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Neue jüdische Presse · 1907-01-18 · Heft 3 (18.1.1907) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 3 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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«eite 10. frankfurter Israelitische« Famllienblatr. Dstr. 3 Dienstag Herr Dr. LeoWilewsky ans Nikol ajew eine» Vortrag über das'Thema: „Unter lOOjährigem Drucke der Ausnahmegesetze. Ein Beitrag zur Gegenwartsgeschichte der Juden in Rußland" halte». Wir empfehlen unseren hiesigen Lesern den Besuch des Vortrages. Frankfurt a. M. Im -M >, n t e f i mt’< Verein hält heute Abend Herr Siegmünd Singer einen Bortrag über „Berühmte Männer im Judentum." Frankfurt a. M. Die Generalversammlung der Jüd. Bibliothek n. Lesehalle wurde von Herrn Dr. W. Hanauer, dem Vorsitzenden, geleitet. Dem Berichte des Vorsitzenden entnehmen wir, daß die Bibliothek von 560 auf 960 Bände und die in dem Lesezimmer ausliegenden jüdischen Zeitschriften von 32 auf '39 angewachsen sind. Das Lesezimmer war an 363 Tagen geöffnet und wurde von 5502 Personen besucht. Der Bibliothek entnahmen 174 Personen 1856 Bände. Die Mitgliederzahl des Vereins ist von 153 auf 191 gestiegen. Die jüd. Gemeinde bewilligte zum ersten Male eine Subvention von 300 .M, und die Frankfurt-Loge erhöhte ihre Subvention auf 500 Jk Den Kassenbericht erstattete Herr I. L. G o i - te in. Wir erwähnen aus den Einnahmen 1746 jk an , Mitgliedsbeiträgen und 1561 Jk an Spenden. Bei der nun folgenden Vorstandswahl erklärte Herr Direktor Dr. Adler, aus Zeitmangel eine Wahl nicht wieder annehmen zu können, und schlug Herr Rabbiner Dr. Lazarus an seiner Statt vor Die Wahl ergab die Wiederwahl der bisherigen Herren: Dr. W. Hanauer (Vorsitzender), I. L. Goitcin (Kassierer), Dr. jur. R. Geiger, S. H. Goldman», Dr. Phil. Kaufmann, Dr. jur. Merzbach, Tr. jur. Schwarzschild, Fritz Sondheimer, sowie Rabbiner Dr. Lazarus. Aus der zionistischen Bewegung. Wilna. Das jüdische Wahl-Komitee und die Redakteure der zionistischen Zeitung D a s jüdische Volk wurden am 10. Januar von einer -polizeilichen H a u s s n ch u n g überrascht. Trotz- : dem keine ungesetzlichen Schriften gefunden wurde», verhaftete die Polizei die anwesenden Personen, u. a. Dr. I. Lurje, den gewesenen Duma-Abgeordneten S. Rose n b a u m, Dr. P a s m a n i k, früher in ' Gens wohnhaft, und Leo M o z k i n. Das Ganze ist eine behördliche Maßnahme, um die Wahle» zu beeinflussen. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Die verchrliche Redaktion bitte ich ergebenst, folgende an die Adresse d es Red aktc urs des „Israelit" gerichtete Antwort abdruckcn zu wollen: Meran (Tirol), 30. 12. 1906. Sehr geehrter Herr Redakteur! Auf die au mein Eingesandt in Nr. 52 geknüpften Bemerkungen gestatten Sie mir bitte einige berichtigende Worte. Die betr. Misrachivcrsaininluug war eine Versammlung der g c s e tz e s t r e u e u Juden Berlins, in der die -nach Ihrer Ansicht „zahlreich anwesenden „reinen" (soll wohl heißen „nnrnationalen") Zionisten" fast garnicht vertreten waren. Daß die zionistische Presse schwieg, lag nur daran, daß infolge eines Versäumnis die von mir angeordnete Absenduug der Berichte unterblieb. Die zionistische Presse hat sodann metn Eingesandt wörtlich abgedruckt. Sie hingegen haben mein Eingesandt in nicht ganz loyaler Weise insofern zu entkräften versucht, "als Sie die von Herrn Prof. Berliner selbst hervorgehobencn, vorher gesperrt gedruckten wichtigsten Stellen wohlweislich nicht gesperrt, sondern in getoöhnlichem Satz druckten. Sapienti sat. Wenn Sie mir persönlich zutrauen, daß ich „meine politischen Partei genossen auf Kosten meiner religiösen Gesinnungs genossen durch einen Entschuldigungsbrief erfreuen wolle", so bedarf es dieser sonderbaren Z n m n t u n g gegenüber wohl keiner ernsthaften Rechtfertigung! Wohl aber m u ß t e ich mich gegen de» Borwurf verteidigen, daß ich in einer zionistischen Versammlung einen Bortrag zuließ, der (auf irrtümlichen Ausfassuiigen beruhende) scharfe Angrisse auf nnsern unvergeßlichen Theodor Herzt und auf unsere Bewegung enthielt. Die zahlreichen Besucher der Versammlung, die sich mit ganz verschwiiidcndeii Ausnahmen aus den strengtraditioncllen Kreisen der Berliner Judenhcit rekrutierten, werden mit bcrzeiheiidem Lächeln Ihre Behauptung hiunehmen, daß sie sich „vor Moses und den Propheten ebensowenig genierten, wie vor dem Talmud und — dem lieben Gott selbst." Auch gegen den Vorwurf, daß „den leitenden Persönlichkeiten des Misrachi der Beifall nnjüdisch denkender Parteigenossen höher (!) wiege als die Sache des mit Füßen getretenen alten Judentums" brauche ich Männer wie Dr. Adler-Lübeck, Dr. F r a n ck - Altona und Rabbiner Dr. Nobel nicht in Schutz zu nehmen. Durch meine Zitate niöchte ich. Ihnen, sehr geehrter Herr Redakteur, der Sie mit einem so großen Aufwande kräftiger Wörtlein die Wirkung d e r wuchtigen Sätze B e r l i n e r s abzuschwüchen versuchten, nur zeigen, zu welch ungerechtfertigten Vorwürfen und zu" welch sonderbarer Ausdrucksweise der logischer Beweise ermangelnde Kamps gegen den Zionismus selbst vornehme, sonst ruhig denkende Menschen verleitet. Anstatt den Zionismus, den Sie selbst als eine Naturnotwendigkeit bezeichnen, zu bekämpfen, wäre es vielleicht besser, daraus hiiizuwirken, daß jeder JudedasGebäude seinesgesetzeStrenen Indent u m s für sich und seine Kinde r a u f einen s o f e st e n Grund baue, daß nicht jeder L n f t h a n ch einer neuen Zeit, ja nicht einmal der zionistische Stur m - wind c s ii m z u b l a s e ii vermöge! Mit besten Zionsgrüßen Ihr sehr ergebenster H e r in a n n S t r n ck. Bczugnchmcnd auf den „Sprcchsaal" in der jungsie» Nummer Ihres geschätzten Blattes möchte ich vor allem bemerken, daß iin Kreise der Israelit Religionsgcscuschaft hier bedeutend mehr „gelernt" wird als in den meisten isr. G-emeinden Deutschlands, möchte ferner konstatieren, daß die weitaus große Mehrzahl aller, die hier in Frankfurt „lernen", cs der von Rabb. Hirsch s. A. gegründeten Schule der Isr. Rcligionsgescllschaft verdanken, daß sie „lernen" können. Daß trotzdem gar manche, die diese ischiilc durchgemacht haben, im Leben nicht halten, was sie in der Schute gelernt haben, dafür darf man die Schule nicht verantwortlich machen. Es mag ja sein, daß der in dem „Sprechsaal" aiigegcvciie Grund mit die Schuld trügt, Hauptursache ist jedoch sicherlich, daß die Mitglieder der Religioiisgcsellschäft nicht gewöhnt sind, für ihr Judentum außer Geld auch nur das geringste Opfer zu bringen. Während anderwärts das Kind srominer jüdischer Eltern schon im zartesten Alter gewöhnt wird, ans mannigfache Genüsse, deren sich seine Altersgenossen crsrcncn, zu verzichten, lernt das Frankfurter Kind nichts derartiges: werden doch auch ihm alle Genüsse geboten, an denen seine Kameraden sich erlaben. — Kommt dann aber der junge Mensch hinaus in das Leben, wo cs keine koscheren Milchbrödchcn gibt, keine koscheren Konditorwaren, keine koschere Schlagsahne, keinen koscher» „Aufschnitt" nsw., — bann, ja dann, dann muß Einer schon sehr fest sein, um fest zu bleiben. Denn wenn man bisher nichts entbehrt hat, so entbehrt man derartiges schwer. — Die Mitglieder der Isr. Religionsgescltschast sind eben verwöhnt, wie gar oft grade dir Kinder aus den besten Häusern, und dadurch scheitern sie zuweilen. Wenn man z. B. am Sabbath hier in den Anlagen spazieren geht, dann hört man von allen Seiten „gut Schabbvs!" „gut Schabbos!" Koiiimt aber der junge Mann hinaus aus dein Weichbild von Frankfurt, dann hört er in Straßen und ans Spaziergängen nirgends mehr gut Schabbos! rufen, — und er überredet sich gar leicht, daß das, was man nicht mehr hört, man auch nicht mehr z» halten braucht. Und so geht cs in mannigfacher Beziehung, ich könnte noch viel ähnliches aiiführcn, was jedoch leicht den beschränkten Raumdes Sprcchsaals überschreiten könnte, darum für heute genug. R. * * * Verehrt. Redaktion! Zn dem Eingesandt eines Sabbatfreund in Nr. 1 Ihres gesch. Blattes sei es mir gestattet, aas einen weiteren Umstand hinznweisen, der, m. E., viel zum Chillul Schabbos beiträgt. Es wird in den seltcusteii Fällen bei Eiigageiiicnt junger Leute seitens der Firmen, welche Schabbcs geschlossen halten, danach gefragt, ob diese Wert daraus legen, Schabbes halten zu können, und es tritt dadurch ost der Fall ein, daß diese Schabbes freien Stellungen von. Leute» eingenommen werden, die sonst den «chabbes ohne jedlvede Rücksicht entweihen. Hierdurch wird die ohnehin kleine Zahl Schabbes freier Stellungen noch erheblich reduziert, und mancher junge Mann muß, da er eine Schabbcs freie Stellung nicht findet, und aus andere» Gründen auch nicht in der Lage ist, sich selbständig zu machen, mchallel Schabbes werden.. Daß die obenerwähnten Angestellten mitunter auch gegen die vitalsten Interessen ihrer Chefs agitieren (es ereignete sich derartiges s. Z. bei dem hier sehr lebhaft wogenden Kampf um die Sonntagsruhe), möchte ich nur nebenbei bemerken. Hier Abhülfe zu schaffen, im Zusammenhang mit angemessener Salairbewilligung, sollte m. E. mehr zum Kiddnsch Schabbcs beitragen, als etwa die Grüiidinig eines Kreditinstituts. " Hochachtend 1 S. M. Vereins - Kalender. Verein Mckor-ßüajim. Sonntag, 20. Jan. 07, abends 6 Uhr (Schützenstraße 2): Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. I. Bondt aus Mainz über „Die Vorschriften unserer Weisen in der Geschichte." „Montcsiore"-Bercin. Mittwoch, 23. Jan. 07, abends 9 Uhr, .Herr Dr. I. Heinenran». II. „Prolog im .Himmel." Verein Tifcres Vachnrnn. Sonntag. 20. Jan. 07, präzise 8 Uhr, veranstaltet der Verein in seinem Lokale, Hermcswcg 25/27 cincn llcinen Festabend, zu dem auch Gäste (Herren) herzlich willkommen sind. Für Büffet ist gesorgt. R. P. Bais-Hamidrasch. Samstag, 19. cr., 47« Uhr nachm., Vortrag des Herrn Rabb. Bermaiin von Telz (Rußland). Verein für jüdische Geschichte nnd Literatur. Dienstag, 22. Ja»., 87e Uhr abends, im Saale der Frankfurt-Loge, Eschershcimer Landstr. 27. Vortrag des Herrn Dr. Leo Wilewsky-Nikolajew: Unter hnndcrtjährigein Drucke der Ausnahmegesetze. Ei» Beitrag zur Gcgenwartsgeschichte der Inden in Rußland. Zionistische Bereinigung Frankfnrt a.M. Dienstag, 22. Jan., abends 9 Uhr, Kursaal Milan!. Diskiissioiisabcnd. Tagesordnung: Die Entwicklung der Jto. Verein Nachalatz Zwi. Mittwoch, 23. Jan., abends S3/i Uhr, int Vereinslokale Schützcilstraßc 2. II. Lehrgang. Einteilungsprinzipien der jüdischen Gesetzeslehre. 1) Vernunft- und Offeubarungsgcbotc, Referent: Herr Joseph Bamberger. Jnsolge Raummangels können in e h r e r e Sprcchsaalartikel, sowie die N a t i o n al - f o n d s - S p e n d e n l i st e erst in der n ä ch st - wöchentlichen Nummer erscheinen. Zahn-Jlfelier SDreher Frankfurt a. M< Hasengasse 11,1» Sprechstunden morgens 8 bis abends 7 Ulir. Sonntags 9 bis 1 Uhr. künstliche Zähne mit und ohne Saumenplatten. Spezialität: Xervtöten, Plombieren, Zahnreinigen. ■ Zahnziehen schmerzlos nach eigenem Verfahren. > r. Billigste Preise bei schonendster Behandlung. Am eigensten Interesse der Damen Frankfurts u. Umgebung liegt es i« 7 Damen-Frisitr-, Schampaniernnd Maniciir-Saloits - bis jetzt einzig in dieser Art der Firma Oepen tz Schcltenbecg, Jeankfuct a. M., Zeit 22 einen Besuch abznstatten. — Nur Dnmen-Bediennng. Ia. 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