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Neue jüdische Presse · 1907-05-03 · Heft 17 (3.5.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 17 (3.5.1907)
Date
1907-05-03
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Sranyurter JjraEjthr» FamMrnblan. M. 17, Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a.M. Bei der Nationalfonds- Kommission gingen ein: Julius Obernzenner 50,— Jk Eli Michael 1 Oelbamn auf den Namen feines Sohnes Jacob 6,— „ Erlös aus 16 verkauften Briefmarken 1,70 „ Frau Berta M. 1,50 „ Gebr. Bambergcr 2,25 „ Herzberg 0,80 „ Restaurant Falk 0,40 „ 62,65 Jk Frankfurt a. M. Bei dem „Frankfurter Israel. Famüienblatt" gingen ein: Salh Geis statt Depesche zur Hochzeit Lina Schwarzschild — Dr. med. Saly Rosenbaum 0,30 Jk Familie S. H. Goldmann aus gleicher Veranlassung 0,30 „ Seminarschüler Salkind spendet anläßlich des Antritts seines Bruders Rabbiner Dr. Salkind in Cardiff 1,— „ N. N. 2,- „ Frankfurt a. M. Zu unserem Bettcht über die große zionistische Versammlung, in deren zweiten Teil - Gemeindefragen diskutiert wurden, teilt uns Herr Fritz Sondheimer mit,' daß er den Ausdruck „Machinationen" weder wörtlich noch dem Sinne nach gebraucht hat, also vom Berichterstatter mißverstanden sein muß. Berge« bet Frankfurt a. M. Am Sonntag, den 28. April, fand auf Veranlassung des „Frankfurter Zionistischen Vereins" eine jüdische Volksversammlung in Bergen statt, der ungefähr die Hälfte der dortigen jüdischen Einwohner beiwohnte. Herr Dr. I. Feuchtwanger eröffnet«: mit einigen einleitenden Worten die Versammlung und erteilte Herrn Rechtsanwalt Dr. S. Schwarzschild das. Watt zu dem Thema: Wie ist die Lage der Juden zu verbessern? In formvollendeter Weise entledigte sich der Referent in einstündigem Vorträge seiner Aufgabe und resümierte seine Ausführungen dahin, daß nur durch den Zionismus eine Gesundung und vollständige Heilung des jüdischen Volkslebens zu ermöglichen sei Und empfahl, allen Anwesenden in warmen beredten Worten den Anschluß an die zionistische Organisation. In die Debatte griff mehrmals Herr Lehrer Heinemann aus Bergen ein, der es mit seiner religiösen Ueberzeugung nicht vereinbaren kann, einer Partei beizutteten, die in einem Lande, auf dem der Fluch liege, eine neue jüdische Heimstätte schaffen will. Ihm traten die Herren Dr. Feuchtwanger und Goitein entgegen, die aus einer Reihe von Prophetenstellen überzeugend nachwiesen, wie hoch das Gebot in Palästtna zu arbeiten, einzuschätzen sei. Den Ausführungen dieser Herren, die von dem Referenten und den Herren Hirsch und.Sondheimer wirkungsvoll unterstützt wurden, gelang es, die Beweisgründe des Herrn Lehrer Heinemaun gegen den Zionismus zu entkräften und eine verhältnismäßige große Reihe von Schekelzahlern in Bergen zu gewinnen. Die Versammlung fand erst gegen 11 Ahr ihr Ende. ' ' Berlin. In der Kraft seiner Jahre — noch nicht 50 Jahre alt — ist hier der Schriftsteller und Beamte im russischen Finanzministerium Born ch Brandt, ein .Mitbegründer des ersten zionipischen Vereins in Petersburg, gestorben. 'Ende der 80cr Jahre gründete B. in Petersburg „Das jüdische Volksblatt", das jedoch wieder ein ging. Mitte der 90er Jahre erhielt er, 'der auf dem Gebiete ökonomischer und finanzieller Fragen ein hervorragender Fachmann war, im Finanzministerium Anstellung/ Im Aufträge des Grafen Witte verfaßte er zwei große Werke: „Die ausländischen Kapitalien in stiußland" und „Die Krisen in Rußland und im Ausland". Er war auch Mitglied in dem Petersburger Bureau der Jca. Wie«. Wert der Palästinareisen. Nach den „Mitt. d. zion. Zenttalverein Wien" hatte die nn Juli v. I. von diesem Vereine arrangierte Pälästtnareise, an der 30 Personen teilnahmen, den Erfolg, daß zwei der Teilnehmer gleich, in Palästtna verblieben, um sich dort anzukausen, ein Teilnehmer knüpfte Geschäftsbezkehungen an Und will gleichfalls Land kaufen; drei Teilnehmer zeichneten je einen Anteil am Syndikat n Fr. 1000, und ferner wurden größere Beträge für den Nationalfonbs, Bezalel usw. gegeben. , Wilna. Der bekannte zionistische Führer, Ingenieur Tomkin, bisher Kronrabbiner in Elifabethgrad, ist von der Regierung als Kronrabbiner in Odessa bestätigt worden. Wilna. Hier wird in Kürze eine große jüd Tageszeitung erscheinen. Die Zeitung wird von der zionistischen Organisation gegründet. An der Redigierung der Zeitung nehmen, wie die „L. Post" schlecht, die Mitglieder des zion. Zentralkomitees teil. s Aus der Lehrerwell. Köln a. Rh. Am 4. Mai begeht Herr Salmann, Lehrer an der hiesigen israel. Volksschule und an der Religionsfchule der fsrael. Gemeinde, ein 25jähriges Amtsjubiläum. Ratibor. Die Verwaitungsvehörden der hiesigen Shnagogen-Gemeinde haben. dieser Tage ein Werk der sozialen Fürsorge zu Ende geführt. Es wurde amtlichen Gemeindebcamten das Recht auf Pensions- und Reliktenversorgung nach Maßgabe der für die Provinzialbeamten der Provinz Schlesien geltenden Bestimmungen zugcfprochcn. Seitens der Gemeinde wird ein Pcnsionssonds gebildet, in den die Beamten ährlich 3% ihres Gehaltes eiiizuzahlen haben. Deffa«. Eine Prnfions- und Witwenkasse.für die anhaltischcn isr. Kultusbeamten wird voraussichtlich am 1. Januar 1908 ins Leben treten. Sie soll als sechständige Stiftung mit Liechtsfähigkeit errichtet und bezüglich der Gechüstsfüyrüng an die Cohn-Oppenheim-Stiftung angegliedert werden. Nach den nur nochder landesherrlichen Genehmigung bedürfenden Satzungen sollen zur Mttgliedschaft bei der Kasse alle in fester Diensbtellung befindlichen Beamten der Anhaltischen Israelitischen Gemeinden berechtigt sein. Der Jahresbeittag der Stiftung beträgt 6000 Jk, die Beiträge der Mitglieder 1% des buhegehaltfähigen Diensteinkonnnens. Vorgesehen ist ein Ruhegehalt für die Mitglieder in Höhe von Altt/s % bis 75% des ruhegehaltfähigen Diensteinkommens, wobei als rechnungsmäßige Mindestgrenze dieses Einkommens 1500 Mark und als Höchstgrenze des zu zahlenden Ziuhegehalts 3500 Jk festgesetzt sind. Außerdem ist ein Witwengehalt in die Versicherung mit einbegriffen, während aus Gründen einer gesichetten Leistungsfähigkett der Kasse von einer Waisenversicherung hat Abstand genommen werden müssen. Prag. Verband der israel. Religtonsleyrer an den Mittelschulen Böhmens. In der am 21. v. M. abgehaltenen konstituierenden Versammlung unter Vorsitz Rabbiner S. Knöpfelmach er' s erstattete nach Begrüßung der Erschienenen Prof. Dr. Kisch Bericht über die Vorarbeiten zur Gründung dieses Vereins und die im Interesse der Besserung der Lage der isr. Religionslehrer an den Mittelschulen- Böhmens bereits übernommenen Schritte. Aus seinem weitereil Berichte ist zu enttiehmen, daß mit ganz geringer Ausnahme alle an Mittelschulen wirkenden Religionslehrer Böhmens sich als Mitglieder angemeldet haben. Die vorgelesenen Vereinsstatuten werden unverändert angenommen. Referent begründet ferner die Notwendigkeit der Herausgabe eines besonderen Fach-, organes, und auch, dessen Realisierung wird dein künftigen Ausschüße dringend aufgettagen. Die hierauf erfolgte Wahl des Ausschußes ergab folgendes Resultat: Rabb. S. Knöpfe lmachcr, Obmann, Prof. Dr. Kisch, Obmann-Stellvertreter, Prof. Dr. Hirsch, Kassier, Dr. A. Deutsch, Schriftführer, Prof. Dr. R. Grün, Dr. Brett aus Klattau, Dr. Thiebergcr, Bubweis, Dr. G. Weiner, Dr. I. Ziegler, Karlsbad. Zu Ersatzmänueru wurden gewählt: Robb. F. K n ö p felmach e r, Prag und Rabb. Dr. P r o ß n i tz , Eger. London. Nach 42jähnger Tättgkeit als Dsiektor des Jcw's College tritt Dr. Michael F riedländer in den Ruhestand. Friedländer ist 1833 in Posen geboren. Von ihnr sind u. a. erschienen: „The Jewish Religion" und ,Iche Text Book of the Jewish Religion". Der Nachfolger Friedländer's wird Dr. Adolf Büch ler. Aus Le« Vereinen. Frankfurt a. M. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. In einer geschlossenen Mitglrederversammluiig referierte am Samstag Avend, unter Vorsitz von Stadttat Flinsch, Herr Mor. A. L o e b über „D i e l e tz t e n R e i ch s t a g swablcn und ihre Lehren für die Zukunft". Er gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß das Anwachsen der anttsemitischen Mandate — wenn man es auch nicht gleicherweise als ein Anwamsen der antisemitischen Anschauungen im Volke betrachten könne, — doch weniger optimistisch aufgefaßt werden dürfe, als dies seines Erachtens auf der letzten Generalversammlung in Berlin geschehen sei. In seinen durchweg sachlichen Darlegungen führte er mis, daß jene. Zunahme weder durch das Verhalten der jüdischen Bevölkerung in den für das Arbeitsgebiet des Frankfurter Büros in Frage kommenden Wahlkreise, noch durch eine besondere zugkräftige Umgestaltung des antisemetischen Programms,- oder gar durch düs Auftreten neuer hervorragender Persönlichkenen zu erklären sei. Als charakteristische hob er r.oco die vielfach festgelegte Tatsache hervor, daß die anttsemitischen Kandidaten unter , allen möglichen Verkleidungen — insbesondere in den ländlichen Bezirken — um 'die Stimmen buhlten. Die bislang mehr negottve Tätigkeit des Vereins erscheint dem Redner nicht ausreichend, obgleich er den-Frankfurter Vorstandsmitgliedern die Anerkennung für die in langen Fahren geleistete Arbeit ausspricht. — Das zrffcrmößig zwar nicht, bedeutende Anwachsen der anttsemitischen Mandate bilde immerhin, in Verbindung mit den Parteien, die antisemitischen Tendenzrn unleugenbar huldigen, eine nicht zu unterschätzende Gefahr. — Die Vorschläge des Referenten. gipfeln darin, daß all die Wahlkreise, in denen in absehbarer Zeit ein Erfolg zu gewärtigen ist, schon in. den stillen Zeiten durch aufklärende Arbeit, durch alle zulässigen, geeigneten Mittel in Angriff ge- »oniincn werden müßten. — Den Ausführungen des Redners folgte eine längere Diskussion, an der sich Mitglieder des Vereins lebhaft beteiligten. Vom Vorstande sprachen »och die Herren Justizrat Dr. Fester und Charles Hallgarten. Herr Dr. Fester schlug u. A. die Schaffung eines besonderen Arbeits-Ausschusses vor, zu dem auch jüngere Kräfte herangezogeu werden ollen. Herr Hallgartcn machte einige erläuternde Mitteilungen, ganz besonders auch über den Verlauf der Generalversammlung und über andere zum Teil mehr interne Verhandlungen. Nachdem dann noch Herr Stadttat Flinsch einiges über seine Erfahrungen mit rednerischen Kräften sagte und, unabhängig von seinem eigenen Parteistandpunkte, Krittk an dem Verhalten der Parteien im Lande übte, schloß er die Versammlung. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Sehr geehrter Herr Redakteur! In dem Sprechsaal der letzten Nummer Ihrer geschätzten Zeitung beschwert sich „Ein Vater"- .über den Jndifferentismus der jüdischen jungen. Leute in Hinblick auf die Benutzung der hiesigen Fortbildungs-Gelegenheiten. Er führte u. a. als Beweis an, daß der „Montefiore" - Verein sich genötigt gesehen habe, mehrere Kurse mangels Beteiligung wieder auszugeben. Wir stellen dieser Behauptung gegenüber fest, daß unsere sämtliche Kurse und Lehrgänge nicht nur regelmäßig durchgeführt, sondern auch vom Anfang bis zum Ende gut besuchtwurden. Wir bemerken bei' dieser Gelegenheit, daß jetzt bereits mehr als 50 Anmeldungen für die während der Sommer- Monate geplanten fremdsprachlichen ' Unterrichts- Stunden eingelaufen sind, ohne, daß eine offizielle Aufforderung zur Anmeldung bisher ergangen ist. . Was die Zeitfrage bei der Festsetzung des Unterrichts-Planes betrifft, so verkennen wir keineswegs» daß die Abendstunden nach 9 Uhr durchaus nicht als für Lehrzwecke sehr geeignet anzusehen sind. Wir haben aus diesem Grunde auch seit Einführung der allgemeinen Sonntagsruhe die Sonntags-Vormittags-Stunden in Anspruch genommen. Wir werden auch nach wie vor dieser wichtigen Frage unsere Aufmerksamkeit zuwende», glauben jedoch, nicht, .daß der Vorschlag des Herrn Einsenders mit Aussicht auf Erfolg durchzuführen ist. Hochachtungsvoll Der Vorstand des „Montefiore" - Vereins. I. A-: Felix Meyer, 1. Vorsitzender. Kunst und Literatur. . Frankfurt a. M. Die Kunstfirma L. S ch am es "bringt eine 'Anzahl Bilder des weit bekannten jüdr,chen Künstlers L. Pilchowski aus gkußland, ein Schüler Konstants, zur Ausstellung. Es ist nicht unsere Absicht, hier eine richtige Wertschätzung des Meisters, die besondern Merkniale seines großen Talentes zu zeichnen; was wir wollen, ist, über einige besonders hervorstechende Stücke der ausgestellten Bilder, des Meisters einiges zu sagen. 'Herr Pilchowski ist vor allem ein jüdischer Künstler, und als echter Sohn seines Volkes .besitzt er dessen tiefen Ernst, dessen Gedanken und Gefühlstiese. Aber auch die Motive, dir er für seine Arbeite» wählt, sind jüdische, so das wunderschöne Bild „Freudczcit", das ein Sukkot-Gebet in der Synagoge wahrend des Betens mit den Esraugim und Lulowim in der Hand veranschaulicht, so das vorzügliche Bild: „Auf dem Wege des Exils", das das Elend sehr ergreifend zum Ausdruck bringt. Das Technische wie das Seelische hat der Meister höchst originell in der Gewalt. Wir empfehle» Freunden der Kunst dringend einen Besuch der Ausstellung, die nur noch kurze Zeit währt. Der Kampf zwischen Judentum und Christentum in den drei ersten christlichenJahrhünderten von Dr. Ignaz Ziegler, Rabbiner in Karlsbad. Berlin, M. Poppelauer, 94 S. 1907. Preis Jk 2. Vorliegende Broschüre verfolgt die Tendenz Aufklärung zu geben über die Entstehenszeit des Christentums und namentlich die jüdische Auffassung über das Verhältnis zwischen Judentum und Christentum in den ersten Jahrhunderten des Christentums festzulegen. Man muß zugeben, daß diese Aufgabe als eine durchaus zeitgemäße erscheinen muß, in einer Gegenwart, . in welcher religions - geschichtlichen Fragen allenthalben ein erhöhteres Interesse dargebracht wird und wo die Schriften christlicher Theologen, wie Harnacks „Wesen des Christentums" eine so weite 'Verbreitung, namentlich auch 'in jüdischen Kreisen gefunden haben. Es ist durch dieselben eine neue Art jüdischen Renegatentums entstanden, die ihren Abfall nicht, mehr mit-gesellschaftlichen , oder

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