Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 49 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49. - Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite ll. And hervorzuhcben: Fräulein Made keine Weil als Pianistin, Fräutein S ch.a Piro als Sängerin und Herr Zahnarzt Oppenheimer als Rezitator. Mit Tombola und Ball nahm die prächtig verlaufene -Feier ihr Ende. Perugia lJtalien). Unseres Gesinnungsgenossin Frau Prosessyr Dess au - Goitein erhielt für die von ihr in Mailand allsgestellten Exlibris dke BronzeneMedaille. Helstngfors. Konferenz de ^russischen Z i o n i st e n. (Schluß.) Aus dem Berichte des Zentralbnreaus sei ferner hervorgehoben: Die Ausgaben betrugen 54 243 Rbl.; die Einnahmen 17 000 Rbl. Schekolimgelber, 21 670 Rbl. für den Nationalfond. 9137 Rubel für die durch Pogrome Geschädigten, 784 für Kolonialbank-Aktien. Die Kasse schließt mit einem Defizit von 6000 Rubeln. Der zweite Teil der Konferenz begiiint mit einem ' Referate B. Goldberg's über reale Arbeit in Palästina .Referent wünscht die Einsetzung eines „Zionistischen Komitees" in Konstantinopel, das mit den Regiernngskrciseil Fühlung nimmt, er wünscht ferner, daß der „Zehnte" in Palästina von der Regierung gepachtet werde, da die Pächter ihr Recht über die Maßen ausnuhen. Für das Kapital des Nätionalfonds gebe eS keine bessere Anlage als Kauf von Boden in Palästina, der von Jahr zu Jahr wertvoller wird: er begrüße es, daß bereits für 8000 Lstrl. Nationalsondgelder Land angekauft tvorden ist. Das sür die Kultivierung des Bodens nötige Geld möge mail von den Zinsen des Nationalsond irehinen. Schließlich wüllscht Redner die Gründung einer Agrarbank, Nach langer Debatte wurden ein st i m m i g Resolutionen folgenden Inhaltes angenommen: Das Aktions-Komitee soll zugleich mit der politischen Tätigkeit und im Zusammenhang mit dem politischen Charakter der Beioegnng eine energische und planmäßige Arbeit in Palästina führen. — Die reale Politik hat' die nötigen Bedingungen für pogrcssiv wachsende Einwanderung zu schaffen, und zwar lvie folgt: In Palästina wird linter Kontrolle des Aktionskomitees eine Institution gegründet, der die wissenschaftliche und die vraktische Arbeit in Palästina unterstellt wird. In Konstantinopel ist eine Institution zu gründen, die die Aufgabe hat, die Hindernisse auf dem Gebiete der Kolonisationstätigkeit zu beseitigen. Der Schulunterricht in Palästina ist nach Kräften zu heben. Das Aktionskomitee möge dem 8. Kongreß den Plan zur Gründung einer Agrarbank vorlegen. Unter Aufsicht der Palästina-Kommission in Berlin mögen in anderen Ländern gleiche Kommissionen gegründet werden. Das Zentral-Bnreau möge die Gründung einer jüd. Zeitung in Palästina veranlassen. Der Palästina- Schulfonds, den das Odessaer Palästina-Komitee gegründet hat, sei allen Zionisten ans Herz gelegt. Am dritten Tag begann eine heiße Debatte'über Gegenwartsarbeit in den Golnsländ e r n, über welches Thema I. G r ü n b a n in und A. S e i d c m a n n referieren. Bunte Chronik. Interessante Funde aus der Urgeschichte C h a l d 8 a s. Die wissenschaftliche Verarbeitung der von der amerikanischen Expedition, die 1888—1900 den südlichen Teil Chaldäas durchforschte und sich besonders ans'ausgedehnte Grabungen in den großen Trümmerstätten von Nnfsar (Rippur) konzentrierte, gemachten Funde ist jetzt erst zum Abschluß gelangt. Die Ausgrabungen sind bis in eine Tiefe hinabgeführt worden, die keine Spuren menschlicher Tätigkeit mehr verriet, und so sind im Verlauf dieser stets tiefer hinabsteigenden Untersuchungen nicht weniger als sieben aufeinanderfolgende Besiedlungen des Ortes festgestellt worden. Die früheste Ansiedlung an der Stätte der Ausgrabungen scheint ein Dorf oder eine kleine Stadt gewesen zu sein, die rund um ein primitives Heiligtum des Staminesgottes Mnllil oder Bel erbaut war. Der Tempel bestand aus wenig mehr als aus einer geweihten Einfrieduirg mit einem Altar in der Mitte. Hier würden zlvei große, mit der Hand gefertigte Tonvasen aufgesunden, die mit einem Flechtmuster dekoriert waren; doch zeigte sich keine Sour schriftlicher Aufzeichnungen oder eigentlichen künstlerischen Schmuckes. Die Bauart mit nngeformten Tonziegeln wies einen sehr primitiven Charakter aus und ließ darauf schließen, daß diese ersten Ansiedler mit dem Ziegelbau noch nicht lange vertraut waren, sondern früher hauptsächlich roh behauene Steine verwendet hatten. Me Spieren von menschlichen Wohnungen waren verschwunden, da sie wahrscheinlich aus Holz oder Zweigen und Ton bestanden hatten und verbrannt waren. Die darüberliegende zweite Schicht — die zweite Niederlassung — zeigte eine schon ansehnliche Stadt. Besonders interessant ist das große Stadttor. Es ist eine breite mächtige Pforte, auf jeder «eite von Türmen flankiert, und hat zu beiden «eiten erhöhte gepflasterte Wege für die Fußgänger. Es erinnert merkwürdig an die Tore orientalischer Städte, wie sie noch heute Vorkommen. Hier wurden außer anderen Gegenständen zahlreia>e Steinvasen entdeckt, die sehr archaische Inschriften eines Königs von Sumir oder «hinar, namens Lugal-Zaggisi, trugen. Die Ansiedelung, der wir in der nächsten Schicht begegnen, ist von imponierender Größe und Wucht der Anlage. Mächtige Mauern, die an vielen Stellen 20 Fuß dick sind, laufen um eine massive Plattform von Ziegeln herum, auf welcher die iÄbäude ruhten. Es ist eine gewaltige Tempelanlage, wieder niit dem Altar in der Mitte, Um die sich dann'die Gebäude der Stadt gruppieren. Hier wurden Stempel ausgesunden, mit denen bestimmte Buchstaben in die Ziegel eingedrückt wurden, so daß wir hier einen ersten Versuch der Druckerkunst vor uns haben. Die entdeckten Ziegel und Steinpfeiler tragen die Namen des Königs «araon von Akkad und seines Sohnes Naram-Sin. -Die Rechnungen und Berichte vom Dan des Tempels wurden in Zimmern aufbewahrt gefunden, die in den Mauern sich befanden. Sie waren in Gefäßen aufbewahrt, die mit Pech verklebt und zugesicgelt waren. Eine große Anzahl von Täfelchen mit Inschriften wurde ebenfalls ans Licht gefördert. Diese Stadt scheint völlig zerstört worden zu sein, denn knrz danach ivurde eine neue Stadt gebaut, die ans der Zeit König Gudeas stammt. Neue riesige Mauern und Bauwerke wurden auf den alten Grundmauern und Sargonieden aufgerichtet, die Stadt erhob sich nun terassenförmig in vier übereinander gelegenen Komplexen empor, diesmal das Heiligtum auf ihrer Höhe tragend. Die Tempelanlaae war viereckig und bestand aus mehreren Gebäuden, kleineren Tempeln und Wohnungen der Priester. Ein . breiter Torweg führte - zur Stadt, unmittelbar von dem Tempel aus ging eine breite «traße, ganz mit Läden besetzt, in denen allerhand auf den Gottesdienst bezügliche Gegenstände eingelaust werden konnten. Unter den freigelegten Gebäuden hat eines augenscheinlich als Schule gedient, denn in den Ziinmern wurde eine Anzahl von tönernen Schönschrcibtafeln gefunden, die Schreibanfgaben in Keilschrift, Reihen von Wörtern und Redensarten enthalten und eine vollständige Serie von Tafeln, auf denen die Manipulationen von eins bis sechzig geschrieben sind. Ms Babylon unter der großen semitischen Dynastie Hauptstadt wurde, verlor Nippur seine politische Macht, blieb aber immer noch ein wichtiger religiöser Mittelpunkt. Hammurabi, der Gesetzgeber, stattete die Stadt init Reichtüniern aus und erneuerte ihren Tempel. Viele Hunderte von Täfelchen, die von den verschiedensten Angelegenheiten der Politik, des Handels und täglichen Lebens erzählen, wurden aus dieser Schicht gerettet, darunter interessante Briefe einer Bankiersfirma. die während' des Perserreiches schwierige Geschäfte abwickelte. Auch eine große Anzahl hebräischer Inschriften hat man entdeckt, die manches über die babylonische Gefangenschaft der Juden aufklären. So kann es jetzt als sicher gelten, daß der Fluß Chebar, an dem der Prophet Ezechiel wohnte, der Kabaru o.er „Groß-Kanal" von Nippur war und daß von dem Bel-Tempel dieser Stadt manche Einzelheiten seiner Visionen herstammen. Das Schlußbild aus der reichen'Geschichte Nippurs. das die Ausgrabungen enthüllen, sind eine parthische Festung und zahlreiche Funde der Römerzeit aus der letzten Schicht. Kunst und Literatur. Spiet und Arbeit.- Allerhand anziehende Beschäftigungen für die Jugend. Elektrisches Licht, Anleitung und Modellbogen zur Selbstanfertigung einer Dynamomaschine von -Otto Mauser. Mit zwei Modellbogen. (Preis JL 1,20.) Ravensburg, Otto Maier. Dr. Samson Philip Nathan. Ein Lebens¬ und Charakterbild von Salomon Goldschmidt. Mit Anhang: Erklärungen zur Mischna, die in dem Handexenlplar des Verewigten von ihm ausgeschriebenen Randglossen, ediert von Rabbiner Dr. I. Nordan, Myslowitz. Hamburg 1906. A. -Goldschmidt. Zur Erinnerung an den 700jähr. Todestagdesjüdische »Gei st esheldenMos es Maimonides von Professor Dr. Woks Biach. Preis 40 Heller. 1907. Brüx, Julius Ach- Jüdisches Liederbuch. Deiitsch-Polnisch-Jargon-Hebräisch. Zweite vergrößerte Auslage. Verlag Verein „Zion", Nadworna (Galizien). 103 Seiten. Für 20 Pfennig oder 50 Heller portofrei vom Berlage zu beziehen. Monatsschrift sür Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Heransgezeben von Dr. M. Braun. Heft 9/10. Breslau, Koebnersche Verlagsbuchhandlung. Inhalt: Jambel, Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung Böchler, Die Todesstrafen der Bibel und der jüdisch-nachbiblischen Zeit: Göldnl-.nn, Der Oelbau in Palästina in der tannaitischen Zeit; Horovitz, Der Sifre «uttah nach dem Jalkut und änderen Quellen; A. Marmorstein, Beiträge zur Ge-, schickte und Literatur der hasmonäischen Periode; Loewenstein, Sterbetage; Steinschneider, Mathematik bei den Juden; Notizen, Besprechungen usw. Ein n a m e n l o s e s Kind. Trauerspiel in drei Aufzügen von I. Rabbinowicz. Dresden, E. Pierson's Verlag. Preis Jk 2. Der Weg der Jugend. Roman von Hermann Blumenthal. 224 S. Berlin, Julius Bard. Zur Kultur der Seele. 1896—1906. Verlagskericht von Eugen Diederichs, Jena. Das neue preußische Einkommensteuergesetz vom 19. Juni 1906, giltig ab Steuerjahr , 1907. Verlag von L. Schwarz u. Comp., Ber- ' lin 8. 15, Dresdener Straße 80. Preis J£ 1,20. Zum ersten Male treten für das Steuerjahr 1907 die Bestimmungen der Steuernovelle vom 19. Juni 1906 in Kraft. Durch diese ist das bisher giltige Steuer-Veranlagimgsgesetz ganz wesentlich abgcändert worden. Für jeden Steuerzahler ist es deshalb von großer Wichtigkeit, mit den neuen gesetzlichen Bestimmungen vertrant zu sei». Nur bei Kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen wird der Steuerzahler in der Lage sein, sich gesetzmäßig einzuschätzen, die Veranlagung nachziiprüfen und zu hohe Einschätzung erfolgreich abzuweuden. Vereins-Kalender. Verein Tiferes Bachurim. Sonntag, den 23. Dez. er. Herr Felix Mayer: Menasse ben Israel und die Emanzipation der Juden in England. Vereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit. Dienstag, den 25. Dez. er., nachmittags 3 Uhr: Ordentliche Generalversammlung. GescMftsMciier! Billige ti. beste Qualitäten, Besondere Anfertigungen schnell und preiswert! » Wilhelm Büttel, Kofi. 8 grosse Frankfurt a M Sandgasse Alleinige Niederlage von: J. C. KÖNIG & EU HARDT 38 Schnurgasse 38. S. Eis. Pelze grossartige Auswahl. S. Eis. Pelze unübertroffen billig. S. Eis» Pelze Geschänsbücberfabrib. sämtliche Neuheiten. S. Eis. Glaserei Jratra Rudolf Kunsthandlung. Frankfurt a. M. Telephon 10744 Kronprinzenstr. 18. Einrahmen von Bildern u. s. w. Reparaturen reell and billig. ]. IS. 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