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Neue jüdische Presse · 1906-11-30 · Heft 46 (30.11.1906) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 46 (30.11.1906)
Date
1906-11-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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. I—"■"" . . ■■ : Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnementspreis Pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. M. 1.— stei inS Haus. Bei der Post abonniert im In- und Ausland Mk. 1,02 (einschließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich - Ungam Mk. 1,50, sonstige Länder Mk. 2.— t—— -— ---;— HedaKttoir mrd HefchäfrsstMe: SrsnKfurl s. M.. Lleichstraße 3, Scke vilbelnstraße 10507. Kaks chetr. r—,—■—:- . ■ , Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile... . . WPfg. Die Rellamezelle.. . . . MO .. Platz« und Daten-Borschrtft ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Uebereinkunft. 4. Jahrgang. Freitag, den 13. Lisiev 5667 (36. November 1606). No. 46. Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Der erste Teil (3. Band) des „Doroth Horischonim" V. Halewh. — Brief aus der Schweiz. Die Woche. — Aus all er Welt. — Feuilleton: Der Asus-Ponim, von P. I. K. — Wochen- Kalen der. — Familiennachrichten. Der erste Teil (3. Band) des „DorothHorischonim" v. Halewy. Vor uns liegt ein neuer Band von Halewy's „Doroth Horischonim". Es ist der dritte Band des ersten Teiles, der, wie der Verfasser^illt Vorwort verkündet, vier Bände umfassen soll. Während die schon vorangegangenen Teile III und II die Geonim- und die Amoräerperiode vom Schluß der Mischna behandeln, soll der erste Teil die ganze Geschichte der Mischna, wie auch die wichtigeren 'politischen Ereignisse, die auf das Wesen der „Tauroh b'al peh" ein Licht werfen, zum Gegenstände haben. Wie in den früher erschienenen Teilen, seines Werkes weist der Verfasser auch in diesem neuen Bande auf die großen — zum Teil auch gewollten — Fehler hin, die in der jüdischen Geschichtsschreibung des vorigen Jahrhunderts begangen worben sind. Er weist auch hier nachdrücksvoll darauf hin, daß diese Historiker, Weiß, Graetz, Krochmal der Aeltere und noch Andere mehr, bei ihrer Arbeit von der Voraussetzung ausgingen, daß die ganze mündliche Lehre zum Teil ' eine Erfindung und ein Machwerk der „Männer der großen Synode" (der „Ansche Kneseth hagdauloh"), mehr noch aber der Pharisäer (Peruschim) sei. Indem dieser Gedanke der Ausgangspunkt ihrer Forschungen gewesen, so mußte alles diesem^ angepaßt werden. .So sind sie in ihren Arbeiten, von dieser Voraussetzung beherrscht, ihre Sklaven geworden. Ueberall, wo die Geschichte und die Forschung gegen diese Voraussetzung ist, wurde sie ihr seitens der genannten Historiker gewaltsam angepaßt. Und sei's auch mittelst der sprunghaftesten Kombinationen,'durch die gewagtesten Hypothesen, die jemals von Geschichtsforschern anderer Völker aufgestellt worden sind. Halewy nennt dieses Bestreben, die ganze Vergangenheit des. jüdischen Volkes und des jüdischen Schrifttums ihren Tendenzen gemäß darzustellen,'eine „Mlchemeth Mizwoh", für welche seitens der Genannten die größten intellektuellen Opfer gebracht worden sind. , ' Die Art und Weise, wie der Verfasser auf Grund der einschlägigen zeitgenössischen Literatur seine Kritik gegen die jüdische Geschichtsschreibung des vorigen Jahrhunderts richtet, ist, wie. auch in den zuerst erschienenen zwei Teilen, scharf und entschieden. Es mag dies M''für'-dje7/2^atzlkHkert der ihm zu Gebote stehenden Waffen bezeichnend hervorgehoben werden, zumal, so man bedenkt, welcher Stellung sich diese Geschichtsschreibung bis auf Halewy erfreut hat. Hat man hoch die Verfasser dieser Werke als die. Bahnbrecher auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft gepriesen, deren Ergebnisse zu bekämpfen als Attentat gegen die Wissenschaft gekennzeichnet worden ist. Es wird daher das große Verdienst, HälewyS bleiben, der jüdisch-wissenschaftlichen Welt, auch derjenigen, die ihrer Denkweise nach zu den Graetz, Weiß usw. gehören, klar gemacht zu haben, daß^durch deren Arbeiten die Akten über die jüdische Vergangenheit noch lange nicht.als abgeschlossen betrachtet werden können. Halewy hat durch seine Arbeiten die schon als abgeschlossen und als abgetan gewähnte Frage in ihrer ganzen Größe und Wichtigkeit nochmals aufgerollt. Und — einer nochmaligen gründlichen Revision der wichtigsten Punkte, wie sie von dem Verfasser vorgenommen wurde, kann der Wust der Kombinationen und tendenziösen Hypothesen unmöglich Stand halten. Wie denn von gegnerischer Seite schon offen zugestanden worden ist, daß viele wichtige Punkte in Halewyscher Beleuchtung ein ganz anderes Gepräge erhalten, wodurch die hierauf bezüglichen Ausführungen der früheren Historiker recht zweifelhaft geworden sind. Es ist dies an sich schon ein großer Gewinn, wenn man bedenkt, daß ftüher Jeder für einen Regierer und Ignoranten der Wissenschaft verschrieen wurde, der es gewagt, irgendwelche Zweifel an die Glaubwürdigkeit der Angaben dieser Historiker zu setzen. Durch die Halewy'schen Werke ist nun dieser blinde Glaube^ endgültig zerstört worden. Der vorliegende Band umfaßt die Zeit vom Ende der Hasmonäerperiode bis zur Zeit nach den Tetrarchen, da in Palästina römische Statthalter, Landpfleger hausten. In diesem Bande beschäftigt sich der Verfasser auch mit der politischen Geschichte der Juden,' hauptsächlich aber nur, insoferne sie auf die Thorapflege einwirkte, insoweit wir aus der Geschichte auf das Wesen der „Thorah b'al Peh" schließen! können und insoserne die politischen Zustände auf das religiöse Leben von Einfluß gewesen sind. So mit der herodianischen Zeit, die insoferne wichtig ist, da von der neujüdischen Geschichtsschreibung behauptet wird, die Bne.Bethera wären von Herodes zu Härrptern des Synhedrion. eingesetzt und später erst auf das Betreiben der! Pharisäer, besonders Hlllels, vom Amte entsetzt worden. Diese Hypothese dient der obenerwähnten „Mflchemeth Mizwoh", indem sie dartun soll, daß die hermeneutische Regel, die Hiflel in einem gegebenen Falle (siehe Pesachim 66a) geltend gemacht hat, von anderen Gelehrtenkreisen 'nicht akzeptiert worden ist. Dagegen führt Halewy in. überzeugendster Darstellung^aus, daß die Bne Bethera überhaupt nicht an der Spitze des. Synhedrion gestanden uns» baß sie sich der Ueberlegenheit Hillel's bereitwilligst gefügt haben. Dagegen scheint es zu weit gegangen, wenn H.. meint, Herodes für das unter den Juden der griechischen Städte angerichtete Blutbad verantwortlich machen zu können. Wenn er auch ein Freund der Griechen und griechischer Sitte gewesen ist, so kann es doch nicht in seinem Interesse gelegen haben, ein solches Vorgehen gegen die'Juden zu verursachen oder nur zu begünstigen. Seine Steflung als König der Juden, als welcher er doch einmal galt, mußte unter solchen Umständen doch zweifellos eine gewaltige'Einbuße erleiden, Es. ist diese Meinung ebenso extrem, als wenn von arideren Historikern (Graetz, Schürer u. a.) Herodes, diese blutgierige Sklavenseele,, als'. Rettungsengel der Juden außerhalb Palästinas gefeiert wird. In völlig neuem Lichte stellt Halewy die vor der Hasmonäerperiode herdatierende Sekte der Sadduzäer dar. Wie er ausführt, sei diese Sekte nur eine Fortsetzung der hellinistischen Partei gewesen, die vor dem Auftreten der Makkabäer griechisches Wesen und griechische Sitten in's Land brachten Und gegen sie die Thorah in den 'Hintergrund treten ließen. Es waren nur die Fortsetzer der irreligiösen Assimilationstheorie, die, als die Makkabäer das Gesetz wieder in sein altes Recht eingesetzt hatten, aus Opportunitätsgründen ihre prinzipielle Opposition aufgaben und sich den Anforderungen des Gesetzes scheinbar fügten. Dagegen brach diese Opposition wieder hervor, als es ihnen gelungen war, einen Hohenpriester (Hyrkan) zu ihren Ansichten zu bekehren. Diese Opposition nahnr jetzt einen mehr religiösen Charakter an. Da es ihnen an Mut gebrach, offen der „Thauroh" den Krieg zu erllären, well sich das ganze Volk zu ihr bekannte, machten sie Front gegen einen integrierenden Teil der Thora, gegen die mündliche-Traditton. und gegen andere wichtige grundlegende Prinzipien des Judentums. In Wirklichkeit sind sie aber Leugner der gesamten Thora gewesen, und haben sie nur ein polittsches, aber kein religiöses Judentum gewünscht. Die Halewy'schen Ausführungen stellen hiermit d ie se w ich t i g e Ep o che in der jüd. Geschichte in einem ganz neuen Lichte dar. Auch hier müssen die als abgeschlossen gewähnten Akten neuerdings ansgerollt werden, auch hier zeigt es sich, wie notwendig es ist, die sogen. Ergebnisse der Geschichtsforschung nochmals durchzusehen. Wir erfahren in diesem Bande schon — wenngleich die Mischna in einem Separatbande erst behandelt werden soll — daß der „Jesod-Hamischnoh", die eigentlichen Tradittonen, die die Mischna enthält, ohne die später hinzugekommenen und der Mischna einverleibten. Meinungsverschiedenheiten (Plngthauth),.zur Zell der „Ansche Kneseth hagdauloh" schon redigiert war und keine eigentlichen „Halachoth" später hinzugekommen sind. So enthält dieser neue Band Halewy's eine Fülle von neuen wissenschaftlichen Anregungen und Ergebnissen, die uns den behandelten Zeitpunkt in einem ganz neuen und hellen Lichte erscheinen lassen. Sie werden gewiß nicht verfehlen,. die Wirkung zu tim, die ihnen vermöge ihrer Wichtigkeit und ihres für das Judentum grundlegenden Charakters zukommen. Der hohe Wert und die Bedeutung auch des jüngsten Bandes lassen uns .mit fteudiger Spannung den weiteren Bänden dieses großangelegten Werkes entgegensehen. Dr. Ph. Frankl. Brief a«s -er Schweiz. Jedes Volk hat seine Nationalspeise. Der heißblütige Italiener liebt seine Maccaroni, der blöde Russe sein „Kapusta", Sauerkraut, der Japaner seinen Reis, der Engländer seinen Pudding, der Jude seinen Chalet und der Schweizer seinen Käs. Gar mancher hat schon die Schweiz das Land der Käse, die Schweizer Käsemenschen genannt, ltnd in der Tat ist es kein Zufall, daß im Käs des

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