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Neue jüdische Presse · 1907-05-24 · Heft 20 (24.5.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 20 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches FamilienblaN. Nr. 20 scheu Schülern entstanden wäre, koinmt denn in aller Welt niemand auf den Gedanken, daß vielleicht doch etwaige antisemitische Aeußcrungen des einen oder anderen Lehrers aus fruchtbaren Boden gefallen sind? Muß es denn durchaus der jüdische ^Leligionslehrer gewesen sein, der dies vollbracht Kurz und gut, der Frevel liegt für die Herren auf sder Hand. Der christliche Direktor hat mir gekündigt, Grund genug, daß der Vorstand'der jüdischen Gemeinde mir kündigt. Was wiegt ein Rabbiner gegen einen christlichen Gymnasialdirektor? „Dieses war der erste Fall." 2. Die Herzlgedenkrede. Im Juli 1906 wurde ich anfgefordert, in einer ernsten und weihevollen Gedenkfeier — Herr Lilienthal sägt öffentliche Versammlung — die nicht etwa nur von zionistischen und nationaljüdischen Vereinen, sondern auch'von Vereinen, die weder zionisüsch noch, nationaljüdisch sind, wie den Vereinen jüdischer Studenten einberufen war, eine Gedenkrede aus Theodor Herzl, den Menschen und Dichter, zu halten. Am Tage der Gedenkrede wurde Ich aus das Gemcindeburcan berufen, woselbst mir vorgetzalten wurde, daß das Halten dieser Rede den Voraussetzungen widerspräche, unter denen ich angcstellt ' worden sei. Ich ' erklärte damals, daß i ch nichts von Voraussetzungen wüßte, die mir verböten, bei einem weihevollen und feierlichen Akt in schwarz ausgeschlagenem Saale einem berühmten, Juden eine Gedenkrede zu halten. Es handle hich ja .nicht um eine zionistische Propagandarede, sondern um eine Würdigung Herzls, dem ich persönlich zu Danke verpflichtet war, nur als Menschen und Dichter. Vor zwei Jahren hätte mein Kollege N a b - jb'iner Dr. Esch elb ach er beim Tode Herzls die Trauerrede gehalten, und zwar im Talar als Zkabbiner der -Berliner Gemeinde und ohne gerügt zu werden. Ich wies auch auf die bare Unmöglichkeit einer Absage hin, weil ich mich'dadurch in den Augen aller Welt verächtlich gemacht hätte. Ich hielt die Rede. Am 21. August 1906 durfte ich'mir in üblich er Weise vom Gemeindebureau den einstimmigen Rüffel des Vorstandes abholen. Der Ton war der gewöhnliche: Herr Jacoby warf mir Wortbruch vor. Ich sagte: „Herr Jacoby,' ich habe die Rede mitgebracht, vom Zionismus habe ich nicht gesprochen, ich stelle das Manuskript dem Vorstand Kur Verfügung." Was war die Antwort? „O, es ist nicht nötig, Herr Doktor! Wirsind schonunterrichtet." Der Vorstand hatte also seine Spione Kur Gedenkfeier geschickt, mein Manuskript wies er zurück. „Dieses war der zweite Fall." Bleibt der dritte. (Schluß folgt.) Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Die Vereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit (Dozent: Professor A. Wehl) veranstaltet nächsten Sonntag, abends 8 Uhr beginnend, in der „Alemannia" einen A u f f ü h r u n g s a b e n d, für dessen theatralischen Teil Frl. Thessa Klinkhammer und IH'err Walter Janssen vom hiesigen Schauspielhaus die Regie übernommen haben. Frankfurt a. M., 23. Mai. Wer, wie Schreiber dieses, regelmäßiger Besucher der Veranstaltungen des Vereins „Montefiore" ist, kann sichtlich den beständigen Aufschwung des Vereins konstatieren. Es ist eine Freude, zu sehen, welch lebhaftes Interesse die jungen Leute an den Darbietungen des Vereins nehmen. So erfreute sich auch, der gestrige^Referatabend und gleichzeitig Eröffnungsabend der isommertätigkeit eines sehr starken Besuches. Herr Dr. Gustav Löffler verstand cs — wie immer — mit seinen Ausführungen seine aufmerksamen Zuhörer zu fesseln, was der reiche Beifall bewies. Warmbrunn. Dem 28. Berichte des hiesigen Jüd. Kurhospital entnehmen wir: 7 Männer und.34 Frauen fanden nicht nur unentgeldliche Aufnahme, sondern wurden auch verpflegt und der Bäder, des, ärztlichen Beistandes, sowie der nötigen Medikamente teilhaftig. Reichsgras Friedrich Schaffgotsch hatte wiederum 12 armen jüdischen Badegästen Freibäder bewilligt. Die Einnahmen betrugen Jk 3326.—, die Ausgaben Jk 2822.—. Aus -er zionistischen Bewegung. Frankfurt ä. M. Bei der Kommission für den jüd. Nationalfonds ging ein von: Herrn Jacob Klebe, Fulda, anläßlich seiner Verlobung mit Frl. Sunthcimcr, Nürnberg 20,— Jk Herrn Ferdinand Freudenstein anläßlich der Verlobung seiner Tochter 10,— Jk Zum 17. Jjar 1907; 1 Oelbanm sür Cilli Landauer, Stuttgart 6,— Jk Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Frankfurter Israelitischen Familienblattes gingen für den Nationalfonds ein: Von Herrn B. Bamberger und Frau anstatt Telegramm zur Verlobung von Herrn Siegfried Löwenthal, Frankfurt a. M.' mit Frl. Jenny Feuchtwanger, Fürth, i. Bah. 0,50 Jk Herr S. H. Goldmann gratuliert Herrn Dr. Glückssohn zu seiner Promotion 0,50 Jk Frankfurt a. M. Die Versammlung der Ortsgruppe Ms s r a ch i vom 15. Mai erfreute sich eines guten Besuches. „Die Notwendigkeit des Misrachi" slend als Thema des Abends auf der Tagesordnung Der Referent, Herr Leopold Oppenheimer griff auf die Entstehung des Misrachi zurück, der nicht irgend welchen >Londerungsbestrebungen sein Entstehen verdanke, sondern in der Hauptsache eine kulturelle Ausgabe innerhalb des Zionismus erfüllen wolle, und der erst entstanden ist, als die ehemalige demokratische Fraktion die Kulturfrage auf die Tribüne des Baiser Kongresses brachte. Herzl Hab.; den Misrachi als Gegengewicht gegen die einseitige Bestrebnigcn der Fraktion indirekt ins Leben gerufen. Referent beleuchtet besonders die künstlich geschasscne Gegnerschaft der nichtzionistischen Orthodoxie und beweist das Unberechtigte und Unvernünftige ihres Vorgehens; gerade innerhalb einer nationalen Bewegung ist ans Verständnis für die Traditio» des jüdischen Volkes zu rechnen, denn ein wirklicher nationaler Jude könne unmöglich die Tradition verneinen, da unsere Gesetze ebenso religiös wie national sind. — Dem Referat schloß sich eine sehr angeregte Diskussion an. Köln a. M. In einer von der zionistischen Vereinigung einberufenen jüdischen Bolksv c r s a m in l n n g referierte am verflossenen Donnerstag Herr Rechtsanwalt Dr. Epstein-Duisburg über die Suspendierung des Rabbiners D r. Cohn-Berlin. Ter Redner führte an Hand der veröffentlichten Belege, der Broschüre deS Herrn Dr. Cohn und des Berichtes über die Verhandlung der Repräsentanz der Berliner Gemeinde den Nachweis, daß Herr Dr. Cohn entlassen worden sei 1. weil er als Religionslehrer am Falkegvmnasium einen dort angestelltcn Oberlehrer wegen e.ntisemitisch'en Aeußerungen direkt zur Rede gestellt habe, anstatt „den Instanzenweg einzuhalten", wie es der Mannesmut der Berliner Repräsentanz verlangt, 2. weil er, genau lote sein Amtskollege Dr. Eschelbachcr, der aber dieserhalb nicht gemaßrcgclt wurde, auf den verstorbenen Zionistenführer Theodor Herzl eine Gedenkrede gehalten hat, und 3. well er als Rabbiner der Berliner jüdischen Gemeinde der Ansicht eines christlichen Direktors, daß cs das Beste für das Judentuni sei, wenn cs vollständig, insbesondere durch die Taufe im Christentum anfgehc, eiitgegengetretcn sei. Nach einer ausführlichen Diskussion faßte die Versammlung gegen eine Stimme folgende Resolut r'o n: „Die anr Tonnerstag, den 16. Mai in Köln tagende stark besuchte jüdische Volksversammlung protestiert auf das Schärfste gegen die Handlungsweise des Vorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde im Falle Dr. Cohn. Sie sieht in oer Entlassung des Rabbiners Dr. Cohn einen Beweis schärfster Reaktion und krassester Intoleranz." Budapest. Die zionistische Landeskonferenz, die am 12. ds. Mts. hier tagte, beschloß einstimmig die intensive organisierte Verbreitung der P alä sti na-E sr o gim durch die zionistische Organisation und nahm gegen eine Stimme folgendc'Erklärnng an: „Wenn auch die zionistische Bewegung eine rein politische, kulturelle und soziale Tätigkeit zur Aufgabe hat, an welcher sich jeder Jude, ohne Rücksicht auf seine religiöse Richtung beteiligen kann, darf innerhalb des Zionismus keine Einzelperson oder Organ irgend etwas nnter^, n e h m c'n, was dem gesetzestreuen Inden berechtigten Anlaß geben könnte, sich in seiner religiösen Ueberzeugnng verletzt oder bedroht zü fühleu.", Lemberg, 22. Mai. Dozent Dr. Mahler ist! im Bezirk Trembowla zum Reichsratsabgeordncten gewählt worden. , Warschau. Das «Zentralbureau der zionist. Organisation im Königreich Polen" sandte an die von der Reichsduma eingesetzte „Kommission für Gewissensfreiheit" eine mit 16 287 Unterschriften jüdischer Geschäftsinhaber und Handelsangestellten versehenes Meinorandum, das die Frage der San nt a g s r u h e für die Samstags geschlossenen jüdischen Geschäfte behandelt. Kunst und Literatur. Die bekannte Hebraica- und Jndaica-Sämmlung des Herrn Wolf Oster, Tanten, die unter anderen Inkunabeln und Seltenheiten die größte Sammlung der Hagadah schek Pesach aufzuweisen Hat, ist in den Besitz der Buchhandlung Sänger u. Friedberg, Frankfurt am Main nbergegangen. MeyerssGroßesKonversationslexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste,; gänzlich, neubearbeitete und vermehrte 'Auslage. Mehr als 148000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit inehr als 11000 Abbildungen, Karten und Plänen, sowie 130 Tcxtbeilagen. 20 Bände in H'albleder gebunden zu je 10 Jk oder in Prachtband zu je 12 Jk (Verlag des Biographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Es sind jetzt gerade 50 Jahre, seitdem die erste Auflage des jetzt schlechthin unter dem Namen „Großer Meyer" bekannten Nachschlagewerks des allgemeinen Wissens zu erscheinen begann. Erzielte schon damals das sür die Verhältnisse vollendet durchgeführte Unternehmen des genialen Verlegers, der zum ersten Male in umfassender Weise zur wirksainen Unterstützung des Textes, aber stets im Zusannnenhang mit dem enzyklopädischen Charakter des .Werkes die Illustration heranzog, die staunende, aber gerechte Bewunderung seiner Zeit, so gilt dies Lob in noch ipeit höherem Maße der neuen, sechsten Auflage! in 20 Bänden, deren 16. Band uns soeben zugegangcn ist. Wir zählen in ihm 38 farbige und schwarze Taseln in prächtiger Ausführung, 14 übersichtliche Karten und 10 selbständige Tcxtbeilagen. Wig bei den vorangegangenen Bänden, so wollen wir auch hier wiederum einige Artikel herausgreifen, die uns beim Durchblättern der neuesten Fortsetzung gefesselt haben. Aus Kunst und Literatur nennen lvir „Porzellanmalerei", „Raffael", „Rembrandt", „Renaissance", die monographischen Darstellungen der polnischen, portugiesischen und provenzalischen Literatur und uns den zahlreichen Biographien z. B. die vonPlaten, Pocci, Edgar Allen Poe, Puschkin, Racine, Reuter/. Jean Paul Richter. Den Anspruch, tiach Umfang und Inhalt am bedeutendsten zu sein, darf wohl der 79 Spalten einnehmende Artikel „Preußen" erheben, der mll zahlreichen Karten- und andern Beilagen ausgestattet ist Und Preußens Geschichte bis auf die neueste Zeit in sachgemäßer Weise berücksichtigt. Besonders hervorgehvben mögen auch die übersichtliche Karte der „Rcichstagswahlen" nebst genauem Verzeichnis der letzten Wahlergebnisse und die sür praktische Zwecke jedermann willkommene Beilage „Portotaris und Postgebühren" werden. Krieg oder Frieden? Deutsches Volk — entscheide! Vollsvortrag von Robert L. Berendsohn. 16 Seiten (25 Pfennig) Hamburg, Conrad tz. A. Kloß. Vereins-Kalender. „Montefiore"-Bereiu. Sonntag, den 26. Mai er.: Besichtigung des alten jüdischen Friedhofes am Börneplatz unter Führung des Herrn Dr. Julius Hülsen. Treffpunkt: Börneplatz 9Vs Uhr vormittags. Mittwoch, den 29. Mai, abends 9 Uhr: Diskussions - Abend. Thema: „Shylock". Garten -Schläuche in bewährten Qualitäten liefert Hugo ItattlSChDtl, MM 0. H Telephon 10133. Vilbelerstrasse 34. Telephon 10133. H. J. Graulich älteste Frankfurter Etuisfabrik mit Blotorbetrieb. Telephon 9548. Recbneistrasse 12. Telephon 9548. Spezialität: Einrichtungen in Büffets, Silberschränke, Münzschränke. 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