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Neue jüdische Presse · 1907-04-26 · Heft 16 (26.4.1907) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 16 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 16. ' Seite 11. hause —, sie tragen Unterkleid, Hose und ein wie eine Toga umschlungenes Tuch. Sie haben die Einehe, sind sehr sittlich und führen ein inniges Familienleben. Bis znm 11. Jahre erhalte» -die Kinder Unterricht. Die Falaschas sind fast die einzigen Hand- Werker des Landes und ebenso fast die einzigen Fabrikanten von .Waffen. Sie betreiben auch Ackerbau. Jedes Dorf hat einen Häuptling und Aelteste als Richter. Klassenunterschiede kennt man nicht. Die Rabbiner und die Gelehrten erhalten für ihre Tätigkeit keinerlei Entschädigung, sondern leben von ihrem Handwerk und geben den anderen durch ihre Arbeit ein wertvolles Beispiel. Me hebräische Sprache haben die Falaschas — sie dürften etwa zur Zeit der Zerstörung des ersten Tempels, vielleicht auch noch früher infolge der Einfälle der Syrier aus Palästina 'ansgewandcrt sein — vergessen. Die Bibel, bei der das Buch Esther fehlt, haben sie nur in äthiopischer Sprache. Die Synagogen sind >vie ihre Hütten gebaut. Jeden Samstag haben sie Gottesdienst. Sie enthalten sich am Sabbat jeglicher Arbeit und verbringen ihn im Haus und Synagoge mit Gebeten, Gesängen usw. Die Festtage feiern sie wie wir, doch Chanuka und Purim kennen sie nicht. Am Pesach wird ein Passahlamm dargebracht. Weihrauch kesscl ans der Zeit, in der die Falaschas noch opferten, sind noch heute vorhanden. Bris-Miloh u. Pidjon-Ha-Bcn haben sie wie wir, ebenso Mikwoh. Blut genießen sie selbstverständlich, nicht, gerade so wie wir. Fern von Spiritismus und Mystieismus, stehen die Falaschas fest im Leben und lieben das Leben. Friedlich verkehren sie initeinander und bestreben sich, ihr Leben so viel als möglich zu verlängern. Langes Leben ist ein Lohn Gottes, den Tod begehren sie nicht. Pessimismus und Verzweiflung ist ihnen unbekannt. Mit Spekulation über das Jenseits quälen sic sich nicht ab. Das Leben mit seiner Arbeit und seiner Wohltat scheint ihnen allein der Beachtung wert. Eine Sehnsucht haben sie, das ist die Sehnsucht nach Zion. Der Bortrag wurde von zahlreichen Lichtbildern begleitet. Frankfurt a. M., 25. April. Der Verein f ü r j ü d i s ch e G e s ch i dj t c u u b ü i t e r a t » r hielt gestern unter Leitung seines Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Jacob Horovitz, seine Genera l- Versammlung ab. Der Bericht verzeichnet einen Bestand von 260 Mitgliedern, eine Einnahme von Mk. 1098 an Mitgliederbeiträgen und Mk. 102,88 an Geschenken und eine Ansgabe voll Mk. 770 an Honoraren, Mk. 285 an Briete ilnd Mk. 98,38 an Drucksachen und Portis. — In einer längeren Disti'.fsion werden Vorschläge bezüglich Propaganda geniachl. — Der Vorstand wird wiedergewühlt. Erarnikau, 23. Avril. Im Verein kür jüdische Geschichte und Literatur hielt am 17. d. M. Herr Dr. med. Blöde- Nürnberg, einen zionistischen Vortrag, nachdem er einen solchen bereits im März hier gehalten halte. Der verehrte Redner sprach in so überzeugender Weise, daß noch am selben Abend sich hier eine z io nistische Ortsgruppe gebildet hat. Zum Vorsitzenden des Vereins ist der erste Vorsteher der Synagogen-Gemeinde gewählt loordcn, ivas ' zu der Annahme berechtigt, daß der Verein gute Fortschritte machen lvird. _ M. G. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Das Deutsche Bureau d e s Jüdische» Na t i o » a l f o n d s ('Adresse: Breslau, VI, Königsplatz 36) ersucht uns um Veröffentlichung folgenden Ausrufes: »Mesinnnngsgenossen! Die Palästina - Commission weist auf die beschämende Tatsache hin, daß für das geplante lebende Denkmal für unfern große» Führer, für bctt Herzl - Wald noch an 8o00 Bäume fehlen. Die bisher vorhandenen 1500 Bäume sind zumeist von der deutschen Landniannschaft gestiftcr worden, während die Zionisten aus anderen Ländern sehr im Rückstände geblieben sind. Am 20. Tammus, dem 2. Juli werden 3 Jahre verflossen sein, seit unser Führer von uns ging. Ist cs zu viel verlangt, daß an diesem Tage die 10,000 Bäume zu seinem Gedenken beisainilien sein sollten'? Wenn nur jede zionistische Familie einen Bau»« aus Anlaß der Jahrzeit Theodor Hcrzl's pflanzen ließe, so würden schon viel mehr als 10,000 'Bäume zusammen kommen. Frmüfwcter Israelitischer Familiensinn. Also wohlan! Aber daß es zur rechten Zeit beendet sei, daß mir am Jahrzeittage auch schon den Ausweis über die letzten dieser Bäume in unseren Blättern finden, feien die Gesinnungsgenossen schon jetzt darauf bedacht, ein jeder den andern zu dieser kleinen Ehrenpflicht anzuhalten. Am Geburtstage Hcrzl's, am 2. Mai, setze die Arbeit dasür ein, und am Jahrzeittagc sei sie beendet." Frankfurt a. M. Bei der Nationalfonds- Kommission der Frist. Zion. Vereinigung gingen ein: Zur Eintragung von Leo M. Michael, Hamburg, Baruch 'u. Malti Stern 2,— JL Hermann Wronker als Jahresbeitrag '20,— JL Ein Oelbaum für Frl. Helene Rosenberger 6,— JL Samuel Rosenthal 4,— JL Dr.W. 5,— JL Benni Seligmann 3,— JL Frau Bertha Cassel 3,— JL Saalbuchse, bei Versammlung Kausm. Verein 9,78 Gebr. Str.. __ 3,13 JL. Herr B. Stern 1,34 JL Herr I. .Hackenbroch 4.70 JL Herr Tust. I. R. 2,— JL Herr Schwarzschild in Schlüchtern 1,60 JL Herr A. Levisohn 2,05 JL Herr F. Ehrmann 1,84 JL Herr Goldmann 7,— M. Frau D. Rosenberger 2,20 JL Herr H. L. Lipi 2,85 JL Herr L. Janzon 2,50 JL Frau I. Speyer 1,— JL Herr Steigerwald 5,— JL Sa. 89,99 JL Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Frist. Jsr. Familienbl. gingen sür den Nationalfonds ciji: Familie S. H. Goldmann lind Saly Geis gratulierten Ingenieur Feingold, Warschau zur Verlobung 1,— JL Selmar Geis gratuliert Ingenieur Feingold, Warschau zur Verlobung 0,50 M E. Lieferant statt Telegramm zur Hochzeit Dr. Jsserlin, Soden, mit Frl. Beer^ Berlin 1,— JL Familie S. H. Goldmann kondoliert Dr. Bondi znm Ableben seines Vaters 0,50 JL Frankfurt a.M. Zionist. Bereinigung. Da nach Beschluß der letzten Generalversammlung bas Geschäftsjahr nicht niehr wie bisher am 1. Oktober, sondern am 1. 'April schließt, so wurde gestern die ordentliche Generalversammlung ab gehalten. Der Bericht des Vorsitzenden, Herrn Fritz Sondheimer, gab einerseits von einer sehr energischen Tätigkeit des Vorstandes, andererseits von einer ganz ^beträchtlichen Ausbreitung des Vereins Kenntnis. Sind doch im vergangenen Halbjahre JL 3676 eingenommen worden, JL 700 mehr wie in dem ganzen vorhergehenden Jahre! Allein die Einnahmen sür den Rationalfonds betrugen JL 1011' während sie sich im ganzen Vorjahre nur ans Mark 970 beliefen! Der Vorsitzende schloß seinen sehr ausführlichen Bericht mit der Mitteilung, daß Präsident Wolfsohn jüngst in Galiläa ein großes Stück Land gekauft habe; also nichl nur der lokale Zionismus, sondern auch die zionistische Bewegung zeige eine hoffnungsvolle Situation. Anschließend an den Bericht entwickelte sich eine angeregte, lange Diskussion über zionistische Politik in Geineindesacheii. Es sprachen: Dr. Hanauer, Janson, Sondheimer, Goitein, Levigard, Hirsch n. Geis. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der Herren: Fritz Sondheimer (1. Vorsitzender), Dr. med. Fe u cht w a n g e r, Hackenbroch, Gotte in und Stern und die Neuwahl der Herren: Levigard und Assessor Dr. jur. -schwarz- I ch i l d. Frankfurt a. M. (Scküuß). Der. zweite Teil der großen zionistischen Versa m in lüng von voriger Woche war dem Proteste gegen das Bauen der Synagoge und des Philanthropins am Sabbat seitens der Hanvtgemeinde gewidmet. — Als erster Referent sprach Herr Fritz Sondheimer. Redner meint, gegen den Geist, der in der Verwaltung der Gemeinde herrscht, muß ein jeder Jude, dem noch etwas jüdisches Gefühl inne wohnt, auf das schärfste proce,liereir. Geht doch der. ganze Zug dahin, eine Verchristlichnng herbeizusühren. Das spezifisch Jüdische — sowohl religiöser wie nationaler Natur — ist beseitigt, mit den jüdischen Heiligtümern ist es dahin, d',e Zionsgebete sind aus den Gebetbüchern gestrichen» die hebräische Sprache aus Haus, Schule und Synagoge verbannt, also sowohl mit der Vergangenheils» wie mir'der Zukunft hat man gebrochen. Und trotzelledem hat man den Mut, als Führer einer jüdischen Gemeinde auszutreten. Die berechtigten Forderungen der jüdisch Fühlenden und jüdisch Denkenden werden verweigert, man verletzt und kränkt Tausende. Das alles kann nur geschehen, wenn man amtiert ohne gewühlt zu iverde». Nur auf Grund eines ungerechten undemokratischcn Wablmodus und auf Grund von Machinationen, wie politischer Selbstenthauptung durch Unterstützung bedürftiger Gemeindemitglieder, können sich solche Männer behaupten. Allein ein solcher Zustand muß aufhören, die in die Tausenden zählenden Mitglieder der Gcnrcinde, die mit diesem Regiment unzufrieden sind, müssen mit dem Stimmzettel in der Hand ein anderes Wahlsystem sür den Vorstand erkämpfen. — Herr Levigard ist der Ansicht, daß das Philantropin keine jüdische Schule ist. Das Judentum ist gänzlich daraus verbannt. Die Lehrer dürfen den Sabbath öffentlich entweihen, der Religionsunterricht steht mit allem wirklich Jüdischen auf dem Kriegsfuß. Es muß dasür gesorgt'werden, daß nicht länger vergeblich gegen das System der Schute protestiert wird, indem man die Hille der Regierung anrust. — Dem Protest der Vorredner tritt Herr Weinberg bei. Aus -er Geschäftswelt. . Liebste Freundin! Deine Verwunderung über mein eigenartiges Verlobnngsgeschenk kann ich mir lebhaft denken. Ist auch zu komisch, ein Kochbuch zum Geschenk» jedoch dieses wirkt Wunder! Du weißt doch wie unerfahren ich in der Haushaltung war, es hat mir treu chen Weg gezeigt, eine tüchtige Hausfan zu werden, denn es gibt nicht nur Anleitung über Kochen, sondern auch Unterweisung im Koschermachen, Tisch decken, servieren» usw. Na, Du wirst ja sehen. Auch Dir soll es die Liebe Deines Zukünftigen rechi glühend erhalten Helsen, denn Du weißt doch: „daß MAnncriieb meist durch den 'Magen, höchst selten nur durch .Herzen gehr." Dies Buch wird Dir den Weg schon weisen und treu Tir ein Berater sein, wie Du mit feinen Lieblingsspeisen Dich ihm kochst tief ins Herz hinein. Also, liebe Freundin ninim dieses Goidkochbuch von der Frau Ww. Gumprich, welche bei Kaufmann & Co. in Trier» in ganz kurzer Zeit schon in der 4. Auflage erschienen ist und lerne recht viel daraus. Herzliche Grüße Deine Freundin R. Vereins - Kalender. Verein Mekor-Chajim. Lehrplan für das S o m m e r s e m e st e r. Gemara: Sonntag Morgen 9 Uhr und Dienstag Morgen Uhr, Herr Rabb.-Aff. G. Posen. Mischnah: L-onntag Morgen t * i Uhr und Mittwoch 'Abend S3,i Uhr, Herr Rektor B. Falk. Mikro: Lamstag Nachmittag 4 Uhr, Mitglieder- Vvrtrag. Schulchan Arnch: Samstag Vormittag nach Schluß der Synagoge schützenstraße, wenn weder Predigt noch Vortrag im Hörsaale stattsindet, Herr Rektor B. Falk. Elementar - Kursus in Chumesch, Tefilloh und Dinim: Samstag Vormittag 1t Uhr, Herr H. Einstädter. — Gäste sind willkommen. — Das Lesezimmer ist geösfnet: Samstag Vorm. 9—1 Uhr, Nachm. 3—-8 Uhr, sonntag Vorm. 8—12 Uhr. Wegen Entleihung von Büchern beliebe man sich Sonntag Morgen nach dem Schiur an den Bibliothekar zu wenden._ Hamburg - Amerika - Linie. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern finden statt: Nach Newyork: 25. 4. Postd. Blücher; 27. 4. Postd. Graf Waldersee; 2. 5. Postd. Kaiserin 'Auguste Victoria; 4. 5. Postd. Pennsylvania: 9. 2. Postd. Amerika; 11. 5. Batavia; 16. 5. Schnellpostd. Deutschland; 18. 5. Postd. Pretoria: 23. 5. Postd. Blücher; 25. 5. Postd. 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