Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 42 (2.11.1906)
- Date
- 1906-11-02
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2692460-2692502--02788-2697419- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10. FranGvcttr UraEUÄ FaWllienblaÜ. Nr. 42. zulassen will, daß durch solche Leute der Arbeitsmarkt überschwemmt würde. — Staatssekretär Gladstoue erwidert, daß er über die Frage nicht genau unterrichtet sei, jedenfalls mache sich aber zur Zeit kein derartiger Zuspruch bemerkbar. Hypothetische Fragen betreffend die Auslegung des Wortes „politischer Flüchtling" sei er außer stände zu beantworten. Personalien. Frankfurt a. M. Stadtverordneter S t i e b e l wurde zum unbesoldeten Stadtrat gewählt. Frankfurt a. M. Vergangene Woche feierten an einem Tage sechs jüdische Ehepaare ihre silberneHochzeit: Alfred Schwarzschild (Bleichste.), Heinrich 'Blüthe (Fricdbergerlandftr.), Louis Stern, (Friedberger Anlage), Hermann Dahn (Sternstr.), Jacob Strauß (Scheffelstr.) und Emil Kahn (Rotteckstraße). - Frankfurt a. M. Nächsten Sonntag, den 16. Cheschwan, begeht 'Herr S e l i g m a n n M o s - bacher, ein angesehenes Mitglied der Israel. Religionsgcsellschast, in Riistigkeit seinen 80. Geburtstag. | Berlin. Professor Bernhard Frankel, der berühmte Berliner Laryngologe und Führer auf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung, ist in der Sitzung der Berliner medizinischen Gesellschaft zum Ehrenmitglied gewählt worben. Der Gelehrte gehörte in den Jahren 1868—1898 dem Vorstande der Gesellschaft an. Bcri,». Zum Kommerzienrat wurde der Kanftnantt Salomon Haberland, Begründer der Berck.ckschen Bodcngescllschast ernannt. Das Ehepaar Wolfs Lißner und Frau Henriette geb. Lewin feierte ihre goldene Hochzeit. Dr. R. Kuczynski wurde zum Leiter des Statistischen Amtes der Stadt Schöneberg gewählt. Trotz seiner 90 Jahre hat Professor Dr, M o xltz Steinschneider, der Nestor der deutschen Orientalisten und Bibliographen, jüngst eine Abhandlung von allgemeinem Interesse über „Rangstreit - Literatur, ein Beitrag zur vergleichenden Literatur und Kulturgeschichte" vollendet, die in die Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien ausgenommen worden ist. Mannheim. Der langjährigen Vorsitzenden des jüdischen Waisenvereins, Frau Sara Noether, wurde vom Großherzog die Friedrich-Luisen- Medaille für besondere Verdienste auf sozialem Gebiete zu Teil. Breslau. Der Architekt Walter Growald rettete mit Lebensgefahr eine Frauensperson, die sich in selbstmörderischer Absicht in die Oder gestürzt hatte. Der Frau Geh. Kommerzienrat Paula Heimann Wwe. wurde die Rote Kreuzmed aill'c 3. Klasse verliehen. Im Alter von 74 Jahren verschied Herr E m a n. Falk, ein Schwiegersohn von Rabbi Hirsch Kalischcr s. A. und Bruder des Breslauer Dajans Rabbi Falk Falk s. A. und des Gelehrten Rabbi Mayer Fall s. A. Mülhausen i> Elf. Bei den Ergänzungswahlen zum Gemeinderat wurde Herr Adrian Blo ch gewählt. Wien. Hier starb im 63. Lebensjahre Generalstabsarzt Dr. Joses Ulrich. — Ulrich wurde im Jahre 1866 aus der Josefs-Akademie ausgcmustcrt und machte den Feldzug 1866 als Assistenzarzt des berühmten Chirurgen Oberstabsarztes Dr. Franz Ritter von Pitha in Italien mit. Vor ungefähr anderthalb Jahren ist Dr. Ulrich in den Ruhestand getreten und erhielt bei diesem Anlasse den Titel und Charakter eines Generalstabsarztes. ' Wien. Anläßlich seiner-(nachgesuchten Pensionierung wurde der Oberstabsarzt 1. Klasse Dr. I a c. Zuckermann — geboren 1846 in Schönlinde — zum Generalstabsarzt ernannt. Budapest, 28. Ottober. In Bäkös-Csaba wurde gestern der Budapester Advokat Dr. Alex. Petö zum Reichstagsabgcordncten gewählt. > > Hiermit ist die Zahl der jüdischen Mitglieder des Reichstags auf 23 angewachsen. London. Albert Henry Jessel. ein Neffe des verstorbenen Sir Georg Jessel Und Schwiegersohn des verstorbenen George C. Raphael, ist zum K ö n i glichen Rat befördert worden. Diese Ernennung sei um so freudiger konstatiert, als A. H.- Jessel in den Institutionen der hiesigen Judenheit eine sehr tätige Rolle spielt. Paris. Dr. Heinrich d. Rothschild stiftete zn der Errichtung eines Institutes für Krebsforschung 100 000 Francs. Chanmont (Frankreich) Der Bürgermeister unserer Stadt, Herr Gogenheim, wurde zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Herr Gogenheim ist Direktor der hiesigen Handschuhfabrik, welche über 3000 Arbeiter beschäftigt. New-Aorl. In New-Orleans feierte der bekannte Philanthrop Julius Weiß unter allgemeiner Beteiligung seinen 80. Geburtstag. Aus Chicago wird der Tod von Adolph L o e b — geboren 1839 in Bingen (Deutschland) —, eines der angesehensten Mitglieder der dortigen Judenheit, gemeldet. Er war u. ä. einer der Gründer und Präsident der „Jewish Agriculturists' Aid Society of Ainerica" und Präsident der „Russian Aid Society". In W a s h i n g t o n feierte A d o l p h n s S. S o lo in o n s, früher Mitglied des Repräsentanteiihauses, seinen 8 0. Geburtstag. Von 1891, dem Jahre seiner Gründung, bis 1903 war Solomons der General-Vertreter des Baron-Hirsch-Folids, auch war er Präsident des „Jüd.-Theolog. Seminar". Aus der Lehrerwett. Berlin. Wissenschaftliche Vereinigung. In der letzten Sitzung behandelte Herr Rabbiner Dr. Gutmanu, der Vorsitzende, das Thema: Wie weit soll der Religio nslehrer in seinem Unterrichte auf die Anschauungen des Hauses Rücksicht nehmen? Referent verlangt gemäß seiner ncologcn Anschauung, daß der Religionsunterricht im Sinne der -wissenschaftlichen Bibclbetrachtnng erteilt werde, da nur so der Schüler in den Stand gesetzt werde, die Bibel als Niederschlag des Geistes des klassischen Volkes der Religion zu schätzen, und sie auch dann noch als die erhabenste religiöse Urkunde zu betrachten, wenn er zu der Ueberzeugung gelangt, daß nicht jeder ihrer Sätze die höchste Sittlichkeit bekundet und nicht jede der in ihr enthaltenen Erzählungen auf historische Glaubwürdigkeit Anspruch erheben kann. Demnach könne man der Gefahr, einen ernsten Zwiespalt zwischen Eltern und Kindern hervorzurufen, entgehen, wenn man sich stets vor Augen halte, daß man Religionsunterricht zn erteilen und nicht in die moderne Bibclwissenschaft einzuführen habe. Der Lehrer habe auf den religiösen und sittlichen Gehalt der erzählenden und lehrhasten Teile der Bibel das Hauptgewicht zu legen und die Ergebnisse der Bibelwissenschast nur so weit zu berücksichtigen, wie sie geeignet sind, dem Schüler das rechte Verständnis für die Entstehung und Eigenart der heilige» Schrift zu geben. Bei'der Behandlung der religiösen Bräuche sei ihre pädagogische Bedeutung hervorzuheben. —Nach längerer Diskussion nahm die Versammlung Thesen an, die mit den Ausführungen des Referenten übereinstimmen. (Wir gehen darüber hinweg, daß selbst vom neologcn Standpunkte aus die sogenannte wissenschaftliche Bibelbetrachtung hypothetischer Natur ist, und weisen hauptsächlich auf die Wirkung hin, die diese Art von Religion besitzt, denn Taufen und Mischehen findet man nur nach einem derartigen Religionsunterricht, der sich weder religiös noch' national nennen kann, und nur das Prädikat „sogenannte Moderne" verdient, nicht aber nach einem'Religionsunterrichte im vollen Sinne der Tradition. „Die Bibel als Niederschlag des Geistes des klassischen Volkes der Religion zu schätzen" ist ein Spielen mit Worten; eine Religion ohne Offenbarung gibt es nun einmal nicht und eine solche Religion hätten wir in diesem Falle.) Die Versammlung beschäftigte sich noch mit der Angelegenheit Fiegel-Peritz. Die Versammlung war nach Kenntnisnahme des Sachverhalts einstimmig der Ansicht, daß es ihre Pslicht sei, Herrn Dr. Fiegel gegen die ihm zugefügte Kränkung in Schutz zu nehmen, und sie hat ihren Vorsitzenden bcauftragi, deni Vcrbandsvorstande von folgender Resolution Kenntnis zu geben: Die Wissenschäftl. Vereinigung protestiert energisch gegen die in der letzten Jahresversammlung der Religiönslehrer Ostpreußens gegen de» Vorsitzenden des Verbandes, Herrn Dr. Fiegel, aussprochene Beschuldigung der falschen Berichterstattung, eine Beschuldigung, von der Herrn Peritz schon die Rücksicht auf den Verband hätte zurückhalten müssen, und d ie in der Sitzung nicht allein nicht zurückgewiesen, sondern noch in das Protokoll ausgenommen wurde. Die W. B. bittet 'den Verbandsvorstand, den Verein der Ostpreußen zu einem Widerruf zn veranlassen oder falls der Verein nicht dazu bereit sein sollte, Herrn Dr.- Fiegel auf andere Weise Genugtuung zu verschaffen. Sie spricht aber auch ihr tiefes Bedauern darüber aus, daß Herr Steinhardt als Redakteur der Blätter für Erziehung und Unterricht den beleidigenden Passus zum Abdruck gebracht hat. Potsdam. Herr Zacharias Schönberger, seit 1881 Oberkantor der hiesigen Synagogengemeinde und 1. Vorsitzender des Kantorenvrrbandes, ist gestorben. Köln. Nachdem im Mai d. I. die hiesige, etwa 600 Schüler zählende städtische israelitische Volksschule zn einem Vollsystem ausgebaut worden ist, ist der Leiter der Schale, Herr Hauptlehrer Coblenz, zum Rektor ernannt worben. Mit dieiem Amte ist auch bas eines königlichen Lokalschulinspektors verbunden. ßs ist dieses der einzige Fall in Preußen; eine zweite öffentliche jüdische Vollsschulc mit einem Rektor an der Spitze existiert nicht. Es dürfte die Kölner Schule wohl auch den größten jüdischen Sch'ulorganismus im Reiche darstellen. Stratzburg. In der Plenarsitzung des hiesigen Gemeinderats, in welcher der demokratische Antrag auf Entkonfessionalisierung der städtischen Kleinkin-' der- und Elementarschulen verhandelt wurde, erklärte der klerikale Stadtrat Dr. Burguburn, er könne im Einverständnisse mit dem Präsidenten des israelitischen Konsistoriums mitteile», daß der größte Teil der Israeliten gegen die Simulianisierung der Elementarschulen sei. Rosenberg (Böhmen). Unter großem Gefolge wurde Herr Rabbiner Philipp Lederer zu Grabe getragen. . Aus den Vereine«. Frankfurt a. M. Verein „Monteftore". Wir hatten am verflossenen Freitagabend Gelegenheit, uns an-einem hübschen Bilde zu erfreue», das ein Blick in die Geselischastsränme des Vereins Montefiore uns bot. Im hellerleuchteten Saale brannten eine Anzahl Sabbatkerzen, und um die weißgedeckten Tische schaarte» sich-die jungen Vereinsmitgliedcr, sich an Früchten und Getränken labend, die Ihnen gratis dargereicht wurden. Diese Neueinrichtung hat der Vorstand ins Leben gerufen, um den Jünglingen, die zum Teil aus der Ferne hergekommen, das ganz besonders am Schabbes fühlbar werdende- Bedürfnis nach einem Familienheim zu befriedigen; es soll ihnen das Elternhaus möglichst ersetzen und sie-davor bewahren, unwürdigen Zerstreuungen nachzugehen. Auch an geistiger Nahrung sehlte es am Freitagabend nicht. Der Vorstand sorgt für anregende Unterhaltung durch Vyrträge und Vorlesen aus der jüdischen Literatur, und wie sehr dieses Streben anerkannt wird, beweist der allwöchentlich sich steigernde Besuch dieser Veranstaltungen. Für die Neueinrichtung bekundet sich in weiteren Kreisen ein erfreuliches Interesse in Zuwendungen von Mitteln, die es ermöglichen, den Anforderungen pekuniär gerecht zu werden. Jeder, dem das Wohl der Jugend in sittlicher und religiöser Hinsicht am Herzen liegt, findet hier Gelegenheit durch Geldspenden dieses zu betätigen. Frankfurt a. M., 29. Olt. Der „Verein zur Pflege jüdischen Wissens Ti fr es V a chnri m" eröffnete gestern Abend mit einem Vortrage des Herrn Dr. Phil. Moritz Mainzer über das Thema „Die Codifizierung der Halacha niit besonderer Berücksichtigung des Schulchan Aruch 'und seiner Kommentare" die diesjährige Wintersaison. Der Redner führte kurz Folgendes aus: Der gewaltige Umfang des Talmuds und der Umstand, daß der Talmud für die konkreten Fälle seine Entscheidungen, so weit er solche gibt, nicht so gibt, daß sie die Form von Gesctzesparagraphcn haben, machte einerseits die Auszüge der Halachaus, der Gesetzesentscheidungen, und andererseits in nicht entschiedenen Fällen die Feststellung derselben notwendig. Es entstand so eine jüdische Rechtsliteratur, die bis auf unsere Zeit geht. Werke dieser Literatur sind Halachaus Gedanlaus, Raw Alfas des Riff (Isaak Alfaßi 1013—1103), Mischneh Thora des Rambam (Mose den Maimon, auch Maiinonidcs genannt, 1135—1204), Arboo Turiin des Tur (Jakob den Ascher 1280—1340), Bes Josef und Schulchan Aruch von Rabbi Josef Caro (1488—1575). Der Schulchan Aruch bedeutet einen gewissen Abschluß, denn er gibt in ganz kurzen Worten sämtliche Dinim. Selbstredend niachte auch der Schulchan Aruch noch Kommentare notwendig. Der bekannteste dieser Kommentare ist der Nemo (Moses Zsserles 1520 bis 1572), der, da Joseph Caro ein Sepharde war, besonders Anmerkungen, bezüglich der Unterschiede bei den Aschkenasim machte. Nach dem beifällig aufgenommenen Referate ervffnete Herr Hermann G o ld s chm i d t, der Vorsitzende, die Diskussion. Aus der Diskussion verdienen die Ausführungen des Herrn Referendar Abba H o r o v i tz hervorgehoben zu werden, der auf die Parallelen, die zwischen dem Corpus juris,, auf dem das in Deutschland maßgebende römische Recht sich anfbaut, und dem Talmud bestehen, hinwies. Der Corpus juris ist nämlich eine Rechtssammlung, die die Ausführungen der verschiedenen römischen Rechtslehrer seiner Zeit enthält, und gleicht so m seiner Form dem Talmud. > : Frankfurt a. M. Der Verband der Sabbatfreunde hat auf Ende Dezember einen Delegiertentag in Aussicht genommen. Me vorläufige Tagesordnung lautet: 1) Erstattung des Jahresberichtes, 2) Vorlage des Kassenberichtes und Entlastung, 3) Antrag der Ortsgruppe Frankfurt a. Main auf Errichtung eines Kreditinstitutes, 4) Die Schaffung eines Führers für die Berufswahl und die Regelung der Handwerker-Stellenvermittlung, 5) Anträge der Ortsgruppen und 6) Neuwahl des geschästsführenden Ausschusses. — Die württembergischen Ortsgruppen des. Verbandes der Sabbatfieunde haben sich zu einer W ü rite mb er gischen Landesvereinigüng züsammcngeschlossen. Es gehören dieser Landesvereinigung bis jetzt folgende Ortsgruppen an: Baisingen, Freudenthal, Haigerloch, Mührlngen, Mergentheim, Niederstetten, Rexingen und Stuttgart. Frankfurt a. M., 30. Oktober. Die Suppenanstakt für israek. Arme hat, wie in der gestrigen Generalversammlung mitgeteilt wurde, im abgelausenen Geschäftsjahre 68780 Portionen verteilt. Ans dem Freifrau v. Rothschild'schen Spezialfonds konnten 67 Wöchnerinnen mit Wäsche nsw. unterstützt werden. An Mitgliederbeiträgen gingen 6970 -iL und an Geschenken 9168 Jk ein. Die Gesamteinnahmen betrugen 28560 M, die Gesamtausgaben 27 920 JL Der Kapitalfond erhöhte sich durch Schenkungen um 5000 Jk " . VlStratzburg. Am 23. Oktober fand die Generalversammlung des Jsr. Fra ne »Vereins statt, dessen wohltätiger Zweck hauptsächlich darin besteht.