Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1907)
- Date
- 1907-03-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Krankfrtrker Zstiklitislhks lamilirnhlutt. -— Diese Zeitung erscheint wöchentlich. > JedaLtion und chefchLstsstell-: ' Jnfertionspreife:;, Aöonnementspreis pro Vierteljahr:. In Frank- Srankfurt a. w.. Die viergespaltene Petitzeile. 25 Psg. furt a. M. Mk. 1.— frei ins Haus. Bei der Post Lleichstraße S, Lcke vilbelerstratze Die Reklamezeile .. 100 .. abonniert im In- und Ausland Mk. 1,02 (einschließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk. 1,50, VeCeftn 10507. 1 K 1 Platz» und Daten-Borschrist ohne Verbindlichkeit. Beilagen: sonstige Länder Mk. 2.— - - ■ - . - — -J » Heransgsvw: Sals H-ts. , Prem nary ueoereurrunir. : 5. Jahrgang. Freitag, -en 22. Mar 5667 (8. Marz 1967). No. 10. Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Der Jahresbericht des Hilfsvereins der Deutschen Juden. — Die Woche. — Aus aller Welt. — Personalien. — Feuilleton: Die MegillealsLebensretter.— Wochen-Kalender. — Aus der Geschäftswelt. — Familiennachrichten. Der Jahresbericht des Hilssvereins der Deutschen Inden. Dein Jahresbericht des Hilfsvereins der deutschen Juden entnehmen wir: Die Zahl der Mitglieder des Hilfsvereins der deutschen Juden, der nunmehr sein 5. Geschäftsjahr vollendet hat, ist im letzten Jahre allein um etwa 4500 von 9500 auf rund 14 000 gewachsen. Die Mitgliederbeiträgc und die Spenden für die allgemeinen Zwecke des Vereins haben sich entsprechend von 107 000 Mark auf rund 140000 Mark erhöht. — Von den Arbeiten dieses Jahres sei zuerst das Hilfswerk für Galizien genannt, das der Hilfsverein in Gemeinschaft mit der Großloge für Deutschland und dem Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien durch Einführung von Hausindustrieen, wie die Erzeugung irischer Spitzen, Spitzenklöppelei, Haarnetzerei, Kleiderkonsektion und durch Unterstützung von Kreditgenossenschaften betreibt. Es sind durch diese Tätigkeit bereits 7 Hausindustrieen in Galizien neu eingeführt Ivorden, und über 2500 jüdische Arbeiter und 'Arbeiterinnen finden in diesen Jndustrieen ihren Erwerb. Durch die Gründung von Analphabetenschulen soll demnächst zur intellektuellen Heb-, ung der breiten Volksschichten in Galizien beigetragen werden. — In den Ländern des Orients, in Rumänien, Bulgarien, der europäischen und asiatischen Türkei sorgt der Hilfsverein der Deutschen Inden für die Hebung der Bildung der Juden und für die Förderung ihres wirtschaftlichen Fortkommens durch S ch u l g r ü n d n n g e n. Speziell in Palästina hat das Schulwerk einen bedeutenden Ausbau erfahren, und eine weitere Ausgestaltung erfolgt zu Beginn des Jahres 1907. Zu den zwei Kindergärten in Jerusalenl und den Kindergärten in Jaffa und Sased, der Mädchenschule in Jerusalem und dem Lehrerseminar, die im Jahre 1906 bereits bestanden, kamen in demselben Jahre hinzu ein dritter Kindergarten in Jerusalem und ein zweiter in Jaffa; ferner ist in Jaffa eine Knabenschule begründet und in Hebron eine Schule subventioniert worden. Des weiteren wurden die Kunstgewerbeschule Bezalel, die Zentralbibliothek in Jerusalem und ein Schulderem in Safed unterstützt. Es wurde alsdann noch beschlossen, am 1. April -1907 eine dreiklassige Handelsrealschule im Anschluß an die Lämelschule und in Verbindung mit dem Lehrerseminar in Jerusalem zu eröffnen, und es wurden die Mittel zur Begründung von Kindergärten in Beirut und Haifa, sowie ein erheblicher Beitrag für die Lämelschule bewilligt. Im Jahre 1907 wird der Hilfsverein nunmehr folgende "Schulen unterhalten und unterstützen : 9 Kindergärten, - 11 Knabennnd Mädchenschulen, 1 kommerzielle Mittelschule, 1 Handelsschule, 1 .Haushaltungsschule, 1 Handwerkerschule, 1 Knnstgewerbejchule und 2 Seminare, insgesamt 27 Institute mit mehr als 3500 Zöglingen. — Die Bestrebungen des Hilfsvcreins für eine Besserstellung der marokkanischen Juden, bei denen der Hilssverein durch die Auglo-Jewish- Association, die Wiener 'Allianz, hervorragende Einzelpersonen anderer Länder, namentlich durch Jacob H. Schiff unterstützt wurde, hatten den Erfolg, daß die Mächte auf der Konferenz zu Algeciras einmütig eine Resolution zu Gunsten der marokkanischen Juden annahmen. — Der .Hilfsverein hat auch in diesen! Jahre au der Durchführung des großen r u s s i s ch e n Hilfswerks in hervorragender Weise teilgenommen. 1km das .Hilfswerk zu fördern, war der Geschäftsführer im Ehrenamt, Herr Dr. Paul Nathan, wie beim Beginn des .Hilfswerkes so auch bei seinem Abschluß in diesem Jahre in Rußland und wurde bei dieser Gelegenheit sowohl von dem Ministerpräsidenten Stolypin als auch von dem Fiuanzminister Kokowzew empfangen. Neben den 1060 000 Mark, die vom Oktober bis zuin Schluß des vorigen Jahres für Rußland überwiesen wurden, wendete der Hilfsverein 1906 tveiterc 1470 000 Mark auf, jodaß er seit dem Ausbruch der Massenpogromc rund 2>/z Millionen für Rußland verausgabt hat. Als ein Teil des russischen .Hilfswerkes ist die Organisierung des Liebeswerkes für die russischen Waisenkinder zu erwähnen. Von den 1650 Kindern, die durch die Judenmetzeleien vertvaist wurden, konnte der größte Teil in Rußland versorgt tverden. Für 120 der Aernlsten aber wurde durch des .Hilfsvereins und der Großloge Vermittelung in Westeuropa und in überseeischen Ländern eine neue Heimat geschaffen. — Im engen Anschluß für das Hilsswerk für Rußland vollzog sich die Fürsorge, die der Hilfsverein den jüdischen A u s w a n d e r e r n durch sein Zentral-Bnreau sürjüdischeAuswanderungsan gelegen heilen angedeihen ließ. 132 000 jüdische Auswanderer, zum größten Teil russische, haben ihren Weg durch Deutschland genonrnien, und wenn auch nicht alle der Fürsorge des .Hilfsvereins bedurften, so wurde er doch vor die Aufgabe gestellt, diesen Strom, der sich durch Deutschland ergoß, so zu lenken, .daß die Durchwanderung durch Deutschland sich glatt und ohne Störung vollziehe, damit nicht, wie in früheren Jahren starker Auswanderung, in Unordnung und Hast die Massen über die deutsche Grenze kamen und für sich, für die deutsche Judenheit Katastrophen herbeiführen, die ein Einschreiten der Behörden notwendig machten. Durch Errichtung und Unterhaltung von besonderen .Herbergen an der Grenze wurde den Auswanderern 'Nahrung und Obdach geboten nnd sie vor 'Ausbeutung, Ucbervorteilung und körperlichen und moralischen Schädigungen, denen sie in ihrer Unbeholfenheit und Unwissenheit ausgcsetzt sind, geschützt. 'An den Haupteisenbahnknoteupunkten wurden Verpflegungsstellen eingerichtet. 60 751 Answanderen hatte der Hilfsverein in dieser Weise seine Fürsorge zuwenden können. Tic .Herausgabe des Korrespondenzbla t t e s für A u s w a n d e r u n g s - Angelegenheiten ist fortgesetzt worden. In diesem Jahre sind 6 Nummern erschienen, in denen die wichtigsten Auswanderungsallgelegenheiten besprochen lvurden. Sie wirkten aufklärend auf die Presse, gaben den Organisationen und Komitees und den einzelnen Auswanderern Belehrung nnd Förderung und stifteten so reichen Nutzen Die zum Gebrauch der Auswanderer herausgegebenen Wörterbücher sind bereits in einer zweiten Auflage erschienen. Die Beantwortung der Briefe von Answanderungslustigen hat sich in diesem Jahre erheblich gegen das Vorjahr gesteigert. 1858 Anfragen von 8200 Personen, darunter 100 von christlichen Ausivanderungslustigen, liefen ein und wurden erledigt. Durch Verhandlungen mit Behörden nnd Schiffahrtsgesellschaften und privaten Organisationen sind neben den Reiseverbllligungen und Erleichterungen aller Art die Grundsätze für eine planmäßige Regelung der jüdischen Auswanderung festgesetzt ivorden. Des Hilfsvereins besondere Aufmerksamkeit hatte der Plan, die jüdische Auswanderung von New-Iork und den großen Zentren abzulenke». Die Vorarbeiten darüber sind zum Abschluß gekommen. Die gesamte jüdische Auswanderung dürfte im vergangenen Jahre über 200000 Juden betragen haben. Sie ist also viermal so groß als im Jahr 1881/82 und dreimal jo groß als im Jahre 1891/92. und doch vollzieht sich diese jüdische Auswanderung ohne Ströungen und Mißhelligkeiten. Dieses gewaltige philanthropische und soziale Hilfstoerk, auf das der Hilfsverein auch in diesem Jahre zurückblicken kann, ist nur möglich gewesen durch die freudige und opferwillige Unterstützung, die der Hilssverein in Deutschland gefunden hat. In welchem hohem Maße diese dem Hilssverein zuteil geivorden ist, das zeigen die Ausgaben, die er seit seinem Bestehen für humanftäre Zwecke hat machen können. Im 1. Jahre 31152.67 Mk. „ 2. „ 317 618.82 „ „ 3. „ 146756.04 „ „ 4. „ 1110214.21 „ „ 5. „ 1475 000.00 „ In fünf Jahren also 3081741.74 Mk.