Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Eeeit 12 %. 5 (Ifrcmfmutec Ziraetttilcher ,Yjm;he;iDiüii Jnives 1889 erschienen. Jetzt wurde die ganze Handschrist mir Unterstützung des Monrefiore College veröffentlicht. Diese Schrift, die das Judentum iit einer feinen, fast modern klingenden Sprache gegen die Angriffe eines getauften Inden verteidigt und mir astrologischeil und andren Vorurteilen einen erbitterten Kampf fuhrt, ist ein glänzender Beleg für die Geistesgröße unsrer spanischen Weisen. Wie schade aber, das; sie keinen besseren Cditor als Mr. Belaseo finden konnten. Anstatt uns in der Introduktion genauer mit der Person des Verfassers lwarum Pnlgar und nicht Polguar mit Steinschneider?! bekannt zu macheil, mit den Umständen, die 511 der Entstehung der Schrift bcigetragen haben oder den Abweichungen zwischen de'.i vorhandenen Exemplaren u. dgl., gibt uns Mr. Belaseo in den 31 Seiten der Einleitung ein Resümee des Werkes, das doch den Fachmann, für die allein derartige Manuskripte ediert werden, recht wenig interessiert. Ein besonderer Zug der Edition sind die 8 Seiten Petit gedruckten „Errata" -- auf 104 Seiten Text — die bei weitem die „eingeschlichcnen" Fehler llicht erschöpfeil, lind die unmöglich der Druckerei znznschrcibcn sind, die als Korrektor keine geringere Person als den bekannten hebräischen Schriftsteller Eh. I. SSi'emtcr angestellt hat. Riebt eimnal eine mehr oder weniger allständige Ediiioit zu liefern, sind unsere englischen Reverends iinstande. Dr. I. M. S . . . d. „E i >l n a nl e n l 0 s e s K i n d". Tralierspiel ill drei Allfziigen von I. R a b b i il 0 iv i e z. E. Pierson's Verlag, Dresden. Während Rabbinolvicz in feinem „Ein namenloses Kind" als eifervoller Individualist die Allklage gegen die rlissische Gesellschaft erhebt, bringt er dabei Tendenz llnd Gestaltung, die widersprechendstell Charaktere, Laster und Tugend, lind mit nicht gewöhnlicher technischer Kraft die entlegensten Gefühle in ein d r a n l a t i s ch e s Gleichgewicht. Der Ailtor deckt die Ailarchie in der Fainilie des russischen Handwerkers aus, der feilten Kindern nicht mehr gebieten kanll nild voll scinein Sohne ltnb seiner Frau in ungerechter Weise mißhandelt wird, und stellt sie Ul scharfem 'Gegensätze zu dem innigen Familienleben des Juden, der von grenzenloser Liebe und Zärtlichkeit für sein Weib und seine Kinder erfüllt ist. Ist das nicht Moral geling für ein Drama ans den Tiefeil des Lebells? Der Leser kann mit dieser sittlichell Ausgleichung zufrieden sein. Dem Inden aber bringt es noch die Gewißheit, daß das jüdische Volk lebt und leben wird, ulld es beweist gleichzeitig auch Nietzsches Worte, daß Europa den Inden den großen Stil in der Moral, die Fruchtbarkeit und Majestät unendlicher Forderungen ver- Es wäre aber ein Zeichen unreifer ästhetischer Bildllng, wenrl mall die nationalen Tendeilzen und die künstlerischen Werte in einem Drama nicht auseinanderzllhalten wüßte. Man müßte liicht das geringste ästhetische Vermögen besitzen, um eill tüchtiges Stück lediglich aus dem (Gesichtswinkel eines Politikers oder eines Klagean'waltes zu betrachten. Was aber eben diesem Trauerspiele ZFeben den tiefen Seelenäußerungeil und den scharfeil Charakterzeichnnngeil einen bleibcndeil Wert sichert, das ist die Kunst des Dichters, bei dem Leser den Eindruck hervorzurlifen, daß er ein Stück Wirklichkeit erlebt. A. B. Die goldenen Tür m e, Roinail von Max Geißler. 232 S. JL 3. Leipzig, L. Staackmann. In stillen, lauschigen Abendstunden will dieses Buch gelesen iverdcn, dainit es in seiner Eigenart genossen werde. Wie die Töne einer von weither verhallenden Musik flingt es durch feine Zeilen, und selbst Dort, wo bie Leidenschaften, die Freuden ulid Leidell der Menschell ihre Sprache reden, bleiben die Töne gedämpft. Es ist die Lüneburger .Heide mit ihrer Einsamkeit und ihren so eigentümlichen Reizen. Bedürftige, ruhige Menschen leben weltfern in ihr. Und in dieser Menschen Herzen hat der Dichter mit sehenden 'Augen geschaut, ihres Pulses Hämmern hat sein Ohr gelauscht. S. I. A b r a m 0 rv i t s ch. In diesem Monate vollendete Salomo Jacob 'Abramowitsch ill Rußland, der als der beste jüdische llild hebräische Klassiker gefeiert lvird, sein 70. Lebensjahr. Abramowitsch ist 1*36 in einem kleinen litauischen Slädtchen geboren, genoß eine traditionell jüdische Erziehung ill Eheder und Jeschiivans, erwarb sich allgenleine Bildung uitb wurde nachher Lehrer an verschiedelien Regicrungsschnlen, zuletzt in der Odessaer Talmud-Toraschule. Wie alle ,/Aufklärer" seiner Zeit, benlühte sich auch Abrarnowitsch, allgenieilles Wiffell unter die jüdischen Massen zu verbreiten. To schrieb er denn naturwissenschaftliche Artikel, von denen ein Teil nachher als eilte dreibändige ,/Raturgeschichte" mit Subveutivli des vnffifeben Unterrichtsministeriums erschien, sowie publizistische, pädagogische unb kritische Anssätze ulld einen hebräischen >Kontait „Hoowalis Wehobvniiil" (Vater unb Söhne-, in welchem er den Kamps der alten lind jungen (Generation schilderte. Allgemein befannt lvnrde er aber durch feine humoristischen Erzählungen ans dem jüdischeil Leben int Jargon, die unter dem Psendoniiil „Mendele Mocher-Sesorun" erschienen. Die beste von diesen ist „Die Kliatsche" (Die Mähre-, ill welcher Abramowitsch allegorisch unter der Lebensbeschreibung einer alten, krankem, berbuugcrleu, voll allen Seiten geplagteil und gehetzten Mähre die (beschicke Israels schildert. Die Mähre lvird von allen grausam mißhandelt lind geschlagen, mail läßt sie nicht auf der Gemeindewiese gleich den allde.rn füttern, unb sie bleibt dazu noch die Ungerechte, lind lvenn der Verfasser sich ihrer annimmt nild für sie bei der (Gesellschaft für Tierschutz .Hilfe sticht, bekonlmt er die Antwort: „Die alte, betanute Mähre . . . sie lvird mit -liecht geplagt und mißhandelt: sie gehört eigentlich teiuer Gemeinde an, ist herrenlos, treibt sich wild herum, ist dabei sehr gefräßig, zänkisch, linsauber, unsittlich ulld noch viele andere „Chatoim" haften ihr an." In seinen übrigen Erzählungen „Fischte, der Krumme" (Aus dem Beben wandernder jüdischer Bettler), „Wülischsiilgerl", „Benjamin der III." n. a., Werke, die von Perlen der Poesie und tiefer Psychologie überfüllt silid, lvird voll der Persoil eines altmodischeli, tnauberüben Buchhändlers (Kolporteure) das größtenteils bittere lind kümmerliche jüdische Leben mit großevl Talente, lvitziger, beißeilder Sathre und echtjüdischem Hmnor geschildert. Im letzten Jahrzehnt kehrte A. wieder znm Hebräischen zurück — er überträgt darin seine Jargonschristen —- unb nur er selbst kann Reb Mendele würrig übertragen — und schrieb in feiner alten eigentümlicheil Art einige nelie hebräische Novellen, die auch in einer besonderen Auflage erschienen. Abrai'uowitsch (den die fungeu Schriftsteller „Der Großvater Reb-Mendele" nennen! ist in der jüdischen Literatlir eilt Unikum: sein klassischer, aus dem Leben gegriffener Styl, seine Beobachtungsgabe, feine sarkastische Satyre, wie feine ganze originelle Ausdrucksweise und Schreibart silld eillzig in ihrer Art. (In der dclltschen Literatur fanu man ihn einiger Maßen mit Fritz Reuter vergleichen.) Er hat in dieser Beziehung weder Borgällger noch Nachfolger, er ist ein echt jüdisch-origineller Typus - die polnischen Kritiker -nennen ihn den „jüdischen Cervantes" —. Er ist Bolksschriftslellcr int vollen Sinne des Wortes. Seilie Werke bcfjaubeln mit tiefer Liebe, das jüdische V 0 l k s leben mit seinen kleineil, welligen Frendeil und großeil, vieleil Leiden, mit dem speziell jüdischen Galgenoptimismns unb „bitterem Lachen" in v 0 l k s t ü nr l i ch e r Weise, merbeit auch deshalb vom Volke viel gelesen lind sind bei ifjm beliebt. Reb- Mendele war auch fast der erste talentierte Schriftsteller, der iil Jargon, in der Volkssprache, also vom Volke für das Volk schrieb. Seine Werke haben auch einen bedeutenden kulturhistorischen Wert In ihnen spiegelt sich mir seltener Genauigkeit, kunstvoller Zusamnietlstellung ulld Präzision das alte jüdische Leben ill Rußland, sowie die ganze originelle altjüdische Denkart, die eigentüntliche Lebensanschauililg nlid spezielle jüdische Weltauffassuiig. Dem zukünftigen Kllltnrhistvriker werden Abramowitsch's Schriftell den Eillblick in die alte jüdische Volksseele viel erleichtern und erhellet!. Eillige seiner Schriften sind ins Russische, Pvlncsche, Tschechische unb Englische übersetzt: besonders viel hat sich mit ihm die polnische Kritik beschäftigt: während seines Aufenthalts in Warschau wurde er vom polnischen Schriststellerklub außerordentlich gefeiert. Seit denn letzten Odessaer Pogrom wohnt er in (Veils, ivo er im vorigen Jahre zu feinem 00jährigen Schriftsteller - Jubiläum voll der jüdischen Studentenschaft aufs märmfre gefeiert wurde. G i e ß e n. M. Sackheim. Vereins - Kalender. ,,Montefiore"-Berei«. Mittwoch, 6. Febr. er., abends 9 Uhr. Herr 2. Rothschild, Worms: „Berthold Auerbach" (zu seinen! 2.9 jährigen Todestag). Verein Tiferes Bachurim. Sonlltag, 3. Febr. er. Herr Eugeil Adler: „Rabbi Je.hnda Hakodansch". Zionistische Vereinigung Frankfurt a.M. Donnerstag, 7. Febr. er. abends 9 Uhr, Loge Adler, Seilerstraße 22. Bortrag mit Lichtbildern: Ingenieur Treidel aub Jaffa: Wirtschaftliche Berhältliisse in Palästiita. Verein siir jüdische Geschichte und Literatur. Montag, 4) Febr. er., abends 8r2 Uhr, im Saale der Frankfurt-Loge, Efchershciiner Landstraße 27, Vorrrag des Herrn Rabbilter Dr. Ludwig A. Rosenthal ans Preusstsch-Stargard, über: Psnlinen uitb Weltliteratur. Verein Nachalatz Zwi. Nilttwoch, 6. Februar er., abends 8-1 Uhr im Vereinslokale, Schützenstraße 2. II. Lehrgang. Einteilnngsprinzipicrt der jüdischen Gesetzeslehre. Leitung: .Herr Professor Dr. E. Fink. Taurans u. Mizwaus (Lebensgrundsätze uitb Gebote der Liebe!. Referent: Herr Leopold Oppenheimer. V 0 r l e s u n gen f ü r D a nt e n. Sonttkag, 3. Februar, abends 6 Uhr, Am Tiergarten 8. „Die Ze.öno Ur'eno-LUeratnr als Franenlektüre". II. Die Frau itu Lichte der Zeöno Ur'eno-Literatnr. Herr Prov.-Rabb. Dr. Hirschfeld ans (üießen. Verein Mekor-Cbajim. Soltntag, 3. Februar er., abends 6 Uhr (Schützenstraße 2). Vorlesung des .Herrn Professor Wehl ans „Jofua". H a m b n r g - A m e r i k a - L i n i e. Die llächsten Abfahrten von Post- und Passagierdnmpfern nach Newyork filtden statt: 30. l. Postd. Amerika: 2. 2. Pvstd. (vraf Waldersee: ■>. 2. Postd. Prinz Sigismund: 9. 2. Postd. Batavia: 10. 2. Pvstd. Kaiserin Auguste Victoria: 23. 2. Postd. Pretoria: 2. 3. Postd. Patricia: 7. 3. Postd. Amerika: 9. 3. Postd. Pennsylvania: 16. 3. Postd. Graf Waldersee. S Caf6 Constabler, wÄIenJ Zum Prinzen «.Madien tu t a. M Ludwig Stotz. Verein Montefiore, Selterstrasse 22 prl. Vereins - Voealitäten geöffnet täglich von 12—3 und 6—11 Uhr. Samstag und Sonntag den ganzen Tag. Israelitischer Mädchenklub Fahrgasse 146. mr Jeden Abend von 7 Vs—10 Uhr geöffnet. Wir bitten unsere Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme auf unser Blatt bei unseren Inserenten zu decken. Frankfurter Israel. Familienblatt Die nächsten staatl coneess. Kurse der Massage und Heilgymnastik ■/.. Ausbildg. v. staatl. gepr. Heilgehülfen, Masseuren bezw. Masseusen am 11. Februar und 8. April, er. Näh. Frankfurt a. M., Praunheimerstr. 9. Spiecbst.: Wochentags 3—4. Dr. Kratzenstein. Empfehle mich in Anteiligen von Kostümen, Blouson u. s. w. Frau Ulrich Frankfurt a. M. Neue Zeit 32, 2. I. Fernspr. 4600.