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Neue jüdische Presse · 1906-10-26 · Heft 41 (26.10.1906) · p. Seite 12

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 41 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Frankfurter Israelitischer LamiKenblaa. Nr. 41 Händlers Hermann Jos. Vaer, in Firma Jos. Baer n. Co., Hochstraße .... Hartwig Derenbourg ist Professor des Arabischen und des Jslamismus an der Ecole des Hautes etudes. Er ist, wie ps sein Vater war, Mitglied des Zentralkomitees der Mliance israelite universelle. Eine g e s u n-d e Lektion. Ein Wiener Privatdozent wünschte sehnlichst Bruckner, dessen Musik ihn begeisterte, persönlich kennen zu lernen, fürchtete aber, — im Hinblick auf seinen ausgeprägte» nichtarischen Typus — als Jude nicht gut aiizukommen. Denn Bruckner, von den um Brahms gescharten liberalen Kreisen Wiens zurückgewiesen, hatte seinen Anhang damals zumeist in den Reihen der jungen, zur christlichsozialen und deutschnationalen Fahne haltenden Parteigänger. Jene schwärmten für seine frommen Kirchenwerke, diese für seine urgermanischen Sinfonien. So kam es, daß Bruckner, der persönlich viel zu gutmütig war, um irgendwie gehässig.sein zu können, und dem die Politik überhaupt noch ferner lag wie das Sanskrit, damals im Verdacht des Antisemitismus stand. Unser Privatdozent also kämpfte einen schweren Kamps zwischen seinein Stolz und seinem Musikenthusiasmns. Denn es war in den Tage», wo der Parteikampf die Juden in Wien besonders nervös und sensibel gemacht hatte. Endlich überwand er seine Scheu und bat einen gemeinsamen Freund, ihn abends beim Biertisch vorzustellen. Dessen Antwort, daß seine Befürchtungen bei dem grundgütige» Wesen des Meisters ganz grundlose seien, überzeugte den Ueberängstlichen zwar nicht ganz, aber er sagte schließlich, sich selbst enkouragierend: „Wenn du ihm nicht sagst, daß ich ein Jud bin, so wird er es wahrscheinlich gar nicht merken." Der Freund'.teilte diesen Optimismus zwar nicht, aber er sagte: „Ob er's merkt oder nicht, werden wir leicht erkennen. Bruckner ist nämlich im Verkehr mit Fremden von außerordentlicher, zuvorkommender Höflichkeit. Spricht er vor dir ganz unbefangen von „Juden", so hat er gar nichts bemerkt. Spricht er hingegen von „Israeliten", so hat er was gemerkt und wählt diesen nach seiner Meinung „höheren" Ausdruck, um dich ja nicht etwa zu verletzen." Die Begegnung fand daraufhin wirklich statt. Bruckner nahm überaus freundlich und geschmeichelt den neuen Verehrer auf, der sich in seinem „Inkognito" in der Nähe des großen Sinfonikers bald recht gemütlich fühlte. Plötzlich fesselte, im Abendblatte, bas ihm der Kellner reichte, eine Depesche über Judenverfolgungen im Zarenreiche Bruckners Aufmerksamkeit. „Hast du schon g'lesen?" fragt er den geniein- Samen Freund, „die Herren Israeliten werden aus Rußland vertrieben ..." Superlativ der Höflichkeit! In den nächsten fünf Minuten hatte sich der Privatdozent empfohlen. Der physische Gottesbeweis nach der Kant'schen Philosophie. Suche ich jetzt das Ergebnis der Ansichten Kants über den sogenannten physischen Gottesbeweis, oder .richtiger über den Schluß aus das Dasein einer Gottheit aus der Natur zusammenzufassen, so'glaube ich, . dies Ergebnis, trotz aller von Kant immerfort wiederholter Verklausulierungen dahin aussprechen zu sollen, daß die Annahme Gottes, als Urheber der Harmonie und Zweckmäßigkeit in der Natur für uns ein Mt Don Denknoiwendigkeit ist. Die strengste Kritik vermag eine solche Annahme nicht zu widerlegen, während die größte Wahrscheinlichkeit für ihre Richtigkeit spricht. Während wir auf einen apodiktischen Beweis von mathematischer Form verzichten, haben wir .in der Beschaffenheit der Organismen Millionen von Indizienbeweisen für das Dasein und die Wirksamkeit einer höheren Macht. Die Offenbarung dieser Macht in der wunderbaren Organisation der lebendigen Wesen mit Einschluß des Menschen, stand für Kanr trotz aller formalistischen Bedenken über jeden Zweifel erheben da, auch wenn er darin nur ein „regulatives Prinzip der reflektierenden Urteilskraft" sah. Denn Kajnt war viel zu sehr Naturforscher, «m nicht zu wissen, daß der größere Teil der von der Maturforschung als wissenschaftlich festgestellt geltenden Wahrheiten von seinem kritizistischen Standpunkte aus keine „konstitutive" Gültigkeit beanspruchen könne. In der Tat zwingt uns die Zweckmäßigkeit der Organismen in ähnlichem-Maße an Gott zu glauben, wie die Gesetze Galilei's, Keplers, Newtons uns '.zwingen, an eine Schwerkraft zu glauben, deren Wesen 'uns so unverkennbar ist, wie das Wesen unserer Seele und das Wesen Gottes. Nur nach her Organisation (unseres Erkenntnisvermögens erscheinen uns die Körper so, als ob eine Schwerkraft zwischen ihnen wäre, Das Wirken Gottes in der Natur haben wir vor Augen, wie wir das Wirken der Seele unausgesetzt erfahren und wie uns die Chemie das Walten von Anziehungskräften zwischen den Grundstoffen zeigt. Ans das Wesen Gottes gestattet aber die Natur keinen Schluß, so wenig wie auf das Wesen der Seele und der Naturkräste. Für. die natnrphilosophische Betrachtung sind sie ein Gegebenes, Letztes, Unersorschliches. Dies möchte ich meinerseits als die Griindanschauung Kants ans der Fülle der in seinen Werken niedergelegten, z. T. sich widersprechenden Gedanken herauszu schälen. Aus „Reinke, Darf die Natur als Offenbarung Gottes gelten?" (Türmer-Jahrbuch, 1905.) Kunst und Literatur. R a s ch i' s Leben und Wirken. In, Aufträge der israel.-nngarischeu Literatur-Gesellschaft, von Dr. Julius Wellesz, Budapest 1906, 191 S.e (ungarisch). Das Raschi-Jubiläum, die achthundertste Wiederkehr des Todestages dieses jüdischen Geistesheroen des Mittelalters, hat eine neue, reichliche Raschi-Literatnr gezeitigt, resp. die vorhandene bereichert. Denn auch früher schon sind Biographien dieses in seiner Art einzig dastehenden Mannes geschrieben, früher schon seine Bedeutung als Bibel- und Talmudkommentator gewürdigt worden. Die umfassenden Arbeiten Prof. A. Berliner'» tun die hohe Bedeutung Raschi's und die Genesis seiner Arbeiten deutlich dar, wie sie auch einen „Einblick in die Werkstätte" dieses einzigen Meisters geivähren. Ueber Raschi und seine Werke haben des Weiteren ausführlich gehandelt Zünz und I. H. Weiß (letzterer in hebräischer Sprache unter dem Titel „Toldoth Raschi"). .. . ,» Die neue Raschi-Literatur ist 'allein in Ungarn, woselbst die jüdische Literarhistorik sich iwch in den Anfangsstadien befindet, mit 2 Arbeiten bereichert worden. Die eine „Raschi und Mainuni" von Dr. W. Bacher (veröffentlicht im Jährbuche der ung.-isr. Lit.-Ges. 1905), die andere, eine Beschreibung von „Raschi's Leben und Wirken" von Rabb. Dr. Julius Wellesz, im Aufträge der genannten Gesellschaft verfaßt und von ihr herausgegeben. Wenn auch nach dem Erscheinen erstgenannter Werke von Berliner usw. keine neiien Dokumente ausgetaucht sind, um die Persönlichkeit Raschi's und sein Wirken in ein anderes Licht treten zu lassen, als es schon rn diesen Werken geschehen ist, so sieht nran doch den Neuerscheinungen ans dem Gebiete der Raschi-Forschnng mit großem Interesse und mit Sympathie entgegen. Es ist die wahrhaft große, achtunggebietende Persönlichkeit Raschi's, die uns alle?, was von ihm und über ihn handelt, näherbringt. So ist denn auch das vorliegende Buch, wenn es auch in seinen Ergebnissen nicht über die bisherigen Raschi- Studien hinausgeht, schon wegen des einen Umstandes zu begrüßen, daß es einen neuen Leserkreis — den ungarisch sprechenden — mit der Persönlichkeit Raschi's bekannt macht. Der Verfasser schildert im I. und II. Kapitel des Buches das Milieu, in dem Raschi geboren, erzogen wurde und in dem er später seine segensreiche Wirkung ausgeübt hat. Die Entwicklung der Talmudschulen und der talmudischen Zentren in Nordfrankreich und Westdeutschland, die Schule, ans der Raschi hervorgegangen und des Weiteren die Art, in der er. weiter das Talmud- und das Bibel-Studium gefördert hat. In den weiteren Kapiteln sucht der Verfasser Raschi nach allen Seiten seiner Wirksamkeit zu würdigen. Die hohe Wichtigkeft seiner Arbeiten der Textverbesserung und Textkorrektur der talmudischen Handschriften, die so vollkommen sind, daß die späteren Kopien sowohl wie auch die Drucklegungen des Talmud's nach diesen Korrekturen hergestellt worden sind. Und wie seine Textkorrektur, so hat sich auch' seine Texterklärung eine,.über.die früheren Erklärungen weit hinausgehende Wirkung, wie auch allgemeine Annahme errungen. Die Erklärung des Talmud's sowohl, wie auch der Bibel. Auf Grund der Schriften Raschi's führt der Verfasser aus, welche Stellung Raschi zu den verschiedenen das Judentum und die jüdische Wissenschaft betreffenden Fragen eingenommen; die Stellung, die er neben der Halacha der Agadah einräumt, seinen Standpunkt zu den religionsphilvsophischen Problemen, zur Kabbala und änderen ähnlichen Fragen. Was der Verfasser in seinen Ausführungen vom „Drasch", vom halachischen Midrasch sagt, bewegt sich in Graetz' und Weiß'scher Richtung und entspricht nicht den Auffassungen des traditionellen Judentums. 'F. Ein neues Stück von Jsr. Zangwill wurde unter dem Titel „Nurse Marjorie" im Newyorker Liberty Theater aufgeführt. Die Tochter eines irländischen Herzogs und Peers von England geht in strengstem Inkognito in die Privatklinik eines berühmten Londoner Augenarztes, um das Handwerk einer modernen Samariterin gründlich zu erlernen. Ihr erster Patient ist ein junger Parlamentarier, der sich einer leichten Augenoperation unterziehen muß, weil er schielt. Der Kranke glaubt, so lange er die Binde über den Augen hat, daß er von einer alten und häßlichen Wärterinstepflegt Ivird, und als er die hübsche Lady spätererblickt, verliebt er sich bis über beide Ohren und heiratet nach einigen Irrungen und Wirrungen die Pflegerin. Richard Schaukal: Ausgewählte Gedichte. Jnselverlag. 1904. Preis brochiert Jk 2, gebunden Jk 3. Eine merkwürdige Lyrik! Die Gedichte, die persönlichsten Stempel tragen, also Ansschlag geben, sind in Klang und Richtschnur aufgelöste, farbige Bilder, Momentstiminungen vergangener Kulturen, die der Seele nichts, aber Nerven und Temperament sehr viel zu sagen haben. Für Form und Farbe ist Schaukal vielleicht das stärkste deutsche Talent unserer Epoche, aber ohne das zu sein, was'man mit dem Begriff eines deutschen Lyrikers kennzeichnet. Alle feinsten Schwingungen unserer Tage fängt er auf und so könnte man sich ihn wohl einem anderen Land, aber keiner anderen Zeit entsproßen denke». Seine Visionen sind Leckerbissen für literarisch Gesättigte und liebersättigte, aber der Jugend, der Seelennvt iind dem keuschen Enthusiasmus' geben sie nichts. Aus der Geschäftswelt. Am vergangenen Montag erregten 3 (drei) große Rollfuhrwerke, von oben bis unten mit silberglänzenden Waschmaschinen beladen, Pie "Aufmerksamkeit der Bewohner und Passanten der 'Kaiserstraße, Zeit, Bockenheimerlandstraße usw. „Das bekannte Haushaktungsgeschäft I. G. L o r e y Söhn, Zeit 50 (neben der Hauptpost), hat wieder einen Waggon W a s ch in a s ch i n e n „W eltwunde r" erhalten," erzählte mir ein Herr, der gleich mir die großen Waschmaschinen lange neugierig betrachtete; „meine Frau besitzt auch solche Waschmaschine und ist damit außerordentlich zufrieden. Die „Weltivunder"-Waschinaschine schont die Wäsche und wäscht sie in kürzester Zeit blendend weiß und kostet nur Jk 27.50; ich empfehle Weltwunder überall." So mein Gewährsmann. Die. Firma I. G. Lorey Sohn, gegründet 1812, hak übrigens ihre Verkaufsräume Zeit 50 wieder bedeutend vergrößert und bietet in kompletten Küchen und allen Einrichtungsgegenstäiiden für Küche und HauS reichste Auswahl. Verein Nachalatz Zwi. Mittwoch, 31. Oktober, abends 8^4 Uhr im Vereinslokale Schützenstraße 2. Tagesordnung: 1. Lehrgang: Aus der Gedankenwelt des Gebetbuchs. Leftung: Herr Dr. I. H. Bondi. 3. Das Tischgebet. Referent: Herr Gustav Kaufmann. ul: Vorlesungen für Damen. Sonntag,' 28. Oktober, abends 6 Uhr, Am Tiergarten 8. Meditationen beim Scheine der Sabbatlichter. Herr Jakob Roseiiheim. Die Hamburg-Amerika-Linie meldet: Dampfer Badenia, nach Bosten und Baltimore, 19. Oktober 5 Uhr nachm. Dover passiert;' Dampfer Blücher, nach Newhork, 20. Oktober 12 Uhr 10 Min. morgens von Cherbourg; Dampfer Bosnia, von Baltimore kommend, 22. Oktober 3 Uhr morgens Lizard passiert;, Dampfer Brasilia, nach Newhork und Philadelphia, 22. Oktober 7 Uhr morgens Dover passiert; Dampfer Patricia, 20. Oktober 10 Uhr nachts von Newhork über Plymouth und Cherbourg nach Hamburg. st Wir bitten unsere Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme auf unser Blatt bei unseren Inserenten zu decken. Frankfurter Israel. Familienblatt. A. Oppenheim, M«.»--- zeitig. Operngläser, 1?el«lsteelier, Brillen, Pincenez, Baroineter, Thermometer, Reiss>Zeuge, Ikrapen etc, ’' ■ Qrösste Auswahl, r — > :; Billigste -Preise. : Heb. Gewürz, Kanauerlandsfr. 20 (Laden) empfiehlt zu billigen Freisen: Cigarren und Cigaretten. - — ' Samstags streng geschlossen. — L)ampk-§ettjedern-Aeimgung5-An5latt Naab, "ISST?,“*’ reinigt und desinfiziert Bettfedern, Bosshaar, Wolle u. s. w. Aufarbeiten von Betten nnd Polstermöbel billigst. Uebernahme ganzer Desinfektionen. A Inan61 Ib Ecke Eschershoimer Landstrasse O# ct äfUrr Gärtnerjreg 1, Laden. Ä LL Herrenu. Dsmen-Svbubmsvber. X X =-— Beparatni'fferhgtfttte. ■=■

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