Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ynanffuttcc ZsractinilyeS itaimttmmari. Seite 10. Aon städtischen Abgaben hatte» die Juden vor allem die Schätzung, eine Vermögenssteuer, in Höhe von 1/3°° des Vermögens zu entrichten; aber stvährend der ärmste Christ nur auf 50 Guide» geschätzt wurde, mußte der ärmste Jude mindestens 1000 Gulden, ein Baumeister (dies der Titel der Leiden ersten Judenvorsteher) sogar 3000 Gulden versteuern. Aus den Schätzungslisten ergibt sich die Tatsache, daß die großen Vermögen bei den Christen, nicht Lei den Juden, anzutreffen waren. Weitere Abgaben waren: Schutzgeld in Höhe von 2000 Gnlden jährlich, Einschreibegebühr für die alle 3 Jahre zu erneuernde Stättigleit, Zleischsteucr, Wcinsteuer usw. usw. Selbstverständlich erpreßte jeder Heerführer, der während de» 30jährigen Krieges Frankfurt nahte, den Juden Geld. Trotz ihrer Beschränkung hatten die Juden eine autonome Gemeindeverfassung, eigene Gerichtsbarkeit und Strafvollstreckung. Leider wurde ihnen durch eigene Schuld die Selbstwahl ihrer Vorsteher genominen. Die fortlvährenden Beschwerden aus der Judcngasse gegen Eigeninächtigkeiten usw. der Vorsteher vcraulaßten den Rat, das; er sich das Bcstätigungsrccht vorbehielt; ja 1626 setzte der Rat zwei Vorsteher eigenmächtig ein, weil ihm die präsentierten nicht gefielen. Die Verfassungsstreitigkeitcn tun zur Genüge dar, daß innerhalb des engen Ghettos doch Raum für das Spiel menschlicher Leidenschaften, für Herrschsucht, Stolz, Ehrgeiz und Eitelkeit und für die Empörung der Niedrigen und Unterdrückten war. Aber auch ein reges geistiges Leben blühte in der Gasse und die traurige Zeit des 30jährigen Krieges vermochte nicht, es zu beeinträchtigen (die ausgezeichneten Gelehrten Meier Schiff, Simon Günzburg, Selkin Stisel, Joseph Hahn, die Rabbinen Chajim Cohen und — von 1629 ab — Horovitz). Wir bedauern, daß wir nur einen Auszug des vortrefflichen Vortrages geben können, bei dem vieles, was in dem Vortrage ein helles Licht auf das Leben in der Judcngasse ivarf, verloren gehen mußte. Herr Dr. Krakauer hat seinem Namen als gründlichen Geschichtsforscher mit seinen Ausführungen alle Ehre gemacht. Frankfurt a. M. Der Shnagogenchor der Neuen Gemeinde-Synagoge veranstaltet-am Samstag, den 2. Marz d. I., abends 8Vs Uhr, im Kaufmännischen Vereinshause eine Purim fei er (Abcnduntcrhaltung mit Tanz). Das Programm ist außerordentlich abwechselungsreich und wird alle» Teilnehmern an der Festlichkeit viel Unterhaltung gewähren. Karten ä 1 Jk sind am Festabend am Saal- - eingang zu haben. Berlin. Das jüdische Kindergenesungsheim „Solbad Elme 1," I)at in den letzten Jahren 500 Kinder unter der Leitung des leider verstorbenen Herrn Adolph Mayer verpflegt. Die Mittel hierzu gewährte der unter.Leitung der Frau Cäcilie Fricdländer stehende „Kinder-Sparverein", während der „Verein für jüd. Ferienkolonien" feine Räume in Elmen für die Monate, in denen sie von ihm nicht in Anspruch genommen werden, zur Verfügung stellte. Es trat jedoch die Notwendigkeit ein, eine Einrichtung zu schassen, die es ermöglichte, kränkliche und eben genesene Kinder zu jeder Zeit aufzunchmen. Zur Erreichung dieses Zieles spendete ein Berliner Herr 100 000 Jk, und in einigen Wochen wird nun die Anstalt, ausgestattet mit allen - hygienischen Einrichtungen der Neuzeit, ihrer Bestinimung übergeben werden. Lstrowo, 28. Febr. Am 24. d. Mts. hielt Herr Rabb. Dr. Krauß aus Schildberg im hies. jüd. Literaturverein einen Vortrag über das Thema: „Optimismus und Pcssiniisinus im Buche Kohclet". Der Redner führte ans, daß Optimismus und Pessimisnlus, wie sie im Buche Kohelet dem Leser entgegcntreten, keine unversöhnliche Gegensätze sind, sondern auf eine einheitliche Lehre hinzielen, der eine echt jüdisch-religiöse Lebensanschaunng zugrunde liegt. Hannover. Der Verein zur Unterst ü tz u u g i s r. A r NI c n u II d B e s e i t i g u n g d e r H aus bettelet (Vorsitzender: Hermann Meyer) veröffentlicht gleichzeitig mit seiner Einladung zu der am 7. März stattfindendcn Generalversammlung den Rechenschaftsbericht über das 26. Jahr seines Bestehens. Danach betrugen seine Einnahmen: Mitgliedsbeiträge Jk 8763, Spenden Jk 1720, Zuschuß der Stadt Hannover Jk 1000, Zuschuß des Hilfsvcrcins der deutschen Juden Jk 2000 und Zinsen Jk 7,11. Diesen Einnahmen im Gesamtbeträge von Jk 13 490 stehe» die Ausgaben im Gesamtbeträge von Jk 13 346 gegenüber. Stratzburg, 25 Febr. Letz'en Samstag Abend sprach im hiesigen Jüd. Literaturverein Rabbiner Dr. Wilenski -Nikolajew über das Thema „Unter dem Drucke eines 100jährigen Ausnahmezustandes". Personalien. Dresden. Am 15. fteb-uar starb bier Herr Albert Wolf, der die schönste und reichhaltigste Sammlung von k u n st h i st 0 r i s ch e n Denkmälern des Judentums besaß. Uebcr 50 Jahre sammelte der Verstorbene mit größtem Fleiß und tiefem Verständnis, so daß seine Zusammenstellung jüdischer Münzen, Urkunden, Knltusgegcnstände, Bilder usw. einen sehr hohen Wert besitzt. Die ganze Sammlung schenkte der edle Verstorbene auf Veranlassung des Buchhändlers Louis Lamm- Berlin der Berliner jüdischen Gemeinde, die nunmehr das reiche Erbe antritt. Auch schriftstellerisch ist Albert Wolf mit großem Erfolg hervorgetreten. Seine Abhandlungen über jüdische .Künstler, jüdische Münzen usw., die in angesehenen'Zeitschriften erschienen, sind in jeder Beziehung mustergiltig. Eine Reihe von Arbeiten blieb unvollendet. Wolf zeichnete sich auch durch unerinüdliche Wohltätigkeit aus. Aus der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Mit Beiug auf die für April geplante zweite Gesellschaftsreise nach Palästina (Veranstalter: Zion- Zentral - Verein, Wien) schreibt ein Teilnehmer an der ersten der „Jüd. Presse", daß trotz Ankündigung im Prospekt auf der ersten Reise nur sehr mangelhaft für rituelle Verpflegung gesorgt war, ja sogar, daß der geschäftliche Unternehmer, der die Reise leitete, vom Zion. Zcntralverein v e r - Nr. 9 pflichtet war, auf Verlangen Trefa-Speisen zu liefern. Es liegt uns fern, mit der Wiedergabe dieser Mitteilung das geplante Unternehmen schädigen zu wollen. Es ist möglich und es scheint.uns sogar so, daß diesmal, falls nicht wieder Aenderungen vorgenommen werden, für zuverlässige rituelle Verpflegung Sorge getragen ist. Was wir wollen, ist daS: gegen das unerhörte Verfahren des Wiener Zentralvereins den schärfsten Protest LU erheben und ihi» vor Augen zu halten, wie schwer er die zionistische Sache schädigt. Welches Vertrauen sollen die Gesetzestreuen zu den zion. Organisationen hegen, wen» selbst schon in so untergeordneten Dingen — wir meinen damit nicht ob man koscher oder trefa, sondern ob man dies oder jenes ißt — mau sich nicht scheut, jede Spür von billiger Rücksicht bei Seite zu schieben. Wie soll es denn erst in großen Frage» von prinzipieller Bedeutung sein? Das Verfahren des Wiener Zion. Zentralverein war nicht nur rücksichtslos und unbillig gegen die gesetzestreuen Gesinnungsgenossen, es verstieß auch gegen alle Treue und allen Glauben. F. Kunst und Literatur. Meyers Großes Konversationslexikon. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Jk oder in Prachtband zu je 12 Jk (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Vier Jahre gerade sind hingegangen, seitdem der erste Band der neuen Auslage des „Großen Meyer" in die Welt hinausgegangen ist. Die bis jetzt vorliegenden 15 Bände umfassen 13598 Seiten Text, zu denen 123 farbige und 700 schwarze Tafeln sowie 137 Karten u. 157 Beilagen hinzukommen. DaS kann mau wohl für einen Zeitraum von vier Jahre» als erstaunliche Leistung bezeichnen, auf die wir als Fachleute um so lieber die allgemeine Aufmerksamkeit lenken, als sich der Laie in der Regel, Ivenn er niühelos erntet, was ihm der Augenblick zu suche» eingab, gar keinen Begriff macht, welches Maß von geistiger Arbeit da aufzuwenden war und wieviel Kräfte zum Gedeihen des Ganzen zusammenwirke» mußten. Das sind heute die Empfindungen, mit denen wir das Erscheinen des bis zum Stichwort „Plakatschristen" reichenden 15. Bandes begrüßen, auf dessen reichen Inhalt auch nur andeutungsweise einzugchen wir uns diesmal versagen wollen, nachdem wir bei unfern früher,: Anzeigen die erschöpfende Vielseitigkeit, die haushälterische, aber gründliche Stofsbchandluug, das Objektive in der Darstellung, die hervorragende Berücksichtigung des Zeitgemäße» in Wort und Bild und viele andre Vorzüge nachgewiesen und durch Beispiele genügend erhärtet zu haben glauben. Briefkasten. B. Borg, G r 0 ß b l i t t e r s d 0 r f. Jk 8 für nufere russischen Brüder dankend erhalten. M. R. Samstag, den 1. Februar 1908 (Mischpotim). o © o o o o o o Adalbert Schmelz Reuterweg 58, Ecke Praunlieimerstrasse .—= Telephon 10674 - .= billigste Bezugsquelle von Kolonialwaren, Delikatessen, Weine. Cognac, Materialwareu, Konserven, Obst u. Gciniise in nur Ia. Qualitäten. 1.. . Alle Mineralwasser, o o o o o o o o Total-Ausverkauf wegen Aufgabe des Ladengeschäfts von Uhren und Goldwaren mit 20 Prozent Rabatt Gr, Baunihaner 102 Fahrgasse 102. 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