Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1907-01-11 · Heft 2 (11.1.1907) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 2 (11.1.1907)
Date
1907-01-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692511-2692513--02954-2697610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 2. ganzen Anzahl der Tonnenladungen und dem Werte der Schiffsladungen. Galveston bringt auf die Weltmärkte: 2 Millionen Ballen Baumwolle, 260000 Tonnen Ocl und Baum» wollsamen, 12 Mill. Gallonen Baumwollsamenöl, 16 Millionen Scheffel Weizen, 120000 Fässer Mehl, 19 000 Wagenladungen anderen Getreides und nahezu Doll. 10000000 Wert au Bich, Pferden usw. und Fabrikationsartikeln. Galveston hat gegenwärtig etwas mehr als 10000 Einwohner und auch eine kleine jüdische Gemeinde. Größere jüdische Gemeinden in Texas sind: Sa» Antonio. Dallas, Houston und Beaumont. Die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung von Texas wird auf 25 000 geschätzt. Der Norddeutsche Lloyd in Bremen unterhält eine regelmäßige, wöchentliche Dampserverbindnng von Bremen nach Galveston. Die Fahrtdauer beträgt ca. 13-14 Tage. Der Fahrpreis von Bremen nach Galveston für Zwischendcckpassagicrc beträgt 140. 0 Ji’iüllcton. 0 Ein Jomkippnr. Von E r n st Schwarz. (Fortsetzung.) Aber seine materiellen Verhältnisse hatten einen geradezu wunderbaren Umschwung erfahren. Was er anfing, glühte ihm, was er in die Hand nahm, sagten die Leute, werde zu Gold. Da seine Geschäfte öfters seine Abwesenheit vom Hanse heischten, hielt er es für zweckmäßig, eine Frau zu nehmen, um nicht alles fremden Leuten zu überlassen. Nur ans diesem Grunde heiratete er. Aber auch dabei war ihm das Glück hold. Seine Frau ordnete sich ihm vollständig unter und gewohnte such sehr bald an sein schroffes herrisches Wesen. Sie hatte allerdings gehofft, daß mit der Zeit ihr Verhältnis zu ihrem Gatten ein innigeres werden würde, doch darin hatte sie sich getäuscht, es blieb sich immer gleich. Vielleicht war sie mit schuld, daß cs sich nicht änderte, sie stellte den Gatten zu hochsah zu sehr zu ihm empor und war allzu anspruchslos. Als sie jedoch nach einem Jahre ein Söhnchen gebar, da fühlte sie sich überglücklich, ihr Kind entschädigte sie für alles, sic empfand cs nahezu als besonderes Glück, das; sie dessen Liebe mit niemanden, nicht einmal mit ihreni Gattcir zu teilen brauchte. War sie allein mit ihreni Kinde, so konnte sie lachen und scherzen, und das lebhafte Bübchen stimmte jauchzend mit ein; war jedoch der Vater im Zimmer, dann waren beide still, nur flüsternd raunte sic dem Kleinen dann ein Schiucichelwort ins Ohr und wenn er laut werden wollte, ging sie mit ihm hinaus. Kein Wunder daher, daß Benjamin den Vater, der sich wenig um ihn kümmerte, mehr fürchtete als liebte, obgleich derselbe ihm nie zu nahe getreten war, aber der strenge Blick, der unverbrüchliche Ernst, der herrische Ton schüchterten den an die Liebkosnngen der sanften Mutter Gewöhnten ein und ließen ihn nicht ahnen, daß ihm beide Eltern gleich nahe, »nd daß er beiden gleich teuer war. In früheren Jahren war ihm das schroffe Wesen des Vaters nicht auffallend geivcscn — war er doch von jeher daran gewöhnt —, doch in späteren Jahren, als er auch in andere .Häuser gekommen war. als er gesehen hatte, daß andere Väter sich ivohl mit ihren Kindern beschäftigen, das; andere Gatten der Gattin ganz anders begegnen als sein Vater feiner Mutter, da erst hatte er es schmerzlich empfunden, daß er, wie er wähnte, der Liebe seines Vaters entbehren mußte und im Innern seines Herzens hatte er dem Vater gezürnt, daß er seiner Mutter nicht mit genügender Achtung begegnete. Was war denn seine Mutter loeiliger als andere Frauen? Freilich behauptete seine Mütter immer, daß sein Vater unvergleichlich mehr wäre als alle andern, und er selbst sah auch, daß die Meisten seinem Vater mit mehr Ehrerbietung entgegen traten als andern — aber, daß. er deshalb seiner Mutter befehlen durfte, wo andere Männer ihre Frauen srenndlichst baten — das wollte ihm nicht in den Kopf, dann wäre es ihm lieber gewesen, sein Vater wäre nicht mehr gewesen, als die andern. Ost und oft hatte Bcnjainin darüber gegrübelt; gesprochen hatte er darüber jedoch noch nie. Mit wem hätte er auch darüber reden können? mit Fremdcn doch sicherlich-nicht, mit seiner Mutter aber noch' Frankfurter Israelitisches Familienblatt. weniger. Sie fand doch alles in Ordnung, so. wie es war, sie wäre in Berzweiflniig geraten, hätte sie geahnt, das; ihr Sohn in seinen Gedanken das Gebühren seines Vaters einer mißbilligenden Kritik unterziehen konnte. Doch das konnte sie nicht ahne», ließ Benjamin es doch nie an Ehrerbietung dem Vater gegenüber fehlen. Benjamin war ein schöner junger Mann, er sah seinem Vater auffallend ähnlich, nur die sanften blauen Angen hatte er von der Mutter. Aber so wortkarg er auch dem Vater gegenüber zu sein pflegte, mit der Mutter konnte er heiter plaudern und im Verkehr mit seinen Altersgenossen gehörte er zu den Lebhaftesten. Bei. der Hochzeit eines etwas älteren Freundes hatte er erst vor kurzemden Vetter seines Vaters, Samuel Löwi, kennen gelernt und gleichzeitig dessen Tochter Nosi, nnd war in heißer Liebe zu dem blühend schönen Mädchen entbrannt. Die Mutter, vor der er kein Geheimnis hatte, hatte er sehr bald ins Vertrauen gezogen und sie gebeten, bei dem Vater sein Fürsprecher zu sein, beide ahnten nicht die Iliyachc der Entfremdung zwischen den Vettern. Als Frau Löwi jedoch den Gatten in Kenntnis setzte von dem sehnlichsten Wunsche ihres Sohnes und um seine Zustimmung bat, daß derselbe die Tochter seines Vetters heimsiihrcn dürfe, da hatte er sie zum erste» mal im Leben angcschriee». Ob sie bei Sinnen wäre, ihm mit solcher Zumutung zu kommen! Lieber würde er die buckelige Tochter des Schalksnarren als Schwiegertochter willkommen heißen, als die Tochter seines Vetters. Voll Entsetzen war seine Frau znrnckgewichen, so hatte sie ihn noch nie gesehen, die gewöhnlich frische Farbe seines Angesichtes war in ein unheimliches Gran übergcgangen, und sein sonst stets ernster Blick war geradezu rollend vor Wut. Sie war, einige unverständliche Worte murmelnd, hinausgeeilt, um ihrem Liebling, der in höchster Spaniinng der Antwort harrte, die sie ihm bringen würde, alle Hoffnung zu nehmen. „Benjamin, mein Kind, das mußt Du Dir aus dem Sinn schlagen, so habe ich den Vater noch nie gesehen, ich dachte. Da hättest ihn hier schreien hören müssen." Benjamin erblaßte. „Ich hätte es mir denken solien. Daß der Vater lei» Herz für mich hat, das weis; ich doch längst." „Kind, Kind, versündige Dich nicht, sv darfst Du nicht reden." „Warum nicht? Darf man nicht sagen, was wahr ist? Hat der Vater schon je auch nur ein freundliches Wort zu mir gerredct?" „Mit dem Vater darf man nicht rechten, das ist iinir einmal so seine Art — redet er denn zu mir anders?" „Freilich nicht," versetzte Benjamin zähneknirschend, „das ist's ja ebc». — Aber was sagt er denn? — wa-s hat er gegen das unschuldige Mädchen?" „Das weis; ich nicht," erwiderte sie, achselzuckend „ich glaube überhaupt nicht, daß er gegen das Mädchen etwas hat, vernrutlich kennt er sie nicht einmal. — Aber ihr Vater muß ihm etwas Arges getan haben — so scheint es wenigstens." „Ach, das glaube ich nicht, der ist ein so gedrückter, bescheidener Mensch, was könnte der dem Vater getan haben?" „Das weiß ich nicht, ich kann nur sagen, was mir scheint. — Uebrigens sehe ich überhaupt nicht ein, daß Du schon heiraten mußt. Du bist doch erst zweiniidzwanzig Jahre alt, und wie alt ist die Rosi?" „Im achtzehnte» Jahre." „Na, da köncct Ihr doch noch gut einige Jahre warten — möglich, daß der Vater noch anderen Sinnes wird." „Der Vater sollte andern Sinnes werden? — Das glaube ich nicht, der Vater hat einen eisernen Kopf und ein Herz von Stein." „St, Kind, versündige Dich nicht!" Aber Meier LLivi hatte doch eingesehen, daß er zn schroff gegen seine Frau geivesen war, es hatte ihn im Augenblick übermaiint, aber dafür konnte sie doch nichts, sie ahnte sicherlich nicht, wie tätlich ihn sein Vetter beleidigt hatte, und sein Sohn wußte es doch eben io wenig. Er sah ein, daß er ihr unrecht getan; aber daß er sich nun wegen seiner Heftigkeit Seite 5. hätte entschuldigen müssen, das kam ihm nicht in den Sinn. Nach ungefähr einer Viertelstunde begab er sich zu ihr, stellte in scicrer gewöhnlichen Weise, vielleicht nur eine Nuance weniger schroff eine Frage an sie, die sie ruhig wie iminer beantwortete, dann ging sie mit ähm hinüber in das Gejchäftslokal. Der Sohn hatte gleich beim Eintritt des Vaters das Zimmer verlassen. Reb Jecheskel Altschnl, der Schalksnarr, mußte es gespürt haben, daß der erste Vorsteher willens war, ihm oder vielmehr seiner buckeligen Tochter eventuell einen Vorzug einzuräumen, denn am folgenden Tag fand er sich bei ihm ein, um ihm, wie er sagte, im Aufträge eines der reichsten Fabriksbesitzer der Gegend dessen einzige Tochter für seine» Sohn anzutragcn. . „Sie müssen wissen, Reb Meier, das Fräulein ist nicht nur die einzige Tochter, sondern sogar das einzige Kind des Herrn Glogau, und wenn der Herr Sohn jetzt auch von andern mehr bekonimen könnte als sechzigtauscnd Gulden, so müssen Sie doch bedenken, daß ihm einmal die große Fabrik mit allem, was d'rum und d'ranhängt, zufallen wird. — Haben Sie die Fabrik schon einmal gesehen, Reb Meier?" ,Me Fabrik habe ich noch nicht gesehen, aber Herrn Glogau kenne ich." „Ich weiß es, er hat es mir gesagt, und eben weil er Sie kennt, und weil er auch den Herrn Sohn bei einer Gelegenheit gesehen hat, darum meint er, cs wäre eine sehr gleiche Partie. Das Fräulein ist eiire Schönheit und der Herr Sohn darf sich auch sehen lassen. Also was sagen Sie dazu, Reb Meier? was meinen Sie?" Reb Meier wiegte den Kops bedächtig hin und her. „Ich muß Ihnen sagen, Herr Altschul, das Fräulein kenne ich nicht, aber der Herr Glogau wäre mir kein übler M'chntton." „Wvllt's meinen!" lachte Reb Jecheskel, indem er sich vergnügt die Hände rieb, „alsdann Herr Löwi —" „St, st, .Herr Altjchul, so geschwind geht die Geschichte nicht, eine derartige Sache bricht man nicht übcr's Knie, die will überlegt sein." „Verstehe, Herr Löwi, verstehe — Sie wollen sich bereden mit der gnädigen Frau, vielleicht auch mit dem Herrn Sohn." — (Fortsetzung folgt.) Offenbacber Druckluft=Umlage Telefon 123. Ottenbach a. ffl. Telefon-! 23. Unübertroffene bewährteste Teppichreinigung. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Losch.) Samstag, den 12. Januar (— 26. Tewes): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M 4 Uhr 15 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M 5 Uhr 35 Mn. Berlin 5 Uhr — Min. Die Sidra W oe i r o kündigt in ihrer Einleitung das baldige Strafgericht Gottes über die Egypter an. Auch ist der Stammbaum für Rüben, Simon und Levi angeführt bis zur Geburt Moses' nnd Llhrons. Letzterer ist 83, Moses 80 Jahre alt, als sie zn Pharao gehen. Warnend werden dem Pharao die Plagen an gekündigt. Während der Not zeigt sich der König gefügig; Moses soll um Abwendung der Strafe flehen. A l s d a n n aber verstockt sich Pharaos Herz, er läßt Israel nicht ziehen. Bei je zwei Plagen wird Pharao voraus verwarnt, die dritte trifft ohne weiteres ein. (Uebcrhaupt ist eine Dreiteilung der Plagen ersichtlich, auch in der „Hagodo schcl Pesach" festgehalten, ebenso bei vielen Kommentatoren.) Die Zeichendeuter Pharaos machen mit ihren geheimen Künsten manche Plage nach, ebenso das Wunder mit dem Ahronsstab; dadurch verhärtet sich Pharaos Herz umsomehr. Von den „zehn Plagen" sind sieben im Wochenabschnitt Wo-eiro aufgezählt. Zunächst Dom — Blut. Das Wasser im Flusse und sonsten verwandelt sich in Blut. Die Egypter graben vergeblich nach gesundem Wasser. Zefardea — Frösche, die 2. Plage, bringt Unmassen von Fröschen. Moses betet; sie weichen, verenden und verbreiten üblen Geruch. — Es kommen nun Kinnim — Ungeziefer an Mensch und Vieh, aus dem Staub der Erde hervorgehend. (Alle drei Plagen bringt A h r o n mittels des Wunderstabes.) Orauv — Gewild bringt Gott als 4. Plage; Israel bleibt wunderbar verschont. Pharao will, daß Israel im Lande seine Opfer bringe; Moses verlangt Wegzug zur Wüste, was schließlich der König zugibt. Als er jedoch seinen Sinn ändert, trifft die 5. Plage ein: Dever — Viehseuche. Von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.