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Neue jüdische Presse · 1907-03-08 · Heft 10 (8.3.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. FrSÄPttÄ«. MraeMsche? FamilieME Nr.' 10. Kaiser Friedrich Quelle -:—Offenbach a. M. -- --- - - und er konnte das Lärmen und Singen der Trinkenden deutlich hören. Er fühlte sein Herz wachsen, größer und größer, und es pochte wie ein eiserner Schmiedehammer. Der Angstschweiß perlte ihm in dicken Tropsen von der Stirn, und eine fahle Blässe überzog sein Gesicht. Mit schlotternden Knieen ging er einige Schreite weiter, und war gerade im Begriss eilig davon zu laufen, um sich vor sich selbst in Sicherheit zu bringen, als er laut seinen Namen rufe» hörte. Er versuchte die Arme aufzuhebe», um sich die.Ohren zu verstopfen; aber es war ihm, äls lvären sie ihm vom Rumpfe getrennt, und als hingen nur leere Rockärmel an de» Seiten herunter. Jetzt hörte er noch eine Stimme nach ihm rufen, und jetzt noch eine, u>rd ihm. schien es bald) als sei die ganze Luft von 'dem Rufs erfüllt: „Awrom, komm her und trink mit uns." Wie ein geängstigtes. Schaf blickte er.nach .den Gesichtern, die das Fenster in der Schänke umdrängte»- und nach den Händen, die ihn zw sich heranwinkte».; . „Awrom, hierher kommst Du!" rief einer von ihnen. „Laß sehen, ob. Du noch trinken kannst." 1 Eine wilde Wut überkam Awroin. War er schon so tief gesunken, um sogar diesen Menschen zum Gaudium zu dienen? — Sein Zorn richtete sich aber bald wieder gegen sich selbstloeif er sich ohnmächtig fühlte, dem zu widerstehen, was sich jetzt an rhn/herandräiigte. Seine einzige Hoffnung war nur noch, -daß, entweder „Elijohn ha - Nowi" mit dem feurigen Wagen kommen möchte, um ihn der Versuchung zu entführen, oder, daß er bald auf dieser Stelle tot niederfalle. Doch keines von ■ beiden geschah. Und so stand er da, stumpfsinnig den Kopf hin und her bewegend; nur mechanisch kamen die Worte über seine Lippen: „Ich darf nicht. Ich habe das Trinken aufgegeben, und habe es heute Esther versprochen." „Mach keinen Unsinn!" schrien alle zusammen. „Du das Trinken schon aufgeben? Im Gegenteil, D» wirst erst richtig ansangen; Dü bist ja noch ganz jung, und wenn Du erst so lange getrunken, bis Du neunzig Jahre alt bist, . daiiil wirst Du sicherlich nicht in Deinen jungen. Jahren sterben." Awrom hörte wohl den- Spott, dochlvärer nicht fähig zu antworten; . er fuhr fort, mit dem Kopf zu schütteln, und das-brachte seine Genossen noch mehr aus. — ■: . ' ' „Du Meschummed! Du Posche Jisroel!". tönte es von allen Seiten. ■’ Der bucklige Leiser, der räbbiateste 'nnd 'fanaüschste von alle», überschrie alle »iit seiner krähenden Stimme: „Weißt Du denn nicht,' daß es-eine große Mizwe ist, au: Purim sich so, zu l betrinken, das; man keinen Unterschied zwischen „Boruch Mordcchai" und „Ornr, Honwn" kennt?' .Dü. Ävj,' Du, willst..Dü durch Deine Sünden ein Unglück.über die ganze Khille bringen?" Awroin wurde es angst und bange. Wie ein eisiger Schauer überlies es 'seinen Körpers, er' verspürte es deutlich, daß an der eisernen - Kette, mit der er seine böse Begierde, gefesselt zu haben glaubte, ein Glied nach dem ändern entzweisprang; er wußte, daß, falls nicht bald Hilfe kommt, seine Leidenschaft bald hervorbrechen und.alle,.guten Vorsätze über den Haufen werfen wird. ' s,Bärinherziger Gott!" betete er: '-,-Wenn nicht" meinetwegen,- ffb 'habe Erbarmen mit meinem. Äcibe; mit meinem Kindel" '"7 . '... .Der bucklige. Leiser hatte sich, dicht an ihncherangedrängt und beobachtete ihn scharf. „Aha! Jetzt hab ichs!" rief er schadenfroh. -Ersetgriff-ein gefülltes Glas'. und hielt - e's ihm uister die Nasch lildeiu .er sprach::' '7 7 7. - 77' -7 7- -- . . '.-777 7-7;.7„ . ' „Steh - nur,- Wvrom; der - beste: Schnaps, den Du je getrunken! Und wie er 'schmeckt «nd'"riecht!--Der reinste Mqrtenduft! —"’‘7 7 7.' ,'7 Awrom starrte sprachlos den Persührfi.- an; wie der Blulgeruch die wilden Bestien, so zog - es ihn mit aller Macht zu dem Glase hin. Ei» schwerer 'Seufzer entrang sich sefuer Briist, und eiii Zittern und Beben lief ihm über den Körper. Noch einmal warf er einen wehmütigen Blick dorthin, wo, wie er wußte, Esther in Sehnsucht seiner wartet, und mit einem Schmerzensschrei, der ihm wie eine Tranerklage seines guten Engels in - den eigenen Ohren klang, war er bald unter den Trinkenden, die ihn mit Lachen und Johlen umringten und nnnnterbrochen ihm zutranken. . 7 Ja, Esther, wartete --- wartete ängstlich aus seines Heimkehr; bei' jedem Fußtritt hinhorchend — hinhorchcnd mit ihrem Herze», mit ihrer Seele. Dcr kleine David leistete ihr dabei Gesellschaft und suchte seine Sehnsucht nach dein gute» Mittag, das der Vater ihm versprochen, durch die Neberreste des kärglichen Frühstücks hinwegzutäuschen. Dann setzte er sich hin und dachte eine Weile nach. ,-Mutter, jetzt ist es gerade ein Jahr," war das. Resultat seines Nachdenkens. „Was meinst Du denn?" fragte seine Mutter verwundert. „Weißt Du es denn nicht mehr? Es war doch auch am Purim, als der Vater den Schmalz-Kuchen und die „Kräppchen" aus die Erde geworfen und darauf hermngctrampelt und dann auch noch die RotcrÜbcn-Suppe zum .Fenster - hinausgegossen, ..zu der Du sogar drei Eier genommen hattest. Ich hatte mich schon so sehr auf all die guten Sachen gefreut! Warum hat.er es denn getan.? Damals wolltest Du es mir nicht sagen. — Warum denn nicht?" Esthers Hand fuhr nach dein Herzen. „Weil es nicht gut ist für tlciue Jungen, Fragen zu stellen, außer beim Sedcr das „Ma-nischtano", >var ihre Antwort, mit lächelndem Munde und ioehein Herzen. „Damit Du aber nicht so viel darüber Nachdenken sollst," fuhr sie ivkeder gefaßt fort, „will ich es Dir heute sagen: Du weißt doch, daß es eine Mizwv ist, am Purim allerlei Spaß zu treiben, und — und — da hat sich der Vater auch, einen — einen — kleinen Scherz gemacht." „Das ivar aber ein Spaß, über den ich tueinen und nicht lachen mußte," sprach der Knirps unbefriedigt. „Hoffentlich hat er es sich nicht in den Kopf gesetzt, heute wieder solche Scherze zu treiben. Mir tut schon der Magen weh, wenn ich nur daran denke." --Ich glaube, er ist heute nicht zum Spaßen aufgelegt." Trotz dieser Zuversicht, mit der sie sich selbst am meisten beschwichtigen ivollte, konnte sie doch eines leisen Zweifels sich nicht erwehren. Meint er es denn wirklich mit vollem Ernst, was er ihr heute gelobt? Sie hatte nicht den Mut, daran zu glauben; sie konnte nnr — beten. Und David grübelte loeiter. „Mutter, ich muß Dir noch etwas sagen," brach er wieder los. „Es ist schon lange her. Du hattest wieder auf den Vater so lange gewartet, und ich lag schon lange in meinem Bette. Aber Du hattest den ganzen Tag solche Augen gemacht, daß ich nicht einschlafen konnte und immer daran denken mußte. Endlich hörte ich den Väter lärmend nach Hause kommen, und er fing an, so laut zu schreien und zu fluchen, daß ich Angst bekam und wieder die Treppe herunter ging, um zu scheu, warum er so böse war; und durch die Türspalte konnte ich ganz gut sehen, wie er mit der einen Hand Dich an den Haaren festhielt, und die andere hob er wieder so hoch '— siehst Du so hoch — als wollte er Dich ins Gesicht schlagen. Und Du hast ihn inimer gebeten: „Alvrom tue es nicht! Awrom tue cs nicht! Alles kannst Du mit mir machen, .nur das eine nicht!" — Und dann ließ . er Dich los, und er schlich zum Fenster hin, wo er bitterlich weinte. Da habe ich noch mehr Angst bekommen und schlich wieder ins Bett und zog die Decke über die Ohren, um.nichts mehr zu hören. Hat. dex Vater da.auch, -bloß gespaßt?" . ... .Atemlos.hiell.er.iiple ^rnd. sah gespannt auf. seine Mutter, ihre Antwort erwartend. .Doch er mußte noch . eine, ganze. Weile warten.. Krampfhaft preßte sie beide Hände aufs Herz,.und.dell -MustÄ-gewaltsanr zu einem Lächeln. verziehend, keuchte sie mühsam: „Du bist, ein ganz dummer Junge, der nicht weiß, was er spricht! .Was fällt'Dir-denn eigentlich ein? Sicherlich' hast Du damals vergessen, das. Nachtgebet zu sprechen,., und darumhast Du das närrische Zeug zusamincugcträumt. — Von jetzt ab werde ich gut aufpässen, daß Du es nicht wieder vergißt." Ihre Stimme brach, und sie müßte einen Augenblick innehalten, unb fuhr dann mit einem tiefen Seufzer fort: „So ist cs immer mit Kindern; was sie in der Nacht träumen, das glauben sie ganz, bestimmt gesehen zu haben und erzählen es dann allen Leuten." (Fortsetzung folgt.) 6egen Gicht und Rhenmatlsinns bewährt. Wochen-Kaleirder. (Zeitangaben nach dem LnaphA Samstag, dem 9. März (= 23. Adar): Sabbat-Anfang iü Frankfurt a. M. 5 Uhr 50 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 05 Min. Berlin 6 Uhr 40 Min: .- -.- Wcchenabschuitt: Waj.akhel irud' Pekudei. Beide Wochcnäbschnitte sind inhaltlich einander sehr ähnlich. Sie erzählen die Aufstellung und Weihe der Stiflshütte, die Einsetzung und Salbung der Priester, >vie das — als Gebot — iu den- Wochenäbschnitten Tcrumo - und Tezawe . angegeben. Wiederholt sind hier beschriebe»: die Bretter zur Stiftshütte, die Teppiche, die heilige Lade, der Tisch mit den Schaubroten, der goldene Leuchter, der Opfer-und Räücheraltar, die - Bedienungsgesäße, die . verschiedenen Prie- 'tcr-Gewänder usw. — Die Aufstellung., der Stifts- Hütte fand im Monat Nissan statt, vom Räusch- Chaudesch an beginnend. Die Priester wurden jedoch chon zuvor — in den letzten Tagen des Monats Advr — geweiht. Lehre daraus: Das Heiligtum ist an sich nicht die Hauptsache; erst die.Priester geben ihm Wert und Weihe, wie auch der prunkvollste Syiiagogenbau wertlos erscheint ohne die froinmcn andächtigen Beter. — (Die Stiftshütte, deren Aufstellung wir iu genannten Sidraus erfahren, begleitete Israel bei dem Zuge durch die Wüste, wurde dann im hl. Lande zu Silo, Gilgal, Nob und Gibeon aufgestellt. 'Nach dem Aufbau des festen Tempels in Jerusalem ward sie in einer Vorhalle desselben aufgehoben.) S ch n b b o s - P a r s ch a s - P o r o , d. h. der Sabbat, an dem der Abschnitt von der roten Kuh verlesen wird. (4. B. M. Kap. 19.) Es ist ein Abschnitt rätselhafte» Inhalts. Wir hören von einer vollständig roten Kuh, die als Sühnopfer geschlachtet werden sollte, um dann zu Asche verbrannt zu werden. In den Brand warf man Zedernholz, Mop und Karuicsinsaden. Die Asche wurde in verschiedenen Urnen aiisoehoben. Wenn nun jemand an eine Leiche rührte, oder an ein Grab, an Leichenknochen, an Leichenstaub, an Gesäße, die mit Toten in Berührung kamen, oder wer mit einer Leiche unter einer Bedachung geweilt, der war „tome" (unrein) mindestens 7 Tage. Er ivurde vom Priester „entsündigt" oder gereinigt: man füllte ein Gefäß mit lebendigem Quellwasser, mischte darein von der Asche der roten Kuh und besprengte mit dieser Mischung vermittelst Nsop-Stengelchen de» „Unreinen" am 3. 'und 7. Tage.' Erst dann war der Genuß gewisser Opfergaben oder der Eintritt ins Heiligtum gestattet. (Jur Sinne dieses Gebetes gelten wir heutzutage alle als „Unreine", da wir kein Sprengwasser besitzen!) — Das Qicbot der „roten Kuh" gehört zu den sogenannten „Chuckiin", Satzungen von denen wir keinen Grund wissen. Nie werden wir den wahren Grund erfahren, alle Erklärungsarten bleiben nur Versuche. Die Verordnung führt an das größte Problem unseres Daseins: Leben und Tod. Dunkel, wie unser Komnicn und Gehen, bleibt das Poro-Gesetz mit seinen eigentümlichen Vorschriften, die alle in der mündlichen Lehre näher erklärt werden. Sv z.. B. wurden alle tome (unrein), welche die rote Kuh bei der Opferung behandelten, und doch machte man mit der Asche Unreine rein! Das Jauzer dieses Sabbats spricht davon, enthält auch einen schönen Vergleich mit der Sünde des goldenen Kalbes. Warum wird der Abschnitt jetzt verlesen? Israel sollte am ErekPesach das Pesachlamm schlachten; da sollte jeder' rechtzeitig die Reinigung durch „Sprengwasser" vernehmen, falls er tome geworden, also nicht das Heiligtum betreten kann. Parschas- Poro mahnt schon nach Purim an diese Pflicht, besonders da Her Reinigungsakt 7 Tage beanspruchte. Einsegnung des Neumondes Nissan, der auf nächsten. Schabbos (16. März) fällt. Aus der Geschäftswelt. Die durch die'„Osfenbacher Drücklilftanlage" in ,-Osscnbach a. M." eingesührte Teppichreinigung mittelst D r « ck l n f t - bedeutet einen' unb'eischreiblich großen Fortschritt auf dem Gebieteder Teppichreinig»ng. Es «lögen daher die, nachstehenden Worte dazu dienen, dein' Publikum Aufschluß, zu geben über die Vorzüge, die durch die Drucklüfte Reinigungerzielt werden. '•'* - Das Druckluft-Reinigungsverfahren - beruht darauf, daß der zu reinigende Teppich einem-Ström komprimierter, in seinen Strahle» verteilter Lust ausgesc.tzt wird, ivelche alle Unreinigkeiten wie Schmutz, Staub, Bakterien nsw. aus dem Teppich heraus und von demselben mit sortreißt. Durch diese Behandlung wird der Teppich bei unbedingter. Schonung des. Stosses vollkommen gesäubert. . . . Die ursprünglichen Färben treten wieder in klarer- Frische hervor, sodäß der Teppich, selbst in den zartesten Nüancierungenwieder schön prächtig und wie neu anssieht. 7V

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