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Neue jüdische Presse · 1907-05-03 · Heft 17 (3.5.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 17 (3.5.1907)
Date
1907-05-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. Würzburg. Am 26. April wurde Frau E l k a Oppenheimer, geb. Nußbaum, zur Kewure gebracht. Die Verlebte war eine wahrhaft fromme Jüdin, stets bereit, Werke der Nächstenliebe zu verrichten. Die starke Beteiligung bei der Beerdigung ließ die große Beliebtheit, deren sich die Verstorbene zu erfreuen hatte, erkennen. Mönche«. Kunstantiquar Jacques Rosenr h a l, der erst kürzlich den Kronenorden 4. Klasse erhielt, wurde wegen seiner Verdienste um die wissenschaftlichen Anstalten Frankreichs mit dem P a l m e s d'Ossicicr d'Academie ausgezeichnet. Posen. Bankdirektor Naphtaly Hamburger erhielt den Titel Kommerzienrat. Wien. Am 27. ds. Mts. feierte Herr David Horw; tz, Sohn des verewigten Oberrabbiners der Stabt Wien Lazar Horlvitz, seinen SO. Geburtstag. Budapest. Herr Samuel Hoff mann de Wag-Ojhely, Teilhaber der Firma S. u. W. Hoffmann, welche Firma zu der Entwickelung der ungarischen Schiffahrt und des ungarischen Orienthandels beträchtlich beitrug, ist der Titel eines Kgl. Ungar. Hofrates verliehen worden. Czernowitz. Regierungsrat Dr Eduard Reis, Offizier des Franz Josef-Ordens, Bürgermeister der Landeshauptstadt Czernowitz, Landes^ und Gerichtsadvckut, ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Reis, der Sohn eines Czernowitzer Arztes, hat seine hohe Stellung infolge seiner außergewöhnlich großen Arbeitskraft und seines lauteren Charakters erreicht. .Die jüdikckie Gemeinde beschloß Einstimmig die Tragung der Kosten für die Beerdigung und die Errichtung einer Ehrengruft. Eine Tochter des Verstorbenen ist mit dem russischen Staatsrat Daniel von Poliakoff verehelicht. Basel. Ihren 90. Geburtstag feierte am 28. ds. Mts. die aus Hegenheim stammende und seit 80 Jahren in Basel wohnende Frau S o r i Bloch, Witwe des Herrn David Bloch s. A. Brüssel. Generalkonsul Franz Philippson erhielt das Offiziers kr c u z des Leopoldordens. Ls du Cassel wurde zum italienischen Generalkonsul ernamit. New-Aork, Der Professor der Columbia-Universität Felix Adler, der 1908 als Nachfolger Professor Durgeß' an der Berliner Universität Vorlesungen halten soll, ist der Sohn des verstorbenen Rabbiners der hiesige» Tcmple-Emanucl-Gemeiube und hat die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin besucht. 01 leuiüßfon. 0 Oft mb West. <&ittetibUbez aus bem Ende des 19. Jahrhunderts von Jacob Levy. (Fortsetzung.) Als sich die Gäste entfernt hatten, brach Karl los: „Ich begreife nicht, weshalb dieser Brandes überhaupt zu uns kommt, er stört uns ja. Was geht es ihn an, wenn ich mich taufen lasse! Ich werde ihn nächstens ignorieren." Betty erwiderte entrüstet: „Schäme Dich, .mit Deiner Gesinnungslosigkeit auch noch zu prahlen. Wenn Du auf uns keine Rücksicht nimmst, so lege Dir doch bei fremden Leute» "Zügel an." Er lachte. „Schwesterchen, Du bekehrst mich nicht, das ist nicht modern. Gib Dir keine Mühe, ich bin doch verloren." Der Vater wandte sich' mißmutig zu Karl. „Weiß der Kuckuck, weshalb ich gerade durch Dich so viel Unangenehmes — ja, komme morgen auf mein Privatbnreau, ich habe mit Dir zu reden. Gute Nacht." Andern morgens begab sich Karl zu seinem Vater. „Papa, Du hast mir etwas zu sagen?" Herr Werner ging im Zinimer auf und ab und begann dann mit gezwungener Ruhe: „Die ganze Welt weiß, daß Du mit einer galizischen Bettlerin verlobt bist. Weshalb teilst Du dies freudige Ereignis Deinen Eltern nicht mit?" Karl lachte verlegen auf. „JL begreife Deinen Schmerz nicht, Papa. Wie kannst Du. solch elende Klatschereien glauben?" „Ein Freund von mir ließ Deinen zukünftigen Schwiegervater, Strohscssel, auf meine Bitte hin zu sich bescheiden. Er fragte ihn in incincr Gegenwart a!>.s. Nach kurzem Zögern erzählte er uns von dem Glück, daß seine Tochter mit Dir, ihrem reichen Bräutigam, gemacht habe." Er Tonnte seinen Zorn nicht mehr unterdrücken und schrie: „Schämst Du Dich nicht, unfern Namen Frankfurter Israelitisches FamNenölatt. so in den Kot zu zerren, denkst Du nicht an Deine Zukunft?" „Aber Papa", stotterte Karl, der nicht mehr zu leugnen wagte, „cs ist ja sticht so schlimm, der Alte übertreibt eben schändlich." „Hast Du denn dem Mädchen keine ernsthaften Versprechungen gemacht, bist Du nicht gebunden? Sage aber die volle Wahrheit!" „Jkrin Papa," antwortete er mit frivolein Lächeln, „beruhige Dich, unser Verhältnis ist ein ganz unschuldiges. Ob ich ihr clivas versprochen habe, na, unter Umständen sagt man vieles, aber ich dachte niemals cur eine ernsthafte Verbindung." „Hat sie jemals 'Geld von Dir genommen?" Karl, der im Grunde froh war, sich mit seinem Vater über das ihm lästig werdende Verhältnis aussprechen zu können, sagte eilfertig: „Erheblich. Mein ganzes Taschengeld ist drauf gegangen und noch mehr. Doch — bas werde ich Dir anvertrauen, wenn Du besserer Laune bist." Herr Werner erhob sich. „Mache mit dieser unwürdigen Geschichte ein Ende. Wenn ich dafür ein Opfer bringe» miiß, so wird's geschehen." „Papa, ich verspreche Dir, die Sache abzubrechen —, aber —" Sein Barer ging an den Geldschrank und gab ihm ciniac Scheine. „Das wird wohl genügen " Karl sagte, froh überrascht, so gelinde davon' zu kommen, „gewiß Papa. Nun sei beruhigt, ich gebe Dir mein Ehrenwort, das; die Angelegenheit ihr Ende erreicht hat/ Und er entfernte sich vergnügt mit seinen Kassenscheinen. Kapitel 7. Abends traf er die Gitel Strohsessel an der verabredeten Stelle. Das Mädchen sah in dein einfachen Kostüm, das sic auf das Vorteilhafteste zur Geltung brachte, verfühcrisch schön aus. Es hing sich an seinen Arm. „Komm' Gita, wir fahren in's Waldhaus." Er winkte einem Wagen und nach einer halben Stunde waren sie dort, einem iiunitten eines Parkes gelegenen beliebten Konzertlokal. Karl war ungeduldig. Nach kurzer Zeit sagte er: „Gita, der Lärm macht mir Kopfschmerzen, wir ivolleu souvircn gehn." Das Mädchen sah ihn knit eigcntümlichein Blicke an, erwiderte aber nichts, sondern folgte ihm in cin kleineres Speisezinimer, wo sie die einzigen Gäste waren. Gitel, das Mädchen aus dem Volke, legte ungeniert ihr Jackett ab. Karl sah sic mit heißen Blicken an. Er umschlang sie und drückte ihr heiße Küsse aus den Mund. „Geh' Karl, laß doch." „Gita", stammelte er, „Du bist so schön," und preßte sie heftig an sich. Sie wehrte sich ernstlich. „Karl, ich gehe nicht mcbr mit Dir, wenn Du nicht vernünftig bist." „Gita, lasse mich nicht schmachten!" Sie gab ihm einen Stoß, daß ör zurücktanniclte. „Schäme Dich, ist das Deine Achtung?" Er stand langsam auf. „Die Achtung vor Dir habe ich verloren, seitdem ich jedes Rendezvous bezahlen muß. Und da Dein zimperliches Wesen schlecht dazu paßt, werden wir uns trennen. Wir sind doch nicht so fest aneinandergekettet, wie Dein Vater dem Weinigen glauben machen wollte." Sic stand da mit fahlem Gesicht, da sie die Beute, deren sie sich so sicher glaubte, nun entschlüpfen sah: — Dann wurde die Furie in ihr wach. „Du gibst mir den Abschied, nachdem Du mir L'cbc geheuchelt und mir die Ehe versprochen hast!" „Närrchen, Du weißt, das; ich Dich nicht heiraten kann, denn ich hänge ganz von meinem Vater ab, und Dein sprödes Wesen hat die Liebe ganz in mir ausgelöscht. Nimm diese kleine Erinnerung an inich — und nun lebe wohl; es ist für uns beide besser, wenn wir uns nicht mehr Wiedersehen." Er gab ihr die Kassenscheine. Sie. las in seine» Augen den unbeugsamen Entschluß und zischte: „Ich nehme das Geld für meine Eltern. Sic aber sind rin. ganz erbärmliches Subjekt, dem ich nur als Spielzeug dienen sollte." > _ Nr. 17. Sie nahm ihr Jackett und verließ das Zimmer. Er aber setzte sich wieder, schenkte sich ein Glas Wein ein und freute sichdaß diese Episode so glimpflich verlaufen war. Das Mädchen aber eilte heim. Es warf die Banknoten ans den Tisch. „Hier, das ist das Ende, ich sehe Karl Werner nicht mehr." ' „Aha", eiferte die Mutter, „ich sagte Dir immer, daß die Sache nicht von Bestand sein wird. Du hättest klüger sein und ihm mehr abnehmen sollen." „Mutter, ich war klug genug, um mich nicht bet; »gen zu lasse», — und weil er dies endlich ein sah. riß er sich von mir los." Der Vater, der im "Grunde immer noch einen Rest Ehrgefühl chatte, sagte: „Du hast recht getan, Gitel," aber die Mutter rief: „Das ist alles gut, aber wir werden sein Geld vermissen. Was sollen wir jetzt tun?" Das Mädchen lachte auf. „Ich werde. wieder arbeiten, wie früher und schließlich "den Zuschneider von Levinsky heiraten. Der Mensch ist tüchtig, und ich bin mit ihm versorgt. Er hat mir noch gestern einen Antrag gemacht. Ihr Beide werdet schon durchkommen." "Der Vater bemerkte nun doch mißmutig: „Und ich muß mich am arbeiten halten. Mit all' dem Schuhflicken verdiene ich den ganzen Tag nicht soviel, als wenn jch einen; reichen Mann ein Luach verkaufe. — Was geht überhaupt den Reb Brandes an, was ich tue," schrie er, in Wut geratend, „wir haben so vergnügt gelebt." Die Frau sagte: „Jch werde zum Rebben gehn und ihm vorstelleu, Du verdienest nicht genug, weil Du nicht den ganzen Tag arbeiten kannst. — Wenn er uns nicht auskömmlich Brot geben kann, soll er uns in Ruhe lassen."- Die Auseinandersetzung mit Reb Brandes war leichter, als Frau Strohsessel sich gedacht hatte. Der Rabbi war schon längst davon abgekommen, das Ehrgefühl bei älteren Leute» zu ivecken. Er bestrebte sich nur, ihnen cin regeln;äßiges Einkonnneu, wenn auch nicht als Handwerker, zu schaffen, das sie aver immerhin durch eine Gegenleistung verdienen n;ns;ten. Und da die alten Leute den Sorgen um das tägliche Brot enthoben waren, hörte das Schnorre» bei ihnen von selbst ans, sie gründeten sogar unter sich einen Verein zur Unterstützung ihrer durchziehenden ar;nen Landsleute. Strohsessel erhielt nun den Auftrag, die Beiträge für das Komitee beizuholen, Briefe, Quittungen sortzutragen, er ivurde bei der Mazzvthbäckere; angcstellt, kurz, er war keinen Tag ohne Beschäftigung, — und schließlich war er stolz darauf, vorzugsweise von Reb Brandes in Anspruch genommen zu werden. (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich Quelle '— Offenbach a. I. —— Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Wochev-Kalender. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 4. Mai (= 20. Ijar): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 15 Min Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 35 Min., in Berlin 8 Uhr 23 Min. Wochenabschnitt Emaur. Wir hören zunächst von Pricstcrgesctzen. Der gewöhnliche Priester darf sich an sieben der nächsten Verwandten „verunreinigen", d. h. sie als Leichen berühre»., Der hohe Priester selbst an diesen nahen Verwandten nicht. Nur cin jungfräuliches Mädchen darf letzterer ehelichen, keine Witwe. Keinerlei Körperverletzung wegen eines Toten inachen. Lehre daraus: Israels Priester gehören voll und ganz den; Leben an! — Leibesfehler tan; Auge, Fuß, an der Hand usw.) Ivcrden ai;fgezählt, welche den Priester untauglich, machen zun; hl. Dienste. Auch Tum oh oder Unreinheit schließt von; Genuß hl. Opfcrgabcn aus. Kein Nicht-Priester genieße heilige Heben und Gaben, ausgenommen des' Priesters Frau, Kinder und Knechte. Jedoch auch diese unter gewissen Ulnständcn nicht. — Es werden diverse Leibesfehler an Tieren genannt, die letztere ausschließcn von der Verwendung als Opfer. Neugeborenes darf erst nach achttägigen; Alter geopfert werden. — Es folgen Abhandlungen über sämtliche Hauptseste: Rainen, Bedeutung, Datum des Festes, Festopfcr. (Korp. 23.) Dieser Abschnitt ist Vorlesung an verschiedenen Feiertagen. Schließlich hören wir vom goldenen Leuchter, der mit reinstem Oliven-

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