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Neue jüdische Presse · 1907-04-12 · Heft 14 (12.4.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 14 (12.4.1907)
Date
1907-04-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14. dem Sinai verkündet worden sind, zweimal im Jahre aus dem Pentateuch vorgelesen werden; in unserer Synagogne geschieht dies wöchentlich. Auch die Gesetzesrolle wird ausgehoben, die Gemeinde erklärt, daß ■ dies das Gesetz sei, das Moses den Kindern Israel überlieferte auf Befehl Gottes und durch die Hand Moses, und sie erhebt sich in Ehrfurcht. Nun schreibt Hkr. Claude M o n t e f i o r e, der einflußreiche Vizepräsident der „Educatiou Board", eineu Artikel des Inhalts, daß Gott die zehn Gebote nicht verkündigt'und Moses wenig oder garnichts mit dem Pentateuch« zu tunJjjibc. In einem kürzlich geschriebenen Brief weigerte er sich, sich bock'der „Educatiou Board" zurückzuziehen oder seine Aussagen zurückzunchmen; im Gegenteil, er Dehält sich sogar das Recht vor, den Klassen einen unorthodoxen Religionsunterrichtangedeihen zu lassen, sobald er den Weg dazu findet. Ich habe nie das Recht für mich beansprucht, irgend jemand's persönliche Religion'zu kritisieren; dies ist eine Angelegenheit, die er mit seinem Schöpfer auszumachen hat. Aber ich enthalte dem Mr. Montefiore niid Mr. Israel A b r a h a m s, der auch 'solche.Ansichten hat, die Verwaltung einer Schule, vor, zu deren Betriebskapital ich beitragen soll. Da, ich -solche Verwaltung verurteile, weigere ich mich, irgend,etwas — sei es direkt oder indirekt — für einen solchen Zweck beizutragcn, imd ich fordere auch 'die „United Synagogne" auf, von einer solchen Abgabe abzusehen, Geld einer Einrichtring zu geben, von der einige Verwalter dein Zwecke, für die die United Synagogne gegründet wurde, entgegen arbeiten." Leeds. In der Herzl-Fto-Hall fand eine größere literarische Veranstaltung zu Ehren und zu Gunsten des leider noch immer sck'wer kranken und in äußerst dürftigen Bermögensverhältnissen sich befindenden jüdischen Dichter M o r r i s R o s e n f e l d statt. Es wäre herzlich zu wünschen, daß dem teilweise gelähmten und halb erblindeten Dichter Gaben zuflößen, damit wenigstens die drückendste Sorge von 'ihm genommen würde. Rußland. Petersburg. In Irkutsk (Sibirien) ist als Abgeordneter für die Reichsduma Dr. M a n d e l b e r g, ein Sozialdemokrat, gewühlt worden. Bjeloftok. Schreckliche Taae haben die hicsigeir Inden in den Tagen vor dem Pesachfeste verlebt. Verschiedentlich wurden Bomben geworfen, und so Ruhestörungen zu provozieren gesucht. Petersburg. In vielen Städten Rußlands hat niän Chol-Hamoed-Pesach Gedächtnis-Gottesdienste für den durch den Verband cchtrussischer Leute gemordeten Duma-Abgeordneten I o l l o s veranstaltet. G leullIßtüR. 0 Ost und West.*) Sittenbilder aus dem Ende des 19. Jahrhunderts voll Jacob Levh. (Fortsetzung.) Der Vater hörte init Interesse zu. „Das ist ja merkwürdig, daß ein Brandes Bälle besucht, die Leute sind außerordentlich fromm." Die Mutter fragte: „Schließt dies denn die Geselligkeit aus?" ,(Das eben nicht, aber es wundert mich immerhin. Der Vater, der im Rufe großer Gelehrsamkeit und 'wahrer Frömmigkeit steht, tut sehr viel an seinen Landsleuten, die er ethisch und materiell zu heben sucht; der Sohn lebt nur seinem großen Produktengeschäft. Sie sind beide naturalisiert. In näherer Beziehung zu ihnen steht nur unser Rabbiner, der den Russen sehr verehrt. Es bildet sich schon ein ganzer Sagenkreis nin den Alten." Karl bemerkte: „Richtig, ich hörte auch schon von ihm. Er soll ja mit Feuer und Schwert wüten. Es wurde inir erzählt" ... er unterbrach sich plötzlich, „ach was, Schlvätzereien. Adieu, ich muß in's Gericht." Betty lachte. „Herr Moritz Brandes ist ein ganz zivilisierter Mensch. Er hat Mama und mich ganz gut unterhalten, ich möchte sogar annchiüen, daß er bei uns Besuch machen wird." — * * * Das junge Mädchen hatte richtig geahnt. Mittags ließ sich Herr Moritz Brandes anmeldcn. Mit dem lingezwungcnen Wesen, des Weltmannes trat er ein und machte auf deil Hausherrn sichtlich einen günstigen Eindruck. „Weshalb sieht man Ihren Herrn Vater und Sie niemals in der Gesellschaft?" *) Neu hinzugetretenen Abonnenten wird auf Wunsch der Anfang dieser Erzählung nachgeliefert. D, Redakt. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. „Mein Vater liebt dies nicht, er lebt nur seinen Pflichten. Mir fehlte bis jetzt die Zeit und, offen gestanden, die Stimmung." „Womit beschäftigt sich Ihr Herr Vater?" fragte Frau Werner. „Er war Rabbi in Odessa. Dies hat in Rußland eine andere Bedeutung als iu Deutschland, und er bekleidet auch dieses Amt in russischem Sinne bei den hiesigen Juden aus Rußland und Galizien. Er ist Rabbi, Lehrer, Ratgeber, kurz, die armen Leute kommen eben alle zu ihni." Herr Werner nickte. „Dadurch ist mir auch etwas erklärlich. Ich bin Mitglied der Arinenverwaltung und wir finden zu unserem freudigen Erstaunen, daß die 'Ansprüche Ihrer armen Landsleute sich beständig vermindern. Ich muß doch Ihren Herrn- Vater einmal sprechen, er sollte doch seine Tätigkeit nicht so geheim halten, sondern mit nns zusammen wirken." Moritz Brandes lächelte. „Meinem Vater wird Ihr Besuch ohne Zweifel angenehm sei», aber fragen Sie ihn nur nicht nach seiner Tätigkeit. Diese ist so geartet, daß sie nicht in den Rahmen der Armenverwaltung paßt, und mein Vater will nur allein mit seinen Landsleuten zu tun haben. Er dient ja der Gesamtheit, aber lassen Sie ihn seinen Weg allein gehen." „Nun, wir drängen uns nicht auf. Aber ich möchte doch den würdigen Mann kennen lernen." Der Besuch erhob sich. Die Hausfrau sagte: „Wir empfangen Freitag 'Abend; Sie sind nns stets ein gern gesehener Gast." „Gnädige Frau, für Freitag Abend bedanre ich stets ablehnen zu müssen. Am Vorabend dc-5 Sabbat verlasse ich meinen Vater nicht." Betty meinte lächelnd: „Machen Sie denn niemals eine 'Ausnahme?" „Niemals, gnädiges Fräulein. Ich bin eben noch ein unkultivierter Russe, nicht an das moderne Leben geivöhnt. Haben Sie Nachsicht mit mir." Das Mädchen blickte ihn mit liebenswürdigem Lächeln an. „Dann besuchen Sie uns eben zu anderen Zeiten.. Wir müssen nns doch bemühen, Sie der westeuropäischen Kultur zuznführeu. Ihren Herrn Vater muß ich auch kennen lernen. Tante Lina hak mir so viel Gutes von ihm erzählt, daß ich ihn garnicht fürchte. Vielleicht werde ich noch seine Schülerin, so wie Bertha Weinstein." „Mein Fräulein, meinen Vater braucht Niemand zu fürchte«. Aber besuchen Sie ihn, er verkehrt gerne mit der Jugend." Er machte eine tadellose Verbeugung und empfahl sich. „Ein prächtiger Mensch," urteilte Werner, „diese Ehrfurcht vor seinem Vater, diese Rücksichtnahme auf den Freitag Abend. An dem könnte sich mein Sohn ein Beispiel nehmen." „Du hast immer etwas über den armen Jungen zu bemerken. Du ließest ihn früher immer nach seinem Millen leben und jetzt sott der vierundzwanzigjährige Mensch in allem nach Deinen Ansichten handeln. Wenn er seine Kollegen der steifen jüdischen Gesellschaft vorzieht, so ist dies das Resultat seines Verkehrs, gegen den Du früher niemals etwas einzuwenden hattest." ' „Ich habe ihn mir über den Kopf wachsen lassen! Doch das bereue ich jetzt bitter; er ist ein Egoist, der nicht seinen Eltern zur Freude lebt. Ich habe ihn gebeten, sich Jomlippnr in der Synagoge sehen zu lassen. Er tat dies nicht, speiste aber mit seinen christlichen Kollegen im Schweizer Hof än der Table d'hote." „Er ist doch nicht fromm, weshalb soll er nun heucheln?" „Wenn er seinem Vater eine Liebe tut, ist cs keine Heuchelei, aber es ist eine Schmach, wenn erden Juden am Jomkippnr ei» öffentliches Aergernis gibt." „Er dachte wohl nicht an die Heiligkeit des Tages. Aber täuschen loir uns doch nicht, lieber Mann, wir sind alle nicht fromm, bis ans die kleine Pedantin, die Betty. Und die ist eS auch nicht bei uns geworden." „Leider nicht, liebe Mama. Aber bei Tante Lina habe ich die Ausübung unserer Gebote lieben gelernt, so daß ich ihnen nicht mehr entsagen kann." „Bleibe nur gut und brav, mein Kind. Das Schwärmerische in Deiner Seele wird schon durch das Leben äbgeschliffen. Hätte Karl nur etwas Ideales! Ich, habe ja nichts gegen seinen Verkehr mit Andersgläubigen, er dürfte aber keine Antipathie gegen seine Glaubensgenossen zeigen. Er macht sich dadurch unbeliebt und beleidigt auch uns." Lieber Mann, Karl ist ehrgeizig und sucht seinen Verkehr in den Kreisen, die ihm nützen können. Da findet er Deine Ratschläge wirklich etwas veraltet." Die Frau erhob sich. „Komm' Betty, begleite mich, wir wollen Besorgungen machen." Die Damen entfernten sich, der Vater blieb in tiefem Sinnen zurück. — (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. - Gegen Gicht und Bheumatisnras bewährt. Wocheu-Kalender. (Zeitangaben nach dem Losch.) Samstag, den 13. April (= 29. Nissan): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 llhr 45 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr, in Berlin 7 Uhr 59 Min. Der Wochenabschnitt S ch e m i n i läßt sich in zwei Teile zergliedern: im ersten sind die Einweihungsfeierlichkeiten der Stiftshiitte bezw. der Priester geschildert. Sie brachten ihre Opfer. Als Zeichen des göttlichen Wohlgefallens fiel Feuer vom Himmel nieder und verzehrte die Opfer. — Die Freude des Tages wurde getrübt durch den Tod zweier Söhne Jlhröns, Nadab und Abihu, die „nnheiliges Feuer" in die Stiftshütte gebracht hackten. Ahron schwieg in seinem herben Schmerze, seine Seelengröße und Gottergcbenheit zeigend. Der Ewige verbietet den Priestern den Weingenuß für die Zeit ihres Dienstes. Im zweiten Teile sind die Speisegesetze und Reinheitsvorschriften enthalten. Säugetiere mit gespaltenen Klauen und die zugleich wicderkäuend sind, Fische mit Schuppen und Flossen sind ims zum Genuß erlaubt. Bon den Vögeln sind 24 verbotene Arten aufgezählt, alle andern sind zum Genuß erlaubt. (Wir genießen jedoch nur wenige uns bekannte Arien, da wir die 'Namen der verbotenen Vogelarten nicht genau übersetzen können). Die Tpeiscgesetze gehören zu den „Chnkkim", das sind „Satzungen", deren letzten Grund wir nicht kennen! Es sind keine Sanitätsgesetze, wie manche unrichtig behaupten, obwohl in den Folgen die Erfahrung einen günstigen Einfluß auf unser körperliches 'Wohlbefinden nachzuweisen vermag. Wir können nur Gründe vermuten. Die „Reinheitsgeseße" sind ebenso eigenen Charakters. Wir hören von Gefäßen und Geräten, die „tome" (unrein) werden können durch Berührung von Aas. Acht Kriechtiere sind besonders hier aufgezählt. Speisen, die insbesondere mit Flüssigkeiten in Berührung kamen, erlangen die Fähigkeit, „tome" zu Iverde». Als Grund ist sowohl bei den Speisegesetzen wie bei den Reinheitsvorschristen angegeben: „Heiligt euch, machet eure Seele nicht zum Abscheu, damit ihr heilig seiet!" — Einsegnung des Neumonds Jjar, der aus Sonntag und Montag (14. und 15. April) fällt.' Mau liest Sabbat nach Mincho den 1. Perek (Mschnitt) der „Sprüche der Väter". Es sind prachtvolle moralische Abhandlungen im Geiste des Thorägesehes. Jeder sollte sie zu verstehen sich bestreben. Sie bilden einen Teil der mündlichen Lehre. (Mischnah, 4. Bd.) Offenbacber Druckluft=Anlage Telefon 123. Ottenbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TepplChralnlgung. Briefkasten. B. L. Palästina hat einen Flächeninhalt von etwa 27000 qkm (so groß wie Württemberg und Großherzogtum Hessen,zusammen). Es kommen heute in Palästina auf 1 qkm 26 Einwohner, während z. B. in Deutschland auf 1 qkm 104 Einwohner kommen. 5. Weil, Samstags geschlossen. Tapezier- und — .: Dekorationsgeschäft 7 Pestalozzistrasse 7. Obsthdlg. Hasselbach, Gr. Eschenheimerstr. 4. Telephon 10595. ----- Cirüfeeitiftei»*« Schreinerei und Polieranstalt, 4#wUlsdllll|«l> d Musikantenweg 35 Telephon 8911. Conditorei Seligmann, Reohneigrabenstrasse 15. Tel. 3451. •Catt Constabler, «KL--. 8 Familiemmchrichteu. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos). Geburten. Ein Sohn, Herrn Wolf Cohen (Emden), Altona. Eine Tochter, Herrn Willi Landau (Lahnstein), Frankfurt, Hochstr. 35. ~~~ Gin Sohn, Herrn Richard Kahn (Rosenbaum), Pforzheim. Ein Sohn, Herrn Max Schnurmann (Süß), Straßburg i. Elf.

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