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Neue jüdische Presse · 1906-12-21 · Heft 49 (21.12.1906) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 49 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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KranHurter Israelitisches Fainilienbtati, Nr. 49. Die Woche. benommen, die, wenn auch hier nichts' Näheres gesagt werden kann, das wird später einmal offenbar .werden,' der Erwähnung bedarf. Diese Vorbilder von Juden als Kulturmenschen müßten Nachahmung -findenauch in'christlichen Kreisen, auch in jenen, die, wenn ihr,Name genannt wird, erinnern an G, E. Lefsing. - Redner führt aus, daß auch vom Standpunkte deS Geschäftsinteresses die Beteiligung an russischen Anleihen bedenklich ist, da Rußland dem Bankerott zustrebe. Er beweist dies mit Hinblick auf den Zarismus, der heute noch seine alte destruktive Gewalt besitze und alle Versuche einer Besserung zu schänden mache. Redner schließt: In Rußland steht für das russische Volk die russische G ro ß mach t st el l u n g auf dem Spiele. Es stcht viel mehr auf dem Spiele, als das Interesse; einzelner Parteirichtungen, die russische Revolution ist' ein Kampf um die russische Großmachtstellung. . Das muß die Zuversicht sein, daß für Ruhland bessere Zeiten aufziehen und das wird eine Befreiung für Europa sein. Wir wollen hoffen, daß es den Kämpfern in Rußland gelingt, auch unseren Brüdern die Existenz zu schaffen. Zur Lage -er Judenin Marokko. Von Professor Dr. Slouschtsch, Paris. Me öffentliche Meinung hat sich daran gewöhnt, die Marokkofrage als 'eine rein politische Frage an- .zusehen, die den Mächten, insbesondere Deutschland und Frankreich, einerseits und dem Maghzen andererseits, viel zu schaffen gibt. Die politische und kommerzielle Seite der Marokko-Frage hat die rein humanitäre Seite der Frage zurückgedrängt, und die jüdische Presse, oder die von Juden redigierten oder von Juden inspirierten Zeitungen, die für die macedonische Frage so viel Interesse hat und für die unterdrückten Völker unter jedem Himmelsstrich Worte des Bedauerns und der Sympathie zum Ausdruck zu bringen weiß, gehl über die Lage der Juden in Marokko, die kaum besser als die Zage der macc- ,konischen Völker ist, mit Stillschweigen hinweg. „Unsere" Presse verschweigt, daß die Juden in Marokko, etwa 200 000 an der Zahl, nicht nur in gedrückten Berhällnissen leben, sondern sich, in s o r t w ä h r e n - der Gefahr befinden — und das zu einer Zeit, da Diplomaten und Staatsmänner als Mandateure der Mächte Mittel und Wege suchen — um die Pacification Marokkos zu bewerkstelligen. „Unsere" Presse hat sich mit allen Seiten der Marokkofrage beschäftigt, nur die 200 OM marokkanischen Jude», die keinen Tag ihres Lebens sicher sind — schwieg sie tot. — Und, weil alles über die Juden in Marokko schweigt, will ich darüber rieben. — Es ist meine Pflicht als Jude und Mensch, und ich tue es jetzt ums so eher, als ich den Augenblick, in dem die französische Uotte die marokkanischen Gewässer aussucht, für den Zeitpunkt ansehe, in dem es sich verlohnt, die marokkanische Judenfrage aufs Tapet zu bringen. , Man irrt, wenn man annimmt, daß in Marokko .'organisierte Staatsgewalt das Land und die Leute regiert, wie es z. B. in der Türkei der Fall ist/ Man. irrt,. wenn man glaubt, daß der Scherif vder seine Untergebenen' für'die Ruhe und Sicherheit des Landes garantieren können. Ich habe das- Land gesehen, es kreuz und quer bereist, bin mit meinen Stammesgenossen der -inneren Provinzen in Berührung gekommen, und nach hem zu urteilen, was ich gesehen und selbst in Augenschein genommen, muß ich nochmals wiederholen — rn Marokko gibt es keine organisierte Staatsgewalt, 'die dem Einzelnen Leben und Gut schützen und verteidigen kann. . In welchem Maße die Juden in Marokko dem- Raubtier im Menschen und der Anarchie des Landes, zum Opfer fällen, geht aus folgendem-traurigen Ereignis, das sich jüngst zugetragrn, klar und deutlich, hervor. Ich werde jedoch, bevor ich die Unheils- Botschaft zur Kemcknis der deutschen Juden bringe, aus ein geschichtliches Faktum zurückgreifen' Seit Jahrtausenden — noch lange bevor das blutige Schwert des Islams in Marokko zu wüten begann — existierte in her Nähe der Riffgebirge ein jüdischer Staat, der Tasa hieß. In alten Zeiten erfreutem sich dieser jüdische Staat einer Suprematie über das ganze Gebirgsland, und es ist 'anzunehmen, daß die' Berber des tapferen Riata-Stammes, wenn nicht direkt Prosekyte», doch 'von 'der jüdischen Kül-. tur, die Tasa ausstrahlte, stark 'beeinflußt waren'. Sie waren mehr oder weniger judaisiert.- Der alte Tasastaat, einst stark und gefürchtet, ans dem viele jüdische Helden hervorgegangen, in dem, viele jüdische Gelehrte gelebt, und den noch ini 17. Jahrhundert, ein jüdischer Herrscher namens Jbn Mecha'al regierte, ist heute auf 300 jüdische Familien znsammen» geschrumpft. Diese kleine. Jüdengruppe im. uralten Tasa erfreut sich seit uralten Zeiten der Ehrfurcht und Achtung aller benachbarten Stämme. Ihre uralte Synagoge und noch älterer Friedhof bekunden von dev; Herrlichkeit und Macht des allen Tasastaates. Selbst ber Prätendent, der wilde, wagte es nicht, diese Jüdengruppe in irgend einer Weise zu verletzen öder ihr gar materiellen Schaden zuzufügen. Da kamen vor einiger Zeit die Truppen des Maghzen (Zentralregierung), und schlugen oder glaubten nur die Bande des Prätendenten geschlagen zn haben. Es herrschte eine Freude im Lager der Maghzentruppen. Ihr General'aber, der Keid von Glangi, der auf eigene Rechnung die Truppen in Sold genommen und in die Schlacht geführt hatte, denn der Maghzen hatte weder Truppen noch Geld — glaubte feine Truppen wegen ihrer Tapferkeit beschenken zu sollen. Er tat es auch. Er benutzte dazu ein einfaches Mittel. Er lieferte seinen wilden Bestien die alte Tasagemeinbe aus. Drei Tage und Nächte dauerte die Räuberei in der Mellah. Die Frauen wurden geschändet, die Männer totgeschlagen, alles wurde geplündert und geraubt. Als die Muselmänneram vierten Tage erwachten, da gab es kein Meflilah mnd keine Juden in Tasa mehr. Einige jüdische Flüchtlinge konnten nach Fez entkommen, ein anderer' Teil der Geflohenen fiel unterwegs der Epidemie zum Opfer. Eine andere Flüchtlingsgruppe wurde von einem Berber-Chef ausgenommen und nach Mellilah in Sicherheit gebracht. In Mellilah traf ich sie vor kurzem. Sie stellen jetzt das letzte Ueberbleibsel des ehemals Mächtigen jüdischen Reiches Tasa und die Letzten der jüdischen Tasagemeinbe. Die spanische Regierung, resp. ihre Vertreter nahmen diese Unglücklichen auf, wiesen ihnen Soldatenzelte zum. Wasen und' Brot zn Nahrung an. Sie llagten über die Ermordung ihrer Familien, über, die Zerstörung und Plünderung ihrer Güter und besonders über die Verwüstung der Gräber ihrer uralten Ahnen. Wer hat ihnen dieses Unglück zügefügt! Die Truppen der sogenannten organisierten Regierung des Schcriss. Und heißt es Sicherheit, wenn die Truppen des Maghzen urplötzlich, über eine Stadt herfallen, sie verwüsten und ihre Einwohner ermorden? Bei der kleinsten Begegnung mit diesen Staatsbanditeu bemächtigt sich der ganzen Stadt eine Panik, die niemals grundlos ist. Ich-selbst habe vor meiner Mreise. den Ausbruch einer Panik unter den Inden Tangers erlebt. Nur die Knechte einer Reptrlieiipresse können sich zu der unverschämten Lüge vergreifen, in Marokko herrsche Ruhe und Sicherheit. Und was die jüd. Mitarbeiter der ReptkUenpresse betrifft, die im Interesse ihres „Vaterlandes'! das Märchen von der Ruhe in Marokko wiederholen; während das'Blut unserer Brüder iw Marokko aus der Erde.'inst — so fehlt jeder Ausdruck, Mn. ihr schamloses. Gebahreu genau zu qualifizieren,.; - Es ist die Aufgabe jedes jüdischen Schriftstellers und Publizisten, jedes jüdischen Mannes .von Einfluß und Ansehen, die öffentliche Meinung über die'wahre Lage in Marokko aufmerksam zu machen.... ' .; Paris, Mitte Dezember. Anm. d. Rcdakt. Dir französische Regierung hatte im Juki d. I. Herrn Prof. Dr. Slouschtsch-in einer wissenschaftlichen Mission nach Marokko geschickt. Herr Prof. S., dessen vor kurzem erschienenes Buch über die Juden in Marokko auch in unserem Blatte ansführlich besprochen wurde, wird uns - jetzt auf unser spezielles Ersuchen in einer größeren Artikelserie über, die Lage der Juden in. Marokko, sie .er jetzt von Augenschein kennt, berichten. Wir machen die Leser auf diese Berichte aufmerksam, da die Juden in Marokko einen wichtigen Zweig der jüdischen Gesamchell ausmachen und wir über ihre Lage-bis jetzt in Unkenntnis wäre,,. Zudem ist der Verfasser der Berichte eine-: anerkannte Autorität auf diesem Gebiete. Das Natioüalfest ist vorbei - — die Makabiwoch'e ist zu Ende. - " - - Von allen Orten -komnit-die Künde, daß das Fest glauzvoMgeseierj -wurde. Auch-, E unserem Franffürk würde dem' großen^Nätionälfejw) die gebührende Begeistermug rntgegentzestra^st: „Montefiore" und „Zionistische Ortsgruppe-:., veranstastewn. .große Feierlichkeiten bei einer sehr großen^Beteiligung.' Mich ber „Nachlaß Zwi" feierte im engere» Kreisedäs Makabifest. Besonders stark war die Beteiligung bei der Veranstaltung her zionistischen Ortsgruppe,., die sonst schon große Zahl, der Teilnehmer stieg aus bas. B i e r s a che; der große Saal der Löge /mit-: den Nebcnräilmen könnte. die Besucher nicht, fassen, -Hunderte Personen mußten zurückgewiesen werden. /All dies weist auf'ein zunehmendes Interesse hin. -Ist doch das Chanukafest schließlich ein nationales' Fest und miihin die Zunahme der nationalen Bewegung eine Tatsache. Die folgenden Worte sollen dies 'näher betrachten. Der zionistische Gedanke, der die Daseinsbedingungen des jüdischen Volkes in kultureller, wie in materieller Hinsicht ausmacht und auf dem tausendjährigenWrllenJudaszumSein fußt, mußte naturgemäß in den breiten Massen imnler mehr Wurzel-fassen, die gesunden Elemente, die die Kraft zur Führung eines normalen Daseins besitzen, mußten kommen, was sie auch taten. Schwieriger lag der Fall mit den verkrüppelten Ghettojuden, diese lomiten sich nicht ohne weiteres einer urwüchsigen gesunden Bewegung anschlleßen, es mangelte ihnen an Kraft. Allein auch diese, sofern sie nicht bereits dem Tode geweiht waren, mußten allmählich durch den frischen und kräftenden Luftzug der Bewegung gesunden. - Und in welchen Lagern wähnte man diese Kranken? — In den Reihen der Liberalen, war die allgemeine Ansicht. Man kalkulierte dabei wie folgt: Der Liberalismus ist Mer jedes Eigendünken erhaben, er nimmt das Gute, wo er es findet; -das Gegenteil davon, der Konservatismus, der Zionismus, der die „Rückkehr zum Judentum" prollamiert, sagte man, wird die Orthodoxie um sich scharen; empfindet doch letztere den Druck der Diaspora am meisten, und die Gefahren, die sie umgeben, sind viel größer, als die des liberalen Judentums. Doch stehe — man kalkulierte falsch. Der Liberalismus war es, der seine ersten Pioniere dem Zionismus stellte; die Orthodoxie stand anfangs von der Ferne, man hatte vor der Form der Realisierung des Gedankens nicht, aber vor dem Gedanken selbst angst; man glaubte sich bor etwas „Neuem" stehen zu wissen und das Neue ist für den Durchschnittsmenschen ein Schreckensgespenst.. Allein nach und nach kamen auch die Traditionellen, sie fanden, daß auch sie Form, die Mittel nicht neu, sondern ganz im Sinne her Weisen, und dabei sahen sie die rettende Wirkung des Zionismus aus die Jugend ein. Zwar blieben noch viele aus. Allein diese gehörten entweder zu den Trägen, Hartherzigen oder zn den Stubengelehrten, die nur ihr Dogma, nicht aber das Leben kennen. Was bei den weltfremden Traditionellen Rußlands u. Galiziens Möglich, ist für den, gebildeten weltkundigen Traditionellen^Westcukopasausgeschlossm, ■■■ vielmehrhoffte, manp dastunsSce Orthodoxie/sich'in cövpore dem -Ziöstisinus anschllößen weyse, , j^oit:5'er'.-git geitii 'Bpfcenr, (jiiijiijrtiuig mn Judentum in konsesflynsfeindlichen./Län^'rp ni>- errdllch /schwer.sällü ' -.inj-,- Doch weit gefehlt -' ganze Kreise der- Orthodoxie verhallen sich geradezu gehässig .gegen Yen 'Dötlismus, man-brütetffqlsche Ailschüldigungen/lind. klügelt Verdächtigungen und/Befürchtungen aus, .man:v«> schanzt sich hinter - sin „NiffiMlidentüm" 'ilitb -Mw glaubt mit demselben i n di e s e r'Z e r tdie JügeÄ für im Sinne der Alten zu/ handeln,, habe»' boch^nysere Väter im Mittelalter. von'den- ,WssiM";.^Aunher) einen gar zu häüsigqn Gebrauch - gemacht//Allein was vielleicht: zwechnäßig und schädlW das Operierest, mit Niffirn unserer Väter kam aus/B e t z.weislü n.g ,-:uich,es ist gehanbhabt worden- / sowohl ins Bezug änf die G'e - samth eit. der Nation, wie au$ in Bezug' auf das 'AnLtvtdünm. — heute?!

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