Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1907-01-25 · Heft 4 (25.1.1907) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 4 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2692297-2692511-2692515--02983-2697638
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite ». Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir, Herr Redakteur, als alter Abonnent Ihres werten Blattes zu dem Artikel im Sprechsaal Ihrer werten Zeitung Nr. -1, und zwar vom Standpunkte des Prinzipals, das Wort zu ergreifen: Offen gestanden hat es mich schon lange gewundert, daß dieses Thema in Ihrem werten Blatte noch nicht berührt wurde, dentt ich glaube, daß es für den jungen Mann sowohl als auch für den Prinzipal nur von Vorteil sein kann, sich einmal hierüber aüszusprechen Pardon! — auszuschreiben. lieber die Frage, wer die meiste Schuld trägt, daß der Schabbos heute von den jungen Leuten nicht mehr so strenge gehalten wirb, wollen, tvir nicht weiter debattieren, ich nach, meiner Ansicht glaube, daß auf beiden Seiten hierin gefehlt wird. Bezüglich der Salairierung der jungen Leute möchte ich noch sehr bezweifeln, daß solche in den Geschäften, die Schabbos geschlossen haben, schlechter bezahlt werden, als in denen, die offen habenes kommt hier wie auch überall jedenfalls auf die Leistungen des jungen Mannes an, und Prinzipale, die ihre Angestellten ansiiützen, gibt es unter allen Richtungen. Selbstverständlich kann ein junger Mann in der Großstadt mit einem Gehalt von 60—80 Jk nicht auskomme», und kann ich nur diejenigen verurteilen, die auf Kosten des Schabbos hierin sparen wollen. Gestatten Sie mir aber auch mal die Kehrseite der.Medaille zu betrachten: Wieviele junge Leute wissen, wie sich der Chef, der — nehmen wir mal an — junger Anfänger ist. sich draußen auf Tour die ganze Woche plagen muß,- kommt er dann Freitags retour, kann selbstverständlich nicht mehr viel erledigt werden, zumal die Herren Commis, trotzdem Um 4 Uhr geschlossen wird, ihre gesetzlich zustehende Mittagszeit von 12—2 Uhr ausnützen, und wenn dann Samstags-Abends mal etwas länger gearbeitet wird, was kann man da für Studien machen; ich kann hiervon ein Liedchen singen, trotzdem ich nicht zu denen gehöre, die junge Leute mit 60—80 Jk engagieren. Me war es doch früher zu meiner Zeit so ganz anders! Wir gingen mit Lust und Liebe ins Geschäft, uird Wenns zu tun gab, hat niemand nach Zeit und Stunde gefragt, denn wir waren von dem Bewußtsein getragen, auch etwas dafür zu tun, daß es uns möglich war, Schabbos und Joutof zu halten. Wie haben tvir uns da auf den Schabbos gefreut, und mit welcher Innigkeit wurde dessen Einzug Freitag Abends begrüßt; wir haben trotz schwerer und langer Arbeit iminer guter Dinge, haben unter schtvieri'gcren Verhältnissen, wie die jungen Leute von heute, konditioniert, und es hat uns allen Gott sei Danl nichts geschadet; und die jungen Leute von heute — doch darüber will ich nicht schreiben, es wurde zu weit führen, und Sie geehrter Herr Redakteur würden oder müßten in die Lage koiiiiuen, mir das Wort resp. den Platz in Ihrer werten Zeitung, zu entziehen. In früheren Jahren hatten cs sich verschiedene Prinzipale als Norm gesetzt, keinen jungen Mann zu engagieren, der schon in einer Großstadt konditionierte, da sie nnt den jungen Leuten vom Lande gute Erfahrungen machten, und wie ist dies heute! — Kommt so ein junger Mann in die Stadt, von dem Wunsche beseelt, im Interesse des Geschäftes tätig zu sein, dann wird er schon von den Herren Kollegen aufgeklärt, so und so lange brauchst Du blos zu arbeiten und das mußt Du so und jenes so machen, bis der junge Mann schließlich so weit kommt und auch einer der Ihrigen wird, der ganz genau darauf achtet, daß er ja in der Mittagszeit auch Gelegenheit hat, in aller Gemütsruhe seinen Kaffee zu trinken und ein Spielchen zu machen, unbekümmert darum, ob um 4 oder 3 Uhr geschlossen wird, ie eher desto besser. — Das Verhältnis zwischen Prinzipal und Angestellten, das will ich selbst nicht verkennen, liegt besonders hier, in Frankfurt in de» Schabbos geschlossenen Geschäften noch sehr im Argen; es kann nur besser werden, wenn beide Teile bestrebt sind, einmütig zusammen zu arbeiten, von dem Wunsche beseelt, das höchste Gebot, Heilighaltung des Schabbos, zu erfüllen und kleinliche Interessen bei Seite zu lassen. Wenn diese Zeilen dazu beigetragen haben sollten, dies zu Stande zu bringen, dann ist ihr Zweck erfüllt, und wird jedenfalls auch jeder Prinzipal, der es mit den heiligen Geboten unserer Lehre ernst nimmt, nicht verfehlen, die von dem Herrn Einsender fraglichen Artikels verlangte Aufbesserung zu bewilligen. X. Y. Z. * ' . * * Geehrte Redaktion! Für ein zukünftiges Winterfest der Israel. Realschule hätte ich einige. Wünsche. . Zuerst mögen die älteren Schüler im zweiten Teile, wirken und nicht, wie es diesmal war, die kleinen Kerlchen, die auf solche Weise an 3 Abenden 5 Stunden ausbalten. mußten. - —Des-weitern mögeman ei» Programm zusammenstellen, das der Eigenart der Realschule der Israelit. Neligionsgesellschaft angcpaßt ist. Deuu so schön die Aufführungen waren so hätte doch jede Programm- »ummer grade so gut von jeder xbeliebtgen anderen Schul» aufgesührt werden können. Man beklagt sich, daß die erwachsene Jugend tn jüdischer Hinsicht nicht so ist, wie sie sein sollte. Man fragt sich aber nicht, ob man alles getan hat, was notwendig ist, um der Jugend möglichst viel Begeisterung und Verständnis für das Judentum nnt auf den Lebensweg zu geben. Das Winterfest der Realschule war wieder einmal der Beweis, daß manches versäumt wird. Wie wäre statt eines französischen ein hebräisches Theaterstück gewesen? lind haben, wir nicht jüdische Komponisten, jüdische Dichter, jüdische Dramatiker mit echt jüdischem Empfinden, die das für eine solche Feier nnerläßliche jüdische Milieu gegeben hätten. Ich habe stets die Beobachtung gemacht, daß man bei großen und kleinen Feiern, bei öffentlichen und Familienfeiern in der Ortüodorie vollständig gleichgültig in Bezug auf das jüdische Gepräge derselben ist. — Wenn man hier z. B. statt des Winterfestes ein Cha»iischvh-osor-bischwath"-Fcst gefeiert hätte, das altjüdische Frühlingsfeft hätte wieder ausleben.lassen? Ich hoffe, daß diese Anregungen aus einen fruchtbaren Boden fallen. P l o n i. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Die Frankfurter Zionistische Vereinigung widmet anläßlich ihrer Channka- und Makkabäerfciet ans den Namen des Herrn Dr. Bodenheimer-Köln. 2 Oelbäume, „ Josef Bamberger 1 Oelbanm, „ David Hamburger 1 „ ,> Martin Levigard 1 „ „ Jakob Nußbanm 1 „ „ Karl Rosenheimer 1 „ im Herzlwald. Frankfurt a. M. Für den Nat.-Fond bei der Zion. Vereinigung eingegangen: Oiesammelt von den Schülern des russischen Seminars, hier 4,30 Jk Frankfurt a. M. Bei der Ervedition dieses Blattes gingen für"den Nationalfonds ein:. Von den Hinterbliebenen des seligen Herrn Sainnel Marcus zuin 21. Tewes 10,— Jk Frl. Therese Heinemann 2,— Jk Tclcgrammablösung zur, Hochzeit des Herrn Dr. Rebenzahl mit Frl. Hirsch von Herrn Carl Rosenheimer ' 0,30 Jk Benjamin Bamberger und Frau 0,50 Jk Dr. Frankfurter, Cöln 0,50 Jk Josef Bamberger 0,50 ,lk Gesammelt von Herrn Jak. S. Posen ans der Hochzeit des Herrn Dr. Nebenzahl mit Frl. Hirsch 21,75 Jk Anstatt Depesche zur Hochzeit des Herrn Dr. Nebenzahl mit Frl. Hirsch von Frau Amalie Welpe nebst Töchter 0,50 Jk S. H. Goldmann u. Frau gratulieren Herrn Bernhard Wolpe, Burgkundstadt für Geburt seines Sohnes und Frau Wolpe, hier zur Gcblirt des Enkels 0,50 Jk Selbstbestenerung des Herr» Leopold Oppenheimer und Mar Markus n 60 .d, — 1,20 Jk Ferner Materialien von den Herren: D. Roth schild n. Sohn, Speier, Baruch Stern, Fricsländer, Rosenberg, Goitein. Frankfurt a. M. Bei der Nationalfondskommission der Zionistischen Vereinigung ginge» aus Nationalfondsbüchsen ein: Frl. Lotte Wolpe 2,53 Jk Herr Carl Rosenheimer 1,76 Jk Herr Saly Geis 1,85 Jk Herr Dr. Schapiro 4,— Jk Herren Bermann u. Gureivitz 17,80 Jk Herr Joseph Japhet 5,00 Jk Herr Freudenstein 6.— Jk Frl. Flora Mainz 1,35 Jk Restaurant Salomon 1,— Jk Frau B. Gradwohl 0,20 Jk Herr Joseph Oppenheimer 9,50 Jk Herr Leopold Oppenheimer 1,92 Jk Herr B. P. 1,35 Jk Herr Hirschberg 5,15 Jk Herr Leopold Seligman» 5,94 Jk Herr Julius Gans 0,67 Jk Herr Dr. Henry Stempa 2,20 Jk Frau I. Roscnt'haler 1,15 Jk Herr Max Speier 0,44 Jk Herr B. M. 1,20 Jk Herr Baruch Stern 1,— Jk Herr Joseph Hackcnbrvch 5,25 Jk Frau A. Kahn 1,43 Jk Herr Joseph Grünblatt 0,89 Jk Herr F. Ehrmann 1,20 Jk Herr I. Rosenbaum ■ 0,85 Jk Herr Jacob Goitein 2,18 Jk \ Herr Jacob Steigerwald 2,75 Jk Hotel Ullmann 1,72 Jk Restaurant Falk 2,11 Jk Herr S. H. Goldman» 4,07 Jk Frau von Burg 8,27 Jk Emanuel Meyer 6,87 Jk Sa. 110,50 .fk Die Nationalfonds-Kommission ersucht wiederholt di« Inhaber von Sammelbüchsen, deren Büchsen noch niemals geleert worden sind, umgehend ihre 'Adresse Herrn David Hamburger, Uhlandstr. 56 Part, znkommen zu lassen. Berlin, 20. Januar. Gestern Abend fand in der erst kürzlich gegründeten hiesigen Misrachi- Gruppe, die bereits über 40 Mitglieder zählt, eine Mitgliederversammlung statt. Der Vorsitzende, Herr H e r ni a n n Struck, begrüßte die Versammlung und in ihrer Mitte Herrn Rabbiner 'Reines, Sohn des Führers der Misrachi-Bewegung und erstattete dann Bericht über die bisherige Tätigkeit des Vereins. 1 Herr sind. jur. Möller referierte hierauf über die Ziele des Misrachi und betonte die Notwendigkeit einer intensiveren Arbeit und Vertiefung der Misrachi-Jdee vor allem in gesetzestreuen, nichtzionistischen Kreisen, dann aber auch bei den nichtgesetzestreuen Zionisten. Eine lebhafte und anregende Aussprache, die sich hieran anschloß, führte zur Einsetzung einer Propagandakommission, deren Ausgabe besonders in der Ausarbeitung praktischer Vorschläge zur Verbreitung des Misrachi bestehen sollte. Der Vorstand, der dann neu gewählt wurde, setzt sich nunmehr aus folgenden Herren zusammen: Herrn a n n Struck, D r. Erlanger, st u d. j u r. M ö l l e r , Edmund L e w y , Harry Geis, c a u b. phil. Lescynsky und A r t h u r M a r - c u s. Der Vorsitzende teilte noch mit, daß fortan regelmäßige Mitglü derversammlungen stattsinden werden und eine zweite ösfentliche Werbeversammlung in Aussicht geuommeu sei. Bcitriitserllärungen, auch aus der Provinz, niinrnt Herr sind. jur. Möller, Berlin 6., Gr. Hamburgcrstraße 40 entgegen. Hamburg. Am 14. Januar veranstaltete unsere Ortsgruppe eine außerordentliche Bersammlnng, die dem Andenken unseres verstorbenen Ehrenpräsidenten G u st a v G. C o h e u gewidmet war. — In meisterhafter Sprache und mit feinem psychologischem Verständnis zeichnete Dr. F r a n ck das Lebensbild Cohens. Was der Tote an großen menschlichen und jüdischen Eigenschaften besessen, das wußte der langjährige Freund und Mitkämpfer aus eigener Erfahrung z>l schildern. Und wenn der zweite Redner des 'Abends Dr. K a l m u s es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Persönlichkeit und das Wirken des Verstorbenen aus seinen literarischen Produkten zu rekonstruieren. so ist ihm das gleichfalls vortrefflich gelungen. Seine erste Schrift Über „Die Judenfrage" zeigt Cohen als einsamen Vorläufer des Zionismus; in seiner Abhandlung über Carlyle, den er verehrte, lernen wir sein großes Wissen aus einem allgemeinen Gebiet.kennen und in seiner letzten Schrift „Drei Stadien" können wir in ihm den feinen Beobachter der kulturellen Entwicklung jüdisch-westeuropäischen Lebens bewundern. Die Ortsgruppe wird das Andenken ihres Ehrenprüsidenien in Treue bewahren. — Die eingelcitete Sammlung für den Gustav Cohen- Garten im Herzlwalde hat bereits die Summe von über 610 Jk ergeben. B. Offenbarer Druckluft=Anlage Telefon 123. Ottenbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tepplchrelnlgung. Wochev-Kalender. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 28. Januar (— 11. Schwat): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 50 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 55 Min. Berlin 5 Uhr 15 Min. Der dieswöchentkiche Sabbat führt den Namen ,.8vbabbos-8vbiro", d. h. der Sabbat, an welchem das von Moses und Israel gesungene Meereslied vorgelesen wird. Der Auszug aus Egypten vollzieht sich in zwei Aktender Weggang aus Mizrajim in der Nacht des 14 Nissan der Untergang des Eghptervolles im roten Meer. Bon letzterem redet der Wochenabschnttt Beschalach. Israel ist ausgezogen, hat nach einem Umwege das Meer erreicht und lagert dort Die WoUensäule >ührt bei Tag das Volk, die Feuersäule bei Nacht. Pharao bekommt Reue und beredet sein Volk. Israel n»chzujagen und zurück.uholrn. Am siebenten Tage holt er Israel ein. Dieses — das Meer vor sich, den Feind hinter sich — macht BorwüUe über den Auszug von Egypten. Moses spricht ihm Gottvertrauen zu: .Gott wird für euch streiten, ihr avex sollt stille sein." Moses hebt auf Gottes Befehl seinen Stab über das Meer, durch einen starken Ostwind svaltet Gott das Meer, sodaß rechts und links die Wasserwände aufrecht stehen. Israel zieht trockenen Fußes hindurch, die Egypter ihnen nachl Gott bringt das Heer Pharaos in Verwirrung, sie können nur mit Mühe vorwärts dringen. 'Mosche, hebt wieder seinen Stab über das Meer und die Wogen laufen zusammen. Alle Eghoter ertrinken, das Meer schleudert sie tot aus. Israel macht von neuem eine große Beute. Moses singt mit dem Volke ein h errlich es Loblied,; das unserer täglichen Liturgie einverleibt ist. Mirjam, die Schwester Moses, singt mit den Frauen, dabei die Pauke schlagend.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.