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Neue jüdische Presse · 1907-04-12 · Heft 14 (12.4.1907) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 14 (12.4.1907)
Date
1907-04-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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«eilage zu Nr. li des Frauksmler Jsmelitifcheu Familienblaltes. Inhalt der Beilage: Artikel: Aus aller Welt. — Personalien. — Aus der zionistischen Bewegung. — AusderLehrerwelt. —AusdenVereinen. — Vereins-Kalender. Aus aller Welt. Palästina. ««Um, Ende März. Der Empfang oscheh Elijahu Panigel. Der neue vertretende Chachacham Baschi, Rabbi Moses Elijahu Panigel, hat aus Konstantinopel kommend, Freitag, den 22. d. M. seinen Einzug hier gefeiert. 1 Eine merkwürdige Fügung. Maleachi 3 ist ' die Hastora, welche an diesem Schabbes in Jerusalem gelesen wurde, lind da heißt es (23): Siehe, ich sende euch Elijah! Denn daß die fremden Kulten Dienenden so rasch, so unerwartet rasch, entthront würden, ist, das gibt jeder besser Denkende unverhohlen zu, ja, ist das Werk der hl. Vorsehung. Die Fesseln, in welche die mit eghptischer Geistesfinsternis ünrnachteten Kreaturen den Ueberrest Jisraels zu schlagen gedachten, sollten am Befreiungsfeste zerschellen. Jerusalem atmet wieder frei auf. 'Eine zweite Erlösung aus geistiger Knechtschaft zu feiern, schickt es sich an zu begehen, gerade an jenem historisch denkwürdigen Tage, der in unserer Geschichte den Angelpunkt unseres nationalen Seins bildet. — Panigel ist eine ehrwürdige Erscheinung. Sein lauteres Wesen, sein biederer frommer Charakter hat längst die Aufmerksamkeit des Kaimekain Esfendi aus sich gezogen. Seine Wahl durch den letzteren, Rabbi Moscheh Ha-Lewy,' hat Se. Kaiserliche Majestät der Sultan nicht allein mittelst Firmans gutgeheißen, sondern ihm, dem Erwählten, auch als Anerkennung seiner Untertanen - Treue den Medjidic- Orden 3. Klasse verliehe». So zog Rabbi Moscheh Elijahu Panigel, geleitet von einer Ehrenwache, die Brust geschmückt mit der allerhöchsten Auszeichnung, in die hl. Stadt ein. Zum Empfang, welcher in der Synagoge des Schaare-Zedck-Hospitals, am Wege nach der hl. Stadt gelegen, stattfand und an dem auch die Spitzen der Lokalbehörde teilnahmen, hatte sich eine unübersehbare Menschenmenge eingesunden. Dies war aber nur die Wiederholung dessen, was sich tagsvorher in Jaffa zugetragen hatte. Der BizejGouverneur dortselbst hatte vom hiesigen Paschah telegraphische Weisung erhalten, für einen würdigen Empfang Sorge zu tragen. Das geschah auch. Er selbst mit seinem ganzen Bcamtenpersonal, die jüdische Gemeinde mit dem Rabbiner an der Spitze, erwarteten die Ankunft des neuen Rabbi am Landungsplätze. Hier angelangt nahm ihn der Vize-Gouverneur unter den Arm und geleitete ihn bis zu seinem Absteigguartier, welches von der großen Menge völlig belagert wurde. Nach einer Rast von einigen Stunden wurden die Wagen bestiegen, um gen Jerusalem aufzubrechen. Eine Deputation von .6 Chachamin, die Jerusalem zum Empfange nach Jaffa entsendet hatte, und einige Jaffaer Chachamin bildeten das Gefolge. Zur größeren Sicherheit — indem die Fahrt zu Wagen stattfand — hatte der Vize-Gouverneur vier berittene Polizisten aufgeboten, die den Reisenden bis Jerusalem das Geleite gaben. Freitags IO1/2 klhr fand der Einzug statt. Aber schon zeitlich morgens war die Jaffaerstraße so dicht besetzt, daß sie kein Mensch passieren konnte. Viele waren dem neuen Chachacham bis Kolonje entgegen gefahren. Vor dem Schaare-Zedek-Hospitale angelangt, stieg der Chachacham Baschi vom Wagen ab. Mit größer Mühe ebnete ihm die Polizei einen Weg durch die Menge in die Synagoge. Nach einer kurzen aber herzlichen Begrüßung, die der greise Rabbi C h a - jim Berlin an das neue Oberhaupt richtete, wofür Panigel — sichtlich geriihrt — ebenso herzlich dankte, begab er sich in seine Wohnung, von der ganzen Menge unter Jauchzen und Jubel begleitet. Schabbes Ha-Gadol hielt nach herkömmlicher Sitte einer der Chachamin einen Vortrag in der sog. R. Jochanan ben Sakkais' Synagoge, dem auch Panigel 'anwohnte. Das Gotteshaus war zum Erdrücken vollgestopft. Auch hier mußte die Polizei eingreifen, um ein Malheur j» verhüten. Nachdem der Chacham geendigt, ergriff Dr. Grünhut das Wort zu einer Begrüßungsrede in hebräischer Sprache. Nach Ausdeutung einiger der Gelegenheit angemessener Verse fuhr der Redner fort: „Juble und jauchze, Bewohnerin Zions; denn groß ist der Heilige in deiner Mitte. Groß ist der Heilige in deiner Mitte. Denn daß er noch immer auf Zion thront, haben wir Jerusalemer soeben erlebt. Siegreich geht Zion aus einem von ihm nicht gewollten Kampfe hervor. Der Sieg ist aber ein Sieg des Allerhöchsten. Darum ist der heutige Schabbes für uns ein doppelter Schabbes ha-Gadol. Viele unserer Jugend beschleicht die Angst, der neue Chachacham Baschi werde zu strenge seines Amtes walten, gegen solche, die das Religionsgesetz verletzen. Müssen sie es aber? Sie möchte ich an das Gleichnis unserer Weisen erinnern. Ein Mann, heißt ef im Midrasch, ging mit seinem Beil unter dem Arm in d«r Wald. Da fingen die jungen Bäumchen zu zittern an. Was ängstigt ihr Luch, riefen ihnen die alten knorrigen Stäinme zu. Gebt doch keine Handgriffe her, und es geschieht euch kein Leid! Elijahu der Prophet, hat er nicht für Gott geeifert? Wie bezeichnet ihn nur sein Jünger Elischah. „Streitwagen Israels und seine Reiterei". (König. Ü. 2, 2). Zunächst rief aber derselbe Elischah: O, mein Vater, mein Vater! (ibid.). Ich bin überzeugt, daß auch unser Rabbi Elijahu Pansgel sich wird von väterlicher Liebe zu seiner Gemeinde leiten lassen, dagegen aber mit aller ihm zu Gebote stehenden Macht für die Ehre des Judentums eintreteu wird..." — Zuletzt wurde bekannt gegeben, daß der Chacham Baschi am Montag, den 2h. d. M., in derselben Synagoge seine Antrittsrede halten würde. Daß der Kaimekam Esfendi eine glückliche Wahl getroffen hat, beweist am besten der Umstand, daß sich an den Empfangsfeierlichkeiten Aschkenasim gleich Sephardim beteiligt hatten. Panigel steht heute in den Fünfzigern; so dürfte ihm beschicken sein, mit (Sötte» Hilfe noch eine lange Reihe von Jahren seines hl. Amtes zu walten. Es sei denn, daß er selbst später eine neue Wahl anordnen sollte. H. Personalien. Frankfurt a. M. Oberregierungsrat Dr. Paul Meyer, der bisherige stellvertretende Direktionspräsident der Kgl. Eisenbahn-Direktion Frankfurt I a. M., ist kn den R u h e st a n d getreten. — I Herr Raphael R 0 senbaum feierte am 9. dss. I sein 2 5 j ä h r i g e s Jubiläum im Hause Beer, Sondheimer u. Co. Frankfurt a. M. Dem Arzte Dr. Leopold Auerbach wurde der Titel Sanitätsrat verliehen. Berlin. Dem Kaufmann Siegmund Pincus und dem Bankier Albert P i n k u ß wurde der Titel Kommerzienrat verliehen. Justizrat Salz in Posen und Joseph Stern, Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Münster i. W., erhielten Ordensauszeichungen, der erstere den Roten Adlerorden 4. Klasse, der letztere den Kronenorden 4. Klasse. Lstrowo. Bei der ouße'gewöhnlichen Stellung, die das Mitglied des jüdischen Gemeindevorstandes Kgl. Oekonomierat a. D. David G 0 l d st e i n, der zugleich an der Spitze fast sämtlicher jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen steht, einnimmt, darf der außerordentlichen .Ehrungen gedacht werden, deren Gegenstand er, bei seinem 75. Geburtstage war. Der Landrat mit den Abgeordneten des Kreises, der Bürgermeister mit den anderen Magistratsmitgliedern, der Oberpräsidialrat Freiherr v. Lützow und Deputationen zahlloser Körperschaften entboten ihre Glückwünsche in herzlichen Worten. Die ganze Stadt und der ganze Kreis beteiligten sich an der Huldigung für den hochverehrten Mitbürger, der als überaus reges, auch heute noch tätiges Mitglied des Magistrats und 'des Kreisausschusses sich um die Kommune die größten Verdienste erworben hat. Es mag hervorgehoben werden, daß Oekonomierat Goldstein, der mehrere Jahrzehnte als Kommissar der Königl. Svezialkommission gewirkt hatte, nach dem vor einigen Jahren erfolgten Eintritt in den Ruhestand zuni Amtsanwalt beim hiesigen Amtsgericht ernannt wurde — wohl der einzige Jude, der als Vertreter der Staatsanwaltschaft in Preußen fungiert. Agram (Oesterreich). Dem Präses der hüsigejüdischen Gemeinde, Architekt Josef Sieben schein ist der Titel Kgl. Rat verliehen worden. Wien. Dr. Theophil Pisling, Regierungsrat im Ministeriuin des Aeußeren, wurde bei seinem llebertritt in den Ruhestand mit dem Komthurkreuz des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Pisling hatte in Prag, wo er auch seine Studien absolvierte, in der Redaktion des „Botschafter" gearbeitet. Später trat er in die Redaktion des „Fremdenblatt" ein und seit 1890 gab er „Warrens Wochenschrift" heraus. Er veröffentlichte viele literarhistorische und kritische Aufsätze und nationalökonomische Abhandlungen. Aus seiner Feder stammt der Roman „Jl n'y a personne". Er schrieb auch die Lustspiele „Ein Volkswirt" und „Die Erben", die vielfach aufgeführt sind. Die anonym erschienene Arbeit „Germanisierung oder Tschechisierung" erregte seinerzeit Aufsehen und zog ihm in Folge der energischen Vertretung des deutschen Standpunktes in der Nationalitätenfrage in Böhmen vielfache Anfeindungen seitens der tschechischen Presse zu. Paris. Herr Grünb aum-Ballin ist zum Referenten über die Bittschriften im Staatsrat und zum Kabinettschef im Unterrichtsministerium ernannt worden. Louisville (Amerika). Im Alter don 75 Jahren verschied der Rechtsgelehrte Lewis N. Dembitz, der durch seine juristischen Werke und seine politische Tätigkeit hohes Ansehen genoß. Dembitz, der aus Zirke in der preußischen Provinz Posen gebürtig war, lebte streng orthodox und nahm in der amerikanischen Judenheit hervorragende Ehrenstellen ein. Außer Arttkeln in jüdischen Zeitungen erschienen von Jewish Services in Synagogue Nud Home und The Lost Tribes. _ Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Nationalfonds» I. Friesländer 2,97 JL M. H. 0,70 JL Dr. S. Schwarzschild 1,10 .fc Ferd. P. 0,89 JL Hotel Ullmann 2,34 JL L. Messerer 1,60 JL I. Freudenstein 4,10 JL Sänger u. Friedberg 0,62 JL Geschw. Wolpe i,-JL Selma u. Elsa Levigard 6,20 JL Dr. F. 2,25 JL N. M. B. 3,— JL Ferner: Isaak Goldschmidt o/ J4 Moritz Gran anläßlich der Barmizwoh ines Sohnes 10,— JL Anläßlich der Verlobung von Fräulein Agathe Meyer mit Herrn Leon Hackenbroch 10,— Frau Selmar Sondheimer 10,— JL An Materialien: Herren Hotelier Abraham, Köln, Jul. Friesländer, Hier. Bei der Expedition des Fkft. Jsr. Familienblattes gingen für den Nationalfonds ein:' Selbstbesteuerung von Beno Lamm, Jakob Lorsch, Saly Geis, Selmar Geis L 60 Pfg. — 2,40 JL S. N. 1,50 JL Bankier Halle, Gelnhausen 2,50 JL Frau I. B. für ihre Enkelin Lotte Cecile Braunthal einen Oelbaum 6,— JL S. Sch. in Holzappel 0,45 JL Herr Lehrer Rosenberger, Bierstadt 0,15 JL Materialien: Frl. Wolpe, Martha Goldschmidt, Hedwig Wohlfarth, Stella Pineas, N. N., Herren Georg Freudenstein, Hugo Wohlfarth. 1 Postpaket Marken: Zionistische Ortsgruppe Mannheim, Marken aus dem Nachlaß des sel. Herrn Markus 150 Marken von den Schülern der Religionsschule Holzappel, 350 Marken von Herrn Lehrer Müller, Forbach, 600 Marken von Herrn Lehrer Rosenberger, Bierstadt. Frankfurt a. M. Wie uns mitgeteilt wird, ist es der „Frankfurter Zionistischen Bereinigung" gelungen, Herrn D r. S ch m. L e w i n zu veranlassen, ein Referat über die Lage der russischen Juden zu er statten. Herr Dr. Lewin war bekanntlich Mitglied der ersten Reichsduma und seine Reden haben sowohl in dem ersten russischen Parlamente wie bei den russischen Juden lebhaften Wiederhall gefunden, namentlich seine Ausführungen über die wahren Mörder von Bialystok haben einen nachhaltigen Eindruck in Rußland hinterlassen. Nach Auflösung der russischen Reichsduma machte Herr Dr. Lewin auf Einladung seiner amerikanischen Gesinnungsgenossen ein mehrmonatliches Tournee durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Seine Reise glich einem Triumphzuge und überall, wohin er kam, wurde er von den höchsten Spitzen der Behörden empfangen. Auch Präsident Roosevelt hatte Dr. Lewin kurz vor seiner Abreise nach Europa eine Audienz gewährt und soll sich in dieser Audienz sehr wohlwollend über die Pläne des Herrn Dr. Lewin geäußert haben. Der Vortrag findet Dienstag, den 16. Aprrl abends 8V2 Uhr im Kaufmännischen Vereine statt. Es sollen auch in der Versammlung wichtige aktuelle Angelegenheiten der Frankfurter jüd. Gemeinde erörtert werden. Namentlich wird sich die Versammlung mit der Frage beschäftigen, ob es nach zionistischen und allgemein jüdischen Begriffen richtig erscheint, daß an den Neubauten der jüdischen Gemeinde an Samstagen und israelitischen Feiertagen gearbeitet wird. Hamburg. Ein Komitee erläßt einen Aufruf, dem jüngst dahingeschiedenen Mitschöpfer und Porkämpfer der modernen zionistischen Bewegung-Gustav G. Cohen zum bleibenden Gedächtnis einen Oelbaum garten in Palästina zu pflanzen und fordert zu Beiträgen auf. Der Aufruf trägt folgende Unterschriften: Dr. Besser, Saml. Cohen, L. Eüermann, Dr. L. Franck, Dr. Holpern, Dr. Holdschiner, Dr. Kalmus, Ed. Levinson. Ludwig Maihiason, Otto Rüben, Gustav Tuch, Dr. Victor, Mor. S. Wolfs in Hamburg-Altona, sowie die Unterschriften der angesehensten auswärtigen zionistischen Persönlichkeiten. Die Spenden nimmt Herr Saml. Cohen, Hamburg, Admiralitätsstr. 33 (Bank-Konto: Norddeutsche Bank) entgegen. Schlüchteru. Am 7. April veranstaltete die Frankfurter Zionistische Vereinigung hier eine öffentliche jüdische Volksvers a m m l n n g, zu der von Frankfurt aus eine Anzahl bekannter Gesinnungsgenossen gekommen war; besonderer Dank gebührt der eifrigen Zionistin, die die weite Reise nicht scheute, um durch ihre Anwesenheit die Versammlung zu verschönern. Jedenfalls haben di» Frankfurter die Reis» nicht zu b»reu«r, beim

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