Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1907-01-18 · Heft 3 (18.1.1907) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 3 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692511-2692514--02970-2697619
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4. auch öffentlich zum Ausbruch, und zwar im Schoße der „48er Unabhängigkeits-Partei", die Eigentlich die Prinzipien Ludwig Kossuth's „Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit" auf ihre Fahne geschrieben hat. So erklärte auf der dieser Tage stattgefunden habenden Konferenz dieser Partei der getaufte Jude Simegy unter stürmischeni Beifall und Händeklatschen der Versammlung, er habe sich taufen lassen, „um mit den Rassen-Magyarcn gleich zu sein", und als später der antisemitische christliche Markosch „Nieder mit den Juden!" rief, erhielt er keinen Ordnungsruf. — Schweiz. Basel. Das israel. Asyl für Altersschwache in Hcgenheim, dessen Verwaltung in den Händen der Herren Salomon Ebstein (Präsident) und B. Dreyfus-Brettaucr (Kassierer) in Basel ruht, versendet soeben seinen Jahresbericht. Wie wir demselben entnehmen, betrug die Anzahl der Pfründer bei Beginn des Berichtsjahres 13, im Laufe de- Jahres kamen 3 Personen hinzu, tvährcnd' 2 starben und einer austrat, so daß am Schluß des Jahres wieder 13 Pfründer verblieben. Die Ausgaben für den Unterhalt betrugen Fr. 10144.27, die Jahrescrniiahnieii Fr. 15 378.30.- Der Uebcrschuß' beträgt also Fr. 2124,53 und das Kapital beläuft sich auf Fr. 182339. Amerika. Rew-Aork. Das „Beth Israel Hospital" erhielt für den Anbau eines Flügels je Doll. 5000 von Jacob H.-Schiff, Adolph Lewisohn, S. Bachrach, Uriah Herrmann u. S. I. Silverman und Dollars 2500 von Mortimer Schiff; i. Sa. 37 500 Doll. — 150000 M. Palästina. Jerusalem, 6. Januar. Wie allwöchentlich fand auch gestern, Sonnabend abends, im „Bczalcl" ein hebräischer Vortrag statt. Der Vortragende war Dr. Grün Hut; er sprach über Saadia Gaon, seine glänzenden Leistungen auf den sämtlichen Gebieten der jüdischen Wissenschaft, seine flammende Liebe zur hebräischen Sprache und die unvergleichliche Mühe, welche er sich um ihrer Verbreitung willen gegeben hatte. Dem'Wunsche des Publikums gemäß unterließ es der Vortragende, sich über subtile Betrachtungen zu verbreiten, obschon Saadia Gaons Emunoth we-Dcoth, den er natürlich nicht unerwähnt ließ, dazu Anlaß gegeben hätte. Hierauf entspann sich zwischen Dr. Grünhut und Herrn Redakteur Ben Jahuda eine fast einstündige Diskussion, in der letzterer Gedanken über Juden und Judentum entwickelte, welche die meisten Zuhörer aufs höchste empörte. Herr Ben Jahuda führte nämlich aus, daß vor Saadia es nur noch einen einzigen (Religions?) Philosophen im Judcntume gegeben hätte, bas sei der Verfasser des Predigers (Kohelet!) gewesen, indem dessen Gedanken vollständig mit den Gedanken Schopenhauers sich decken, dieser einzige jüdische Philosoph leugne aber sowohl die dereinstige Belohnung edler Bestrafung im Jenseits, wie die Unsterblichkeit der Seele überhaupt. Das Thema, welches Ben Jahuda geradezu bei den Haaren herbeigezerrt hat, gab, wie bemerkt, zwischen diesem und Dr. Grünhut zu einer Replik, und Duplik Anlaß. Schließlich ergriff im Namen der Zuhörer Herr Po st direkter Solomiak das Wort und legte in gerechter Entrüstung Protest gegen die Verbreitung ähnlicher Ideen ein, wie sie Ben Jahuda entwickelte, die feinen andern Zweck haben können, als Apostasie unter der Jugend zu säen. — Herr Solomiak hat eine sehr energische Sprache geführt; es wäre zu wünschen, daß dem Bezalel in Zukunft derartige Diskussionen erspart bleiben mögen. ■ Haamitti. 0 feuKMon. 0 Ein Jomkippur. Von Ernst Schwarz.' (Fortsetzung.) Reb Meier wiegte abermals den Kopf. Daß er irgend eine Angelegenheit mit seiner Frau und seinem Sohne überlegen werde, das iväre ihnl nicht einmal im Traum eingefallen, er pflegte ihnen seine Beschlüsse mitzuteilcn, sie hatte» sich nach denselben zu richtein. Aber er hielt es nicht für notwendig, den Schalksnarren über seine Gepflvgcn- - heit aufzuklärcn.; „Wie gesagt, Herr Altschul, vorläufig werden wir die Sache mal beschlafen." „Wie Sie meinen, Herr Löwi, alsdann werde ich morgen so frei sein, nachzufragcn." „Morgen müßte cs gerade noch nicht sein, so eilt die .Geschichte denn doch nicht. — Wenn Sie Viel- Vielleicht in zwei oder drei Tagen im Norübergcheu Nachfragen wollen." Frankfurter Israelitisches Familienblatt. , „Wie Sie befehlen, Herr Mefer, ich möchte nur noch bemerken, daß es dem Herrn Glogau auf zehn oder zwanzig Tausend Gulden mehr nicht ankommen wird — gesagt hat cr's zwar nicht, aber ich kenn ihn und weiß, haß cr's kann." „Schön Herr Altschnl, bas wolen tvir uns merken." „Alsdann werde icy gegen Ende der Woche wieder so frei fern." Reb Jecheskcl hatte sich entfernt, Reb Meier überlegte, ob er ihn nicht zuriickrufen sollte, denn im Grunde genommen, war er bereits entschlossen, auf seinen Vorschlag einzugchen. Was war dabei auch noch zu überlegen? Der FabritSbesitzer Glogau gehörte zu den angesehensten Persönlichkeiten des Kronlandcs. — Aber nein, es war' ihni doch recht, daß er nicht gleich auf den Vorschlag eingegangcn war, so rasch zugrcifen, das macht sich doch nicht schön. Und überdies, wenn es ihm auch nicht in den Sinn kam, seine Frau und seinen Sohn um ihre Ansicht zu fragen, so mußte er ihnen doch die seine Mitteilen, und das beschloß er sofort zu tun. Er stopfte seine lange Pfeife, setzte sie in Brand und begab sich hinüber in das gemeinschaftliche Wohnzimmer. Doch es war leer, weder Frau noch Sohn befanden sich in demselben. Er riß an dein Glvckenzng, und nach wenigen Minuten erschien die Magd und fragte nach seinem Begehren. „Wo ist die Frau?" „Drunten in der Küche." „Sic soll hergehen, aber gleich." Es tvährtc nicht lauge, so kam seine Frau. „Du hast mich rufen lassen —" „Geh' her Tini, ich Hab' Dir was zu sagen." Sie blickte verwundert auf, indem sic sich ihn, gcgenübersctztc; seine Stimme hatte einen ungewöhnlichen Klang, er schien guter Laune zu sein. „Nun? Du fragst nichts? Du bist nicht neugierig zu wissen, was ich Dir zu sagen habe?" „Ich werde es doch jetzt hören," erwiderte sie gleichmütig. ' Er schüttelte den Kops. „Du bist kein rechtes Weib, denn wo die Neugierde fehlt. — Aber merk' jetzt auf. Was meinst Du, wer da gewesen ist?" „Die Leni hat vorhin gesagt, der Schallsnarr tväre iin Gewölbe gewesen." „Ganz richtig, Reb Jecheskcl Altschul ist bei mir gewesen, cs ist als ob cr'S gehört hätte, daß ich da neulich zu Dir gesagt habe, seine Tochter wäre mir als Schwiegertochter lieber als des Vetters seine — kommt er daher „Er hat Dir doch nicht seine Tochter angctragen." „Heißt 'ne Schlaue! — Nein, Du kannst ruhig sein, seine Tochter hat er mir nicht angetragen. — Aber — Du wirst von ihm schon gehört haben, der die große Scidensabrik hat in D —" „Du meinst Efrain, Glogau?" „Eben den meine ich; Glogau's Tochter hat er mir angctragen. Zuerst hat er gesagt/ sie bekommt sechzigtausend Gnlden, dann aber hat er gesagt, der Glogau möchte auch achtzigtausend geben. — Obzwar das einerlei ist, sic ist sein einziges Kind, und was sie jetzt nicht bekommt, das bekommt sie später. — Nun, was sagst Du dazu? — gelt, so eine Schwiegertochter möchte Dir recht sein? — so red' doch." Sie zuckte die Achseln. „Ich, weiß nicht, tvas ich dazu sagen soll. — Du weißt doch, was ich Dir vorgestern gesagt habe, — unser Benjamin möchte die Tochter von Deinem Vetter —" „Komnist Du mir schon wieder mit, den Narrischkciten!" schrie er, nunmehr erbost. „Wirllich, — große Weisheit habe ich ja nie von Dir erwartet, aber daß Du mit solchen Dummheiten zum zweite» Male änfängst. — Solltest's schon wissen, wenn ich einmal gesagt habe, daraus wird nichts, so wird nichts daraus. — Wo ist der Junge?" „Benjamin ist iin Magazin," erwiderte sie mit ruhiger, doch merklich belegter Stimme, „tvas willst Du von ihni?" fügte sic schüchtern hinzu. „Was ich von ihm will? Das mußt Du noch erst fragen? — Sagen will ich ihm, daß er Sonntag nach D. fahren muß, um sich mit der Fräulein Glogau zu verloben." Sie atmete schwer auf, es war beinahe ein Aechzen, denn sie sah erregte Szenen voraus. „Das wird er nicht tun," sagte sie leise aber bestimmt. Nr. 3. „Was? er wird's nicht tun?" polterte er. „Reb Meier Löwi's Sohn wird nicht tun, was sein Vater ihm befiehlt? Das wäre doch noch schöner wie schön, das werden wir. gleich sehen." Er wollte die Hand nach dem Glockenzug ansstreckcn, sic hielt ihn zurück. „Lass'," bat sie, „ich werde ihn Dirherein schicken." „Auch gut," sagte er, dann aber sich besinnend, setzte er dennoch den Glockcnzug in Betvegung. „Nein, Du bleibst da, möchtest ihn mir sonst zuvor noch verhetzen." Seufzend zuckte sic die Achseln und ließ sich au ihrem Arbeitstischchxn am Fenster nieder, während er der die Tür öffnenden Magd befahl, schleunigst scineu Sohn herbei zu rufen. Sie hatte ihr Strickzeug in die Hand genommen und ließ die Nadeln klappern; er hatte durch ein paar mächtige Züge die nahezu erloschene Pfeife auf's neue in Brand gesetzt, dann wandelte er mit großen Schritten im Zimmer auf und nieder. Es währte nicht lange, so erschien der Sohn. „Du hast'mich rufen lassen, Vater?" „Ich habe Dich rufen lassen," erwiderte der Vater, ihm zunickend. Durch die Unterredung mit seiner Frau war seine gute Laune von vorhin merklich herabgestiniint, dennoch betrachtete er den .frischen, hochgewachsenen Sohn mit sichtlichem Wohlgefallen. „Er ist ein schöner Junge," sagte er leise, zu seiner Frau gewandt. Diese blickte liebevoll lächelnd auf den stattlichen jungen Mann, den die Betrachtung seiner selbst nicht sehr angenehm zu berühren schien. „Was wünschest Du, Vater?" fragte er mit kaum verhaltener Ungeduld. „Eilt Dir's gar so sehr?" „Die Leute sind allein im Magazin." „Der Pcrez und der Jacob werden schon ächtgcbcn. — Ucbrigens für gewöhnlich hast Du recht, die Leute sollen nicht allein im Magazin sein. Aber für ein Mal wird's nicht, schaden. Alsdann hör' zu, Benjamin, was ich Dir zu sagen habe. — Hast Du schon mal von. dem Seidenfabrikanten Glogau in D. gehört?" „Neulich bei der Schisf'schcn Hochzeit bin ich ihm vorgestellt worden." „Aha, da ist er hier gewesen? — 'Daher kommt die Geschichte. — Du mußt dem Herrn Glogau gefallen haben, denn er hat den Reb Jecheskcl Altschul hergeschickt' und hat mir seine Tochter für Dich antrageu lassen. Das Fräulein soll ein bildschönes Mädchen sein und bekommt eine Mitgift von achtzigtausend Gulden. Wenn wir auch nicht daraus zu scheu brauchen, das Geld ist nicht zu verachten, und da sic nur das einzige Kind ist, so bekommst Du später die Fabrik und übcrhauvt den ganzen Reichtum der Familie Glogau." (Fortsetzung folgt.) ONenbaeber Druckluft=Anlage Telefon 123. Offenbach a. H. Telefon 128. Unübertroffene bewährteste Teppichreinigung. Wochen-Kalerr-er. (Zeitangaben nach dem Lnach.) Samstag, den 19. Januar (--- 4. Sclnvat): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 3V Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 45 Min. Berlin 5 Uhr 15 Min. Die Sidra Bau teilt die drei letzten der zehn Plagen mit. Pharaos Diener reden selbst ihrem Herrn zu, Israel zu entlassen, da sonst Egypten untcrgche. Pharao will nur die Männlichen ziehe» lassen. Er vertreibt Moses und Ahron vor seinem Angesichte hinweg. Ein Ostwind bringt hierauf A r b e — Heuschrecke u. Sie fressen alles, was der Hagel übrig gelassen. Auf Moses Gebet trägt ein Westwind die Heuschrecken weg iu's Schilfmeer. Die 9. Plage Chanschech — Finsternis kommt ohne vorhergehende Verwarnung. Drei Tage herrscht dichte Finsternis, bei Israel jedoch Licht. Pharao will nun das Volk entlassen, nur das Vieh soll zurückbleiben. Moses widerspricht. Im Zorne verbietet der König dem Mosche bei Todesstrafe, je wieder vor ihm zu erscheinen. Moses verkündet schnell voch. die 10. Plage: M a k a s b e ch a u r a u s — das Schlagen der Erstgeborenen. Um Mitternacht sollen alle Erstgeborenen Mensch und Vieh sterben. Es wird ein Wehgeschrei das Land erfüllen, und Pharao wird um schleunigen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.