Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 35 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Isrartkfnrter 3frarlitjfri)rs fmgilirglilatt. ir - - Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnementspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1.— frei ins Haus. Bei der Post abonniert im In» und Ausland Mk. 1,02 (einschließlich Bestellgebühr). Unter Streifband bezogen: Deutschland und Oesterreich-Ungarn M. 1,50, sonstige Länder M. 2.— ■ _T— ■ .- HedaKttoil «nd chefchäfrsstette: Srankfurt 2. m.. Lleichstraße 2, Ecke vilbelerstraße Per-fo« 10507. KerartsgeVer: Saks Hsis. r. "" """ y Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzelle. 25 Pfg. Die Reklamezelle. 100 „ Platz- und Daten-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Beilagen: Preis nach Rebereinkunft. - . . ..._ 4. Jahrgang. Freitag, de» 17. Elol 5606 <7. September 1966). No. 35. Inhalt des Hauptblattes. Artikel: Die sozialen Verhältnisse der Juden in Rußland. — Gebetbuch, besprochen von Dr. Emmes Suebicus. — Die Woche. — Aus aller Welt. — Personalien. — Aus der Lehrerwelt. — Aus der zionistischen Bewegung. — Feuilleton: Getrennt und Vereint, aus dem Englischen übersetzt von M. Pulvermann. — Wo ch en- Kalender. — Familiennachrichten. Die sozialen Berhiiltniffe der Inden in Rußland. u. Die bereits erwähnten Jgnatiew'schcn Gesetze vom Jahre 1881 enthalten noch eine Einschränkung der Rechte der Juden innerhalb des Ansiedlungsrayons, die von großer Tragweite war: nämlich das Verbot des Fortzuges aus der Stadt auf das Land. Nur für einzelne privilegierte Schichten wurde eine Ausnahme gemacht. Diesem Umstande ist nicht zum kleinen Teil die erdrückende Dichtigkeit der jüdischen Bevölkerung in den Städten zuzuschreiben. Es ist hier zu beachten, daß fast acht Neuntel der nichtjüdischen Bevölkerung in Dörfern wohnt,, oder genauer: irr den sämtlichen 932 städtischen Orten Rußlands wohnen 14196 586 Nichtjuden (11,8 pCt. ihrer Gesamtzahl) und 2 631809 Juden (50,5 PCt. ihrer Gesamtzahl). Ans der Tabelle über den Prozentsatz der Juden unter der städtischen Bevölkerung in den 25 Gouvernements des Ansiedlungsrayons ersehen Wir, daß in 9 Gouvernements die Juden die Mehrzahl unter der städtischen Bevölkerung bildet (Gouvernement M i n s k 59,1 Prozent, Grodno 58,3 Prozent, Sedlez 53,7 Prozent, Kiew 53,5 Prozent; Witebsk 52,7 Prozent; Mohilew 52,5 Prozent; Kelch 51,3 Prozent; Wolhynien 51,0 Prozent; Radom 50,6 Prozent), in den übrigen Gouvernements des Ansiedlüngsrayons schwankt der Anteil der Juden an der städtischen Bevölkerung um 25—30 Prozent. Außerhalb des Ansiedlungsrayons ist die Konzentration der jüdischen Bevölkerung in den .Städten noch stärker. Sie beträgt etwa fünf Sechstel der jüdischen Bevölkerung außerhalb des Ansiedlungsrayons. Eine deutlichere Uebersicht über den Anteil der Juden unter der städtischen Gesamtbevölkerung gewinnen wir in der Tabelle 9. Wie bereits hervorgehoben, besitzt ein russisches Gouvernement eine große Dorfbevölkerung, . die infolge des den Juden innewohnenden Hanges zur Industrie und Handel und zum Teil auch infolge der Jgnatiew'schen Gesetze fast keine Juden zählt. Wir können also die Betrachtung über den Anteil der Juden unter der Gesamtbevölkerung am besten von der Rücksicht auf die Landbevölkerung loslösen und sie auf die Städte beschränken. So gibt die Tabelle 9 eine Einteilung nicht in Gouvernements, wobei die große Dorfbevölkerung mit in Betracht kommt, sondern in Städte. Und da werden uns sehr interessante Daten vorgesührt, die wohl manchen zu denken veranlassen dürften. Wir finden: Die Juden B j a l y st o k 's (41903) bilden 63,4 Prozent der Gesamtbevölkerung; B r e st - L i t e w s k — 64,9 Prozent (30 257 Juden); Homel — 55,4 Proz. (20 385 Juden). Im Kapitel 4 sucht diese Schrift den Nachweis zu liefern, daß die verhältnismäßig günstige Sterblichkeit der Juden im ivesentlichen ihrer gcringern Säuglingssterblichkeit zu verdanken ist. Eine Tabelle belehrt uns, daß int Verhältnis zu den im Jahre 1897 geborenen jüdischen Kindern 16,08 Prozent im Säuglingsalter gestorben, während bei den Christlich-Orthodoxen 27,43 Proz., Römisch-Katholischen 15,42 Prozent, Protestanten 18,39 Prozent und Mohamedanern 16,42 Prozent der Geborenen gestorben sind. Auf je 1000 Juden entfallen Sterbefälle für das Jahr 1897: 17,82 (67 540:34 754 männliche und 32 786 weibliche), für das Jahr 1898: 17,73 (67196:34 755 männliche und ' 32 619 weibliche), während bei den Christlich-Orthodoxen (in Korrelatioir zu dieser hohen Geburtsziffer, da von Geborenen ein relativ großer Teil im Säuglingsalter verstirbt) für das Jahr 1897: 34,28, für das Jahr 1898: 36,49; bei den Römisch-Katholischen 22,76 (im Jahre 1897) und 23,64 (im Jahre 1898); bei den Protestanten 22,64 (im Jahre 1897) und 21,85 (im Jahre 1898); beiden Mohamedanern 24,78 (int Jahre 1897) und 26,88 (im Jahre 1898). Im Kapitel 6 über Altersgliederung und Familienstand wird gezeigt, daß die Juden einen höheren Prozentsatz an Personen im Alter von weniger als 10 Jahren als die anderen Konfessionen haben, was in wirtschaftlicher Hinsicht einen Nachteil bedeutet. Auch die nur im beschränkten Umfange erwerbungsfähige Altersklasse von 10 bis 20 Jahren ist unter den Inden stärker vertreten, als unter den anderen Konfessionen. Dieser Kinderreichtum wird teilweise auf die oben erwähnte Erscheinung der geringen Sterblichkeit der Neugeborenen unter Juden zurückgeführt. Die Zahl der Juden, die das Greifenalter erreichen, ist verhältnismäßig eine kleine. Sowohl die Altersklasse von.60—70 Jahren, wie alle noch höheren Altersklassen sind bei den Juden schwächer vertreten als bei der Gesamtbevölkerung. So zeigt uns Tabelle 18 folgendes Verhältnis: von je 100 Christlich-Orthodoxen standen im Alter von unter 20 Jahren: 48,8 Männer und 48,6 Frauen, vom 20.—60. Jahre: 44,4 Männer und 44,4 Frauen, über 50 Jahre: 6,8 Männer und 7,0 Frauen; von je 100 Römisch-Katholischen unter 20 Jahren: 47,7 Männer und 48,1 Frauen, vom 20.—60. Jahre: 45,0 Männer und 44,8 Frauen, über 50 Jahre: 7,3 Männer und 7,1 Frauen; von je 100 Mohamedanern: unter 20 Jahre: 45,8- Männer und 47,7 Frauen, vom 20.—60. Jahre: 47,7 Männer und 45,9 Frauen, über 50 Jahre: 6,5 Männer und 6,3 Frauen; von je 100 Juden standen im Alter von unter 20 Jahren: 51,9 Männer und 5 2,6 Frauen, vom 20. bis 60. Jahre: 4 2,3 Männer und 42,5 Frauen, über 50 Jahre: 5,8 Männer und 4,9 Frauen. Interessant ist hier der Vergleich einiger Angaben über die Altersgliederung der Juden aus nichtrussischen Ländern. Die Tabelle 19 führt führt uns folgende Daten vor: Es standen a) im Kindesalter von je 100: in Hamburg (im Jahre 1900) Jttden: 22,27, Christen: 29,45; in Frankfurt a. M. Juden: 21,42, Christen: 25,20; in K o p e n h a g e n l im Jahre 1901) Juden: 18,5, Christen 28,1; in Italien (im Jahre 1901) Juden: 26,45, Christen: 34,50; in Serbien (im Jahre 1900) Juden: 38,99, Christen: 41,93. b) im Greisenalter von je 100: in Kopenhagen (1901) Juden: 16,9, Christen: 8,1; in Italien (1901) Juden: 4,40, Christen: 3,50; in S erbieu (1900) Juden: 4,56, Christen: 4,38. Unter Kindesalter wird hier bis 15 Jahre, unter Greisenalter von über 60 verstanden. Man sieht, daß in den nichtrussischen Ländern gerade das Gegenteil von dem Verhältnis der Altersgliederung in Bezug auf die Juden besteht: während die Juden in Rußland im Verhältnis zu Nichtjuden mehr Kinder und weniger Greise haben, zählen die Juden in Hamburg, Frankfurt a. M., Kopenhagen, Italien und Serbien mehr Greise und weniger Kinder, als die nichtjüdische Bevölkerung. In den folgenden Kapiteln dieser verdienstvollen Schrift des Herrir Dr. A. R n p p i n lernen wir den kulturellen und wirtschaftlichen Stand der Juden kennen. Und wir wollen es uns nicht versagen, unfern' Lesern einen Einblick in die wichtigsten statistischen Daten aus diesem viel bestrittenen Gebiet in Begleitung von entsprechenden Betrachtungen in der nächsten Nummer zu gewähren. Gebetbuch. Erster Teil. Für Werktage, Sabbate, Befteiungssest, Offenbarungsfest und Laubhüttensest. Herausgegeben von dem Großh. Bad. Oberrat der Israeliten. Besprochen von Dr. Emmes Suebicus. lFortsetzung). Die Berochaus über die Thora haben die Herren wenigstens umstellen zu müssen geglaubt, indem sie „ascher bochar bonu" vor „wehaarewno" und „laasauk" nach demselben setzen. Einen Grund für diese Aenderung kann ich mir nicht denken außer vielleicht die böse Lust, den Vorschriften (Dinim) entgegenzuhandeln, die da ausdrücklich sagen, daß „laasauk" und „wehaarewno" eine einzige Benediktion bilden. Charakteristisch ist auch die Uebersetzung dieser Partie, insofern sie nicht wörllich und schlicht, darum