Städten triumphierend ihren Einzug hielt, stand die Turin er Judeuschast abwärts. Nun ist cs anders geivordeu. Einer kleinen Schaar begeisterter Jünglinge gelang es, die Hindernisse überwindend eine zionistische Ortsgruppe ins Leben zu rufen. Es galt nicht nur die Aversion der offiziellen Kreise zu bekämpfen, sondern auch mit dem geradezu sprichwörtlichen Jndifferentisinus der jüdischen Bevölkerung aufzuräumen. — Rach der Begrüßungsrede des zum Vorsitzenden der Versammlung gewählten Herrn Samuele Valab r e g a wurden die eingegängenen Beitrittserklärungen vorgelcfcn. Besondern Beifall erregte das Schreiben des berühmten Nationalökonomisteu Achille Lloria, Professor der hiesigen Universität, der in warmen Worten seiner Hinneigung zur zion.- Idee Ausdritck verlieh. Hierauf ergriff cand. chein. Roberto Lazzaro Modena das Wort und bewies aus Grund der jüdischen Geschichte und der Ereignisse der letzten Jahre die Notwendigkeit des Zionismus. Aus die Schilderung der italienischen Verhältnisse gelang es dem Redner klarzulcgcn, daß der Zionismus nicht nur in Osteuropa, sondern auch Hierzulande berechtigt sei. Nach der unter allgemeinem Beifall aufgcnommenen Tendenzrede — deren Schluß dein Andenken unseres verewigten Herzl's gewidmet ivar — wurde die Schekelsammlung borgcnommen» die ein befriedigendes Resultat ergab. — Der schöne Verlaus der ersten Versammlung zeigte, daß der C i r c o l o S i o n n i st i c o P i e m o n t c s e dazu berufen sei» dürfte, das jüdische Leben in Turin wachznrnfen und die hiesige Judenschaft zu regcnieren. L. B. Odessa. Der bekannte Schriftsteller Mordechai den Hillel Hokauhen in Homel ist mit seiner Familie it a ch Palästina a n s g e w a n d c r t. Gleichzeitig hat sich mit ihm der bekannte Schriftsteller A ch a d H a a m nach Palästina begeben, um dort von einem Nervenleiden Heilung zu suchen. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Obgleich nach dem jüdischen Gesetze ein einstimmiges Urteil ungültig ist, müssen wir uns diesmal dem einstimmigen Urteilsspruch beugen. Denn nur ein Urteil und eine Stimme war zu rernchmen, als gegen Mitternacht die Zuhörerschar, die bei der „Vereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit" zu Gaste war, sich aus dem Saale der Alemannia nach der Garderobe drängte, ein Moment, in dem es sonst nicht an gewürzren kritischen Bemerkungen zu mangeln pflegt. „Es war ein schöner Abend." Flott und tadellos wurde von den jungen Dilettanten und Dilettantinnen gespielt, die als Musiker, Rezitatoren und Schauspieler bemerkenswerte Darbietungen boten. Es ist nicht unsere Aufgabe, eine kunstkritischc Uebersicht über die einzelnen Leistungen zu geben; nur bei der Festrede, die von dem verehrten Vereins-Dozenten, Herrn Professor Adolf Wehl gehalten wurde, möge hier verweilt werden, den sie gab in klaren Konturen den Geist, der den Verein gegründet hat und ihn leitet. „Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst"- diese Devise habe vor wenig mehr als Jahresfrist eine Anzahl Jünglinge zusammcngeführt, um nach des Tages beruflichen Mühen sich gemeinsam in die Werke der großen Dichter zu versenken. Gemeinsam wie das Ziel sei ater auch der Boden, dem die Mitglieder des Vereines entwachsen sind; in derselben Welt- und Lcbensanjchc.nung haben sic ihre Erziehung genossen. Der Verein sei zwar seiner Natur und Tätigkeit »ach kein religiöser, aber die sittlich-religiöse Lebensanschaumig des überlieferten und in unseren Kreisen hochgehaltenen Judentums sei die tatsächliche Voraussetzung für die Mitglieder dieser Vereinigung. Man solle nicht mit allzu großem Pessimismus über unsere Jugend urteilen, dieser Verein von zahlreichen Jünglingen sei doch auch, einem idealen Streben entsprungen. Er könne dazu berufen sein, die aufeinanderfolgenden Jünglingsgeschlechter in sich aufznnchmen und in edler Geselligkeit die Schulfrenndschastcn bis in die späteren Jünglingsjahre hinein zu retten. Auch diese Vereinigung könne, wenn sie von der Gunst des Publikums getragen wird, ein Moment werden unter den mannigfachen Veranstaltungen, wel- Nr. 21 che alle das hohe Ziel haben, die Jugend zu einem begeisterten Nachwuchs hochstrebcnder Vorfahren hcranzubilden. Berlin. Der Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums veranstaltete am 13. Mai in den Residenzsälcn ein« öffentliche Versammlung, welche trotz des überaus schwüle» Weiters sehr gut besucht war. An Stelle des am Erscheinen verhinderte» Dr. Arthur Kahn hatte Herr Karfunkel. ein Mitglied des Bereinsvorstandes, das Referat übernommen, ivelches das Thema: Tagesfragen in unserer jüdischen Gemeinde behandelte. Redner legte dar, das; das überlieferte Judentum in Preußen seit dem Auftauchen der ersten Emanzipationsbestrrbungen mehr und mehr in den .Hintergrund gedrängt worden sei. Wenn man damals der irrigen Meinung lebte, das; das Abstreife» des spezifisch Jüdischcn eine Gleichstellung der Juden zur Folge haben werde, so sei dies immerhin verzeihlich geivesru. Die Erfahrung, die wir inzwischen gewoniien, habe jedoch gezeigt, daß dieser Weg nicht zum Ziele führe. Auch, habe das orthodoxe Judentum alle» Zurücksetzungen zum Trotze, denen cs seit der Zeit vo» Seiten der G.Griiidegcioaltigei, ausgcsetzt worden ist, sich zu behaupten gewußt, wie dies in der Begründung zahlreicher Separatgemeinden unwiderleglich zu Tage trete. K e i n e I n st i t u t i o u des Indent n m s habe jedoch einen derartigen grundsätzlichen Wandel erfahre», wie die des Rabbinates. Früher war der Rabbiner Träger und Vertreter des religiösen Lebens im Judentum, dessen Autorität anzutasten, man von keiner Seite wagen durste; heute dagegen ist der Rabbiner eine Art Dckorationsstudic in der Gemeinde, der vom Vorstande die Direktive e m v s a n g e. S» habe der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde im Jahre 1905 sei» Rabbinatskollegiiim, das ja nur ohnehin ein Schattendasein gefristet hat, einfach aufgehoben, ohne von irgend einer Seite, ja nicht einmal von Seite» der Berliner Rabbiner Widerspruch zu erfahren. Die Anhänger des überlieferten Judentums können sich bei dieser Maßregel unmöglicki beruhige». Redner macht unter lebhaften Beifallskundgebungen seitens der Versaminluiig die Mitteilung, daß eine Petition sich in der Vorbereitung befinde, welche die Abstellung sowohl dieser als auch anderer Mißständc, unter welchen die Anhänger des übertiesertcil Judcntiims zu leiden haben, fordert. Es kann nicht so mciier gehen. Der Vorstand müsse endlich dahin kommen, mit de» religiösen Bedürfnissen der Gemeinde zu rechnen. Bis jetzt liegen die Dinge hier so, daß diejenigen, ivelche in religionsgesetzlichen Angelegenheiten Rat oder Entscheidung cinzuholcu haben, dies auf privatem Wege bei zugewaiidcrten Rabbinern oder bei dem einer Privatgemeinde eeleicaen müssen. Eine jüdische Speisewirtj ch a s t unter Aufsicht eines Rabbiners der großen jüdischen Gemeinde in Berlin sei überhaupt nicht vorhanden. Nur eine derartige niedrige Einschätzung der Rabbiner konnte zu einer Maßregelung führen, wie sie dem Dr. Emil Cohn widerfahren sei. Den Redner lohnte wohlverdienter Beifall. In der hieraus sich eröffnenden Debatte wurde der Fall Cohn in breiter Ausführlichkeit erörtert, und es zeigte sich hierbei, das; die Sympathien auch dieser Versammlung aus Seiten des Dr. Cohn lagen. Ans der Lehrerwett. (k.) Posen, 28. Mai. In überaus feierlicher Weise ivurde der 80. Geburtstag des Rabbiners Herrn Dr. Feilchenselb begangen. Schon am frühen Morgen liefen schriftliche Gratulationen von hier und aus. weiter Ferne ein. Zuerst erschienen der Vorstand, dem sich anschließend die Repräsentanten der Synagogcngcmcinde. Es folgten dann in einer Reihe die Vertreter aller Wohltätigkeits-Vereine und Veranstaltungen. Nach zwölf Uhr kam der königliche Polizeipräsident von .Hellmann und beglückwünschte den Jubilar in einer längere» Ansprache und überreichte dann im Aufträge unseres Kaisers den roten Adlerorden. Herr Dr. Feilchenfeld dankte tief gerührt. Auch die Religionsschule schickte ihre Vertreter und Vertreterinnen, die Mädchen mit Blumensträußen und weiß gekleidet. Auf alle Ansprachen verstand es der greise Herr in herzlicher Weise zu erwidern. Briefkasten. K. Z. Maximilian Harden's „Zukunft" brachte unter der Ucberschrift „Pot luck, Rabbi Cohn" einen lesenswerten Artikel über den Fall Cohn. Der Artikel schließt: „Welchen Lärm.würden wir hören, wenn die Regierung einen Beamten, der Oberkirchenrat einen Pfarrer wegen eines Privatgespräches, dessen Inhalt nicht sestgestellt ist, vielleicht nicht mehr festznstellen war, aus dem Amt gejagt hätte! Der Vorstand der Berliner Judengemeinde hat's getan; und : darf mit seiner Toleranz nun nicht mehr prunken. Der Bibliothekar Dr. gramer ivurde aus denr Gemeindedienst geschickt und vors Hungertuch gesetzt, weil er (in einem hier veröffentlichten Artikel) gesagt hatte, das Judentum sei allzu sehr von ethischen Bedenken angekränkelt, bas jüdische müsse rasch und restlos ins deutsche Volk aufgehen. Der Rabbiner Dr. Cohn wurde entamtet, weil er in stiller Plauderstunde

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