Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 39 (3.10.1906)
- Date
- 1906-10-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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39 Frankfurter Israelitischer Kamilienolact Leite 5. ihre Ehre so tapser verteidigt, sollte man ein Denkmal errichten, als abschreckendes'Beispiel für die Frevler, als leuchtendes Vorbild für die Tugend! Hulda Pakarow verdient, daß man Ihr Blumen ans den Weg streue, wenn sie diesen Saal'straflos und makellos'verläßt, um gemeinsam init ihren Angehörigen von den Leiden und Qualen sich zu erhole», denen sie durch die Schuld eines bösen Menschen so lange äusgesctzt gewesen!" Jablowsky's Rede hatte einen tiefen Eindruck auf alle Zuhörer gemacht, die durch Hulda's Holdseligkeit und schlichte Erzählung des wahren Sachverhalts keineswegs abgeschwächt wurde. Die Richter betrachteten sie mit großem Wohlwollen, und sie waren in Verlegenheit, welches Urteil sic fällen sollten.- Hier war ein jüdisches Mädchen, dem man nicht den geringsten Vorwurf machen konnte, das nur das getan, was jeder Vater seiner.Tochter zu tuu raten würde; andererseits war es doch ein ordengeschmückter General, ein tapferer Feldherr, der das Leben einbüßen mußte für eine Sache, die ja 'in der großen Welt keine Seltenheit ist — -— — daher lautete das echt russische Urteil: fünf Jahre Gefängnis für Hulda, während die andern vier Angeklagten sreigesprochcn wurden. Die Richter selbst wollten aber ein Gnadcn- Gesuch für das Mädchen beim Zaren einreichen. Als Rüben dieses Urteil vernommen und gesehen, wie seine halbohnmächtige Tochter, mit Ketten beladen, weggeführt wurde, da verwünschte er laut auch seine Freiheit, während Ezra vor Schmerz zusammenbrach. „Bruder Rüben, verzweifle nicht," flüsterte Jablowsky dem unglücklichen Vater zu, als er ihn aus dem Gerichtssaal geleitete, „Deine Tochter wird frei sein, noch che der Mond seine Gestalt zweimal gewechselt —'!" „ „Da müßte geradezu ein Wunder geschehen!" .'sprach dieser weinend. „Ein Gnadengesuch wollen Sie einrcichen!" rief auch Ezra empört. „Jahre werden vergehen, bis ein Bescheid kommt-wenn ein solcher überhaupt kommt!" „Das Wunder wird sich ereignen!" versicherte Jäblowsky mit voller Zuversicht; und sich nach allen Seiten vorsichtig nmbtickend, fuhr er leise fort: „Auf die kaiserliche Begnadigung Ivollcn wir uns keine große Hoffnung machen. —-Unser Bestreben muß jetzt darauf gerichtet sein, daß wir es durchsetzen, daß Deine Tochter noch im Gefängnis in Charkow untergebracht wird, und ihre Flucht von dort ans unterliegt für mich nicht dem geringsten Zweifel. Aber, laß auch das meine Sorge sein, ich werde es schön fertig bringen--." „Mein Kind, mein armes Kind!" jammerte Rüben, ohne ans Jablowsky's Worte weiter zu achten. „Hier, komm' in mein Haus, Pakarow," sprach dieser, um den weinenden Mann der Neugierde der Gaffer zu entziehen; „ich, habe für Dich, und für diesen jungen Mann ein Zimmer in Ordnung bringen lassen, bis Dein Haus wieder bewohnbar ist. Bor allem braucht Ihr jetzt Ruhe, und das übrige wird sich finden." Rüben zögerte, die Gastfreundschaft seines ehemaligen Feindes anzunehmen; doch in Anbetracht , dessen, was dieser in letzter Zeit für ihn und die Seinen getan, folgte er nach einigem Sträuben der Einladung. (Fortsetzung folgt.) Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Der sozialdemokratische Parteitag. Gehört der auch in ein jüdischem Jiiteresse gewidmetes Blatt? Das Judentum im allgemeine» und der Zionismus im,besonderen identifizieren sich doch mit keiner politischen Partei, sondern stellen es //jedem frei, welcher Richtung' er sich im politischen Leben anfchlicßen will! — Das ist richtig. Aber eben deshalb, weil der 'Zionismus in Konsequenz dieses .(Grundsatz^'auch Söziäldeniokrätrn in seinen Reihen . 'hät>. Mcchsichtige ich imfolgenden, auf eine 'Analogie < aufmerksam zu machen, die für die sozialdemokratischeu) .und ziöne-zivnistischen Mitglieder unserer Or- ( ganisation zugleich unterhaltend,' nützlich und belchrcnd sein wird. In der Resolution Bebel zum Thema „Massenstreik" heißt es: . Die Getverkschaften sind unumgänglich notwendige Organisationen für die Hebung der Klassenlage der'Arbeiter innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft Dieselben stehen an Wichtigkeit hinter der sozialdemokratischen Partei nicht zurück,diedenKampffürdieHebungder Arbeiterklasse und ihre Gleichberechtigung mfit den anderen Klassen der Gesellschuft auf politischem Gebiet zu führen'hat, im weiteren aber über diese ihre nächste Aufgabe hinaus die Befreiung der Arbeiterklasse von eder Unterdrückung und Ausbeutung durch Aushebung des Lohnsystems und die Organisation einer auf der sozialen Gleichheit, aller beruhenden Erzengnngs- und 'Austauschweise, also der sozialistischen Gesellschaft, erstrebt. Ein Ziel, das auch der klassenbewußte Arbeiter der Gewerkschaft notwendig e r st r e b e u m u ß. Beide Organisationen sind also öfters in ihren Kämpfen auf gegenseitige Verständigung und Zusammenwirken angewiesen. Um bei Aktionen, die die Interessen der Gewerkschaften und der Partei gleichmäßig berühren, ein einheitliches Vorgehen herbeizuführen, sollen die Zeutralleitungen der beiden Organisationen sich zu verständigen suchen. Die Einladung zu einer solchen Beratung hat diejenige Zcntralleitung ergehen zu lassen, von der die Anregung zu der Beratung ansgeht. Vergleichen wir: Auch in der sozialdemokratischen Arbeiterschaft gibt es eine der Gegenwartsarbeit gewidmete Organisation, das ist der Verband der Gewerkschaften. Dieselben Arbeiter, die ihr angehören, sind zum größten Teil auch Mitglieder der Hauptorganisatio», deren Arbeitsgebiet ausschließlich der Kampf um das Endziel ist. Sic erklären, daß sie uneingeschränkt auf dem Boden der Partei stehen, und das genügt Bebel, der doch der Führer der radikalen, für die „reine Idee" kämpfenden Richtung ist. Er sagt nicht zu Legten: Du Führer der Gewerkschaften bist ein Sozialdemokrat zweiter Klasse. Er gibt rückhaltstos zu, daß sic an Wichtigkeit hinter der Partei des Endziels nicht zurückstehen. Das ist loyal, und das zeigt zugleich Disziplin auch bei den Führern. Es zeigt aber außerdem auch Klugheit, denn so erlangt und bewahrt sich die Partei den nötigen moralischen Einfluß aus die Gewerkschaften, durch den verhindert wird, daß die Nichtsozialisten das Uebrrgewicht in ihnen erlangen und den Geist der Gewerkschaft bestimmen. . Jin Zionismus haben wir ebenfalls eine Organisation der Gegenwartsarbeit, das ist die I. T. O. Wie L e g j e n und andere Führer der Gewerkschaften, so erklären auch Zangwill und die übrigen ans dem Zionismus hervorgegangenen Gründer und Leiter der I. T. O., daß sic unverändert auf dem Boden des Endzieles stehen. Aber das genügt unseren pilpulistischen Torqnadors der „reinen Idee" nicht. Sie errichten vielmehr Scheiterhaufen für die zionistischen Jtonntgliedcr undsuchen sie durch Ketzergerichte heranszudrängcn. Weil in der I. T. O. auch nicht zionistisch gesinnte Inden Mitarbeiten, fallen sie über die zionistischen Mitglieder her, statt durch massenhaften Beitritt und durch ehrliche Mitarbeit dem Zionismus den wünschenswerten moralischen und tatsächlichen Einfluß zu sichern. 'Also, Ihr jungen Bebels, gehet hin und lernet von Eurem Meister Loyalität, Disziplin und politischen Takt. D r. Emil S i m o n s o n. Offetibacfctr Druckluft=Anlage Telefon 128. Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tepplchreinlgung. Wochev-Aaleuder. (Zeitangaben nach dem Lnsch.) Mittwoch, den 3. Oktober, abends 5 Uhr 40 Min. (Frankfurt): Beginn des Sukkaus-Festes. Samstag, den 6. Oktober (17 Tischri): Sabbat-Ausgang 6 Uhr 40 Min. Samstag, den 13. Oktober (24. Tischri): Sabbat-Ausgang 6 Uhr 25 Min. In Ergänzung zu voriger Nummer heute noch Folgendes': . ' * ' . .. a) D i e S u k k o. Wände und Dach seien nach Borschift. Mindestens 10 Tefach (Handbreiten) hoch. 7 Quädrat-Tesach -Raum fassend. Bedachung aus Pflanzenwüchs, der vom Boden abgeschnitten ist. So dicht, daß man noch Sterne durchsteht. Während der 7 Tage betrachte man die Sukko als Wohnung. Stöne Ausstattung, Esten. Trinken, Unte-haltung. Schlafen, alles in der Sukko. Beim Eintritt die Benediktion „Leischef basukkoh“. So oft man länger abwesend war. beim Wiedereintritt wiederholen. In der ersten Nacht „Sehehechijonu“. Für die ersten Abente ist's besondere Pflicht, in der Suiko zu effen; selbst wenn's regnet mindestens eine Qlivengi öße Brot. Nebensächlicher Genuß, wie einmal Master trinken, eine-Frucht essen, auch außerhalb der Sukko gestattet. Kranke und Leidende dispensiert, wenn ihnen beschwerlich — b) Lnlof. Man nehme es beim Schütteln rechts, mit dem Rückgrat vorm Gesicht, Esrog links. Am ersten Tage „al netilas lnlok und auch„scbehbohijonn". Nicht zu kräftig chütteln; nach vier Himmelsgegenden und auf und ab. Am Jomtof zum Lulof Wasser nach schütten, am Halbfeiertag neues nehmen. Vorsicht, um nichts zu beschädigen. Alle Vorschriften ob .posul" oder nicht, können hier nicht erörtert werden: man frage Kundige. Ganz Sukkaus Schmone-Esrei der Wallfahrtssesle, ebenso ganz Halle!. Jeden Tag Umzug mit Thora und Lulow um den Almemor beim Beten der .Hoschaanoh" nach Mustaf. Letzteres Gebet die 7 Tage. Chaul hamaned das Schachris w ie gewöhnlich (Werktag oder Sabbat-Schmon-Esrei) mit Jaalew'jovan- Einschaltung; Muss af v. Jom t o f. — Mincho und Maarif am Chaul Ham. wie sonst werktags. (Jaale w’jov.) Schabbos - Chnul-Ham. <6. Oft.) wie sonst am Sabbat, nur Mustaf von „Regolim". Man liest nach Schacharis am Sabbat das Buch Kohelct von Salomo. (Prediger) Inhalt: Die irdische Vergänglichkeit. — Der 7. Tag iHalbfeiertag) ist Hanachaanoh rabo; ernstheiligeu Charakters, in Beziehung gesetzt zum Ber« öhnungstag (Meltgericht). Dienstag Nacht das ögen. .Lernen". Mittwoch Morgen vermehrte öoschaano-Gebete. daher Hoschaano-Rabbo. Anrufung um Fruchtbarkeit des Bodens; viele Hoschaanot geschichtlichen Inhalts. Sieben Umzüge mit Thorarolle und Lulof. Synagoge gewöhnlich weiß dekoriert wie Jaum-Kippur; man wünscht auch Obasimo-taavo (Gute Versiegelung) Abschlagen der Weiden, drei oder fünf Stengelchen. Nicht dann verächtlich wegwerfen. — In den meisten Gemeinden beim Morgengebet Sabbqt-Psalmen (Ps. 19 u. s. f.) eingeschaltet, manche Stücke in der Tonart d.' jomim nauroim gesungen. (Adaun Olam, boruch scheomar etc.) Am Donnerstag und Freitag (11. und 12. Oft.) das Beschluß fest - Sch'mini azeres. Eigentliche Bedeutung zweifelhaft. Gewöhnlich a's Rückblick auf die Feste im Tischri. — Am ersten Tage Schminiazeres das große Bittgebet um Regen (Geschem). Beginn der Einschaltung Maschif horuach im Mussaf. Das betr. Festgebet bringt den Regen in hübscher Fassung in Beziehung zu den zwölf jüd. Monaten um» Stämmen. Weißer Vorhang an der heiligen Lade. — Man ißt noch bis nachmittags in der Laubhütte, doch ohne „leischef basuko“ zu sagen. Nach der Thoravorlesung von den .Gelübden" („Uatoas jad ‘). Der 2. Tag Schemini gewöhnlich Simcbas-tora genannt, Freude der Thora, da der letzte Abschnitt derselben gelesen wird. Im Gebet nur die Bezeichnung „schemini azeres". Das Festgebet: Moses Tod, Ewigkeit der Thora. Israels Beglückung damit re. Choson-Thora, Choson-Bereschis (Bräutigam des Thoraschluss es- und des -Anfangs) beides hohe Ehrenämter. Samstag. 13. Oktober Schabbos bereschis. Beginn der Thoralefungen. Inhalt der Sidra: Weltschöpfung. Paradies, Sünde Adams und Strafe, Kajm und Abel, die eisten Geschlechter bis Noach.^— ckozer-Einschaltung inüezug auf die Sidra im Mustaf .Elohechem". — Einsegnung des Neumonds Marcheschwan (19. u. 20. Oktober) (Bosch -chodesch- Benschen). Vielerorts kein Tachanun bis nach diesem Neumond. — Dieser Sabbat zugleich Isrn-chag, d i. N achfeier des Jomtof. dessen Freude und Weihe man noch in sich fühlt. Besond.- Psalm: Ps. 118. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. - Vornehmstes Tafelwasser. Kunst und Literatur. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Vertoeisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11000 ''Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Jlluftrationstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 . selbständige Kartenbeilagen), sowie 130 Tertbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 JL . oder in Prachtband zu je 12 Jt. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Einen uns einigermaßen genügenden lleberblick über den reichen Inhalt des soeben erschienenen 14. Bandes (Mittewald bis Ohmgeld) zu geben, ist bei dem knappen Raum, der uns zur Verfügung steht, schlechterdings unmöglich. Wir greifen daher nur einige Stichwörter heraus. Da ist der fast 18 Spalten umfassende Artikel „Musik", der uns in gedrängter, aber erschöpfender Form die gesamte Musikgeschichte mit zwei gelungenen Porträttafeln deutscher Tondichter vermittelt und in den mit zahlreichen Textbilder» sowie einer besonderen Tafel ausgestatteten Beiträgen „Noten" und „Musikinstrumente" (mit drei Tafeln) gewissermaßen eine Ergänzung siudet. Im Anschluß hieran nennen wir die sehr übersichtlichen und trefflichen Darstellungen der Neugriechischen, Niederländischen, Nordamerikanischen, Nordischen und Norwegischen Literatur, den großen 'Artikel über das Nibelungenlied und aus dem biographisch-geschichtlichen Gebiete die Monographien über Moltke, Murillo, den englischen Dichter und Zeichner Morris, über Mozart