Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 20 Jahre wirkte er in diesen Korporationen und zeichnete sich namentlich als umsichtiger Finanzmann aus. 1860 wurde ihm die schwierige Mission anvertraut, die. vor den Preußen nach Wie» übersührtc städtische Kassa nach Prag znrückzuschaffcn und eine Subvention für die vom preußische» General Rosenberg von der «tadt Prag geforderte Requisition zu erwirken, welcher Aufgabe er mit vollem Erfolge gerecht wurde. Eine überaus erfolgreiche Tätigkeit entwickelte der Verblichene in der Prager Handels- und Gewerbckamincr. Gleich von seinem Eintritte in die Kanuner war Bondy bestrebt, die Gleichberechtigung beider Landessprachen bei der Amtsgcbarung durchzusetzen. Als dann.1884 die böhmische Partei die Majorität erhielt, wurde er zu ihrem ersten böhmischen Präsidenten gewählt. In dieser Eigenschaft regte er gemeinsam mit Adalbert Ritter von Lanna die Errichtung des Kunstgewerblichen Museums an, für welches er von dem Landtage des Königreiches Böhmen eine Subvention von 600 000 Kronen erwirkte. Er war der erste Präsident des Kuratoriums dieses Museums, welches er überdies mit zahlreichen Kunstgegenständen beschenkte. Auch-im Eisenbahnrate wirkte Bondy schöpserisch. Als Landtagsabgeordneter war er Berichterstatter über den Gesetzentwurf betreffend den Bau der Land eseisenbahnen. Bei dieser immensen Tätigkeit fand Bondy noch Zeit, das Werk „Quellen zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1740", das mehr wie 2000 von ihm gesammelte Urkunden und Dokumente enthält, herauszugeben. Gottlieb Bandy war mit Frau Simonette Wiener vermählt, welche ihm im.Juli v. I. im Tode voranging. Er hinterläßt zwei «ohne, die Herren Otto Bondy und Handelskammer-Vizepräsidenten Leon Bondy. — Se. Majestät der Kaiser würdigte die mannigfachen Verdienste des jetzt Dahingcschiedenen, der auch Kurator des k. k. österreichischen Handelsmuseums. in Wien war, durch die Verleihung des goldenen Verdienstkrcuzes mit der Krone, des Ordens der Eisernen Krone 3. Klasse und des Kvmtnrkreuzes mit dem Sterne des Franz Joseph-Ordens. Budapest. In Kobersdorf verschied Herr Joses Salomo Z o l l s ch a n und in D n n a - S z e r> d a h e l y Herr Sami Weiß. Beide zeichneten sich durch Frömmigkeit aus und gehörten zu den angesehensten Persönlichkeiten ihrer Gemeinde. — Dem außerordentl. Professor an der hiesigen Universität und Primararzt des Rochus-Spitals Dr. Emanucl H e r z l, wurde von Seiner Majestät der Titel Hosrat verliehen. Krakau. Die hiesige Handels- und Gewerbekammer hat den 'Oberbaurat Save einstimmig in den Landtag gewählt. «ave ist ein self made man. Als Sohn eines Vorstadtschänkers geboren, hat er es durch Begabung und Fleiß zu einer angesehenen gesellschaftlichen Stellung und als Beamter zu einer hohe» Stufe gebracht. Er wurde von einer Kurie niit christlicher Majorität in den Gcmeinderat und von diesem zum.zweiten Vizebürgermeister gewählt. Was für seinen Schwager, den verstorbenen Präsidenten der Israel. Gemeinde.Dr. Horowitz, nicht erreichbar war, siel ihm mühelos in den Schoß. Jude ist Save nur dem Namen nach, der Handtag gewinnt an ihm einen sehr tüchtigen Fachmann, die Jude» garnichts. Paris. Bataillonskommandeur Löwy wmde zum 64 e n e r a l st a b s ch e f der 13. Infanteriedivision befördert. London. Baron Michelham of Hellingly, ein Sohn des verstorbenen Baron Hermann von Stern, wurde zum Ratsherrn gewählt. ___ New-Nork. Im Alter von 91 Jahren starb in «t. Louis David Cole und im Alter von 86 Jahren in Montgomery Jacob Strauß. Cole, der 1839 aus Deutschland nach Amerika kam, war einer der ersten Einwohner St. Louis; Strauß hat die jüdische Gemeinde in Montgomery mitgegrnndet und spielte in dem öffentlichen Leben seines Wohnortes eine angesehene Rolle. . Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Im Montefiore-Verein fanden diese Woche zwei große Veranstaltungen zum Abschluß der «aison statt. Am Montag veranstaltete der Vorstand einen musikalisch-deklamatorischen Abend, welcher stark besucht war. Das Programm des Abends wurde in vorzüglicher Weise von Fräulein Elsbeth Klei n (Gesang) und den Herren I. B. L e v y (Rezitation), Alfred Höhn, Rudolf Weil (Klavier) zur Aufführung gebracht und fand den lebhaftesten Beifall der Zuhörer. Am Mittwoch Abend sprach Herr Dr. Robert Kahn über „Die Natur der Flamme". Der Vortrag, welcher von zahlreichen interessanten Experimenten begleitet war, erfreute sich ebenfalls reichen Beifalls. 'Am Sonntag den 24. ds. findet nun noch eine g e m ü t l i ch e Z u s a m m e n k u ins t der Mitglieder abends SVs Uhr im großen Saal der Adlerloge statt, zu welcher ebenfalls ein reichhaltiges. Programm aufgestellt-ist.. .. ' Frankfurter Israelitisches Familienblatk. Die ordentliche H a n p t v e r f a,n m l n n g ist auf M i t t w o ch den 27. M ä r z , abends 9 Uhr, anberanmt. f _ Frankfurt a. M. Am Erew Pesach hält der Talmud Thora-Verein ein S i j u in ab und zwar direkt nach dem Morgengottesdienste. Die B e ch a n r i m sind zu diesem Sijuin, der im Hörsaal der Synagoge am Böcnevlatz stattfindet, eingeladen. Berlin. Am Sonntag, den 17. März fand zum Besten der F e r i e ir - K o l o u i e n für j ii b i f cf; e K i n d e r im Feen-Palast ein große s öffentliches S ch a u t» r n e u des Iüdis ch e n Turnvereins „Bar Kochba" vor einem etwa 3000-köpfigen Pnblikuin statt. 200 Turner iind Turnerinnen aus sämtlichen Abteilnngen des Vereins zeiglen in den oorgeführten Frei- und -Stabübungen. Pyramiden, Geräteturnen und Reigen ei» hohes Maß von Disziplin und Exaktheit, Von Einzelleistungen sind die Reckübnngen der Musterriege besonders rühmend hervorzuheben. Herr Dr. Franz Oppenheimer fand in seiner Ansprache treffende Worte für das Wirken des Vereins, die jüdische Jugend dnrich körperliche Betätigung zu Kraft und Mut, zu Schönheit und Glück zu führen. Berlin. Der Hilfsverein für jüdische Studierende (Vorsitzender: Geh. Medizinalrat Professor Dr. Mendel) verzeichnet in seinem Berichte für das Jahr 1906 die bemerkenswerte Tatsache, daß im abgelauseiien Jahre die Rückzahfungcn früher unterstützter Studenten die große Summe von 11803 AL betrugen. Das Vermögen des Vereins beträgt 470 000 AL Verteilt wurden 29 360 AL gegen 34 650 AL im Vorjahre. Die Jahresbeiträge haben sich leider von 9160 AL aus 8833 AL verringert. Königsberg. Das Israel Waisenhaus (Vorsitzender: Professor Dr. Saalschütz) zählt 35 Zöglinge. Die im Berichtsjahre entlassenen Zöglinge wurden sämtlich Handwerker; ei» Mädchen wurde zur Kindergärtnerin ausgebildet. Die Kinder besuchen höhere und niedere Schulen je nach Begabung. Im «ommer »chmen die größeren Knaben und Mädchen an einem gärtnerischen Kursus teil; im Winter besuchen sie die öffentlichen Handfertigkeitsschulcn. Musikbegabten Kinder» wurde Gelegenheit znm Musikunterrichte geboten. Die Ausgaben beliefen sich 1906 auf 25 374 AL; dabei machten die Verpflegungskosten Pro Kopf und Tag einschließlich der Erwachsenen 55 Pfg. ans und die Gesamtausgaben für ein Kind durchschnittlich pro Jahr 736 AL Berlin. Am 6. d. Mts. hielt der Verein zur Erhaltung des überlieferten Indent» in s seine erste Generalversammlung ab. — Der Vorsitzende, .Herr Rabb. Dr. B a n e t h, begrüßte die Erschienenen und. konstatierte einen Mitgliederbestand von 200. Das abgelaufene erste Geschäftsjahr galt vor allem dem inneren Ausbau. Es wurden zahlreiche Vorstandssitzungen abgehalten, in denen die Frage des Religionsunterrichtes, deS Jngendgottesdicnstes, der Versorgung mit Kvscherflcisch, der Organisation des Rabbinates in Erörterung standen. Mangels der erforderlichen Mittel mußte sich der Verein in seiner nach außen hin gerichteten Tätigkeit gewisse Schranken ziehen. Ein Ansang wurde auch nach der Richtung gemacht. In einer öffentlichen Versammlung referierte der Vorsitzende über die Zwecke und Ziele'des Vereins, in einer zweiten übernahm Herr Rabb. Dr. Lewy die Ausgabe, über wahren und falschen Liberalismus zu referieren. — Den Kassenbericht erstattet hierauf der Rendant Herr Jos. C h a i »t~ Dem Berichte zufolge hatte der Verein bei einer Einnahme von 886,30 AL und einer Reihe namhafter Spenden an Ausgaben 843,78 AL zu bestreiten. In der nun erösfneten Debatte bemängelt Herr B u ko f z e r die langsame Geschäftsführung und vermißt eine rege agitatorische 'Tätigkeit in der breitesten Oeffentlichkcit. Die Tendenzen des Vereins kämen einem weitgesühlten öffentlichen Bedürfnisse entgegen, es sei Sache der Vereinsleitung, diese Konstellation auszunutzen. — Herr S e e g a l l wieder vertritt den Standpunkt, das; Anregungen von Seiten des Vereins auch jetzt schon an maßgebender Stelle ans Berücksichtigung rechnen dürften, und belegt dies mit einigen Beispielen ans der eigenen Praxis. — Dem gegenüber führt der Vorsitzende aus, daß es dem Verein weniger um vereinzelte Zugeständnisse als um die Geltendmachung von Prinzipien zu tun sei. Da sei aus Erfolge nur dann zu rechnen, wenn eine breite geschlossene Masse von Gemeinde-Mitgliedern hinter dem Petenten stehe. Es müsse in Berlin gleich wie in anderen größeren Gemeinden dahin kommen, daß auch der Frömmste von allen religiösen Institutionen der Gemeinde ohne Gewissensbcdeilkeii Gebrauch 'machen könne. Herr Blum und Herr Wedelt behandeln in ausführlicher Rede die 'R a b b i n e r f r a g c. Bei den in jüngster Zeit vorgenommenen Neuanstellungen wurde nur der äußerst radikalsten Richtung Rechnung getragen. Das religiöse Leben innerhalb der Berliner Gemeinde müsse hierdurch schweren Schaden leiden. Herr Wedelt geht noch weiter und verlangt die Einsetzung eines Rabbinates, das in Lehre und Leben den Standpunkt des Religionsgesetzes aus Ueberzeugung vertritt und dessen Entscheidungen alsdann von jedem den väterlichen Ueberlieferungen zngetanenen Juden als maßgebend anerkannt werden müßten. — In längerer Auseinandersetzung legt als- «eite.11. bann Herr Dr. Fink dar, daß die Wurzel des Hebels in der einseitigen Zusammensetzung unserer Gemeindevertretungen zu suchen sei. An und für sich sei es ja sehr schön, wenn die Angehörigen der Hochfinanz und der Intelligenz die Ehrenämter in der jüdischen Gemeinde erstreben. Wir könnten ihnen auch den Vorrang gerne einräumen, wofern sie sich daraus beschränken wollten, den Verwaltungskörper der Gemeinde zu machen. Dem sei nun aber, wie vielfache Erfahrung lehrt, nicht so. In Oesterreich beispielsweise dekretiere das Gesetz die Vorstände zugleich als oberste Religionsbehörde, in Preußen sei dies zwar kein geschriebenes — aber immerhin doch Gesetz. Die Rabbiner empfangen von daher ihre Direktiven. Bedenkt man, daß es sich hierbei um die delikatesten Angelegenheiten der Religion und der Genüssen handelt, so muß dies schließlich zü dem unheilvollsten Zuständen führen. 'Abgesehen davon, daß laut Tradition und Vorschrift des Judentums nur diejenigen in die Vertretung der Gemeinde hincingehören, die vermöge ihrer Kenntnisse und Lebensführung dem Ideale des Judentums möglichst nahe rücken, könnten wir in der Hinsicht noch vieles aus unserer nicht jüdischen Ilnigebung lernen. In den Körperschaften der Selbstverwaltung begegnen wir allenthalben nicht bloß den durch Glanz und Klang hervorragenden Namen, sondern auch den Vertretern der übrigen Stände bis hinab zu dem einfachen Handwerker und Arbeiter. Gerade diese Leute kennen die Volksseele und ihre Bedürfnisse am besten, mit welcher die anderen bereits jede Fühlung verloren haben. 1 Nachdem noch die Herren Brock und L ö w e n - t h a l einzelne Mißstände in der Gemeindeinstitution zur Sprache gebracht haben, von letzterem insbesondere die Unzulänglichkeit des Religionsunterrichtes an drastischen Beispielen aus der eigenen Erfahrung beleuchtet wurde, werden die Wahlen vorgenommen, die zu folgendem Ergebnisse führen: Dr. Baneth, Vors., Dr. Ion. Lehmann, 2. Bos., Dr. Kahn, Schriftß, Jos. C h a i m . Rendant, Rechnungsrat M e n d e l s o h n, 2. Schriftf., « e e g a l l, 2. Rendant, M. Karfunkel, A. Knntz, 3t.-R. Dr. Leszynsky, Dr. Preuß, Dr. Rosenthal, Rixdorf, Wedelt, Saul,Bnkofzer und Brock als Beisitzer, Zahnarzt Dr. Karo und Löwent h a l ckls Revisoren. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Soeben ist in neuem Gewände und in einer Stärke von 56 Seiten das Januar - Februar - Heft der Zeitschrift Palästina erschienen. Das Hest enthält: Palästina — Ausbildung von Kolonisten-Frauen in Palästina, Professor O. War» burg — Kartenkunde und Vermessungswesen Palästinas, Ingenieur I. Treidel — Die jüdische Bevölkerung in Jaffa, W. Smeliansky — Geschichte Palästinas seit Barkochba, Dr. B. Tannenwald — Zahlreiche Mitteilungen und Miszellen. Die Zeitschrift ist 'zum Vorzugspreise von AL 2,50 für das Jahresabonnement durch die Geschäftsstelle des Frankfurter Israelitischen Familienblattes zu, beziehen. Frankfurt a. M. Bei der Na'ionasiondskommission der Frankfurter Zionistischen Vereinigung gingen ein: Herr Mayer Stern 25,— AL Herr A. Levis 5,—. Herr H. Oppenheim anläßlich des Verkaufs seines Geschäftes 10.— AL 40,— J£ Frankfurt a. M. Laut Bekanntmachung des Aktionskomitees müssen die Schekelsammln n g e ii überall schon am 30. April beendet sein. Sämtliche Abrechnungen müssen spätestens bis zum 15. Mai in den Besitz des Aktionskomitees gelangen. Später eingehende Tchekelgelder und Verrechnungen können für diese Wahl nicht mehr berücksichtigt werden und berechtigen nicht zur Entsendung von Delegierten zum 8. Kongreß. Jeder Schekelzahler hat das aktive Wahlrecht zum Kongresse bei erreichtem 18. und das passive bei erreichtem 24. Lebensjahre. Die Wahlen sind mindestens 4 Wochen vor Beginn des Kongresses vorzunehmen. Briefkasten. Biblis. Die Minhag bezüglich des „Erech- Apajim" — Segens ist verschieden; nach Frankfurter Minhag wird es sogar am Erew-Pesach gesagt, vorausgesetzt natürlich, daß Thora ausgehoben wird. Berlin. In dem Kürschnerschen Handbuch ist außer den Reichstagsabgeordneten Singer und Stadthagen auch Rechtsanwalt Ludwig Frank in Mannheim, geboren 23. Mai 1874, als Jude verzeichnet. E. Der in Buczacz aufgestellte Reichsrats-Kandidat Kreisrabbiner G. Schmelkes aus Przemysl gehört dem Misrachi an. . .. Grosse Detefttm - Zentrale m TeL4359 und Privat-Auskunftei Tel. 4359. W Salzhaus 8, I, (Ecke Rossmarkt). W