Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 35 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2692460-2692495--02664-2697285- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10. Frankfurter Israelitisches FamUienblatt. Nr. 35. Herr Jules Klein wird nach diesem Briefe seines unvergeßlichen. Bruders loyaler Weise zugestehen müssen, daß sein Gedächtnis ihn getäuscht. Auch wird Herr Klein aus dem Briefe ersehen, daß Herr Dr. Cahn unmöglich „damals führ erbost" gewesen sein kaust. Mt aller Hochachtung * Geehrter Herr Redakteur! Sie hatten in ihrer vorwöchentlichen Nummer einen Badebrief aus Kissingen, dessen Verfasser den Beweis erbracht hat, daß man mit etwas gutem Willen selbst eine harmlose Plauderei tendenziös gestalten kann. Ich spreche nicht etwa von der kritischen Beleuchtung der besprochenen Restaurationsverhältnissc — es gcht eben starke und schwache Esser — noch fühle ich den Drang in mir, mich zum Verteidiger der angegriffenen Frankfurter Bäuche zu machen, wenn ich die betr. Redewendung mich nicht für sehr geschmackvoll halte. Etwas Anderes aber hat der Herr Verfasser in humorvoller Weise behandelt ünd die Schale seines Spottes darüber gegossen. Er bemitleidet einen verfolgten Schafschlächter, vor dem durch vierfachen Maueranschlaa gewarnt wird und freut sich, daß in unserer aufgeklärten Zeit der Rabbiner — in unserem Falle einer aus der „Dynastie" Bamberger — (soll wohl auch ein Witz sein) keinen Bannstrahl mehr verhängen könne, sonst könne es dem Schafschlächter übel ergehen. Ich frage nun: Was soll denn mit derartigen Ironisierungen, die, nebenbei gesagt, den Sachverhalt vollständig entstellen, eigentlich bezweckt werden? Geschieht es nur zur Belustigung der Leser, dann sollte doch das Thema zu ernst und heilig sein, um darüber Glossen zu machen. Ist der Herr Verfasser aber mit dem Vorgehen des Rabbiners nicht einverstanden, so sollte er doch die sachlichen Gründe, die er dagegen & nicht durch feindselige Bemerkungen ersetzen. Der ruck, der durch solche Ergüsse bei einem denkenden Menschen hervorgerufen wird, kann ja eher dem Verfasser wie, dem Äser schaden, aber es gibt Elemente genug, auf die derartige Spötteleien einen Einfluß haben, der der Tendenz des „Jsr. Familienvlattes" direkt entgegenläuft.*) I. B. A«S dien Vereinen. Frankfurt a. M.» 4. Sept. Die Generalversammlung der „Freien Vereinigung für die Gesamtinteressen des orthodoxen Judentums" wurde gestern Nachmittag 3hL'Uhr von Herr» Rabbiner Dr. Breuer, dem Vorsitzenden, eröffnet. Alke drei Jahre einmal sei statutengemäß ein Vereinstag einzuberufen, und seit dem letzten Vereinstage seien bereits drei Jahre der-, flössen. Die Freie Vereinigung bestehe nunmehr zwanzig Jahre, aber in keiner der verflossenen Perioden habe ein solche Fülle von Angelegenheiten prinzipieller Natur Vorgelegen, wie in der letzten. Der Vorsitzende berust Herrn Provinzialrabbiner Dr. Bamberger -Hanau zum Schriftführer. Der erste Punkt der Tagesordnung ist die Verlesung des Berichtes, welche seitens des "Schriftführers vorgenommen wirb. Der Bericht konstatiert, daß wt h- *) Der Schreiber des Kissinger Babebriefes steht über den 'Verdacht erhaben, die Absicht gehabt zu haben, einen Anschlag des Kissinger Rabbiners lächerlich zu macheu Die gerügte Aeußerung ist sicherlich harmlos gemeint gewesen und dürste von den meisten Lesern auch nicht anders aufgefaßt worden sein. D. Redakt. - rend der äbgelaufenen drei Jahre 228 Gesuche der Vereinsleitung Vorlagen, für die 18176 M bewilligt wurden (die Gesamtbewilligungen seit der Gründung betragen 71990 JL). Die Bewilligungen betrafen die Erhaltung von Gemeinde-Institutionen, Ausbildung von Schächtern, Subventionierung von Restaurationen, Beköstigung von Soldaten, Herausgabe von Schriften u. dcrgl. In seinen! Bestreben, die Orthodoxie vor den Gefahren, welche ein Zusammenarbeiten 'mit der Reform in sich trägt, zu schützen, fand der Vorstand reiche Arbeit. Bereits bei der Gründung des „Rabbinerverbandes" hatte er seine warnende Stkniine gegen die Vereinigung von Religiösen und Neologen erhoben, gelegentlich des „Judentages" im Jahre 1903 fand er sich zum zweiten Male veranlaßt, Tendenzen zu bekämpfen, die den Gegensatz zwischen Orthodoxie und Neologie verschwinden lassen können, und wie berechtigt diese Befürchtungen waren, hat sich jetzt gezeigt, als der „Deutsch- Israelitische Gemeindebund" mit einem Gesetzentwurf für' die. Gesamtorganisation, der Juden Preußens nach dem Muster des Badischen Oberrates an die Oeffentlichkeit getreten ist. Geleitet von der Ucbcrzeugung, daß auf dem Gebiete des Religionsunterrichts ein gedeihliches Zusammenwirken der Lehrer verschiedener Richtungen nicht niöglich ist, hat der Vorstand die Initiative zur Gründung des „Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands" gegeben. Bei dem Wechsel in der Leitung des „Israel. Lehrerseminars" in Cöln hat der Vorstand bei der Regierung Schritte getan, die Stellung der Schule zu heben; wie bereits gesagt werden kann, werden die Bemühungen bei der Negierung den gewünschten Erfolg haben. Gelegentlich des „Volksschulgesetzcs" hat der Vorstand dem Mgeordnetenhause eine Eingabe eingereicht, die die Forderung der jüdischen Orthodoxie klarlegte. Auch in der Schächtfrage stand der Vorstand auf dem Posten. Dem Wunsche, die Organisation der Freien Vereinigung auszubauen und ihre Wirksamkeit zu. vertiefen, soll in der neuen Periode entsprochen werden. Nach Verlesung des Berichtes war die Wahl von 12 Vorstandsmitgliedern (9 ausscheidende, 3 zu ersetzende) vorzunehmen. Der Vorsitzende teilt mit, daß nach den Statuten die Wahl durch, Stimmzettel oder nach dem Vorschlag des Vorsitzenden vorzunehmen ist, der zweite Modus sei stets geübt worden und beantrage er, die neun ansscheidenden Mitglieder (Rabbiner Dr. Breuer, Oberrabbiner Hirsch, Provinzialrabbiner Dr. Bamberger, Distriktsrabbiner Nathan Bamberger, Direktor Dr. Lange, Adolf Stern, E. Etting hause», Provinzialrabbiner Dr. Cahn u. Rabbiner.Buttenwiescr^ wiederzuwählen. Da sich kein Widerspruch 'erhebt, sind die Herren wicdergewählt. Für die drei neu zu wählenden Mitglieder schlägt Herr Rabbiner Dr. Kahn-Wiesbaden vor: Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld, Dr. Raphael Breuer ilnd ■ Jakob Rosenheim. Auch diese Herren sind, da kein Widerspruch erfolgt, gewählt. Es erstattet nunmehr Herr Lehrer Mannheimer-Dcttelbach ein Referat über die „Ausbildung der Schauchtim". Die Schcchitoh sei das Aschenbrödel bei der Lehrerausbildung. 6—8 Wochen werden bei uns auf ihre Erlernung verwendet, während im Osten die Lehrzeit inindestens ei» Jahr dauert. Er schlage vor, einen Teil der praktischen Erlernung in das Seminar zu verlegen, nämlich das Messerstellen und die Bedikoh. Die Pädagogik verlange überall den Anschauungsunterricht, und dieser werde bei der Stunde über die Schächt-Dinim im Seminar vernachlässigt. Auch möge das Seminar mit seinen Schülern einige Male im Jahre eine Excursion ins Schlachthaus Machen. In der Diskussion wünscht Herr S. Rothschild, daß auch im Rabbinerseminar die Bedikoh gelehrt werde. — Herr Rabbiner Dr. Bondi erwidert, daß dies bereits geschehe. — Herr Rabbiner Dr. Breuer Erklärt die vom Referenten gerügten Mißstände als bekannt; er glaube nicht, daß das Sennnar hier helfen könne, ihm schwebe eine Schauchtimschule vor, doch fehle es an Geld zur Errichtung einer solchen. Der Referent möge sein Referat der Rabbinerkommission zur weiteren-Behandlung überreichen. — Herr Rabbiner Nathan Bamberger hält eine Vermehrung der im Seminar für die Erlernung des Schächtens aufgewenbeten Zeit nicht für niöglich. — Herr Mannheimer erwidert und wird von Herrn Prvvinzialrabbiner Dr. Bamberg e r unterstützt. Schließlich lagen der Versammlung noch zwei A n träge vor. Herr Sally Guggenheini - Berlin wünscht' eine engere Verbindung des „Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser" und der Freien Vereinigung, Herr Markus Schragenheim-Berlin die Errichtung eines Lokalkomitces der Freien Vereinigung in Berlin. Der Vorsitzende ist der Ansicht, daß die Aufgaben der Freien Vereinigung und des Vereins ritueller Speisehäuser verschiedene seien, crstere subventioniert Restaurants und letzterer beaufsichtigt solche; was den Antrag Schragenheim betresse, so sei derselbe zurückzustellen bis zu. der geplanten Reorgauisation der Freien Vereinigung. — Hiermit wurde um 5hl Uhr die Sitzung geschlossen. Die geplante Neugestaltung des Vereins dürfte für seine Zukunft von größter Bedeutung sein. Eine Teilnehmerzahl bon 25 Personen, von denen der größte Teil der Leitung angehört, bei einer nach drei ^Jahren Unterbrechung stattfindenden Generalversammlung weist deutlich genug darauf hin, daß eine durchgreifende Aenderung Platz greifen muß. Hörde. Der rheinisch-westfälische Verbau d d e r Verein efürjüd ischeGeschichte und Literatur hielt hier eine Konferenz ab, zu der die Vereine Bochum, Gelsenkirchen, Wattenscheid, Ellern, Dortmund, Hörde, Witten und Elberfeld vertr'eten waren. Die hauptsächlichste Bedeutung des Verbandes liegt darin, daß die größeren Vereine durch Zahlung höherer Honorare auch den kleinern Vereinen die Möglichkeit schaffen, Männer von Ruf als Redner zu gewinnen. Personalien. Frankfurt a. M. Gegenwärtig weilt Herr Rabbiner Etieser C h e f e z aus Jerusalem hier, um Spenden für die bedeutende Jeschiwoh „THorath Chajim" entgegenznnehmen. Solingen. Herr Kommerzienrat sGustav 'Copp e r, der langjährige Vorsitzende des Vorstandes unserer Gemeinde, ist zum Geheimen Kommerzienrat ernannt worden. Briefkasten. Höchberg. Wir nehmen von Ihrer durch den vorwöchentlichcn Kissinger Badebrief veranlaßte Mitteilung, daß 'im Kurgarten kein jüdischer Bäcker einen Verkaufsstand hat, hiermit Notiz: L. M. Elias Pascha, der Chefarzt der türkischen Marine Und Arzt des Sultans, ist Jude. Elias Pascha hat den Rang eines Admirals. M. N., Wiesbaden. Verlag Hatikwah in Antwerpen. Uebrigens können Sie sämtliche zionistische Schriften auch durch den Verlag Jüdische Rundschau in Berlin N. 54 beziehen. Wegen Raummangel mußte die Beilage „Jüdische Jugend" ausfallen. Lederstühle Lederfauteiiils Eigene Fabrikation. Anerkannt erstklassige Arbeit. Illustrierter Katalog kostenlos. MAdentselie Sitzmöbel - Industrie Ges. m. besohl-. Hftg. , Frankfurt a, Kaiserstr. 50, Entresol, IBHHHHI Telephon G468. & Delliehausen, jcankfurt Holzpfortchen 1. Mainzer Xandstrasse 138. Telephon 754. - Telephon 1430. Möbeltransport, Spedition, Lagerung. Ueberseelsche Transporte in eigens dazu konstruierten MSbelkoffer. Porzellan-Malerei A. DIersch, Merianstrasse 23. SpeciaPtat: Hotel-Porzellan —— - isteiss und gemalt. Joseph Wolf, vorm. Betty Kra Ww. — ■ Schreib-, Mercerie- und Wolhvareu. . Hanauer Landstr. 32, vis-ä-vis der Hölderlinstr. _ : empfiehlt Rosch Haschonoh-Sluc&rouuscMcartcn und Briefe. Suckoth-Schmuck in grosser Auswahl. H. J. Graulich älteste Frankfurter Etnisfabrik mit Motorbetrieb. Telephon 9548. Recbneistrasse 12. Telephon 9548. Spezialität: Einrichtungen in Büffets, Silberschränke, MünzschrÜnke.