Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 5 1) Die Adaß-Jeschurun ist unauflösbar, so lange ein einziges Mitglied, auf jeden Fall aber so lauge ein Minjan noch vorhandeil ist, welches ihre Zwecke erfüllen kann. 2} lieber das Eigentum der Adaß-Jeschurnn. die wir nach wie vor zu Recht bestehend betrachten und die wir auch ferner fortzuführen ernsten Willens sind — zil verfügen — hat weder der Vorstand noch eine zu dem Zweck von ihnl einberufene Versammlung irgend welche Berechtigung. 3) Wir bestreiten Niemandem das Recht, von welchem ja auch bereits Gebrauch gemacht worden ist, auch ferner in Konventikelu sich abzusondern. Der Adaß-Jeschurnn aber werden wir nach wie vor ihre Existenz sichern. Eisenach. Die Wablvarole des Zentrums hat ihren Zweck erreicht: statt des freisinnigen Kandidaten Archivdirektor Dr. Winter ist der Antisemit S ch a ck i n d i e S t i ch w a h l g e k v m m en. Karlsruhe. Rechtsanwalt Dr. Weill, der in Stichwahl mit dem Sozialdemokraten Geck stehende KandidatderlibcralcnBlockpart e i e n, ist wohl Jude, doch hat er seine Kinder t a u f e n lasse n. Dr. Weilt, der vielen jüdischen Kreisen nicht genehni ist, wurde so spät nominiert, daß ein Protest gegen seine Kandidatur zwecklos gewesen wäre. Strastburg i. Elf. Drucks landesberrliche Verordnung ist die Anlegung eines israelitischen Friedhofes int Banne der Stadt Straßburg Untergemarkung Königshofen - Krcnenbnrg, neben dem Hauptfriedhof, als im öffentlichen Nutzen liegend, für dringend erklärt worden. — Die Einweihung der Synagoge in St. Ludwig, nach welchen: Orte auch das Rabbinat, dessen Sitz bisher Hegenheim tvar, verlegt worden ist, ist ailf den 5. Februar festgesetzt worden. Hegenheim, das einst eine Gemeinde von 180 jüd. Familien war, hat eine schöne und gut erhaltene Synagoge. Doch jetzt wohnen nur noch wenige jüdische Familien in Hegenheim und die Synagoge wird selten benutzt. Hannover. Das Repräsentanten-Kollegium wird in Kürze die Wahl e i n c s z w e i t e n O r t s - rabbiners vornehmen. Weitere Probepredigten finden nicht mehr statt. Oesterreich-Ungarn. Wie«. Eine j-üdische Gesellsebaitsreise nach dem Heiligen Lande wird im Frühjahr d. I. Vvin Zionistischen Zentralverein Wien IX., Türkenstr. 9 veranstaltet. Die Reise dauert 32 Tage (von 15. April bis zum 16. Mail, v«i welchen 2 Tage in Konstantinopel, V-> Tag in Smyrna. 3 Tage in Syrien (und zwar in Bevronth, Libanon und Damascus). 12 Tage in Palästina und 5 Tage in Egypten (Port Said. Cairo. Heluan, Alexandrien), zugebracht werden. Die TeilnehinerpreUe sind 1200 und 1400 Kroilen. — Alles Nähere ist von dem Zionistischen Zentral-Bcrein, Wien IX., Türkenstr. 9 zu erfahren. Budapest Das goldene Zeitalter ist für die Juden in Ungarn vorüber. Seit der Herrschaft der gegenwärtigen „nationalen" Regierung, die aus der Koalition der verschiedensten politischen Parteien, unter denen die Reaktionäre, Klerikalen und 'Antisemiten äußerst stark vertreten sind, hervorgcgangcn ist, ist die feindliche Haltung gegen die Jude» auf allen Gebieten zu verspüren. Jin Kabinet selbst sitzen Männer, deren antiseinitische Gesinnnng allgemein bekannt ist. Die Sprache der führenden Männer iil der Politik wird in Bezug auf die Inden nachgerade der des berüchtigten Wiener Bürgermeisters ähnlich. Man kennt von Wien aus den Ausdruck I u d a - P e st und dessen Bedeutung. Vor kurzem hat nun der Jnstizniinister P o l 6 n y i diesen Begriff in einem politischen Klub adovticrt. Der Minister äußerte sich da auf einer Konferenz, daß die Eingemeindung der benachbarten Gelneinden in die Hauptstadt notwendig ist, damit inan mit den christlichen Einwohnern der neuen Gemeinden die Inden bei den Wahlen majorisieren könne. Er aab das Losungswort aus: Kampf gegen die Berjuduug Budapests. Die Gehässigkeit, die gegen die Jilden nun allgemein geworden ist. hat ihren Ausdruck in dem neuen Begriff des S t a m in e s m a g y a r e n t n m gefllnben. Ilm die Juden, ob getaufte oder ungetanste, von den Kernmagyaren zu unterscheiden, hat man die schönen Worte erfunden: Stainnlesmaavar lFajmagvar) und Fr en, der. Den jüdischen Assimilanten, die die größten materiellen und moralischen Opker gebracht haben, um nur. trat, ihres jüdischen „B"kenntni>ses". als Magyaren ano^k''nnt *u w-rden, wird nun sehr unsanft bedeutet, daß der echte Magvar nur der Stammesmaghar. der Magvar pur sang ist Diese Berbältnisse sind bedauernswert — aber die eine gute Seite werden sie haben: si" werden bo'stntlich die Aligen der blinden Assiniilationsschwärmer öffnen. Bei dem sogenannten ..nationalen Kamps" haben sich gerade die jüdischeir Magyaren am meisten angestrengt: um es im Eifer für bas Vaterland und speziell für das, was man nationale Ansprüche nennt, den extremsten von den Extremen gleich;',tun. oh"e daß sie mehr als einen gnädigen Toleranzzettel erhalten hätten, bas Vaterland mstlieben zil dürfen. Heute, wo sich die Rassenmagyaren stark genug fühlen, Frankfurter JsraeMsches Familienblatt. empfinden sie, daß diese Eindringlinge recht überflüssig sind. Ein Redner spricht im Abgeordnctenhause von einein nnmerus clausus, an den das heiligste Recht, das Recht zu l e r n e n , .gebunden werden soll: die Universitäten sollen nämlich nach russischem Muster das Prozentnalverhältnis für die Zulassung jüdischer Hörer sestsetzen. Der Minister Polonyi hat eine Ehrenaffäre, durch welche er stark kompromittiert ist, und als Rache tvcrden die Jilden angegriffen und gegen sie gehetzt. Die Hetze geht los auf allen Ecken und Enden — wohin das führt, ist noch nicht abzusehen. Budapest. Die jüdische Gemeinde beabsichtigt für die Synagoge in der Rombachgaffe einen n e n e n Rabbiner a n z u st e l - l e n. Die Rombachgassc-Shnagoge soll die religiösen Bedürfnisse der konservativ tzlesinnten in der großen Gemeinde befriedigen. Inwiefern dies tatsächlich geschieht, ist allgemein bekanntcs soll das hier nicht erwähnt sein. Allenfalls ist cs merkwürdig, daß der Gemcindevorstand für die „konservative" Synagoge Männer kandidiert hat, die Zöglinge des neologcn Rabbinerseminars sind. Die Konservativen lehnen die Kandidaten ans dem Pester Seminar entschieden ab und wünscheil einen Rabbiner, der ans der Jeschiwa hervorgegangen und mit einer umfassenden allgemeinen Bildung tvirkliche talmudische Gelehrsamkeit verbindet. Krakau. Uni d>e biesiae Bürgerin eiste>-stelle bewarb sich der Bize-Bürgcrnlcister Dr. G o l d h a m - m e r, fiel jedoch bei der Wahl durch. Obwohl Gold- Hammer Jude ist, ist man in jüdischen Kreisen mit diesem Resultate zufrieden, denn die Gesinnung Goldhammers gegen seine Glaubensgenossen ist durchaus keine freundliche, sondern vielmehr eine feindliche zu nennen. Temesvar. Die orth-d-xe Gemeinde in dem Stadtteil Josefsstadt beschloß, eine neue M i k w a bauen zu lassen. Der Präses der Gemeinde spendete für diesen Zweck 2000 Kronen. Großbritannien. London. Das Reth Hamedrasch in der Mulbcrry Street wurde im abgelanfenen Jahre von 60000 Personen in seinen Bibliotheksräumen und von 25 000 Personen in seinen Lesezimmern besucht Die Frequenz der religiösen Freitag-Mend-Borträge im Jargon und der Sanistag-Borträge in Englisch betrug etwa 30 000 Personen. Fast 20 000 Personen besuchten die Sonntag-Konzerte. Rußland. Kiew. „Kiewski Golos" meldet, die Kiewer jüdischen Großen Brodskk. Sachs, Halperin. Margolin und Dreifus haben bei den Wahlen zur Verwaltung des bakteriologischen Instituts die Wahl der „Antisemiten" Pincho und Professor Tschernow agitiert und dnrchgesetzt. Bulgarien. Philippopel. Wirren unter den vulgär i s ch e n I u d e n. Es ist eine merkwürdige Tatsache. daß je kleiner die Bevöllerung eines Landes, die Mitalkeberzahl einer Gemeinde, desto lieftiger die Zwistigkeiten. Das seben wir vorzugsweise in Bulgarien und namentlich in Philivpopel, wo Friede und Eintracht ganz unbekannte Begriffe sind. Kaum glaubte man, sich von dem heißen und siegesnekrönten Kampfe gegen die Alliance Jircrölite auszurnben, da ist schon wieder ein neuer Kampf ausgebrochen - diesmal gilts dem Großrabbiner Dr. Ehrenpreis! Die Stellung des Großrabbiners wird in der Tat von Tag zu Tag kritischer, und er wird voraussichtlich doch bas Feld räumen müssen. Die Zionisten, seine größten Widersacher, spielen setzt zwar nicht mehr die große Rolle wie vormals, aber einiae Einflußreiche anS der Aristokratie baben nun auch ihre Lanze gegen ihn gerichtet. Der Gemeinde-Pr"ndent von Sofia, Herr Esra Tadscher, auf den sich Herr Dr. Ehrenpreis bei ftcit früheren Streitigkeiten mit den Gemeinden hauptsächlich stützte, ist jekt sein heftigster Gegner und hat das in den spaniotischen Zeitungen, die seit einigen Monaten gegen den Rabbiner in bekeidigenben. seine Persönlichkeit verletzenden lind seine Autorität Kerabwürdiaenden Artikeln zu Felde ziehen, öffentlich ausgeivrochen. In Sophia. Philippopel und in anderen Städten mehr wurden Mcctinas abgebalten, ans welchen beschlossen wurde, das geistliche Oberhaupt beim Minister anznklagen. Herr Dr. Ehrenpreis hat nämlich den von vielen bulgarischen Gemeinden geäußerten Wunsch, zur Organisation der jüdischen Gemeinden in Bulgarien in Bälde einen Gemeindekongreß zu veranstalten, kurzweg abgeschlaaen. Er ging noch weiter. Nachdem auf seinen Wunsch ein jüdisches Kowistorium provisorisch vom Minister einberufen wurde, was schon akkein die Gemüter verletzte und erhitzte, da das Konsistorium nur ein Werkzeug in den Händen des Herrn Dr. Ehrenpreis ist. faßte er nach eigenem Gutdünken ein Gemeindegesetz ab. das er unbedingt dnrchgeführt wissen wollte. Da begannen aber auch selbst die Lauen und Indifferenten, gegen ihn aufrührerisch zu werden. Seite 3. Zu seinem Glücke hat sich jedoch die hiesige Bne- Brith-Loge, der fast die ganze jüdische Aristokratie angehört, auf seine Sekte gestellt, weil sie die Art und Weise, wie »lau gegen den Großrabbiner handelte, mißbilligen mußte, obgleich sie es auch nicht verfeinteit Inuit, baß Herr Dr. Ehrenpreis ans seiner Pastoralen Laufbahn manch' große Fehler begeht. Die hiesigen „Antizionistcn" — diesen Ehrennamen genießen hier die besser situierten Juden — haben 230 Stimmen gesammelt, die ihr volles Vertrauen zum Rabbiner und ihre Unzufriedenheit mit dem aktuellen ©emeiubetat und dessen Präsidenten in einen! an den Minister gerichteten Schreiben arrsdrücken. Die Gemeindeverwaltung zu tadeln, lag ihnen nalürlich mehr am Herzen, als Herrn Dr. Ehrenpreis zu verteidigen. Zn nnserem großen Leidwesen sehen wir, daß. zu dem bereits vorherrschenden Streite in Bulgarien überhaupt sich nun ein besonderer in Philipvovel hinzu gestellt, was wirklich schwere Folgen nach sich ziehen kann. Unklugerweise sind die unter die Masse zu verbreitenden Appelle in bulgarischer Sprache geschrieben, so daß die Bulgaren in die zerrütteten jüdischen Verhältnisse eingeweiht werden. Jetzt, da der A i! t i s e m i t i s in u S auch in Bulgarien aufzutauchen beginnt, wäre gerade Einigkeit und Zusammellhakten für dir jüdische Bevölkerung in Bulgarien sehr notwendig. B e n - H o a m i t t i. Palästina. Jerusalem, 21. Januar. Der gieße Verlust, den die jüdische Wissenschaft durch den Heimgang 3a« tonuni Buber's erlitten, hat auch die hiesigen Freunde des Gelehrten in tiefe Trauer versetzt. Am 19., gleich nach dem Bekanntwerden seines Heimgangs, fand ein Trauergottesdienst im deutsch-jüdischen Waisenhansc statt, zu dem ein zahlreiches Publikum sich eingefnndcn hatte. Dr. G r ii g h u t widmete dem Heinigegangenen einen Nachruf in hebräischer Sprache. Die Verdienste des großen Toten schildernd, hob der Vortragende hervor, daß uns Bubcr inmitten seiner Tätigkeit entrissen wurde. Ein Schreiben vom 11. Kislcw, also schon knapp vor seinenl Tode, welches er an den Vortragenden richtete, besagt, daß ihn zur Zeit der Siddnr Raschis beschäftigte, und er diesen bald, mit Noten und Einleitung versehen, heranszugebcn hoffe. Des weiteren teilt er mit, daß der Verein „Mekize Nirdoniim", der vor einem Jahre eingegangen ist, wieder seine Tätigkeit beginnen werde. Er habe, schreibt er, unter dem Titel Raschi-Stistung, 18 000 Kr. gesaminelt, deren Zinsen zur Herausgabe handschriftlicher Werke verwendet werden sollen. — Nachdem auch der Hebräist Michlin einige tiefergreilende Worte gesprochen hatte, an welche das „El mole rochainim" sich anschloß, fand die Feier mit dem „Maariw"-Gebete ihr Ende. Den 16. d. M. ist hier Präsident DavidWolffs o h n nebst Frau ein getroffen. An der Eisenbahn hatten sich bloß einige Freilnde zu deren Enipfang cingefunden. Der offizielle Empfang fand abends int „Bezalel" statt, worauf ein Konzert, veranstaltet von den Schülern dieses Institutes, folgte.' Herr Wolffsohn hat sich die Herzen aller im Sturme erobert. Seine Reden wurden mit großer Begeisterung aufgenomnien. Zur Erinnerung an chre Anwesenheit läßt unsere Agndoh „Erez Jisroel" Herrn und Frau Wolffsohn ins goldene Buch einschreiben. Am 19. feierte Herr Dr. Salvendi. der nnerniüdliche Sammler für Erez Jisroel. insbesondere für das deutsch-jüdische Waisenhaus, seinen 70. Geburtstag. Ans diesem Anlässe fand in der Synagoge dieser Anstalt ein Festgvttcsdienst mit Predigt statt. Direktor und Zöglinge sandten eine Adresse an den Jubilar ab. H. Amerika. New-Nork. Die von einem Erdbeben zerstö"te Hauptstadt Jamaica's, Kingston, hatte eine alte und blühende jüdische Gemeinde. Bei der Katastrophe winden von den Juden getötet: Daniel I. u. Dr. Arthur C. Motta nebst drei Mitgliedern dieser Fami'ie, Edgar de Eordova, E. Maurice und L. M. Mordecai. Personalien. Berlin. Im Alter den 41 Jabren iit Dr. phil. A l.b e r t N e n m a n n , Vorsteber der chemischen Abteilung am Rudolf Virchow-Krankenhause, gestorben. Berlin. Der v"r>ae Mocbe verstorbene berübmte Strafrechtslehrer Professor Albert Friedrich Berner war. wie er es zu jeder Zeit bekundete, ein aufrichtiger Freund der Juden und des Judentums. Es sei hier nur an seinen Vortrag „Christentum und Judentum und ihre Zukunft" erinnert, den er zur Zeit der wüstesten Antisemitenhetze im hiesigen Protestanteilvereinc vielt. Niemals vorher batte ein protestantischer Forscher solche Worte der Verehrung iür den monotheistischen Geist des Judentums gesunden. niemals vcrher ein christlicher Gelehrter ein solch' scharfes Wort gegen die Taufwut und gegen den Ikeberlänfer gewagt. Berlin. An'äßl'ch des GrblutstageS unseres Kaisers erhielten O r d e n s - A u s z e k ch n u n g e n: „Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit der Königl. Krone" Generaldirektor der Hamburg-Arne-